10.08.2017

Zeitreise in die 50er - Filmklassiker

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Die 1950er Jahre sind eine Zeit, die ich schon immer besonders spannend fand. Politisch als Zeit direkt nach den beiden Weltkriegen, gesellschaftlich als Brutstätte verschiedener Jugendproteste, literarisch als Heimat von Camus, Böll und Hemingway und musikalisch natürlich als Geburtsstunde des Rock'n'Roll. Wer denkt bei den 50ern nicht sofort an weit schwingende Petticoats, engsitzende Jeans, tolle Tollen und den Hüftschwung à la Elvis Presley?


Neulich befand ich mich in einer sehr nostalgischen Stimmung und plötzlich bescherte mir mein Gehirn den besten Ohrwurm der Welt. Kostprobe? Bitte schön!


Von einem Lied er Königinnen aller Musicals inspiriert beschloss ich zwei Dinge. Erstens musste ich dringend mal wieder West Side Story anschauen. Und zweitens musste ich außerdem mal (teilweise ebenfalls wieder) einige andere Filmklassiker aus den 50er ansehen, um mich ein wenig mehr mit dem Zeitgeist auseinanderzusetzen. Schließlich schaffen es Filme nicht umsonst in den Kanon - sie repräsentieren immer eine oder mehrere gesellschaftlich relevanten Strömungen - und ich hatte mehr als Lust, im Fluss der 50er  zu treiben. Daher hier nun meine persönliche Auswahl an Must-Watches für diese besondere Zeit:

1. West Side Story (1957)
Wie gesagt: die Königin der Musicals. Die Mutter der Musicals. Quasi das Urmusical schlechthin - alleine deshalb ist es schon einen Blick wert. Die Musik von Leonard Bernstein ist mindestens ebenso ausdrucksstark wie das grandiose Szenenbild und die wundervoll (denke ich zumindest) authentischen Kostüme. Allein der Anfang ist absolut genial inszeniert. In den ersten 10 Minuten wird die Ausgangssituation der Geschichte alleine durch Musik, Mimik und Gestik und tänzerischen Elementen der Schauspieler dargestellt - alles ohne dass ein Wort gesprochen wird!
In groben Zügen geht es um zwei rivalisierende Jugendgangs in New York: die Jets und die Sharks. Beide setzen sich zusammen aus Jugendlichen - den so genannten Halbstarken - die in der Gesellschaft keinen Platz haben. Die weißen, aber aus sozial schwachen Verhältnissen kommenden Jets gegen die eingewanderten, puertoricanischen Sharks. Kernelement ist die Liebesgeschichte, die sich unter Rückgriff auf den Romeo-und-Julia-Stoff Shakespears zwischen Tony von den Jets und Maria von den Sharks entspinnt. Und leider auch so ähnlich ausgeht. 
Besonders spannend gerade im Vergleich zu heutigen Musical-Filmen finde ich die eindeutige Gesellschaftskritik, die sich unter anderem auch gegen polizeiliche Willkür richtet. Es ist also nicht nur kurzweilige Unterhaltung, sondern durchaus eine reflektierende Handlung.

2. Blondinen bevorzugt (1953)
Falls man Marilyn Monroe in einer ihrer Paraderollen sehen möchte, muss man sich diesen Film unbedingt ansehen. Sehr überzeugend spielt sie das naive aber hübsche Dummchen. Sogar so überzeugend, dass es mir in der einen oder anderen Szene ein wenig zu dumm war. Doch gerade diese Überzeichnung machen den Film aus und spätestens am Ende wird auch mehr als deutlich, dass Lorelei (aka Marilyn Monroe) alles andere als dumm ist, sondern im Gegenteil sehr intelligent und berechnend ist. Als Showgirl ist Lorelei sehr erfolgreich - noch erfolgreicher ist sie allerdings darin, reiche Männer zu bezirzen. Ihr großes Ziel: reich zu heiraten. Und einen angemessenen Kandidaten hat sie auch schon im Auge: Gus, der dank des Vermögens seines Vaters Absurd komisch ist die Handlung, einige fast schon slapstickartige Szenen, scharfe Kritik am Materialismus gekoppelt mit unvergessenen Liedern machen diesen Film aus. Und natürlich: die umwerfenden Outfits der beiden Hauptfiguren Lorelei und Dorothy die ungefähr in jeder Szene wechseln und für die alleine es sich schon lohnt, den Film zu schauen. Und wenn man an Klamotten nichts hat, kann man wenigstens folgende Lebensweisheit mitnehmen:



3. Denn sie wissen nicht was sie tun (1955)
Wo wir gerade bei Paraderollen und eben noch bei Halbstarken waren, darf ein Name natürlich nicht fehlen: James Dean. Auch wenn er mich persönlich als Schauspieler nicht so sehr vom Hocker haut und ich mich frage, ob er an seine Erfolge hätte anknüpfen können, wäre er nicht so früh verstorben. Aber dennoch bietet der Film einen spannenden Einblick in den Zeitgeist. Denn bereits in den 50er Jahren (und wahrscheinlich schon immer) hat sich die Jugend missverstanden und deplatziert gefühlt. Es ist ja eigentlich offensichtlich, aber dennoch interessant, es bildlich vorgeführt zu bekommen. Thematisiert werden Streitereien mit den Eltern, Gewalt und Mutproben, um sich unter Gleichaltrigen eine Position zu erkämpfen und welche Folgen das alles im Extremfall haben kann. Zeichen für die jugendliche Rebellion waren damals nicht nur das bestimmte Verhalten, sondern vor allem die Outfits bestehend aus Jenashosen und T-Shirts. Bis dato trug man T-Shirts ausschließlich unter den Hemden und niemals als eigenes Kleidungsstück. Ganz valides Mittel, um sich von den Erwachsenen abzugrenzen also.


Natürlich gibt es noch einige andere Filme aus dieser Zeit, die absolut sehenswert sind und es leider bloß nicht in meine Top-3 geschafft haben. Wie sieht es mit euch aus? Habt ihr bestimmte Filme aus den 50er, die ihr gerne schaut? Oder könnt ihr mit diesen alten Schmonzetten gar nichts anfangen?

02.08.2017

Armbandmanufaktur

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Schon vorletztes Jahr im Sommer entdeckte ich das Knüpfen wieder für mich - einer der wenigen Trends aus den 90ern, dessen Revival keine Gänsehaut bei mir hervorruft. Irgendwann werdet ihr alle die Karottenjeans aus Samt berreuen - Generationen vor euch ging es genauso!

Jedenfalls haben wir früher in der Grundschule wie am Fließband Knüpfarmbänder hergestellt. Da wurde sich nach der Schule auf dem Spielplatz getroffen, Wollfäden auf einen Haufen geworfen, Knüpfmuster ausgetauscht und dann ging es los. Das Setup mit einer Sicherheitsnadel an der geringelten Radlerhose festgesteckt und die Arbeit konnte beginnen. Leider sind mir aus dieser Zeit keine Armbänder erhalten geblieben und auch das Knüpfen selbst ist nicht mehr sehr präsent in meinem Kopf gewesen. Aber wozu gibt es Youtube und ein haptisches Gedächtnis? Nach ein paar Reihen war alles wieder da und mein Repertoire hat sich um einiges erweitert. Deshalb werden auch alle meine Freunde seit zwei Jahren regelmäßig mit solchen Armbändern beschenkt. Herzen, Smileys, Anker, Packman, Totenköpfe, ich kann alles und fühle mich mindestens so cool damit wie damals in der dritten Klasse.

Für mich persönlich darf es aber gerne ein grafischeres Muster sein. Man ist ja schließlich dennoch erwachsen. Was ich außerdem auch wieder gelernt habe, ist der Schiebeknoten - damit kann man größenverstellbare Armbänder machen - wie dieses, das ich aus einem alten Lederband und einem Anhänger gezaubert habe, der sowieso nur bei mir herumgeflogen ist.


Aber wo wir gerade bei Geschenken waren: natürlich habe ich auch etwas für die Potterheads unter meinen Freunden in der Hinterhand. Wie wäre es zum Beispiel dieses kleine schicke Armband im Slytherin-Stil? Noch kann ich das Muster zwar nicht auswendig und brauche deshalb recht lange dafür, aber spätestens nach dem vierten "S" sollte das recht zackig gehen. Und ein paar Tage habe ich zum Glück auch noch Zeit, um es fertig zu stellen.



Habt ihr früher auch wie wild diese Armbänder geknüpft und seid wie Wolle Petry behangen durch die Gegend gerannt? Und was haltet ihr vom 90er Revival? Im Fall dieser Armbänder bin ich ja voll dafür!

25.07.2017

In the End

07:30 2 Comments


Es ist ja so: wenn ein Mensch diese Welt verlässt, ist das immer schrecklich, unfassbar traurig und einfach verdammt beschissen. In der Regel ist es für die Familienmitglieder, die nächsten Angehörigen und die engsten Freunde besonders schlimm - für sie ist die Lücke, die eine plötzlich fehlende Person hinterlässt, am größten. 
Bei Personen des öffentlichen Lebens ist die Sachlage immer noch einmal ein wenig komplizierter, weil nicht nur die Liebsten des Verstorbenen um die Person trauern, sondern ebenso viele Fans um den Künstler und sein Werk. Auch diese Trauer ist berechtigt und sehr emotional. Dennoch habe ich mich bisher immer stark davon distanziert. Ich habe es als vermessen und hochmütig empfunden, deutlich betroffen von dem Tod eines Menschen zu sein, den ich persönlich nicht einmal kannte und der von meiner Existenz erst recht nichts wusste. Doch mal wieder scheint es so, als hätte mich mangelnde Lebenserfahrung zu diesem Urteil geführt, das ich nun vielleicht nich völlig revidieren, so aber doch relativieren muss.

An manchen Tagen fällt es wohl jedem schwer, aus dem Bett zu steigen. Stress, Druck, Angst, Wut, Probleme mit Freunden und Familie, mit sich selbst und der Welt hängen wie ein Baldachin darüber und man ist nicht in der Lage, den Vorhang aus Negativität zur Seite zu schieben. Zumindest nicht alleine. Mein Mittel dagegen ist eigentlich schon immer Musik gewesen. Bloß zwei Songs, bei denen ich mich verstanden fühle, helfen mir dabei, die Kraft zu finden und mich unter diesem Baldachin hervorzukämpfen. 
Linkin Park gehört seit über zehn Jahren zu den Bands, die es immer wieder schaffen, mich aus dem Sumpf zu ziehen. Auch ich bin kein Fan des neusten Albums, aber die alten Stücke prägten nicht nur meine Teenager-Zeit, sondern gehören auch heute noch zu meinen regelmäßigen Begleitern. In den für mich durchwachsendsten Phasen hat diese Band formuliert, was ich nicht im Stande war, in Worte zu fassen und die Schreie gebrüllt, die ich - zurückgezogen in mich selbst - nicht selbst herauslassen konnte. Die Songs kanalisierten meine Wut, meine Verzweiflung und lenkten sie aus mir selbst heraus, damit ich nicht daran ersticken musste.
Dass jemand, dessen Kunst mir und vielen anderen so sehr  dabei geholfen hat, nicht aufzugeben, es selbst nicht geschafft hat und am Leben zerbrochen ist, ist nicht nur tragisch, sondern grausame Ironie des Schicksals.

Dass ich tatsächlich um eine für mich unbekannte Person trauere, habe ich erst realisiert, als ich einen Tag nach dem schrecklichen Ereignis zum ersten Mal wieder einen LP-Song gehört habe. Ich habe ihn plötzlich mit anderen Ohren gehört, wenn man das so sagen kann. Mit ehrfürchtigeren, schmerzerfüllteren und dankbarerern Ohren. 
Und gerade deshalb wünschte ich mir, dass in der ganzen öffentlichen Diskussion nicht mehr so viel spekuliert wird über seine Motive, Drogenabhängigkeiten oder seelischen Zustände. Ich wünsche mir, dass Depressionen und psychische Erkrankungen allgemein in den Vordergrund rücken und weniger stigmatisiert werden. 

Chester Bennington hat trotz allem nun hoffentlich Frieden gefunden. Und ich wünsche mir, dass die gesellschaftlichen Debatten endlich beginnen, nicht mehr dort anzusetzen, wo es zu spät ist, sondern da, wo noch geholfen werden kann. Nicht immer reicht Musik aus, um wieder ins seelische Gleichgewicht zu kommen. Das rechtzeitig zu merken und dagegen anzusteuern, ist vor allem deshalb schwer, weil es in unserer Gesellschaft nach wie vor als "schwach" angesehen wird, nicht "alleine fertig zu werden". Aber man wird auch mit einer Lungenentzündung nicht alleine fertig und geht bei entsprechenden Symptomen zum Arzt. Genau das sollte man auch mit seelischen oder psychischen Auffälligkeiten tun können, ohne sich noch verletzlicher und schwacher fühlen zu müssen, als sowieso schon.
'cause in the end it does matter. Very much.

20.07.2017

Hektik

08:30 4 Comments

To-Do-Liste
  • Präsentation vorbereiten
  • Aufsätze kopieren
  • Wäsche waschen
  • Geschirr spülen
  • 2-8 Telefonate führen (dringend!)
  • Bücher abgeben
  • Geschenk für L. besorgen
  • einkaufen (Klopapier!!)
  • Paket zur Post bringen

Weckerklingeln Zähneschrubben Schreibtisch ruft lesen schreiben lesen schreiben vor der Arbeit schnell in den Supermarkt - Brot - Milch - Eier - Obst - Wäsche in die Trommel Timer stellen Telefon zwischen Ohr und Schulter eingeklemmt Topf einweichen in den Bus hüpfen Zwischenstopp bei der Post Arbeit runterrocken alles will sofort erledigt werden aber sorgfältig bitteschön bestimmtes Buch kaufen danke als Geschenk verpacke ich es selber Treppen hochhechten tausche Arbeitsschuhe gegen Sportschuhe mist Klopapier vergessen! rauf aufs Rad schon vorm Sport schwitzen nach dem Sport noch mehr immernoch nicht alle Punkte abgehakt ab zur Bibliothek auf dem Rückweg nochmal in den Supermarkt Heimweg führt am Hafen vorbei.

Plötzlich.

Sanftes Wasserrauschen.

Möwenschreie.
Kinderlachen.

Langsam gleitet ein Zweimaster vorbei und liegt dann ruhig am Kai.

Atmen. Ein. Aus.


Die To-Do-Liste zerreißen. Liebe Freunde herbeirufen. Feierabendbier trinkend Schiffe beobachten. Eine viel zu unterschätzte Therapiemethode.

15.07.2017

Ambivalenzen

15:22 2 Comments


Im Internet hat jeder eine Stimme. Wenn es eine Errungenschaft der gegenwärtigen Zeit gibt, dann ist es die, dass jeder der breiten Öffentlichkeit mitteilen kann, was er zu sagen hat. Ob es das tatsächlich wert ist und/oder ob es wirklich jemand bemerkt, ist natürlich eine andere Sache. Aber die vernetzte Gesellschaft bietet zumindest nie da gewesene Möglichkeiten für jeden, sich in irgendeiner Form Gehör zu verschaffen, sich mit anderen zu verbinden und seine Standpunkte zu vertreten. Wenn etwas im Internet steht, kann es potentiell von jedem gefunden und wahrgenommen werden.

Diese Tatsache führt zu Phänomenen, die mir in Momenten, in denen ich an der Menschheit zweifele, wieder ein wenig Hoffnung geben. Hoffnung darauf, dass in mittelferner Zukunft doch nicht alles vor die Hunde geht. Weil es immernoch einen ganzen Haufen von Leuten gibt, denen der gesunde Menschenverstand nicht abhanden gekommen ist und die Problemen und Diskussionen nicht mit Gewalt und  Chaos begegnen.
Vergangene Woche hatte ich - wie viele andere sicher auch - so einige Zweifelmomente. Beim G20-Gipfeltreffen fanden sich die 19 angeblich wichtigsten Industrie- und Schwellenländer und Vertreter der EU zusammen, um sich über die Geschicke des Weltgeschehens zu beraten. Kritik daran sehe ich nicht nur als berechtigt, sondern sogar als notwendig im öffentlichen Diskurs an. Aber darum soll es selbstverständlich hier nicht gehen - wie es eigentlich in 80% der Berichterstattung über das Gipfeltreffen auch nicht um die inhaltlichen Aspekte ging, sondern um das Drumherum im Austragungsort Hamburg. Denn die Schanze hat gebrannt. Das diplomatische Treffen, das darüber verhandelte, welche Menschen in nächster Zeit für den eigenen Wohlstand ausgebeutet werden dürfen und daher genuin selbst gewaltbereit ist oder zumindest Unterdrückung in Kauf nimmt, wurde überschattet von unmittelbaren Gewalttaten, unfassbaren Aggressionen sowie herz- und sinnlosen Angriffen auf völlig Unbeteiligte. Eigentlich eine ganz treffende Analogie. Dennoch oder gerade deshalb genauso scharf zu kritisieren. 

Die Lage eskalierte natürlich hauptsächlich zwischen der schwer hochgerüsteten Polizei und erst einmal den in Hamburg ansässigen Linksautonomen. Wie genau es dazu kam und wer wann welche Fehler begangen hat, lässt sich natürlich nur schwer nachvollziehen und je nachdem, auf welcher Seite Augenzeugen gestanden haben, verschiebt sich auch der Blickwinkel auf die Ereignisse. Einen sehr objektiven Beitrag dazu hat der WDR produziert (gibt es hier), der genau diese Tatsache verdeutlicht. Fakt ist, dass beide Seiten eine Eskalation bereits im Vorfeld angekündigt hatten und es daher kaum verwunderlich ist, wie sich die Lage entwickelt hat. Eine relativ kleine Menge an schwarz vermummten Personen kann schnell dazu führen, dass die Stimmung bei einer friedlichen Demonstration ins Aggressive umkippt, denn mit einer Schwarzen-Block-Formation verstehen die Polizeibeamten keinen Spaß. Und genauso passieren unrechtmäßige und unverhältnismäßige Übergriffe auf Zivilpersonen - wenn die Polizisten nicht mehr unterscheiden können, wer Aggressor ist, müssen alle greifbaren Menschen im Umfeld damit rechnen, niedergeknüppelt zu werden. Es gibt in diesem Fall leider kein schwarz-weiß, keine gut/böse - Dichotomie, sondern eine von beiden Seiten geförderte Gewaltanwendung, die das politische Geschehen in den Schatten gestellt und den Blick von den vielen kreativen und gewaltfreien Protesten abgelenkt haben.

Das alles aus relativer Nähe mitzubekommen (schließlich bin ich Wahlnordlicht und nah dran an der schicken Hansestadt), ist schon ganz schön heftig gewesen. Desillusionierend. Verstörend. Und im Grunde immernoch unfassbar für mich.
Aber zum Glück begegnen einem im Internet nicht nur die Videos mit Wasserwerfern und Ziegelsteinen, die Kampfaufrufe und fadenscheinige Rechtfertigungsversuche. Man findet auch Beiträge von Hamburgern und Polizisten gleichermaßen, die sich stark von den Krawallen distanzieren und diese Ausschreitungen auf beiden Seiten verurteilen. Leute, die sich nach dem Wochenende getroffen haben, um die Stadt gemeinsam aufzuräumen, nachdem sie in einem infantilen Perpetuum Mobile zerlegt worden ist. Da ging mir dann wieder ein bisschen das Herz auf.

Das Internet wird oft als eine Art Teufelswerk dargestellt, weil rechte Hetze und Hasskommentare zu dominieren scheinen. Aber es kann auch dieser virtuelle Ort sein, wo sich Menschen zusammenschließen, um gemeinsam ein bisschen mehr Gutes in die Welt zu bringen. Hochwasseropfern helfen, Bedürftigen Kleidung zu spenden oder eben in Hamburg den Besen zu schwingen. Und dann ist es ein ganz zauberhafter Ort - man muss sich eben einfach da umschauen, wo es sich lohnt ♥