16.07.2011

# Rezensionen

[Rezi] Jan Christophersen - Schneetage


Inhalt (Klappentext)
Vor der Kulisse der großen norddeutschen Schneekatastrophe um die Jahreswende 1978/79 erzählt Jan Christophersen eine packende Familiengeschichte. Darin schafft er unvergessliche Figuren und entwirft das beeindruckende Bild einer rauen Gegend voller Wasser, Sand und Schnee. Er erzählt von der Suche nach Identität in einer Familie, in der das Schweigen den Weg zueinander zu einer langen Reise werden lässt - atmosphärisch dicht, mit leisem Witz und einer kraftvollen, suggestiven Sprache.

Aufbau und Handlung
Der Roman gliedert sich auf in die Haupthandlung, die von mehreren Rückblicken unterbrochen wird.
Im Mittelpunkt der Geschichte steht Familie Tamm, die in dem kleinen Dörfchen Vidtoft, das genau an der Grenze zwischen Deutschland und Dänemark liegt, eine Gaststube besitzt und veruscht, ihr Leben zu meistern. Die beiden Protagonisten sind der Vater Paul Tamm und sein Ziehsohn Jannis. Letzterer erzählt die Geschichte aus der Ich-Perspektive. Er beginnt dabei mit einer Rückblende, in der er erzählt, wie Paul nach Jahren der Kriegsgefangenschaft nach Hause zurückkehrt und versucht, sich wieder in die Familie zu integrieren. Auch ist er bemüht das mehr schlecht als recht gehende Gasthaus auf Vordermann zu bringen, denn die Familie steckt in chronischer Geldnot. Das gelingt ihm auch zu einem gewissen Teil, aber irgendwann verliert er die Lust an der Gastronomie und widmet sich seiner großen Leidenschaft: der Archäologie. Er versucht, die versunkene Stadt Rungholdt aus dem Watt zu bergen und investiert fast seine gesamte Zeit und sehr viel Geld in diese Suche. Dadurch kühlt das Verhältnis zu seiner Frau und seinen beiden leiblichen Kindern Nane und Nils mehr und mehr ab, denn in der Zeit, die er im Watt oder mit der Auswertung seiner Fund verbringt, sind sie im Gasthaus auf sich alleine gestellt. Nur Jannis teilt Pauls Leidenschaft. Er ist der einzige, der mit Paul ins Watt fahren darf, um Gegenstände zu suchen, und der einzige, der bis zu einem gewissen Grad Pauls Beweggründe nachvollziehen kann.

Meine Meinung
Also, wirklich vom Hocker gerissen hat mich dieses Buch nicht. Wegen der häufigen Rückblenden fand ich es relativ schwierig, der Haupthandlung zu folgen. Teilweise waren die Beschreibungen für mich definitiv zu detailiert. An einigen Stellen ist das durchaus angebracht; wie etwa, wenn Christophersen die raue Landschaft an der Nordsee beschriebt, die Stürme, die Gezeiten und alles drumherum; da erzeugt er wirklich fantastische Stimmungen. Bei den Handlungen seiner Figuren allerdings könnte er auf ellenlange Ausführungen von mir aus gerne Verzichten. Auch bleiben einige - wie ich finde - essenzielle Fragen ungeklärt. Man erfährt zum Beispiel nicht, warum es für Paul nahezu lebenswichtig zu sein scheint, dieses versunkene Rungholdt zu finden.
Die Geschichte fand ich an sich ziemlich spannend und originell (zumindest habe ich noch keine vergleichbare Geschichte gelesen :) ), denn man weiß bis zum Schluss nicht, worauf sie am Ende hinauslaufen wird.
Alles in allem zwar kein Highlight für mich, aber ein durchaus lesenswertes Buch für zwischendurch.

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