27.09.2011

# Rezensionen

[Rezi] Hans Peter Richter - Damals war es Friedrich

 
Erscheinungsjahr: 2005
Genre: Kriegsroman
Seitenzahl: 158



Teaser:
Schuldbewusst senkte Vater den Blick auf den Boden. Fast flüsternd teilte er Herrn Schneider mit: "Ich bin in die Partei eingetreten." Ebenso leise und ein wenig enttäuscht entgegnete Herr Schneider: "Ich weiß!"




Handlung 
Deutschland zur Zeit des frühen Nationalsozialismus. In einem Mietshaus mit mehreren Parteien leben zwei miteinander befreundete Familien. Beide haben sie jeweils einen Sohn im selben Alter, die sich fast von ihrer Geburt an kennen und die besten Freunde sind. Zusammen wachsen die beiden Jungen auf und hätten eine unbeschwerte Kindheit haben können, wenn nicht die antisemitische Linie der Regierung immer mehr auf die Bevölkerung übergehen würde. Denn die Schneiders mit ihrem Sohn Friedrich, eine der beiden Familien, sind gläubige Juden und bekommen immer mehr die Auswirkungen der Diskriminierung zu spüren. Anfangs können sie sich - mit der Unterstützung der befreundeten Familie - noch behaupten, doch langsam aber stetig greifen die Methoden zur Auslöschung der Juden immer weiter und gnadenlos um sich.

Meine Meinung
Die Hauptfigur in diesem Buch ist unfraglich der Junge der jüdischen Familie Schneider, Friedrich, auch wenn die Geschichte aus Sicht des Jungen der Nachbarfamilie, von denen man die ganze Zeit über keinen einzigen Namen erfährt, erzählt wird.
Es geht dabei weniger um die komplette Lebensgeschichte der Familie Schneider, sondern vielmehr werden in Form von thematisch zusammenpassender Kurzgeschichten kleine Ausschnitte und Begebenheiten aus dem Alltag beider Familien erzählt. Lediglich die letzten Kapitel des Buches schließen nahtlos aneinander an. Durch dieses Herausgreifen einzelner Geschehnisse wird eine dicht Atmosphäre geschaffen, die dem Leser viele kleine Details, aber auch ds große Gesamtbild gut vermitteln. So merkt man schon von Anfang an, dass beide Familien ihre Kinder sehr liebevoll und behütet aufwachsen lassen und ihnen zu dem bestmögliche Leben verhelfen wollen. Der Vater der Familie Schneider hat einen gut bezahlten Beamtenjob und ein dementsprechend gutes Einkommen. Im Gegensatz dazu ist der Vater - zu dieser Zeit ja meistens der Alleinverdiener - der Nachbarsfamilie schon länger arbeitslos. Die Schneiders helfen ihnen des öfteren aus, und zwar mit so viel Feingefühl, dass sich niemand so fühlt, als wären es Allmosen, die Herr Schneider da verteilt. Die beiden Jungs wachsen also in Eintracht miteinander auf und jeder ist in die jeweils andere Familie integriet. Als dann die Nationalsozialisten immer mehr Fürsprecher erhalten, gelingt es Friedrich und seiner Famile nicht sehr lange, der aufgewiegelten Bevölkerung stand zu halten.
Durch den fast schon neutralen Schreibstil des Autors und die eben erwähnte Art, kleine Alltagsgeschichten zu sammeln, wird zwar eine gewisse Distanz zwischen Leser und Story geschaffen, gleichzeitig ist es eine sehr direkte Art des Schreibens, die einen regelrecht hineinwirft in das Geschehen. Die Wirkung dieses Schreibstils kommt am Anfang noch nicht so zum Tragen, doch als es dann zunehmend um die Angst, den Schrecken und auch die Ohnmacht und Hilflosigkeit der Nachbarsfamilie geht, werden eben dieses Gefühle sehr stark zum Leser transportiert.
Wie viele Bücher, die das Thema Nationalsozialismus zum Thema haben, hat auch dieses Werk mich sehr berührt. Es ist ja mit knapp 160 Seiten ziemlich kurz und bündig, trotzdem werden meiner Meinung nach viele wichtige Aspekte behandelt; das Gefühl der wachsenden Bedrohung auf der einen Seite, aber auch die Sicherheit, die der Staat den nicht-jüdischen Deutschen garantiert hat - in Form von sicherer Arbeit zum Beispiel - was für viele der ausschlaggebende Grund war, der NSDAP beizutreten wird gut vermittelt. Die Nachbarnsfamilie besteht nur aus ganz normalen Menschen von nebenan, wie die Schneiders eben auch, es sind keine Helden, keine besonders mutige Leute, aber dennoch versuchen sie so lange wie möglich, die Schneiders zu unterstützen und helfen ihnen auch noch, als es schon für sie selbst gefährlich ist. Vor allem für Friedrich und seinen Freund, die in diese Zeit hineinwachsen, ist es absolut unverständlich, wieso der eine beispielsweise ins Kino gehen darf und der anderen nicht. Trotzdem hält ihre Freundschaft an.
Wenn man sich mit diesem Thema auseinandersetzten möchte, ist dieses Buch sicher eine gute Lektüre, um sich in die Zeit einzufühlen. 4 Wölkchen gibt es von mir.


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