28.09.2011

[Gerede] Mission accomplished

  Durch die Arbeit entsteht aus einem Einfall die Welt.
 Friedrich Dürrenmatt


Die letzten dreieinhalb Wochen über hatten meine Familie und ich eine Mission. Diese forderte bedingungslosen Einsatz und harte Arbeit. Sie hat unendlich an unser aller Nerven gezehrt und uns einen Haufen Improvisationstalent gekostet.
Doch nun ist es vollbracht – das Ziel ist erreicht und wir können uns zu der gelungenen Arbeit gratulieren.
Nein, es handelte sich nicht um die Ausrichtung eines perfekten runden Geburtstags – was bei unserer Verwandtschaft auch schnell zur Geduldprobe werden kann - sondern um die undankbare Aufgabe, das Zimmer, das meine Schwester und ich uns teilen (nun ja, seit meinem studiumsbedingten Auszug ist das Verhältnis naturgemäß nur noch 80:20), von Grund auf zu renovieren. Es ist vielleicht erstaunlich, aber das war die allererste Komplettentrümplung- und Alles-neu-mach-Aktion, die ich aktiv mitgestaltet habe. Und dabei wurde mir eine tragende Rolle zuteil, was den Chaosfaktor enorm erhöhte.
Beginnen wir doch zum Beispiel mit dem Ausmessen. Niemand kam auf den Gedanken, dass ich da groß was falsch machen könnte. Und das, obwohl ich meine Talentfreiheit, die bei allem, was mit Zahlen zu tun hat, in Erscheinung tritt, nun schon oft genug bewiesen habe. Und was war das Ende vom Lied? Es fehlten vorne und hinten von meinem mit viel Liebe gebastelten Grundriss locker 5 cm – und schon passten die Möbel nicht mehr hinein. Mein bescheidener Vorschlag, ein bisschen Wand einzureißen, und das Zimmer etwas zu vergrößern, wurde leider einfach ignoriert, und so mussten wir die vorher heiß ausdiskutierte Möbelanordnung wieder verwerfen und uns eine Alternative ausdenken. Der nächste katastrophale Zwischenfalle hatten wir dann, als die Wand beschloss, dass mein Vorschlag vom vergrößerten Zimmer doch nicht so dämlich war und von selbst einstürzte. Tjaaa, Altbau eben. Da kommt einem schon mal ein Stück Wand entgegen, wenn man die Steckdosen neu verlegen möchte. Dieser Schaden wurde aber von meinem Vater fachgerecht behoben und so blieb das Zimmer leider so klein wie eh und je.
Was aber das meiste Blut, die meisten Tränen und den meisten Schweiß gekostet hat, war nicht etwa der exakte Rapport bei der Muster-Tapete oder das Aufbauen der neuen Möbel (auch, wenn bei letzterem die Verletzungsquote am höchsten war), sondern meine Spezial-Aufgabe, die ich mir selbst auferlegt habe, aber ohne die tatkräftige Unterstützung von Mutter und Schwester niemals geschafft hätte. Es ging dabei um ein 30-jähriges Bücherregal, das schon bei meinem Vater im Jugendzimmer gestanden hat und mir einfach ans Herz gewachsen ist. Dieses Regal musste einfach in das neu gestaltete Zimmer übernommen werden – doch dazu war eine Generalüberholung nötig. Das heißt im Klartext: komplett abschleifen und neu lackieren. Klingt locker. Ist es aber nicht. Fast 4 Tage lang habe ich jeden Morgen damit verbracht, dieses Regal mit Schleifpapier zu behandeln. Es ist quasi meine Doktorarbeit. Der Witz ist nämlich, dass man es nicht auseinanderbauen kann und ich deshalb Wände und Bretter nur in wundervollen Verrenkungen abschleifen konnte. So etwas anstrengendes habe ich schon lange nicht mehr gemacht. Aber es hat sich wirklich gelohnt. Dank des neuen, weißen Anstrichs passt es perfekt ins Ensemble und die Bücher können wir auch wieder genauso einräumen, wie sie vorher waren. Es muss ja nicht immer alles neu sein. Restaurierte Regale haben sowieso viel mehr Charme; und durch die Arbeit, die wir mit dem Ding hatten, sieht es im Endergebnis gleich doppelt so schön aus ♥


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