31.10.2011

[Rezi] Elliot Perlman – Sieben Seiten der Wahrheit

22:56 2 Comments

Erscheinungsjahr: 2008
Originaltitel: Seven Types of Ambiguity
Genre: Roman
Seitenzahl: 859


Teaser:
In gewisser Weise, so könnte man sagen, schaffen wir uns eine eigene Wirklichkeit dadurch, wie wir die Außenwelt wahrnehmen wollen, und diese Sichtweise kann, wie alles, was künstliche geschaffen oder konstruiert ist, in sich zusammenfallen Sagt Ihnen das irgendetwas?



Handlung
Grob umrissen geht es in diesem Roman darum, dass Simon, ein junger Mann mit einer mehr oder weniger gescheiterten Existenz, den Sohn seiner Ex-Freundin Anna entführt. Diese ist mittlerweile verheiratet; ihr Mann hat einen sehr gut bezahlten Job, sie haben ein großes Haus und eben ihren Sohn Sam. Nach zehn Jahren ohne Kontakt kommt Simon plötzlich (zumindest für die Familie) auf die Idee, ihr Kind zu entführen, ihm Schokomilch zu trinken zu geben und zu warten, bis die Polizei ihn wieder abholt. Diese Tat scheint für alle Beteiligten absurd und wahnwitzig zu sein; nicht einmal Simons Psychiater, bei dem er schon seit Jahren in Behandlung ist, hat Anzeichen bei seinem Patienten diagnostiziert, die auf solch eine Tat hingedeutet hätten. Da war zwar die klinische Depression, die untypisch verlief, aber dennoch vorhanden war, und die krankhafte Erhebung der Beziehung zu Anna, die fast schon an Besessenheit grenzte. Aber die Rationalität, die klare Logik und seine Fähigkeit, seiner Ansichten nachvollziehbar und verständlich darzustellen, schlossen diese oder ähnliche Aktionen eigentlich aus. Doch trotz alledem wurde Sam entführt und alle Beteiligten müssen nun mit der Situation umgehen. Und genau dieses Bewältigen ist das eigentliche Kernthema im Buch. Es ist in sieben Teile gesplittet, und in jedem der Teile kommt eine andere involvierte Figur zu Wort, erklärt sich, erzählt von seinem Leben, seiner Vorgeschichte und seinen Motiven zu diesem oder zu jenem. In jedem Teil erfährt der Leser häppchenweise vom weiteren Verlauf der eigentlichen Handlung, also wie Simon die Tat begeht, auffliegt, vor Gericht kommt und so weiter.

Meine Meinung
Es gibt Bücher, bei denen ist man traurig, wenn sie zu Ende gehen. Manchmal will man gar nicht wahrhaben, dass es vorbei ist.
Genauso ist es mir bei diesem Buch ergangen. Obwohl es recht dick ist, kommt man doch nicht zu Ruhe. Immer wieder werden neue Aspekte aufgeworfen, die einen erneut an die Geschichte fesseln, die so vielschichtig ist, dass es mit Sicherheit für sieben einzelne Bücher gereicht hätte. Wie (hoffentlich) aus meiner kleinen Inhaltsangabe hervorgeht, wird die eigentliche Handlung nur nebensächlich behandelt. Vielmehr geht es um das, was sich im Inneren der Figuren abspielt. Aus diesem Grund schreitet die Story auch nur sehr langsam voran, denn man hat immer wieder Zeitsprünge, in denen die Personen Begebenheiten aus ihrer Vergangenheit schildern oder zum Teil auch auf den ersten Blick völlig unerhebliche und zusammenhanglose Storys aus ihrer Vergangenheit schildern, die letztendlich aber dazu führen, sie besser kennenzulernen und verstehen zu können. Da ist zum Beispiel der Part von Angela oder auch Angelique, einer Prostituierten. Sie gehört zu denen, die unverschuldet tief in die Entführung verstrickt sind. Sie ist mit Simon mehr als nur gut befreundet. Ein Paar sind sie zwar nie wirklich, aber eine emotionale Abhängigkeit besteht auf beiden Seiten. Angelique ist es, die der Polizei den entscheidenden Hinweis gibt, wo Sam steckt. Und das nicht aus Sorge um den Jungen, sondern aus Sorge um Simon. Um das verstehen zu können, muss man tief eintauchen in ihr Wesen und in ihre Vergangenheit. Es ist faszinierend, wie die Autorin es schafft, ganz eigene Individuen zu schaffen, mit denen man sich als Leser aber ausnahmslos identifizieren kann, sobald man seine Geschichte kennt. Man wechselt die Sympathien quasi je nach dem, von welchem persönlichen Blickwinkel der anderen Figuren einen die Autorin die Geschichte erleben lässt. Und am Ende weiß man gar nicht, was man denken soll vor lauter Mehrdeutigkeit.
Immer im Fokus steht natürlich Simon, der von jeder der anderen Figuren hinreichend durchleuchtet wird und auch von sich selber ständig analysiert wird. Es ist sehr spannend, zu welchen Schlüssen die jeweiligen Personen gelangen, wenn sie die Tat oder die Charaktere auseinandernehmen und verstehen wollen. Am Ende wird man als Leser aber doch in eine bestimmte Richtung geschubst. Sanft zwar, aber man wird doch dirigiert. Simon wird als tiefsinniger und intelligenter Mensch dargestellt, der begeistert ist von Lyrik und in seinem gewählten Beruf als Lehrer voll aufgeht. Auf Grund vieler schrecklicher Zufälle oder Schicksalsschläge scheitert seine berufliche Laufbahn und so klammert er sich an das einzige, was sein Leben seiner Meinung nach noch lebenswert macht: seine große Liebe Anna, die ihn vor 10 Jahren verlassen hat, um einen anderen zu heiraten. Bei ihm liegen eindeutig alle Sympathien, selbst wenn man die Geschichte aus der Perspektive des gehörnten Ehemanns liest. Das ist zwar nicht so tragisch, führt in meiner Wertung aber doch zu einem kleinen Punktabzug.
Erwähnenswert ist auch noch, dass es eine ungeheure Vielfalt an behandelten Themen gibt. Wie oben erwähnt spielt eine Prostituierte eine tragende Rolle; also erleben wir einen kleinen Ausflug ins Rotlichtmilieu. Exkurse zu Wirtschaft und Aktiengeschäften, Literatur, soziokulzurelle Phänomene und Psychoanalyse, all das ist in diesem Buch zu finden. Dazu ist zu sagen, dass man als Leser schon ein gewisses Maß an Interesse, im Idealfall sogar etwas Vorbildung haben sollte, um dem ganzen angemessen folgen zu können. Letzteres ist nicht unbedingt Voraussetzung, aber es isz dann schon bedeutend anstrengender, den Ausführungen zu folgen. Schließlich reden hier Spezialisten auf ihrem jeweiligen Gebiet. Die Sprache ist natürlich den erzählenden Figuren angepasst und teilweise entsprechend kompliziert. Gerade auch die Dialoge – vor allem zwischen Simon und seinem Psychiater – erinnern eher an einen wissenschaftlichen Aufsatz als an einen Roman. Aber sie sind dennoch extrem interessant, wenn man sich die Mühe macht, sie für sich selbst nachvollziehbar aufzudröseln. Dialoge spielen sowieso eine tragende Rolle in der Geschichte. Vieles wird nicht explizit erzählt, sondern muss aus den Gesprächen und Interaktionen heraus erschlossen werden.
Ein sehr tolles Leseerlebnis war dieses Buch für mich. Durchaus keine entspannende Lektüre, doch trotzdem ein einzigartiger Genuss – auch wenn ich es nicht uneingeschränkt weiterempfehlen kann, da es teilweise wirklich kompliziert und fachbezogen geschrieben ist und eben wenig Handlung oder Action hat. Aber wer sich gerne mal mit etwas neuem auseinandersetzten will, nur zu!
Vier Wölkchen vergebe ich für dieses tolle Buch :D


[Award] Preisverleihung

17:39 2 Comments
Uiuiuiuiui! :D
Ich freu mich gerade waaahnsiinig!
Warum?
Weil *trommelwirbel* das Haus des Wahnsinns seinen allerersten Blog-Award abgestaubt hat! :D
Und hier ist er. Tadaaaa


Mein allerliebster Dank geht an  die Verleiherinnen: Ballerstedts Buchblog und  CAROlicious. Vielen vielen Dank ihr beiden ♥

Zu dem Award gibt es noch ein paar Regeln, die befolgt werden müssen:

1. Verlinke die Person, von der du den Award bekommen hast - erledigt :D

2. Schreibe 7 Dinge über dich:
  • Ich liebe frische Waffeln mit heißen Kirschen und Sahne
  • Meine Katze ist ein Sklaventreiber
  • Im Improvisieren bin ich eine totale Niete
  • Das gleiche ich mit einer großen Portion Organisationstalent wieder aus
  • Bei meinem Musikgeschmack kann ich mich einfach nicht festlegen
  • Es gibt nur wenige Menschen, die mich wirklich wütend machen können
  • Ich steh total auf Postkarten und freu mich immer, eine neue zu meiner Sammlung hinzufügen zu können

3.  Reiche den Award an 10 andere Blogger weiter

Sehr schön, nun bin ich die Glücksfee :D
Der Award geeeeht an:

→ Jenny von Aus Liebe zum Buch 
→ CharlySunrise von World of Books

Das sind zwar jetzt "nur" drei Blogs, aber erstens dreht dieser Award ja gerade die Runde und ich will ihn ungern an jemanden geben, der ihn schon hat. Und zweitens ist weniger manchmal mehr ;) Also hier handverlesene Bloggerinnen, die diesen Award absolut verdient haben :D Ich hoffe, ihr freut euch darüber ;)

27.10.2011

[Gerede] So macht Zugfahren Spaß!?

13:23 3 Comments
Es wäre dumm, sich über die Welt zu ärgern. Sie kümmert sich nicht darum.

 Marcus Aurelius

Und so verhält es sich anscheinend auch mit der Deutschen Bahn Kaum ein Konzern sorgt für solch einen kollektiven Unmut wie dieses allseits bekannte Verkehrsunternehmen (die Banken lassen wir einfach mal außen vor) und ändert trotzdem nichts an der Geschäftspolitik.
Tja nun, auch ich habe schon wesentlich öfter als mir lieb ist meinen Spaß damit gehabt. Bei den 700 Kilometern, die ich regelmäßig per Zug hinter mich bringe, ist laut Wahrscheinlichkeitsrechnung der Prozentsatz zu erlebender Katastrophen natürlich auch ziemlich hoch. Da wird man mal nachts um 4 in einem Kaff irgendwo im nirgendwo aus dem Zug komplementiert, weil selbiger leider nicht mehr fahren kann. Mitten im Winter macht das natürlich besonders Spaß an einem Bahnhof, der nicht über mehr als zwei Gleise verfügt, geschweige denn eine Möglichkeit bietet, sich vor Wind, Wetter und Kälte zu schützen. Diese Reise ist übrigens bis dato unerreichter Platz 1 auf der Rangliste meiner Horrorfahrten: 22 Stunden „Fahrt“, um von A nach B zu kommen – bei einer normalen Reisedauer von 9 Stunden. Aber getreu dem Motto „Immer Lächeln und Winken“ und auch einfach viel zu fertig, um wütend zu werden, ist die einzige Unannehmlichkeit, die die Bahn auch in solch einem (zum Glück) Ausnahmefall von mir zu erwarten hat, dass ich mit diesem Preiserstattungswisch zum Reisezentrum dackele und mir die Hälfte des Fahrpreises zurückzahlen lasse.
Doch so langsam beginne ich zu glauben, dass die Menschen, die für Organisation und Koordination zuständig sind, den Beruf verfehlt haben.
Mit der Unzuverlässigkeit der Züge habe ich mich ja abgefunden. Da kann man ja auch nicht immer jemandem die Schuld für geben. Auf das Wetter hat nicht mal der Bahn-Chef einen Einfluss. Und kaputt gehen kann ja immer etwas. Aber was mich wirklich nervt, ist dieses ganze unnötige Kuddelmuddel mit der BahnCard. Zugegeben, das Bestellen und Verwenden ging absolut problemlos. Aber sobald man etwas ändern oder gar kündigen will... tja, dann nimmt das Drama seinen Lauf. Und ich wollte nichtmal komplett aussteigen. Nur meine alte BahnCard kündigen und dafür eine neue haben. Meine alte lief nämlich unter dem Normalpreis, aber als Studentin bekommt man ja darauf eine Ermäßigung. Ich verstehe, dass bei so einem großen Unternehmen die internen Wege ziemlich verzweigt sind und halt alles ein bisschen kompliziert ist. Aber heutzutage , wo man alles in Intranetzwerke eingeben kann, sollte das nun so schwer auch nicht sein. Aber man rechnet als gezwungernermaßen treuer Bahn-Kunde mittlerweile mit diversen Schwierigkeiten. Also bin ich extra zum Reisezentrum gegangen, damit auch ja alles seine Richtigkeit hat mit Kündigung und neu bestellen und so weiter. Und was habe ich jetzt? Zusätzlich zu meiner alten BahnCard gleich zwei neue – Überraschung!! Warum? Das weiß ich leider nicht. Meine Kündigung ist nämlich eingegangen. Die nette Dame (und sie war wirklich nett, das muss man dann bei allem Frust anerkennen) am Telefon wollte mir erklären, dass ich (!!) aus Versehen die ermäßigte gekündigt hätte und mir eine neue zum Normalpreis bestellt hab. Nun macht das ja keinen Sinn, weil ich die ermäßigte noch gar nicht hatte, also deren Nummer auf meiner Kündigung logischerweise nicht angeben konnte. Verdammt sei meine Naivität dank derer ich keine Kopie meines Kündigungsschreibens hab! Aber gut. Offensichtlich ist das alles kein Problem, sie sind so überaus liebenswert, mir nun trotz meines Fehlers (denn sie machen anscheinend keine) eine ganz neue BahnCard zuzuschicken. Demnächst kann ich meine Wände damit tapezieren. Ich bin jetzt gerade extrem gespannt, wie das alles weitergeht. Die Abbuchungen von meinem Konto hat sie wohl gleich schon storniert. Immerhin. Ich möchte auch gar nicht wissen, wie viel Geld ich bei diesem Telefongespräch verballert habe. Und wenn ich da noch ein paar Mal anrufen muss, wäre es in Anbetracht der Fahrkartenpreise vielleicht auch billiger, mir in Zukunft immer einen Helikopter zu mieten.
Drückt mir die Daumen, dass es ab jetzt glatt läuft ;)

23.10.2011

[Gerede] Produktiver Sonntag

16:16 5 Comments
Hui, geschafft. Nach mehreren Stunden Arbeit bin ich  nun endlich soweit verkünden zu können, dass das Haus des Wahnsinns nach einem kompletten Umstyling nun ganz neu gewandet erscheint.
Schon lange wollte ich dieses Update durchführen, da das alte Design zu genau 100% verraten hat, wie neu ich in der Bloggerwelt bin und wie sehr mich diese ganzen Widgets, Gadgets und Feeds und HTML's und was es da alles gibt, am Anfang überfordert haben. Nicht, dass sich daran großartig was geändert hätte. Aber ein kleines bisschen mehr Durchblick habe ich dann doch gewonnen und das musste sofort digital unter Beweis gestellt werden. So ganz zufrieden bin ich zwar noch nicht, aber die Zeit vorm Laptop heute fordert jetzt langsam ihren Tribut - meine tränenden Augen und mein steifer Nacken zwingen mich quasi zu einer anderen Beschäftigung ;)

Verändert hat sich, neben den gleich offensichtlichen Sachen wie dem Template, das Seitenlayout und worüber ich ganz besonders froh bin, es endlich in Angriff genommen zu haben: seit ca. 10 Minuten verfügt mein Blog über eine extrem tolle Blog-Roll, auf der ganz viele schöne Blogs zu Büchern, zu Deko oder zu Lifestyle zu finden sind :D
Joa, den ganzen Kleinkram brauch ich ja nicht aufzuzählen; nur noch eins muss erwähnt werden, nämlich, dass der Rezensions-Index jetzt nicht mehr nach Titel der Bücher geordent ist, sondern nach dem Nachnamen des Autors. Das macht es übersichtlicher, finde ich.

Gut, dann werde ich mich jetzt mal der Bügelwäsche widmen und damit meine Körperhaltung so verändern, dass dieses lange Rumsitzen keine anhaltenden Folgen hinterlässt ;)

18.10.2011

[Rezi] Amber Kizer - Meridian. Dunkle Umarmung

22:15 2 Comments
Erscheinungsjahr: 2009
Originaltitel: Meridian
Genre: Fantasyroman
Seitenzahl: 346



Teaser:
Um mich herum hallte ein Gewirr aus Schmerzenschreien und ich spürte, wie die Seelen an mir zerrten. Die Reihe der umgekippten Waggons vor mir schien endlos zu sein. Sie lehnten in alle Richtungen, als hätte ein unartiges Kind sie umgetreten.



Handlung
Um die 16-jährige Meridian herum geschehen von ihrer Geburt an seltsame Dinge: überall, wo sie hinkommt, sammeln sich Tiere um sie herum und sterben dort. So glaubt das Mädchen bis zu ihrem 16. Geburtstag, dass sie, unerklärlicherweise, anderen Lebewesen den Tod bringt. Doch an ihrem Geburtstag überschlagen sich die Ereignisse: ein Anschlag wird auf sie verübt, ihre Familie taucht unter und sie selbst wird nach Colorado zu ihrer Tante geschickt. Sie weiß nicht, was los ist, noch wohin ihre Familie verschwunden ist. Bei ihrer Tante Merry angekommen, lernt sie nicht nur Tens kennen, der ebenfalls bei der alten Dame wohnt, sondern auch, wie es dazu kommt, dass der Tod ständig auf ihrem Weg zu finden ist: Meridian ist eine sogenannte Fenestra; ein Wesen, dass den Seelen der Sterbenden den Übergang erleichtert. Ab dem 16. Lebensjahr können nicht nur die Seelen von Tieren, sondern auch die von Menschen durch das so genannte Fenster der Fenestrea gelangen, doch um damit umgehen zu können, brauchen diese eine fundierte Ausbildung. Aus diesem Grund ist Meridian bei ihrer Tante, der einzigen anderen Fenestra in ihrer Familie. Doch das ist noch nicht alles, womit sich das Mädchen herumschlagen muss. Die Aternocti – quasi das genaue Gegenteil der Fenestrae, die die Seelen nicht in den Himmel, sondern in die Hölle überführen – wollen mit allen Mitteln verhindern, dass Meridian ihre Ausbildung antreten kann. Deshalb schmieden sie ein Komplott, um sie, ihre Tante und Tens aus dem Dorf zu vertreiben und schrecken dabei vor nichts zurück.

Meine Meinung
Die Ansätze, mit denen die Autorin arbeitet, gefallen mir sehr gut.
Allerdings die Umsetzung... naja, die hapert ein wenig.
Zunächst einmal hätten wir da den Aufbau der Story. Anfangs geht es ziemlich rasant her, man findet leicht in die Handlung hinein und hat genügend Anreize, um weiter zu lesen. Was allerdings nicht an dem Schreibstil der Autorin liegt, denn der ist ziemlich seicht, aber zu diesem Zeitpunkt kann man darüber noch großzügig hinwegsehen. Doch dann kommt ein unglaublich langer Teil, der sich einfach nur damit beschäftigt, dass Tante Merry oder auch Tens der ahnungslosen Meridian und auch dem gelangweilten Leser immer nur bruchstückhafte Informationen geben, was teilweise wirklich unnötig ist und einfach nur dazu dient, dem Buch mehr Seiten zu geben. Die Lektionen, die Meridian durchstehen muss, um das Handwerk der Fenestrae zu lernen, sind ja noch ganz schön; das geht ja auch nur Schritt für Schritt. Aber dann gibt es so ein paar Sachen, die sie angeblich erst erfahren kann, wenn sie „soweit ist“. Gäbe es in irgendeiner Form eine persönliche Entwicklung bei der Protagonistin, könnte man das ja noch rechtfertigen. Aber dies ist nicht der Fall und macht das Buch nur unnötig zäh. Am Ende gibt es dann wieder einen Spannungsbogen, der allerdings nicht so ganz zur Geltung kommen kann, weil man schon sehr früh weiß, was am Ende passieren wird; wer der böse Drahtzieher ist und was er will. Nach dem großen Showdown kommt das Buch dann auch sehr schnell zum Ende und ich fühlte mich ein bisschen zurückgelassen, weil das doch ziemlich abrupt war.
Verschlimmernd hinzu kommen dann noch die wirklich sehr plumpen Beziehungen zwischen den Hauptfiguren und die sehr lieblosen Gestaltung der Charaktere. Also, es ist von Anfang an klar, dass Meridian und Tens zusammenkommen werden, aber als sie dann zusammen waren, dachte ich, ich hätte aus Versehen ein paar Kapitel übersprungen. Man spürt einfach keine Verbindung zwischen den beiden. Eher im Gegenteil. Eigentlich sieht es so aus, als könnten sie sich überhaupt nicht ab. Und dann irgendwann plötzlich machen sie sich gegenseitige Liebeserklärungen. Und selbst da kommt für mich immer noch keine Romantik auf. Genauso verhält es sich mit Meridian und ihrer Tante. Meridian kommt an, wird ein bisschen gepäppelt, ist aber im Großen noch sehr damit beschäftigt, um ihre Familie zu trauern, die sie fürs Erste nicht wiedersehen darf, weil die Aternocti nicht nur hinter Meridian selbst, sondern auch hinter ihren Eltern und ihrem Bruder her sind. So. Hier baut sich immerhin durch die Unterrichtsstunden langsam ein Vertrauensverhältnis auf. Aber für meine Begriffe ist dieses noch so zart und frisch, dass die seitenlangen Ausführungen darüber, wie sehr sie ihre Tante doch liebt und wie sehr sie ihr fehlen würde, wenn sie stirbt, rechtfertigen.
Die einzigen Beziehungen, die für mich glaubhaft dargestellt waren, sind die zwischen Meridian und der Wölfin Custos und diese blinde Vertrautheit von Tante Merry und Tens.
Zu Tens fällt mir noch ein, dass er wirklich stark romantisiert ist. Er sieht gut aus, kann alles, weiß alles, außer sein Wissen könnte mal wirklich nützlich sein, dann ist immer Meridians Forschergeist gefragt, und ist alles in allem ein bisschen zu kantenlos.
Was mich dann auch noch ziemlich genervt hat, war diese Schwarz-Weiß-Malerei, die auf so eine plumpe Art und Weise in die Geschichte eingebaut ist, dass es fast schon keinen Spaß mehr gemacht hat. Hier Gott und die guten Fenestrae, die nie etwas böses tun, außer, die Aternocti verleiten sie dazu. Und da der Teufel mit seinen Schergen, die die armen Fenestrae und die Menschheit terrorisieren. Das fand ich ziemlich schade. Und als es dann damit losging, alle schrecklichen Ereignisse der realen Geschichte (also jetzt der tatsächlichen Vergangenheit), wie zum Beispiel den Untergang der Maya, auf die Machenschaften der Aternocti zurückzuführen, war es dann für mich vorbei.
Wie gesagt, sehr sehr schade, dass diese interessanten und spannenden Ansätze nicht besser genutzt wurden. Ich kann leider nur 2 Wölkchen für dieses Buch vergeben.


17.10.2011

Auf Beutezug

16:12 2 Comments
Heute war es für mich mal wieder Zeit für einen meiner in unregelmäßigen Abständen auftretenden Bibliotheksbesuche :)
Weil ich nämlich die nächsten zwei Monate mein Geld ein bisschen einteilen muss (Uni-Kram und Weihnachten ist ja auch nicht mehr so weit weg), kommt der Lesenachschub diesmal aus der stadteigenen Bücherei :)
Dabei gehe ich natürlich immer schön nach System vor: 1 bis 2 Bücher kommen von meiner Wnschliste (aber nur die, die ich nicht uuuunbedingt im Regal stehen haben muss) und 2 bis 3 Bücher sind dann spontane Entscheidungen.
Et voilà, die heutige Ausbeute:


Elliot Perlman - Sieben Seiten der Wahrheit

Spontaner Zugriff; klingt aber sehr vielversprechend :)








Edgar Allan Poe - Der Fall des Hauses Ascher

Von der Wunschliste. Eine ziemlich alte Übersetztung, das merkt man schon am Titel, der normalerweise "Der Untergang des Hauses Usher" heißt, aber diese und die anderen Erzählungen scheinen trotzdem vollständig zu sein. Ein bisschen Allgemeinbildung ist auf jeden Fall drin ;)





Nicholas Sparks - Bis zum letzten Tag

Ein bisschen "leichtere" Kost, weil die beiden obigen Bücher ziemlich anspruchsvoll sind. Mein erstes Buch von diesem umschwärmten Autor - ich bin gespannt :)







Jean-Paul Dubois - Vous plaisantez, monsieur Tanner

Man glaube es kaum, aber ich hatte mal wieder Lust, auf ein französisch-sprachiges Buch. Sonst verkümmern meine Französischkenntnisse am Ende ganz und das wäre eine Katastrophe. Da kann nur ein bisschen Input helfen.







(Bei Klick auf die Buchtitel kommt ihr zur jeweiligen Amazon-Seite)

So, das wäre also meine Leseliste für die nächsten paar Wochen. Sieht nach einer ganz guten Mischung aus. Ich werde berichten :D

15.10.2011

[Rezi] Markus Zusak - Der Joker

22:42 2 Comments
Erscheinungsjahr: 2006
Originaltitel: The Messenger
Genre: Roman
Seitenzahl: 444

Teaser:
Der Bankräuber ist ein totaler Versager. Ich weiß es. Er weiß es. Die ganze Bank weiß es. Selbst mein bester Freund Marvin weiß es, und der ist ein noch größerer Versager als der Bankräuber. Das Schlimmste an der ganzen Sache ist, dass Marvs Auto draußen auf einem Parkplatz steht, wo man nur eine Viertelstunde parken darf. Wir liegen mit dem Gesicht nach unten auf dem Boden und von der Viertelstunde sind nur noch ein paar mickrige Minuten übrig.


Handlung
Sein Job als Taxifahrer und die regelmäßigen Kartenspiele mit seinen Freunden – das ist es, was Ed Kennedys Leben ausmacht. Mit seinen 19 Jahren hat er nicht viel erreicht: er wohnt allein in einer kleinen Hütte mit einem Hund, der am liebsten an der Wohnungstür liegt und deshalb „der Türsteher“ heißt. Er hat keinen richtigen Beruf und fährt deshalb Taxi. Seine Geschwister habe alle die arme Kleinstadt, in der sie aufgewachsen sind, verlassen und sich ein neues, besseres Leben aufgebaut. Er ist der einzige, der geblieben ist; und der einzige, der von ihrer Mutter regelmäßig beschimpft und angeschrien wird. Das einzige, was Ed aufmuntern kann, sind seine drei besten Freunde – Marv, Ritchie und Audrey, mit denen er sich immer trifft und Karten spielt.
Eines Tages befinden sie sich zu viert in einer Bank; gerade in dem Moment, als jemand den Versuch unternimmt, eben diese Bank auszurauben. Dieser scheitert kläglich an der Tollpatschigkeit und Nervosität des Räubers und nicht zuletzt an Eds beherztem Eingreifen. So wird Ed innerhalb von ein paar Minuten Stadtgespräch Nummer 1 und kurzzeitig ein gefeierter Held. Von diesem Moment an nimmt eine faszinierende Geschichte ihren Lauf. Ed findet in seinem Briefkasten ein Karo – Ass, auf dem drei Adressen stehen. An jeden Bewohner dieser Adressen muss er nun eine andere, persönliche Botschaft überbringen. Um welche es sich handelt, muss er genauso herausfinden, wie die Art, sie so zu vermitteln, dass sie verstanden wird. Und so beginnt für Ed eine Reise durch das Leben vieler anderer Menschen und vor allem auch durch sein eigenes, die ihn zu Selbstreflexion und Weiterentwicklung und vor allem aus der Sackgasse führt, in der sich seine Welt momentan befindet.

Meine Meinung
Bezaubernd. Das ist das erste, was mir in den Sinn kommt, wenn ich an dieses Buch zurückdenke. Die Geschichte zieht einen regelrecht in seinen Bann und man kommt so schnell nicht wieder davon los.
Alles beginnt mit dem Banküberfall, bei dem Ed und seine Freunde anwesend sind. Gleich hier lernt man die Persönlichkeiten der vier Freunde kennen, auch wenn sie im Verlauf der Geschichte noch feiner ausgearbeitet werden. Vor allem Ed, der die Geschichte aus der Ich-Perspektive erzählt, ist mir schnell ans Herz gewachsen. Nichts nimmt er richtig ernst und überall muss er seinen Senf dazu geben. Nicht einmal bei einem Banküberfall können er und sein Freund Marv die Klappe halten und eben dadurch entstehen absolut paradoxe Dialoge, die unglaublich witzig sind und einen sofort in Beschlag nehmen.
Nachdem Ed dabei geholfen hat, den Banküberfall zu vereiteln, landen Spielkarten in seinem Briefkasten. Er weiß nicht, von wem oder warum. Aber er weiß, dass er tun muss, was durch die Karten von ihm verlangt wird. Und das ist: Menschen helfen. Auf jeder Karte stehen Hinweise, die Ed zu einer bestimmten Person oder Familie führen und eben diesen muss er dann zu einem kleinen Moment des Glücks verhelfen. Dabei bemerkt er Stück für Stück, dass es auch ihm einen Glücksmoment verschaffen kann, wenn er anderen hilft. Und dass jeder etwas aus seinem Leben machen kann, wenn er sich nur aufrafft und anfängt.
Und genau das ist auch die Moral, die man aus diesem Buch ziehen soll. Allerdings wird sie nicht so ausgelutscht vermittelt, wie es hier jetzt den Anschein haben könnte. Denn bis Ed oder der Leser zu dieser Erkenntnis gelangen kann, müssen viele Aufgaben erledigt und einige Zwischenergebnisse erreicht werden. Der Sprachstil, in dem Ed erzählt, ist gleichermaßen unreif wie philosophisch, jungenhaft wie erwachsen und humorvoll wie melancholisch. So könnte ich noch ewig weitermachen, denn dieses Buch ist so vielfältig in der Erzählweise und in den aufgeführten Personen, dass ich es nur schwer in Worte fassen kann. Zusak beschreibt alles sehr plastisch, jeder Schritt und jede Szene ist zum Ende hin nachvollziehbar, auch wenn anfangs viele Fragen aufgeworfen werden. Eds Reise durch das Leben anderer Menschen und letztendlich zu sich selbst ist zwar kein Nervenkitzel, aber spannend ist es, die Schicksale der Leute zu verfolgen und Eds Entwicklung mitanzusehen.
Besonders hervorzuheben ist noch der Schreibstil des Autors. Es gelingt ihm durch unkonventionelle Brüche in den Satzkonstruktionen die Stimmungen des Augenblicks zu transportieren, sodass man den Eds Gedankengängen nicht nur folgen kann, sondern sie auch miterlebt. Auch die Metaphern, die Zusak verwendet, erschaffen ganz neue, unverbrauchte Bilder; er verknüpft Dinge miteinander, die eigentlich nicht den kleinsten Zusammenhang haben, aber trotzdem ein wundervolles Gesamtkonzept ergeben.
Einen kleinen Abzug gibt es aber leider für Eds untrügliches Gefühl: immer tut er intuitiv genau das Richtige. In jeder Situation. Obwohl er doch eigentlich ein Versager sein soll. Dabei stellt er sich jeweils auf sein Gegenüber ein und weiß genau, wie er mit den Menschen umgehen muss. Das tut dem Fluss der Story vielleicht gut, der Glaubwürdigkeit aber nicht.
Also gibt es von mir für dieses außergewöhnliche Buch 4 Wölkchen :D


Noch ein kleiner Hinweis: Ich habe jetzt schon öfter gelesen, dass „Der Joker“ und „Die Bücherdieben“ miteinander verglichen werden. Das ist ja auch ganz natürlich, da beides Bücher von dem selben Autor sind. Aber trotzdem finde ich nicht, dass man hier allzu streng sein sollte. Denn gerade, wenn jemand „Die Bücherdiebin“ als erstes gelesen hat, ist er anscheinend oft enttäuscht, weil er dann etwas ähnliches beim Joker erwartet. Dies ist aber ganz und gar nicht der Fall – ich finde, man kann diese beiden Bücher nicht miteinander vergleichen. Weder die Personen, die Zeit, der Ort, der Schreibstil oder die Aussagen der Storys sind auch nur annähernd ähnlich. Zwei ganz besondere Bücher von ein und dem selben Autor, die man am besten beide ganz ohne Vorbehalte lesen sollte. Es lohnt sich! :D

14.10.2011

[Gerede] Eintritt in den Club der apathisch Rumliegenden

11:40 0 Comments
Es ist furchtbar.
Kaum bin ich wieder im hohen Norden angekommen und schon hab ich sie am Hals. Die Erkältung. Was soll denn das? Einfach ungefragt ist sie bei mir eingezogen. Unverschämheit. Eigentlich müsste das raue nordische Klima doch mein Immunsystem stärken. Stattdessen ist selbiges völlig ausgeknockt! Und jetzt sitze ich hier, bin mega infektiös und total gelangweilt. Und dann kann ich mein Leid nichtmal mit anderen teilen. Vor allem die Tatsache, dass meine Mutter runde 700 Kilometer weit weg ist und mich nur per Telefon bedauern und leider gar nicht betüddeln kann, ist ganz ganz blöd. Denn Mütter haben es so an sich, die allgemeine Moral ganz einfach durch eine Hühnersuppe heben zu können und schon ist der Genesungsprozess enorm weit vorgeschritten. Also, Erkältungen machen als Kind wesentlich mehr Spaß. Da wird man wenigstens noch umsorgt. Um nicht komplett in Selbstmitleid zu versinken bin ich in den Club der apathisch Rumliegenden eingetreten. Dazu muss man einfach nur das Mitgliederformluar ausfüllen und kann sich danach fallen lassen, liegen bleiben und sinnlos an die Decke starren. Zu mehr bin ich momentan sowieso nur schwer fähig.

Wie lange überlebt man eigentlich, wenn die Körpertemperatur konstant zwischen 40°C und 41°C ist? War da nicht was mit denaturierten Eiweißen? Nein, das war erst ab 42°C. Oder so. Ist ja eigentlich auch egal. Ich hab hier in meinem minimalistischen Studentenhaushalt sowieso kein Fieberthermomether.

Eigentlich hab ich überhaupt keine Zeit, krank zu sein. So ein Badezimmer putzt sich schließlich nicht von alleine. Und wenn ich das Wochenende über nicht verhungen möchte, muss ich auch dringend noch einkaufen gehen. Ganz zu schweigen von dem ganzen Kram, den ich noch für die Uni vorbereiten muss. Aber ich kann mich grade einfach nicht konzentrieren. Würd ich davon nicht noch mehr Kopfschmerzen bekommen, könnt ich mich jetzt drüber aufregen.
Sinnloserweise muss ich Tabletten nehmen, die als Nebenwirkung Kopfschmerzen verursachen. Wenn mir jetzt der Kopf wehtut, woher weiß ich dann, ob es von der Grippe/Erkältung kommt oder von den Tabletten?
Keine Ahnung. Ich weiß nur eins:
Mir ist kalt.
Mir ist gleichzeitig heiß.
Was bedeutet das?!?

Ok, bevor das hier jetzt zu wehleidig und verjammert wird, geh ich lieber wieder ins Bett und fantasiere dort weiter. Das ist der einzig anerkannte Clubsport. Neben Extreme-TV-Zapping und Low-Speed-Snoozing Bleibt nur noch zu hoffen, dass das Fernsehprogramm einigermaßen akzeptabel ist.

08.10.2011

[Rezi] Petra Busch - Mein wirst du bleiben

22:59 0 Comments
Erscheinungsjahr: 2011
Genre: Kriminalroman
Seitenzahl: 441


Teaser:
Immer enger ziehen sich die Maschen, schnüren sich die Stricke in euer Fleisch, während ihr euch in der nächtlichen Falschheit des fröhlichen Festes suhlt und dreht. Singt zur Gitarre, spielt Ringelreihen, lauft umher, esset und trinket, nehmet mein Blut, meine Gedanken, nehmet mein Leben, wie ich Leben nehme.




Handlung
In einem Mehrfamilienhaus wird der Bewohner Martin Gärtner tot in seiner Wohnung aufgefunden. Todesursache unbekannt, Fremdeinwirkung wird vermutet. Letzteres wird ziemlich schnell festgestellt, und so wird eine Sonderkommission zusammengestellt. Die ermittelnden Beamten stehen vor einem Rätsel. Das Opfer lebte zurückgezogen und nicht einmal die übrigen Bewohner können eine konkrete Aussage über ihn machen. Im vorbeigehen gegrüßt, mehr hat anscheinend niemand je mit ihm zu tun gehabt. Es gibt keine Spur zu einem möglichen Täter, keinen Hinweis auf das Motiv und keinen Anhaltspunkt, in welche Richtung die Ermittlungen gehen sollen. Hauptkommissar Ehrlinspiel und das übrige Team ist frustriert. Dann geschieht ein weiterer Mord im selben Haus. Opfer ist diesmal eine alte, alleinstehende Dame. Zwischen den beiden ermordeten Menschen scheint es eine Verbindung zu geben; und wenn sie auch noch so vage und indirekt ist, als einzige Spur muss sie weiter verfolgt werden.

Meine Meinung
Gleich vorneweg möchte ich anmerken, dass dieses Buch offensichtlich der zweite Band einer Reihe, nämlich der um den Hauptkommissar Moritz Ehrlinspiel, ist. Da das Buch ein Spontankauf von mir, war und es auch nicht drin/dran steht, war mir das beim Kaufen nicht bewusst. Aber glücklicherweise sind es zwei komplett unterschiedliche Geschichten und lediglich die Hauptfiguren bleiben erhalten, sodass man die Bücher auch unabhängig voneinander lesen kann und trotzdem alles versteht.
Die Story dreht sich um die oben erwähnten Mordfälle und die Ermittlungen. Da beide Opfer in dem selben Haus wohnten, werden zunächst die übrigen Mieter genau unter die Lupe genommen. Der bunte Haufen besteht aus einer alten Tratschtante, die den ganzen Tag am Fenster klebt, einem jungen Pärchen, dass gerade ein Baby bekommen hat, und aus der Familie Roth – eine Mutter und ihre erwachsene Tochter teilen sich eine kleine Wohnung. Vor allem die Tratschtante Frau Zenker und Thea und Miriam Roth fallen den Ermittlern bei ihren Nachforschungen auf. Gerade das Verhältnis von Mutter und Tochter scheint sehr seltsam zu sein; es sieht nach einer umgekehrten Rollenverteilung aus, denn Miriam kümmert sich aufopferungsvoll um ihre Mutter und diese fühlt sich erdrückt und versucht, auszubrechen.
Neben den Ermittlungen, die Ehrlinspiel sehr beanspruchen, geht es auch in seinem Privatleben nicht gerade ruhig zu. Die Journalisten Hanna Brock (mit der er offenbar im Vorgängerband schon eine Art Beziehung hatte), taucht wieder auf und eine erneute Liebesgeschichte nimmt unweigerlich ihren Lauf.
Die Ermittlungen werden meiner Meinung nach sehr realistisch geschildert; die Autorin hat auf jeden Fall ihre Hausaufgaben gemacht. Der Verlauf wird schön detailreich beschrieben und geht über das, was man aus Krimiserien im Fernsehen kennt, hinaus. Auch die Charaktere der Hauptfiguren sind gut herausgearbeitet; ihre unterdrückte Wut wird genauso deutlich wie kleine Macken oder schwelende Konflikte. Der Schreibstil ist flüssig zu lesen, nicht zu anspruchsvoll, aber auch nicht seicht. Der für jeden Krimi obligatorische Spannungsbogen ist auf jeden Fall vorhanden, nimmt in der Mitte zwar ganz kurz ab, geht dafür aber gegen Schluss wieder richtig in die Höhe.
Ganz besonders gut haben mir die psychologischen Knackse (Knickse? Was auch immer ;D ) der Figuren gefallen; teilweise lustig aber größtenteils beängstigend und alle sehr sensibel dargestellt.
Dieser Kriminalroman bekommt von mir 4 Wölkchen; er ist spannend zu lesen, hat wie es sich gehört einige Überraschungen parat und ist wunderbar zum schnellen zwischendurch Lesen.


07.10.2011

[Gerede] Märchen schreibt die Zeit ♥

18:58 2 Comments
 Eine Sache, die wir zu einem bestimmten Zeitpunkt sehen, ein Buch, das wir lesen, bleibt für immer nicht nur mit dem verknüpft, was um uns her vorhanden war, sondern ebenso treu bleibt es verbunden mit dem, was wir damals waren. 
Marcel Proust

Was in meiner Erinnerung untrennbar verbunden ist mit meiner Kindheit, sind die alten Zeichentrickfilme von Walt Disney. Mulan, Simba, Aladin und Co. waren meine ständigen Begleiter.
Vor kurzem haben ein paar Freundinnen und ich einen Disney-Abend veranstaltet: Jede brachte ihre liebsten Filme mit und die haben wir dann den ganzen Abend und die komplette Nacht angesehen. Total schön war das! :o) Faszinierend war, dass wir keinen einzigen Film doppelt hatten, obwohl wir zu viert waren und jede mindestens zwei Stück dabei hatte.Für jede war ein anderer Film ihr Herzstück und so gab es viel Abwechslung :) Total cool war auch, dass ich die allermeisten Lieder noch mitsingen konnte, obwohl ich die Filme wirklich eeeewig nicht mehr gesehen hab. Also, teilweise über 10 Jahre war das bestimmt her. Disney hat mich ganz offensichtlich sehr geprägt. Zum Beispiel erinnere ich mich bei bestimmten Szenen noch ganz genau an Situationen aus meiner Kindheit, die bei der selben Szene passiert sind. Bei Cap und Capper zum Beispiel hat mir meine Mama einmal ein Nutella-Brot aus den Händen gerissen, weil ich so fasziniert auf den Bildschirm gestarrt hab, dass schon mein ganzer Pulli total eingeschmiert war ;D Oder bei Bambi gab es einen Moment, in dem Klopfers Mutter ihm erklärt, dass es besser ist, den Mund zu halten, wenn man nichts zu sagen hat. Das hat Mama jedes Mal an mich gerichtet wiederholt. Kann mir bis heute nicht erklären, warum ;) Und noch so einiges mehr, was mir erst beim anschauen der Filme wieder eingefallen ist. Und meinen Freundinnen ging es genauso, sodass der Film-Abend spontanh kombiniert wurde mit einem nostalgische Kindheitserinnerungen-Austausch-Abend ;) Wir haben fast mehr geplappert, als die Figuren im Film :D Außer natürlich bei den Liedern. Da wurde das Gelaber natürlich eingestellt und stattdessen in den Schmacht- /Mitgröhl - Modus geschaltet. So muss das sein ♥ :D
Beide Aktivitäten wurden nur unterbrochen von entrüsteten Diskussionen darüber, warum Disney bei den Disney-DVDs Teile der Filme verändert haben. Das fanden wir nämlich ganz und gar nicht witzig. Eher unnötig. Aber vielleicht war das ja eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme. Kann man ja nie wissen. Trotzdem sind wir dann, nachdem uns das bei 2 Filme passiert ist, auf die altmodischen Videos umgestiegen. Glücklicherweise gibt es heutzutage noch Menschen mit Video-Rekordern ;)

Et voilà; hier einer meiner Lieblingssongs aus einem meiner absoluten Favoriten :D
Ihr Kleid *_*



04.10.2011

[Rezi] Ana Veloso - Das Mädchen am Rio Paraíso

23:06 3 Comments
Erscheinungsjahr: 2008
Genre: Historischer Roman
Seitenzahl: 538



Teaser:
Und wenn sie etwas sagte, das diesen Leuten hier Aufschluss darüber gab, wer sie war, würde man sie dahin zurückschicken, woher sie kam. Und dort wären dann andere Menschen, die sich um sie kümmerten. Hatte sie Verwandte? Einen Mann? Kinder? Würde sie sich an deren Namen erinnern? Nein.



Handlung
In einem kleinen Dörfchen im Hunsrück lebt die verträumte Klara. Als jüngste Tochter einer großen Bauersfamilie hat sie immer von allem am wenigsten. Das Essen ist bei einer so großen Familie sowieso knapp und neue Kleider bekommt sie selbstverständlich auch nicht. Dann wären da auch noch die Streiche, die ihr älterer Bruder ihr immer wieder spielt und die Bevormundung durch ihre große Schwester. Dennoch glaubt sie fest daran, mit ihrem Leben etwas besonderes anfangen zu können und hegt insgeheim einen großen Traum: Irgendwann wird sie auswandern und sich weit weg ein neues, besseres Leben aufbauen. Als sie immer älter wird und mit 19 Jahren immernoch keinen Mann zum Heiraten gefunden hat - Mitte des 19. Jahrhunderts war sie damit schon fast eine alte Jungfer - erfährt sie von einem Tischlergesellen in ihrem Dorf, der ebenfalls vor hat, so schnell wie möglich dem harten Leben im Hunsrück den Rücken zu kehren, und sein Glück anderswo zu suchen. Auf dieser Basis finden die beiden zusammen und verwirklichen ihr Vorhaben trotz Widerstände seitens der Familien: Zusammen schließen sie sich den hunderten Pionieren an und segeln unter schwierigen Bedingungen nach Brasilien.
Jahre später wird Klara halb tot am Ufer des Rio Paraíso gefunden. Niemand weiß, wer sie ist oder woher sie kommt. Also nimmt der wohlhabende Gutsbesitzer Raúl Almeida de Vasconcelos sie bei sich auf, um sie von seiner alten Haussklavin pflegen zu lassen. Anfangs hat Klara keinerlei Erinnerung an sich und ihr Leben, spricht die Landessprache Portugisisch nicht - denn innerhalb der deutschen Kolonie braucht man keine solchen Sprachkenntnisse zu haben - und ist allgemein in einem sehr kritischen Zustand. Was mit ihr passiert ist, liegt erst einmal im Dunkeln.

Meine Meinung
Die Geschichte setzt sich zusammen aus zwei Handlungssträngen, die von vorne herein nur eine mögliche Art der Zusammenführung bieten. Auf der einen Seite veranschaulicht Klara als Ich-Erzählerin ihre Kindheit im Hunsrück, den Entbehrungen, unter denen sie und ihre Familie zu leiden haben, aber auch von den Dorffesten und Vergnügungen, denen die Menschen im 19. Jahrhundert nachgegangen sind.
Auf der anderen Seite steht die gegenwärtige Klara, die von dem ruppigen Gutsbesitzer und dessen Sklavin aus dem Fluss, dem Rio Paraíso, gefischt und gesund gepflegt wird. Da sie seit dem ominösen Unfall, der sie in eben jenen Fluss befördert hat, keinerlei Erinnerungen an ihr Leben mehr hat, weiß lange niemand, was mit ihr geschehen soll. Erst, als ihr Gedächtnis Stück für Stück zurückkehrt, können ihre Retter langsam etwas mit Klara anfangen. Dank ihrer schnellen Auffassungsgabe lernt sie ziemlich leicht Portugisich. Dann erreicht eine Meldung aus der deustchen Kolonie die brasilianische Stadt, in der Klara gestrandet ist: Einer der Pioniere wurde tot in der Nähe seines Hauses gefunden; von seiner Frau, deren Beschreibung haargenau auf Klara passt, fehlt jede Spur. Es wird vermutet, dass sie entweder verschleppt wurde und nun ebenfalls tot sei, oder, dass sie ihren Mann ermordet hat und nun geflüchtet ist. Diesen Verdacht weist Klara natürlich weit von sich, aber da sie unter Gedächtnisverlust leidet, kann sie weder sich, noch die anderen völlig überzeugen.
Für den Leser ist wie schon gesagt, von Anfang an klar, dass gegen Ende diese beiden Handlunsstränge zusammengefügt werden. Trotzdem ist die Geschichte unterhaltsam geschrieben und angenehm zu lesen. Fokus liegt ganz eindeutig auf der Liebesgeschichte zwischen Raúl und Klara, und gegen Ende wird die ganze Story vielleicht auch ein bisschen zu kitschig. Allgemein wird schon von Anfang an das Hauptaugenmerk auf verschiedene Liebeleien im Dorf gelegt, Affären, uneheliche Kinder und arrangierte Ehen spielen eine große Rolle. Dadurch kommen die anderen Handlungsansätze leider ein wenig zu kurz. Ich hätte zum Beispiel gerne etwas mehr von den Auswanderern erfahren, den Umständen, unter denen die gereist sind und sich in der fremden Umgebung zurechtfinden mussten. Auch über den Umgang mit den Sklaven in Brasilien und deren Lebensweise hätte man mehr schreiben können. Es wird zwar wahrscheinlich keine großen Unterschiede zu den Sklaven in Amerika geben, aber ich persönlich habe noch wenig über die Besiedelung Brasiliens gelesen und weiß auch entsprechend wenig. Deshalb hätte ich mir hier ein paar mehr Details gewünscht. Die Themen werden zwar angeschnitten, aber doch nur sehr oberflächlich behandelt. Dagegen wird der kleine Krimi-Exkurs meiner Meinung nach ausreichend dargestellt - am Ende wird der Tod von Klaras Mann aufgelöst und es gibt sogar eine überraschende Wendung.
Der Schreibstil der Autorin ist locker und flüssig. Die Geschichte ist auch nicht die anspruchsvollste und darum eigent sich dieser Roman gut als leichte Lektüre für Zwischendurch. Insgesamt gibt es 4 Wölkchen von mir


03.10.2011

Auf zum Zitate - Sammeln!

10:52 0 Comments
Heute muss ich unbedingt auch mal ein bisschen Werbung machen.
Und zwar für Rory's Bücherkiste *klick*! :D
Dort gibt es nämlich anlässlich des 50. Lesers ein richtig tolles Gewinnspiel. Aber bevor ich jetzt anfange, zu viel zu labern, ist hier Rorys Banner, das eigentlich schon alles erklärt :)


Also: man postet einfach eins seiner Lieblingszitate auf Rorys Blog und hat die Chance auf 3 mega tolle Preise. Und selbst, wenn man am Ende nicht zu den Auserwählten gehört, hat man immernoch die schönen Zitate der Mitteilnehmer, um einem den Tag zu versüßen :) Hier noch mal der Link für das Gewinnspiel *klick*
Und hier das Zitat, das ich ausgewählt hab (es ist mir echt schwer gefallen eins auszusuchen, obwohl ich noch gar nicht so lange sammele und nicht wirklich viele Zitate zur Wahl standen :P ). Es stammt aus "Effi Briest" von Theodor Fontane:


"Er hatte lange genug gelebt, um zu wissen, dass alle Zeichen trügen, und dass wir in unserer Eifersucht, trotz ihrer hundert Augen, oft noch mehr in die Irre gehen als in der Blindheit unseres Vertrauens"

Kurz und knackig, aber sehr treffend wie ich finde ;)
Wenn ihr jetzt auch im Zitate-Rausch seid, dann klickt auf den Gewinnspiel-Link und schon könnt ihr mitmachen. Ich wünsch euch viel Glück dabei ;)