18.10.2011

# Rezensionen

[Rezi] Amber Kizer - Meridian. Dunkle Umarmung

Erscheinungsjahr: 2009
Originaltitel: Meridian
Genre: Fantasyroman
Seitenzahl: 346



Teaser:
Um mich herum hallte ein Gewirr aus Schmerzenschreien und ich spürte, wie die Seelen an mir zerrten. Die Reihe der umgekippten Waggons vor mir schien endlos zu sein. Sie lehnten in alle Richtungen, als hätte ein unartiges Kind sie umgetreten.



Handlung
Um die 16-jährige Meridian herum geschehen von ihrer Geburt an seltsame Dinge: überall, wo sie hinkommt, sammeln sich Tiere um sie herum und sterben dort. So glaubt das Mädchen bis zu ihrem 16. Geburtstag, dass sie, unerklärlicherweise, anderen Lebewesen den Tod bringt. Doch an ihrem Geburtstag überschlagen sich die Ereignisse: ein Anschlag wird auf sie verübt, ihre Familie taucht unter und sie selbst wird nach Colorado zu ihrer Tante geschickt. Sie weiß nicht, was los ist, noch wohin ihre Familie verschwunden ist. Bei ihrer Tante Merry angekommen, lernt sie nicht nur Tens kennen, der ebenfalls bei der alten Dame wohnt, sondern auch, wie es dazu kommt, dass der Tod ständig auf ihrem Weg zu finden ist: Meridian ist eine sogenannte Fenestra; ein Wesen, dass den Seelen der Sterbenden den Übergang erleichtert. Ab dem 16. Lebensjahr können nicht nur die Seelen von Tieren, sondern auch die von Menschen durch das so genannte Fenster der Fenestrea gelangen, doch um damit umgehen zu können, brauchen diese eine fundierte Ausbildung. Aus diesem Grund ist Meridian bei ihrer Tante, der einzigen anderen Fenestra in ihrer Familie. Doch das ist noch nicht alles, womit sich das Mädchen herumschlagen muss. Die Aternocti – quasi das genaue Gegenteil der Fenestrae, die die Seelen nicht in den Himmel, sondern in die Hölle überführen – wollen mit allen Mitteln verhindern, dass Meridian ihre Ausbildung antreten kann. Deshalb schmieden sie ein Komplott, um sie, ihre Tante und Tens aus dem Dorf zu vertreiben und schrecken dabei vor nichts zurück.

Meine Meinung
Die Ansätze, mit denen die Autorin arbeitet, gefallen mir sehr gut.
Allerdings die Umsetzung... naja, die hapert ein wenig.
Zunächst einmal hätten wir da den Aufbau der Story. Anfangs geht es ziemlich rasant her, man findet leicht in die Handlung hinein und hat genügend Anreize, um weiter zu lesen. Was allerdings nicht an dem Schreibstil der Autorin liegt, denn der ist ziemlich seicht, aber zu diesem Zeitpunkt kann man darüber noch großzügig hinwegsehen. Doch dann kommt ein unglaublich langer Teil, der sich einfach nur damit beschäftigt, dass Tante Merry oder auch Tens der ahnungslosen Meridian und auch dem gelangweilten Leser immer nur bruchstückhafte Informationen geben, was teilweise wirklich unnötig ist und einfach nur dazu dient, dem Buch mehr Seiten zu geben. Die Lektionen, die Meridian durchstehen muss, um das Handwerk der Fenestrae zu lernen, sind ja noch ganz schön; das geht ja auch nur Schritt für Schritt. Aber dann gibt es so ein paar Sachen, die sie angeblich erst erfahren kann, wenn sie „soweit ist“. Gäbe es in irgendeiner Form eine persönliche Entwicklung bei der Protagonistin, könnte man das ja noch rechtfertigen. Aber dies ist nicht der Fall und macht das Buch nur unnötig zäh. Am Ende gibt es dann wieder einen Spannungsbogen, der allerdings nicht so ganz zur Geltung kommen kann, weil man schon sehr früh weiß, was am Ende passieren wird; wer der böse Drahtzieher ist und was er will. Nach dem großen Showdown kommt das Buch dann auch sehr schnell zum Ende und ich fühlte mich ein bisschen zurückgelassen, weil das doch ziemlich abrupt war.
Verschlimmernd hinzu kommen dann noch die wirklich sehr plumpen Beziehungen zwischen den Hauptfiguren und die sehr lieblosen Gestaltung der Charaktere. Also, es ist von Anfang an klar, dass Meridian und Tens zusammenkommen werden, aber als sie dann zusammen waren, dachte ich, ich hätte aus Versehen ein paar Kapitel übersprungen. Man spürt einfach keine Verbindung zwischen den beiden. Eher im Gegenteil. Eigentlich sieht es so aus, als könnten sie sich überhaupt nicht ab. Und dann irgendwann plötzlich machen sie sich gegenseitige Liebeserklärungen. Und selbst da kommt für mich immer noch keine Romantik auf. Genauso verhält es sich mit Meridian und ihrer Tante. Meridian kommt an, wird ein bisschen gepäppelt, ist aber im Großen noch sehr damit beschäftigt, um ihre Familie zu trauern, die sie fürs Erste nicht wiedersehen darf, weil die Aternocti nicht nur hinter Meridian selbst, sondern auch hinter ihren Eltern und ihrem Bruder her sind. So. Hier baut sich immerhin durch die Unterrichtsstunden langsam ein Vertrauensverhältnis auf. Aber für meine Begriffe ist dieses noch so zart und frisch, dass die seitenlangen Ausführungen darüber, wie sehr sie ihre Tante doch liebt und wie sehr sie ihr fehlen würde, wenn sie stirbt, rechtfertigen.
Die einzigen Beziehungen, die für mich glaubhaft dargestellt waren, sind die zwischen Meridian und der Wölfin Custos und diese blinde Vertrautheit von Tante Merry und Tens.
Zu Tens fällt mir noch ein, dass er wirklich stark romantisiert ist. Er sieht gut aus, kann alles, weiß alles, außer sein Wissen könnte mal wirklich nützlich sein, dann ist immer Meridians Forschergeist gefragt, und ist alles in allem ein bisschen zu kantenlos.
Was mich dann auch noch ziemlich genervt hat, war diese Schwarz-Weiß-Malerei, die auf so eine plumpe Art und Weise in die Geschichte eingebaut ist, dass es fast schon keinen Spaß mehr gemacht hat. Hier Gott und die guten Fenestrae, die nie etwas böses tun, außer, die Aternocti verleiten sie dazu. Und da der Teufel mit seinen Schergen, die die armen Fenestrae und die Menschheit terrorisieren. Das fand ich ziemlich schade. Und als es dann damit losging, alle schrecklichen Ereignisse der realen Geschichte (also jetzt der tatsächlichen Vergangenheit), wie zum Beispiel den Untergang der Maya, auf die Machenschaften der Aternocti zurückzuführen, war es dann für mich vorbei.
Wie gesagt, sehr sehr schade, dass diese interessanten und spannenden Ansätze nicht besser genutzt wurden. Ich kann leider nur 2 Wölkchen für dieses Buch vergeben.


Kommentare:

  1. Ich war gerade dein 600 Seitenaufruf :D
    Gruß
    Melie

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  2. Toller Blog, bin gleich mal Leser geworden :) Vllt guckst du auch bei mir vorbei, bin neu und regelmäßige Leser sind immer willkommen ^^ www.un-bon-livre.blogspot.com

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