04.10.2011

[Rezi] Ana Veloso - Das Mädchen am Rio Paraíso

Erscheinungsjahr: 2008
Genre: Historischer Roman
Seitenzahl: 538



Teaser:
Und wenn sie etwas sagte, das diesen Leuten hier Aufschluss darüber gab, wer sie war, würde man sie dahin zurückschicken, woher sie kam. Und dort wären dann andere Menschen, die sich um sie kümmerten. Hatte sie Verwandte? Einen Mann? Kinder? Würde sie sich an deren Namen erinnern? Nein.



Handlung
In einem kleinen Dörfchen im Hunsrück lebt die verträumte Klara. Als jüngste Tochter einer großen Bauersfamilie hat sie immer von allem am wenigsten. Das Essen ist bei einer so großen Familie sowieso knapp und neue Kleider bekommt sie selbstverständlich auch nicht. Dann wären da auch noch die Streiche, die ihr älterer Bruder ihr immer wieder spielt und die Bevormundung durch ihre große Schwester. Dennoch glaubt sie fest daran, mit ihrem Leben etwas besonderes anfangen zu können und hegt insgeheim einen großen Traum: Irgendwann wird sie auswandern und sich weit weg ein neues, besseres Leben aufbauen. Als sie immer älter wird und mit 19 Jahren immernoch keinen Mann zum Heiraten gefunden hat - Mitte des 19. Jahrhunderts war sie damit schon fast eine alte Jungfer - erfährt sie von einem Tischlergesellen in ihrem Dorf, der ebenfalls vor hat, so schnell wie möglich dem harten Leben im Hunsrück den Rücken zu kehren, und sein Glück anderswo zu suchen. Auf dieser Basis finden die beiden zusammen und verwirklichen ihr Vorhaben trotz Widerstände seitens der Familien: Zusammen schließen sie sich den hunderten Pionieren an und segeln unter schwierigen Bedingungen nach Brasilien.
Jahre später wird Klara halb tot am Ufer des Rio Paraíso gefunden. Niemand weiß, wer sie ist oder woher sie kommt. Also nimmt der wohlhabende Gutsbesitzer Raúl Almeida de Vasconcelos sie bei sich auf, um sie von seiner alten Haussklavin pflegen zu lassen. Anfangs hat Klara keinerlei Erinnerung an sich und ihr Leben, spricht die Landessprache Portugisisch nicht - denn innerhalb der deutschen Kolonie braucht man keine solchen Sprachkenntnisse zu haben - und ist allgemein in einem sehr kritischen Zustand. Was mit ihr passiert ist, liegt erst einmal im Dunkeln.

Meine Meinung
Die Geschichte setzt sich zusammen aus zwei Handlungssträngen, die von vorne herein nur eine mögliche Art der Zusammenführung bieten. Auf der einen Seite veranschaulicht Klara als Ich-Erzählerin ihre Kindheit im Hunsrück, den Entbehrungen, unter denen sie und ihre Familie zu leiden haben, aber auch von den Dorffesten und Vergnügungen, denen die Menschen im 19. Jahrhundert nachgegangen sind.
Auf der anderen Seite steht die gegenwärtige Klara, die von dem ruppigen Gutsbesitzer und dessen Sklavin aus dem Fluss, dem Rio Paraíso, gefischt und gesund gepflegt wird. Da sie seit dem ominösen Unfall, der sie in eben jenen Fluss befördert hat, keinerlei Erinnerungen an ihr Leben mehr hat, weiß lange niemand, was mit ihr geschehen soll. Erst, als ihr Gedächtnis Stück für Stück zurückkehrt, können ihre Retter langsam etwas mit Klara anfangen. Dank ihrer schnellen Auffassungsgabe lernt sie ziemlich leicht Portugisich. Dann erreicht eine Meldung aus der deustchen Kolonie die brasilianische Stadt, in der Klara gestrandet ist: Einer der Pioniere wurde tot in der Nähe seines Hauses gefunden; von seiner Frau, deren Beschreibung haargenau auf Klara passt, fehlt jede Spur. Es wird vermutet, dass sie entweder verschleppt wurde und nun ebenfalls tot sei, oder, dass sie ihren Mann ermordet hat und nun geflüchtet ist. Diesen Verdacht weist Klara natürlich weit von sich, aber da sie unter Gedächtnisverlust leidet, kann sie weder sich, noch die anderen völlig überzeugen.
Für den Leser ist wie schon gesagt, von Anfang an klar, dass gegen Ende diese beiden Handlunsstränge zusammengefügt werden. Trotzdem ist die Geschichte unterhaltsam geschrieben und angenehm zu lesen. Fokus liegt ganz eindeutig auf der Liebesgeschichte zwischen Raúl und Klara, und gegen Ende wird die ganze Story vielleicht auch ein bisschen zu kitschig. Allgemein wird schon von Anfang an das Hauptaugenmerk auf verschiedene Liebeleien im Dorf gelegt, Affären, uneheliche Kinder und arrangierte Ehen spielen eine große Rolle. Dadurch kommen die anderen Handlungsansätze leider ein wenig zu kurz. Ich hätte zum Beispiel gerne etwas mehr von den Auswanderern erfahren, den Umständen, unter denen die gereist sind und sich in der fremden Umgebung zurechtfinden mussten. Auch über den Umgang mit den Sklaven in Brasilien und deren Lebensweise hätte man mehr schreiben können. Es wird zwar wahrscheinlich keine großen Unterschiede zu den Sklaven in Amerika geben, aber ich persönlich habe noch wenig über die Besiedelung Brasiliens gelesen und weiß auch entsprechend wenig. Deshalb hätte ich mir hier ein paar mehr Details gewünscht. Die Themen werden zwar angeschnitten, aber doch nur sehr oberflächlich behandelt. Dagegen wird der kleine Krimi-Exkurs meiner Meinung nach ausreichend dargestellt - am Ende wird der Tod von Klaras Mann aufgelöst und es gibt sogar eine überraschende Wendung.
Der Schreibstil der Autorin ist locker und flüssig. Die Geschichte ist auch nicht die anspruchsvollste und darum eigent sich dieser Roman gut als leichte Lektüre für Zwischendurch. Insgesamt gibt es 4 Wölkchen von mir


Kommentare:

  1. Schönen Blog hast du.
    Ich Verfolge dich jetzt.
    Über eine gegenverfolgung würde ich mich freuen. :)

    sarahs-testwelt.blogspot.com

    Sarah.

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  2. Danke schön :) Ich schau gleich mal bei dir vorbei ;)

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  3. Hallo mein lieber Leser.
    Durch eine spontane Aktion meinen Blog ein neuen Namen zu geben und ein neues Design habe ich einen kleinen Fehler gemacht.

    Ich habe keinen Post gemacht in dem steht dass du mich noch einmal neu verfolgen musst/kannst.

    Es wäre super nett von dir, wenn du mich nocheinmal neu Verfolgen würdet:
    - geh einfach auf meinen Blog
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    Ein großes Dankeschön. :-)

    Als kleine Entschuldigung starte ich in den nächsten Tagen ein Gewinnspiel. Es wird viele Preise geben. ;)

    Liebe Grüße,
    Sarah. :)

    Mein neuer Blog:
    http://grosses-erdbeerfeld.blogspot.com/

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