08.10.2011

[Rezi] Petra Busch - Mein wirst du bleiben

Erscheinungsjahr: 2011
Genre: Kriminalroman
Seitenzahl: 441


Teaser:
Immer enger ziehen sich die Maschen, schnüren sich die Stricke in euer Fleisch, während ihr euch in der nächtlichen Falschheit des fröhlichen Festes suhlt und dreht. Singt zur Gitarre, spielt Ringelreihen, lauft umher, esset und trinket, nehmet mein Blut, meine Gedanken, nehmet mein Leben, wie ich Leben nehme.




Handlung
In einem Mehrfamilienhaus wird der Bewohner Martin Gärtner tot in seiner Wohnung aufgefunden. Todesursache unbekannt, Fremdeinwirkung wird vermutet. Letzteres wird ziemlich schnell festgestellt, und so wird eine Sonderkommission zusammengestellt. Die ermittelnden Beamten stehen vor einem Rätsel. Das Opfer lebte zurückgezogen und nicht einmal die übrigen Bewohner können eine konkrete Aussage über ihn machen. Im vorbeigehen gegrüßt, mehr hat anscheinend niemand je mit ihm zu tun gehabt. Es gibt keine Spur zu einem möglichen Täter, keinen Hinweis auf das Motiv und keinen Anhaltspunkt, in welche Richtung die Ermittlungen gehen sollen. Hauptkommissar Ehrlinspiel und das übrige Team ist frustriert. Dann geschieht ein weiterer Mord im selben Haus. Opfer ist diesmal eine alte, alleinstehende Dame. Zwischen den beiden ermordeten Menschen scheint es eine Verbindung zu geben; und wenn sie auch noch so vage und indirekt ist, als einzige Spur muss sie weiter verfolgt werden.

Meine Meinung
Gleich vorneweg möchte ich anmerken, dass dieses Buch offensichtlich der zweite Band einer Reihe, nämlich der um den Hauptkommissar Moritz Ehrlinspiel, ist. Da das Buch ein Spontankauf von mir, war und es auch nicht drin/dran steht, war mir das beim Kaufen nicht bewusst. Aber glücklicherweise sind es zwei komplett unterschiedliche Geschichten und lediglich die Hauptfiguren bleiben erhalten, sodass man die Bücher auch unabhängig voneinander lesen kann und trotzdem alles versteht.
Die Story dreht sich um die oben erwähnten Mordfälle und die Ermittlungen. Da beide Opfer in dem selben Haus wohnten, werden zunächst die übrigen Mieter genau unter die Lupe genommen. Der bunte Haufen besteht aus einer alten Tratschtante, die den ganzen Tag am Fenster klebt, einem jungen Pärchen, dass gerade ein Baby bekommen hat, und aus der Familie Roth – eine Mutter und ihre erwachsene Tochter teilen sich eine kleine Wohnung. Vor allem die Tratschtante Frau Zenker und Thea und Miriam Roth fallen den Ermittlern bei ihren Nachforschungen auf. Gerade das Verhältnis von Mutter und Tochter scheint sehr seltsam zu sein; es sieht nach einer umgekehrten Rollenverteilung aus, denn Miriam kümmert sich aufopferungsvoll um ihre Mutter und diese fühlt sich erdrückt und versucht, auszubrechen.
Neben den Ermittlungen, die Ehrlinspiel sehr beanspruchen, geht es auch in seinem Privatleben nicht gerade ruhig zu. Die Journalisten Hanna Brock (mit der er offenbar im Vorgängerband schon eine Art Beziehung hatte), taucht wieder auf und eine erneute Liebesgeschichte nimmt unweigerlich ihren Lauf.
Die Ermittlungen werden meiner Meinung nach sehr realistisch geschildert; die Autorin hat auf jeden Fall ihre Hausaufgaben gemacht. Der Verlauf wird schön detailreich beschrieben und geht über das, was man aus Krimiserien im Fernsehen kennt, hinaus. Auch die Charaktere der Hauptfiguren sind gut herausgearbeitet; ihre unterdrückte Wut wird genauso deutlich wie kleine Macken oder schwelende Konflikte. Der Schreibstil ist flüssig zu lesen, nicht zu anspruchsvoll, aber auch nicht seicht. Der für jeden Krimi obligatorische Spannungsbogen ist auf jeden Fall vorhanden, nimmt in der Mitte zwar ganz kurz ab, geht dafür aber gegen Schluss wieder richtig in die Höhe.
Ganz besonders gut haben mir die psychologischen Knackse (Knickse? Was auch immer ;D ) der Figuren gefallen; teilweise lustig aber größtenteils beängstigend und alle sehr sensibel dargestellt.
Dieser Kriminalroman bekommt von mir 4 Wölkchen; er ist spannend zu lesen, hat wie es sich gehört einige Überraschungen parat und ist wunderbar zum schnellen zwischendurch Lesen.


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen