30.11.2011

[Rezi] Nina Blazon - Faunblut

22:34 0 Comments

Erscheinungsjahr: 2008
Genre: Jugend-/Fantasyroman
Seitenzahl: 478


Teaser: 
Sie spürte kaum, wie sie die Finger in die Fensterbank krallte. Ihr Spiegelbild im Fluss hatte die Hände vor das Gesicht geschlagen und weinte. "Ich weiß", murmelte Jade. "Ich habe auch Angst".





Handlung
In Jades Heimatstadt brodelt es. Die alleinige und diktatorische Herrscherin führt ein strenges Regime und wer sich dagegen stellt, wird kurzerhand aus dem Weg geräumt. Ihr nächsten Untergebenen ergötzen sich an dem Leid der einfachen Bevölkerung und so sind es ziemlich grausame Zustände, in denen Jade aufwächst. Aus diesem Grund existiert eine breite Untergrundbewegung in der Stadt, die sowohl das politische Ziel verfolgt, der Herrscherin ihren Thron zu entreißen, als auch in Form eines florierenden Schwarzmarktes beispielsweise, das entbehrungsreiche Leben ein bisschen angenehmer zu machen.
Plötzlich tauchen überall in der Stadt und in der Wila – ein Fluss, der durch die Stadt fließt und sozusagen ihr Wahrzeichen ist – Echos auf; Wesen ohne Blut und somit ohne Körper, über die bei den Bewohnern der Stadt die gräulichsten Geschichten kursieren, weshalb sie von allen gehasst werden. Doch Jade sieht in diesen Echos mehr als nur die mordenden Monster. Irgendetwas verbindet sie mit ihnen und sie kann sich nicht vorstellen, dass Echos nichts als seelenlose Mörder sind, wie es die Geschichten erzählen. Also versucht sie, so viel wie möglich über diese Wesen herauszufinden. Parallel dazu ziehen in das Hotel, das Jades Vater betreibt, Jäger ein, die darauf spezialisiert sind, Echos aufzuspüren und zu vernichten. Als Gäste der Herrscherin haben sie haben sie alle Mitarbeiter in ihrer Hand, denn ihr Wort zählt fast ebenso schwer, wie das der Herrscherin selbst. Einer dieser Jäger ist Faun, ein verschlossener, arroganter Typ, mit dem sich Jade ziemlich schnell anlegt. Doch nach einiger Zeit entwickeln sich Gefühle zwischen den beiden und sie verlieben sich ineinander. Eine Beziehung entsteht, die von Anfang an unter mehr als schlechten Sternen steht, denn in dem herannahenden Krieg werden Jade und Faun an der jeweils anderen Front kämpfen.

Meine Meinung
Mit diesem Buch hat die Autorin einen in sich abgeschlossenen Roman geschaffen, was mir gerade in diesem Genre zur Zeit sehr bemerkenswert erscheint.
Es geht um die junge Jade, die in einer fremdbestimmten und der Willkür einiger Weniger ausgesetzten Welt lebt. Ihr Vater hat dank seiner guten Beziehungen zur Lady – so nennt sich die Herrscherin – die Genehmigung erlangt, ein Hotel am Rande des Flusses zu führen. Dieses läuft nicht besonders gut, aber die beiden und Lillin die Köchin kommen über die Runden. Jades Leben besteht hauptsächlich darin, ihren Vater im Hotel zu unterstützen und den Fährleuten, die wie eine Familie für Jade sind am Fluss zu helfen, wenn Waren ankommen oder sonstige Arbeit ansteht. Oft besucht sie auch den Schwarzmarkt, weil viele Dinge, die man im Alltag braucht, regulär einfach nicht zu bekommen sind. Es gelingt der Autorin hier sehr gut, die Lebensumstände der Stadtbewohner darzustellen, die Trostlosigkeit und Resignation. Bei einem solchen nächtlichen Ausflug zum Schwarzmarkt jedenfalls geschieht dann etwas seltsames. Jade und Lillin sind auf der Flucht vor einem Echo, das die beiden aufgespürt hat und verfolgt. Gleichzeitig müssen sie aber auch vor den Jägern der Lady flüchten, die zwar eigentlich dem Echo auf der Spur sind, aber auch den Schwarzmarkt sprengen, wenn sie ihn entdecken. Durch eine Verkettung der Umstände passiert es, dass das Echo vor Jades Augen getötet wird und das ist ein Schlüsselmoment für Jade. Sie, die sie ja selbst vor den Jägern, die das Echo umgebracht haben, weggelaufen ist, fühlt mit dem Echo mit und empfindet Mitleid mit ihm. Auf einmal kann sie sich gar nicht mehr vorstellen, dass Echos einfach von Natur aus die Feinde der Menschen sein sollen. Also beginnt sie damit, so viel wie möglich über sie in Erfahrung zu bringen. Antworten sucht sie zunächst bei dem verrückten Ben, der schon über 100 Jahre alt ist und zunächst ihre einzige Hoffnung ist. Doch dann werden spezielle Jäger aus dem entfernten Nordland im Hotel einquartiert; extra von der Lady engagiert, um die Echos ein für allemal auszumerzen. So sitzt Jade quasi an der Informationsquelle – auch, wenn sie ziemlich abgelenkt ist zu ihren Gefühlen für Faun, der einer der Jäger ist und mit dem sie von Anfang an so ihre Differenzen hat. Doch natürlich verlieben sich die beiden ziemlich schnell ineinander und kommen auch wider besseren Wissens zusammen.
Dabei nimmt der Teil der Liebesgeschichte einen vergleichsweise geringen Raum ein, was mir sehr gut gefallen hat. Hauptsächlich geht es in der Story darum, die Geheimnisse der Echos aufzuklären, die Machtverhältnisse zu durchschauen und gegen die herrschenden Zustände zu kämpfen, weil sie untragbar sind – auch wenn die Aussicht auf einen Sieg nur gering erscheint. Dabei wird genau der richtige Mittelweg gefunden; die Handlung bietet eine sehr ausgewogene Mischung aus der Jades Liebesleben und dem politischen Kampf, den es auszutragen gilt – zumindest für Menschen wie mich, die gegen Kitsch allergisch sind ;D. Jade muss für ihre Ideale einstehen, sich ihren Ängsten stellen und gut gehütete Geheimnisse ihrer Vergangenheit erfahren, bevor sie das Rätsel um die Echos lösen und die Rebellion gegen die Lady unterstützen kann.
Der Schreibstil der Autorin ist, um es in einem Wort zu sagen, fluffig. Man kann ihm gut folgen, aber sie schreibt nicht total anspruchslos. Die Welt, die sie skizziert, ist für den Leser direkt greifbar, weil eine absolut glaubwürdige Atmosphäre geschaffen wird. Man hört richtig das Plätschern des Flusses, die Rufe der Jäger und auch Jades Gedanken sind sehr einfühlsam dargestellt. Die Charaktere an sich sind vielleicht ein bisschen prototypisch, aber darüber kann man hinwegsehen, weil sie dann eben doch nicht immer das machen, was man von ihnen erwartet. Das sorgt für Spannung, überraschende Wendungen und macht die Geschichte authentisch.
Für mich also ein absolut gelungenes Buch, das von mir 4 Wölkchen und eine uneingeschränkte Leseempfehlung für alle Fantasy-Fans bekommt :)


26.11.2011

Music Day Saturday N°2

11:03 0 Comments
Auch wenn diese Woche nicht so viel los war im Haus des Wahnsinns (die Uni und diverse andere Aktivitäten meines Soziallebens lassen mir momentan wenig Zeit am Computer), gibt es trotzdem Numero zwei des Music Day Saturday :D
Die Aktion stammt von Jessi und bietet eine schöne Gelegenheit, seine Lieblingslieder in die Welt hinauszuschicken, ohne sie dabei lauthals schief und falsch (zumindest in meinem Fall ;D ) mitzugrölen. Beziehungsweise bekommt es keiner mit, wenn man es doch tut ;)
Da ich zu der Sorte Mensch gehöre, die sich im Prinzip nur unter Androhung körperlicher und psychischer Gewalt auf eine bestimmte Sache, welcher Art auch immer, festlegen können, gibt es auch diesmal wieder nicht ein einziges Lieblingslied, sondern drei :D

Bitteschön :)

1. Milow - Little in the Middle
Okay, ich gröle doch laut und schief mit xD

2. Gentleman - Superior
Macht mir immer Sommerlaune bei diesem Grau-in-Grau :)

3. Rolling Stones - Paint it black
Klassiker gibts bei mir auch manchmal

Soooo, ich habe fertig :D
Hoffe, ihr habt genauso viel Spaß beim Hören, wie ich ;)

22.11.2011

[Mini-Rezi] Jennifer Armintrout - Herrscherin des Lichts

23:55 1 Comments
Erscheinungsjahr: 2011
Originaltitel: Queene of Light
Genre: Fantasy
Seitenzahl: 347


Teaser:
Als er abermals einem Hieb auswich, konnte er einen kurzen Blick auf das Wesen werfen, und Wut begann in seinen Adern hochzukochen. Die Lichtquelle über ihrem Kopf warf einen goldenen Schimmer auf ihre flammend roten Haare,die hinter ihr auf und nieder hüpften, während sie ihren kriegerischen Tanz fortführte.




In diesem Trilogie-Auftakt wird die Geschichte der jungen Ayra erzählt, die halb Elfe und halb Mensch ist und ihren Platz in einer zerrütteten Welt finden muss.
Von den Menschen in den Untergrund der Erde verbannt, leben die Kreaturen der Lightworld und der Darkworld unter ständiger Anspannung. Jeder misstraut jedem und versucht, seine Machtposition zu festigen. Mitten drin begegnet Ayra, die vor kurzem erst in die Gilde der Assassinen der Lightworld aufgenommen wurde und in deren Auftrag Dämonen und andere Monster der Lightworld aufspürt und vernichtet, Malachi. Dieser bringt ebenfalls den Tod über die Kreaturen der Unterwelt; allerdings arbeitet er für die berüchtigten und gefürchteten Todesengel. Da Ayra und Malachi also aus verfeindeten Lagern kommen, ist ein Kampf quasi vorprogrammiert. Was allerdings nicht vorhersehbar ist: Weil Ayra halb menschlich ist und Unsterbliche zu Sterblichen werden, wenn sie Menschen berühren, wird Malachi seine Fähigkeit genommen und er muss ich von jetzt an als Mensch durchschlagen. Und noch etwas ist bei der Verwandlung Malachis passiert: zwischen ihm und Ayra entsteht eine sehr starke Verbindung, für die beide bereit sind, ihr Leben zu riskieren.

Wie vielleicht schon ein bisschen angedeutet, ist dieser Fantasy-Roman nicht das anspruchsvollste, was man lesen kann. Allerdings vereint die Geschichte Spannung, Action und Gefühl in einer sehr einnehmenden Art und es ist auf jeden Fall ein unterhaltsames Buch. Die Handlung beschränkt sich nicht nur auf Ayras und Malachis Liebesbeziehung - im Gegenteil befindet sich diese eher an zweiter Stelle der Haupthandlungen. Es geht auch noch um Intrigen am königlichen Hof, den Versuch, seinen Platz un der Welt zu finden und noch einiges mehr. Ein schöner Anfang zu einer Reihe, der von mir mit guten 3 Wölkchen ausgezeichnet wird :)




An dieser Stelle noch einem vielen lieben Dank an Rory von Rory's Bücherkiste, die das tolle Zitate-Gewinnspiel veranstaltet hat, bei dem ich dieses Buch gewinnen konnte :D

19.11.2011

Music Day Saturday N°1

12:38 4 Comments
 Ab jetzt wirds musikalisch :)
Immer samstags poste ich für eine zeitlang meine absoluten Lieblingslieder der Woche. Das ganze nennt sich Music Day Saturday und wurde von der lieben Jessi von Jessi loves Music and Books ins Leben gerufen und beinhaltet Ohrwurmgarantie ;) Bis jetzt machen zwar noch nicht so viele mit, aber ich denke, die Idee ist toll und vielleicht findet ja auch ihr Gefallen daran und teilt uns anderen mit, welche Lieder ihr gerade gerne hört.

Eigentlich sollte ich mich im Rahmen der Aktion für ein Lied entscheiden. Weil mir das aber unglaublich schwer fällt, habe ich beschlossen, das ganze auf drei Stück auszuweiten - ich hoffe, das wird mit verziehen ;D

Und hier sind sie, meine Top-3-Lieblingslieder der Woche:

1. Sunrise Avenue - I don't dance
Das höre ich im Moment rauf und runter :D

 

2. Bullet for my Valentine - No easy way out
Eins meiner absoluten Lieblingslieder von einer meiner absoluten Lieblingsbands :)


3. Marlon Roudette - New Age
Und zum Abschluss noch was fürs Herz ;)



So, das ist ein kleiner Auszug aus meiner Playlist ;) Zu Jessis musikalischem Samstag kommt ihr hier. Viel Spaß beim reinhören ♥

18.11.2011

[Rezi] Joseph Gelinek – Die Violine des Teufels

18:14 0 Comments
Erscheinungsjahr: 2011
Originaltitel: El violín del diabolo
Genre: Thriller
Seitenzahl: 475

Teaser:
Perdomo stellte schon beim Anfangsallegro fest, dass Larazzábals Violine eine hypnotisierende Wirkung auf ihr Publikum ausübte, das ihre virtuosen Pirouetten mit angehaltenem Atem verfolgte, als wäre sie eine jener unglaublichen Trapezkünstlerinnen des weltberühmten Cirque du Soleil.




Handlung
Kriminalkommissar Perdomo und sein Sohn Gregorio sitzen im Konzertsaal des großen Auditorio Nacional in Madrid. Gregorio ist ein sehr musikbegeisterter Junge, der ein großes Talent an der Geige besitzt. Nun besucht er mit seinem Vater das Konzert einer der besten Violinistinnen der Welt: Ane Larrazábal. Nach ihrem beeindruckenden Solo wird die Musikerin in der Konzertpause tot in einem der Übungsräume gefunden – stranguliert und auf der Brust mit ihrem Blut das Wort „Teufel“ in arabischen Schriftzeichen geschrieben. Sofort fällt der Verdacht auf islamistische Terroristen. Perdomo, der als erster Polizist am Tatort war, wird mit dem Fall betraut und stellt schnell fest, dass es sich dabei um eine falsche Fährte handelt, die die Ermittlungen vom wirklichen Täter ablenken sollen. Doch wer hat die junge Musikerin auf dem Höhepunkt ihrer Karriere ermordet? Nur eins ist sicher: Wer auch immer die Tat begangen hat, er ist jetzt auch im Besitz der Violine, mit der das Opfer ihre größten Erfolge gefeiert hat und die die berühmt berüchtigte Stradivari des großen Paganini persönlich gewesen sein soll. Nicht nur, dass diese Geige mehrere Millionen Dollar wert ist, es ranken sich auch düstere Geschichten um das Instrument. Angeblich konnte Paganini nämlich nur deshalb solch überragende Kunststücke damit vollbringen, weil er einen Pakt mit dem Teufel persönlich geschlossen hatte und dieser sich nach dessen Tod auf die Geige übertragen hat.

Meine Meinung
Eine weltberühmte Geigerin wird ermordet aufgefunden. Ihr wertvollster Besitz, eine echte Stradivari, ist verschwunden. Auf Grund dessen ist der ermittelnde Kommissar gezwungen, tief in die Materie der klassischen Musik, der Instrumentengeschichte und in das ziemlich gnadenlose Business der Orchestermusik einzutauchen. Hierbei gelingt es dem Autor, auch für Laien verständlich zu schreiben. Zwar werden einige Fachbegriffe nicht erklärt, sind aber auch nicht weiter wichtig für den Verlauf der Handlung und wurden somit von mir gekonnt überlesen. Einiges wird aber durchaus auch erläutert, sodass man dieses Buch auch gut als kleine Auffrischung der Allgemeinbildung betrachten kann.
Perdomo, der ermittelnde Kommissar steht ziemlich unter Druck in diesem Fall schnell Ergebnisse zu liefern, da das Medieninteresse bei einer so berühmten Persönlichkeit natürlich riesig ist. Jeder noch so kleinen Spur muss er nachgehen, auch wenn er als sehr rationaler Mensch nicht an Flüche oder Teufel glaubt. Da aber viele Menschen im unmittelbaren und auch entfernten Umfeld der Geige davon überzeugt sind, dass das Instrument verflucht ist, weil alle Besitzer – angefangen bei Paganini selbst – eines gewaltsamen Todes gestorben sind, schaltet er mehr aus Neugierde als aus Überzeugung, eine Parapsychologin ein, die ihn unterstützten soll. Und diese fördert wirklich erstaunliche Ergebnisse zu Tage und nicht nur diesem Zusammenhang bekommt man als Leser Gänsehaut bei einigen Passagen.
Auch ansonsten kann man sagen, dass der Schreibstil zwar nicht der allerspannendste ist, ich zumindest aber sehr gut unterhalten wurde und gefesselt war. Es gibt immer wieder kleine Einbrüche, aber diese sind wirklich nur ganz kurz und schnell geht die Geschichte wieder actionreich weiter. Vor allem am Ende legt das Tempo noch einmal ordentlich zu und ich konnte das Buch kaum noch aus der Hand legen. Neben den Ermittlungen laufen parallel noch mehrere Nebenerzählungen, die der Geschichte Leben einhauchen und sie authentisch machen. Sei es nun zum Beispiel ein kleiner Ausflug zu einem Geigenbauer oder in Perdomos Vergangenheit, als seine Frau bei einem Unfall ums Leben kam; einem Schicksalsschlag, den er und sein Sohn noch nicht wirklich verarbeitet haben.
Insgesamt also für mich eine solide Leistung; die Geschichte verwebt fundiertes musikalisches Fachwissen mit einem spannenden Ermittlungsfall, mysteriösen Begebenheiten und überraschenden Verschwörungen. Für mich war das Setting der Handlung in das Auditorio Nacional in Madrid sehr interessant und begeistert hat mich auch den Einblick aus erster Hand in das „Geschäft“ der klassischen Musik, das ich mir nicht so krass vorgestellt habe. Was ich auch sehr gelungen finde, ist die teilweise Verarbeitung echter historischer Begebenheiten in dem Roman, auf die der Autor sagar ganz am Anfang extra noch einmal hinweist.
Von mir gibt es schöne 3 Wölkchen

  

16.11.2011

[Gerede] Ist euch eigentlich schonmal aufgefallen...

21:05 3 Comments
...dass wir im Moment von Werbespots für Fotoapparate überschwemmt werden?

Klar, es gibt auch andere Sachen, die verhältnismäßig viel beworben werden. Das berühmte iPhone zum Beispiel. Aber trotzdem habe ich in letzter Zeit doch einen enormen Anstieg an Digicams, die per Fernseher durch mein Zimmer flattern, verzeichnet.
Warum mich das überhaupt beschäftigt? Weiß ich auch nicht so genau :P Es ist mir einfach aufgefallen und ich hab mich mal gefragt, woran das liegen könnte. Denn anscheinend ist die Nachfrage nach Kameras ja enorm hoch geworden. Wären sie nicht so beliebt, würde man wohl kaum so ne krasse Werbeschiene fahren.
(Amateur-)Fotografie erlebt also gerade einen Hype. Vielleicht liegt es daran, dass viele Menschen gerne besondere Momente festhalten wollen, um sie sich immer wieder in Erinnerung rufen zu wollen. Oder daran, dass ein selbstgebastelter Fotokalender ein tolles Weihnachtsgeschenk für Oma und Opa ist.
Oder aber es liegt schlicht und ergreifend daran, dass viele Leute Facebook-süchtig sind und sogar die Zeit, die sie offline verbringen (müssen) im Nachhinein für die digitale Welt vergegnwärtigen wollen. Wenn du keine gute Kamera hast, dann ist es dein Leben offensichtlich nicht wert, fotografiert zu werden. Und wenn du keine Fotos machst, kannst du auch keine posten. Und dann bist du langweilig. Genau wie dein Leben. Das ist es, was die ganzen Werbespots für mich aussagen. Nur vielleicht ein bisschen subtiler. Warum sonst ist meine Pinnwand übersäht mit Bildern von pink lackierten Fußnägeln oder komplett zugemüllten Sofalandschaften? Also, mal abgesehen davon, dass es für mich wirklich eine lebenswichtige Information ist, wie sämtliche Glätteisen meiner "Buddys" aussehen, muss ich doch fragen: will das wirklich einer sehen?

Wie gut nur, dass es neben Facebook noch die wunderbare Welt der Blogger gibt, in der die veröffentlichten Fotos nicht nur der stupiden "Hey-ich-hab-ein-cooles-Leben"- Bekräftigung dienen, sondern einen künsterlischen Anspruch haben ;)

12.11.2011

[Rezi] Melina Gerosa Bellows – Wunschgeflüster

22:30 3 Comments
Erscheinungsjahr: 2010
Originaltitel: Wish
Genre: Roman
Seitenzahl: 394



Teaser:
Wie aufs Stichwort schwingt die Küchentür auf und Bobby kommt herein. Obwohl ich ihn jeden Tag sehe, betrachte ich ihn heute mit den Augen eines Fremden. Ich winde mich beim Anblick seines Helms, des Flanellschlafanzugs (auf den er besteht) und seiner Brotdose mit Mork and Mindy.



Handlung
Die Hauptfigur dieses Romans ist Bella, die dem Leser die Geschichte ihres Lebens erzählt. Die Hauptrolle darin hat – neben ihr selbst – auch noch Bobby, ihr Zwillingsbruder.
Bobby ist Autist und seine Krankheit prägt natürlich Bellas Kindheit und ihr gesamtes weiteres Dasein. Zu jeder Etappe ihres Lebens gibt es eine kleine Story, die den Fortlauf ihrer Lebensumstände und vor allem auch Bellas persönliche charakterliche Entwicklung beschreibt. Begonnen wird mit einem Ausschnitt aus Bellas Alltag, wie sie ihn als 8-jähriges Mädchen erlebt hat. Schon hier zeichnet sich ab, was den Roman wie ein roter Faden durchzieht: Bella fühlt sich verantwortlich für ihren Bruder, der immer wieder schlimme Tobsuchtsanfälle bekommt und für längere Zeit ins Krankenhaus muss, während sie wie jedes andere Mädchen versucht, Spaß zu haben und ihre Eltern stolz zu machen. Von ihrem schlechten Gewissen ihrem Bruder gegenüber, der solch ein kompliziertes Leben führen muss, abgesehen, leidet sie auch unter der Tatsache, dass ihre Eltern kaum die Kraft dafür aufbringen können, Zeit mit ihrer Tochter zu verbringen. Denn natürlich bedeutet ein autistisches Kind sehr viel Arbeit und Bella bleibt oft auf der Strecke.

Meine Meinung
Was bei diesem Buch als erstes auffällt, ist die Gestaltung der einzelnen Kapitel. Am Anfang ist jeweils in Form eines kleinen Steckbriefs aufgelistet, in welchem Jahr der Lebensabschnitt spielt, wie alt Bella ist, was für Idole sie hat, und so weiter. Das fand ich schonmal einen originellen Beginn.
Und auch der Rest des Buches hat mich absolut überzeugt. Anfangs dachte ich zwar noch (und in gewisser Weise stimmt es natürlich auch), dass der Fokus extrem auf Bellas Männergeschichten liegt. Die Etappen ihres Lebens werden im Prinzip gleichgesetzt mit den Beziehungen, die sie hat oder sich wünscht. Aber gegen Ende des Buches wird deutlich, wie viel mehr dahinter steckt, wenn man als Leser ein bisschen tiefer unter die Oberfläche schaut.
Bellas Bruder ist Autist und dementsprechend hat Bella nicht gerade das, was man eine sorglose Kindheit nennt. Sie fühlt sich nicht nur hilflos Bobbys Krankheit gegenüber, dessen Krankheit in ihrer beider Kindheit – in den 70er Jahren – noch relativ unerforscht ist und es deshalb nur wenige Formen der Erleichterung für Erkrankte und Angehörige seitens der Medizin gibt. Nein, sie hat außerdem das Gefühl, als Ausgleich zu dem „Problemkind“ der Familie immer die perfekte Vorzeigetochter zu sein. Und je mehr sie sich nach ein bisschen Anerkennung von ihren Eltern sehnt, desto größer ist ihre Enttäuschung, wenn sie mal wieder ignoriert wird. Ihre Eltern lieben sie zwar, können es ihr aber nicht zeigen, weil ihre gesamtes Gefühlsleben für Bobby aufgebraucht wird. So wächst Bella mit dem Gefühl auf, dass niemand sie unterstützt und ihr bei ihren Problemen hilft. So muss sie sich um alles selbst kümmern, ohne den Rückhalt ihrer Eltern. Deshalb fängt sie schon als kleines Mädchen damit an, bei jeder Gelegenheit Wünsche in die Welt zu senden – ob es sich um glatte Haare handelt oder um das perfekte Brautkleid und später um den perfekten Ehemann. Da ihr sonst ja niemand zuhört, bleibt ihr nur diese eine Möglichkeit. Und deshalb muss sie unbedingt heiraten; weil sie denkt, dass ihre gläubig katholischen Eltern endlich dann zufrieden mit ihr sind. Also ist ihr Hauptanliegen tatsächlich der, schnellstmöglich einen Mann zu bekommen. Was anfangs wie gesagt vielleicht etwas monoton ist, entwickelt sich aber ziemlich schnell zu einer anspruchsvollen Psychoanalyse. Mit jeder gescheiterten Beziehung – und davon gibt es so einige - findet Bella Schritt für Schritt zu sich selbst und erkennt langsam, warum sie so unzufrieden mit sich und ihrem Leben ist, und dass ein Mann daran nichts ändern wird. Dabei geht die Autorin meiner Meinung nach mit viel Feingefühl vor, schreibt im wahrsten Sinne des Wortes herzbewegend, gerade wenn es um Bobby geht, an den zu jeder Zeit in ihrem Leben Bellas meiste Gedanken und Wünsche gehen. Die Romanzen und Beziehungen werden ganz ohne Kitsch geschildert, auch wenn oft Romantik im Spiel ist und die Gefahr dann auch immer groß ist, dass ein Autor zu schmalzig wird. Hier ist das zum Glück kein bisschen der Fall, im Gegenteil lässt einen Bellas trockener, schlagfertiger Humor die Komik an jeder noch so paradoxen Situation erkennen. Der Erzählstil ändert sich im Laufe der Geschichte; genauso, wie Bella auch diverse Veränderungen durchlebt. Er ist immer an ihr Alter angepasst und stellt die Abschnitte dadurch authentisch dar, vor allem, weil man auch in den Abschnitten, in denen Bella 21 oder 37 Jahre alt ist, immernoch die 8-Jährige vom Anfang wieder erkennt.
Dieses Buch ist wirklich ein ganz besonderer Schatz; ich musste lachen, weinen, lachen UND weinen, habe mit Bella mitgefiebert und nebenbei einiges über Autismus gelernt – auch wenn ich finde, dass dieses ja doch spezielle Thema ein wenig zu knapp behandelt wurde und ich einiges googlen musste. Trotzdem ein neues Lieblingsbuch. 5 rosa Wölkchen von mir ♥


10.11.2011

Kongnitive Defizite Oder: Was ist denn hier los?!

09:43 3 Comments
Seit einigen Tagen verwirre ich mich selbst. Das ist ziemlich tragisch, weil dadurch mein ohnehin meist schon überdurchschnittlich hoher Verwirrtheitsgrad noch gesteigert wird und ich damit alle Personen, die sich in meinem nähren (und auch entferneteren) sozialen Umfeld bewegen, anstecke. Von außen betrachtet ist das vielleicht ganz amüsant, aber spätestens wenn man dank meiner Wenigkeit Puderzucker in den Haaren hat oder hinter dem falschen Bus herrennt, um dann an dessen Endstation festzustellen, dass man die ganze Zeit in die falsche Richtung gefahren ist, macht das nicht mehr soooo viel Spaß.
Worauf ich aber eigentlich hinaus will ist, dass mein Leseverhalten auch absolut merkwürdig geworden ist in den letzten Tagen und ich deshalb grade gar nicht mehr klarkomme :P Es liegen hier nämlich zur Zeit 5 (!) angefangene Bücher herum und heute Abend werde ich wahrscheinlich das sechste beginnen. Und das ist eigentlich so gar nicht meine Art zu lesen. Mehr als zwei Bücher parallel gibt es nicht. Aber das schlimmste kommt erst noch: man kann nämlich in diesem Fall eigentlich gar nicht von lesen reden. Denn was hier momentan läuft sieht in etwa so aus: Ich hab voll Bock drauf, zu lesen. Ich weiß aber nicht genau, worauf. Ich fange ein Buch an. Es gefällt mir richtig gut. Nach ungefähr 30 Seiten fällt mir irgendwas ein, was unbedingt noch erledigt werden muss. Danach habe ich keine Lust mehr auf das angefangene Buch. Hab aber voll Bock zu lesen. Weiß aber wieder nicht genau, worauf, sondern nur, worauf eben nicht (nämlich auf das erste Buch). Und fange ein neues an. Und das geht dann so weiter und weiter und jetzt sitze ich hier und überlege ernsthaft, eine kleine Zwangspause einzulegen und mehr fern zu sehen. Oder mehr für die Uni zu tun. Oder so. Aber das gefällt mir dann auch wieder nicht :P
 Offensichtlich befinde ich mich gerade in einer sehr schwierigen Phase. Also lesetechnisch. Als Erklärungsmodell habe ich folgende Selbstdiagnose gestellt: bipolare affektive Störung. Ganz eindeutig. Bipolar, weil ich zwischen den zwei Stimmungen "Lesen! Lesen! Lesen!" und "Mooooaaaaah, keine Lust" hin- und her schwanke. Affektiv, weil das ganze für mich emotional sehr aufgeladen ist und das mit der Störung muss ich wohl nicht näher erläutern ;D
Ich werde nun also alle meine Bücher quasi reseten und wieder zum SUB legen. Heute fange ich dann wieder ganz von vorne an und such mir ein neues aus. Und wenn ich dann da auch nicht hängen bleibe, heißt es wohl --> "ab auf die Couch" oder so ähnlich - zum fernsehn natürlich :D

08.11.2011

[Stöckchen] Satzpuzzel

10:33 3 Comments
Heute habe ich mal wieder ein Stöckchen gefunden. Hier hab ich es aufgesammelt und finde, dass es das bisher interassanteste meiner (zugegebendermaßen relativ kleinen Anzahl) hier geposteter Stöckchen ist ;)
Es geht darum, zuerst nach ein paar Büchern zu angeln, daraus jeweils einen Satz zu fischen und diese Sätze dann zu einer Geschichte zusammenzupuzzeln. Und hier mein Fang:

Schritt 1:
5 Bücher aus dem Bücherregal, unter dem Bett, auf dem Klo oder sonst wo suchen. Hauptsache fünf Bücher, egal ob zufällig oder gezielt rausgesucht. 5 Bücher. Nicht 4. Nicht 6. 5. F ü n f.

Ich habe einfach blind in mein Regal gegriffen und diese hier herausgezogen:

1. Petra Busch - Mein wirst du bleiben


2. Markus Zusak - Die Bücherdiebin

3. Jennifer L. Holm - Boston Jane und der unheimliche Fremde

4. Wendy Maas - Das Leben ist kurz, iss den Nachtisch zuerst

5. Uli T. Swidler - Toskana für Arme


Schritt 2:
Wie lautet der erste Satz des ersten Buches?
Heute wird das Licht zurückkehren.

Schritt 3:
Der letzte vollständige Satz auf Seite 50 des zweiten Buches?
Die Haustür war ein paar Meter vom Tor entfernt, aber Frau Holzringer meisterte diese Distanz mit verblüffender Treffsicherheit.

Schritt 4:
Der zweite vollständige Satz auf Seite 100 des dritten Buches?
In den Monaten, in denen ich hier gelebt hatte, hatten mich alle entweder enttäuscht oder getäuscht.

Schritt 5:
Der vorletzte vollständige Satz auf Seite 150 des vierten Buches?
Sie trägt ein dünnes Goldkettchen um den Hals, an dem zwei ineinander verschlungene Herzen hängen.

Schritt 6:
Der allerletzte Satz des fünften Buches?
Auf der Fahrt hatten wir so viele magische Momente, in denen die Zeit stehen blieb, dass ich mich heute noch wundere, dass wir jemals oben angekommen sind.

Finale:
Eine Geschichte aus allen 5 Sätzen bilden:

In den Monaten, in denen ich hier gelebt hatte, hatten mich alle entweder enttäuscht oder getäuscht. Die Haustür war ein paar Meter vom Tor entfernt, aber Frau Holzringer meisterte diese Distanz mit verblüffender Treffsicherheit. Sie trägt ein dünnes Goldkettchen um den Hals, an dem zwei ineinander verschlungene Herzen hängen. Heute wird das Licht zurückkehren. Auf der Fahrt hatten wir so viele magische Momente, in denen die Zeit stehen blieb, dass ich mich heute noch wundere, dass wir jemals oben angekommen sind. 


Wer möchte, darf sich das Stöckchen sehr gerne mitnehemen; ich bin gespannt auf eure Geschichten :)

05.11.2011

[Rezi] Nicholas Sparks - Bis zum letzten Tag

16:37 3 Comments
Erscheinungsjahr: 2008
Originaltitel: The Choice
Genre: Liebesroman
Seitenzahl: 412


Teaser:
Wieder nickte Gabby nur. Ihr Magen war auf einmal ganz unruhig. Warum machte seine Gegenawart sie nur so kribbelig? Sie schaute ihm nach, bis er in seinem Haus verschwunden war, dann legte sie das Gehege mit Zeitungen aus und ging anschließend ins Schlafzimmer, um ihr Badezeug zusammenzusuchen. Die Quizfrage lautete: Bikini oder Einteiler?

Handlung
Im Leben von Travis Parker läuft alles wunderbar. Er hat ein schönes Häuschen in einer Kleinstadt in der Nähe vom Meer, einen gut bezahlten Job und einen engen Freundeskreis. Er liebt seinen verhaltensoriginellen Hund, ausgefallene Sportarten und geht gerne auf Partys. Was aber noch fehlt in seiner perfekten Welt, ist die Frau, mit der er eine Familie gründen möchte. Denn davon träumt Travis schon sein Leben lang; vor allem, seit seine drei besten Freunde nacheinander Väter geworden sind, wünscht er sich mehr und mehr, ebenfalls ein harmonisches Familienleben.
Gerade zu diesem Zeitpunkt zieht Gabby als seine unmittelbare Nachbarin in die beschauliche Kleinstadt. Sofort funkt es zwischen den beiden und obwohl Gabby eigentlich vergeben ist, werden sie und Travis doch schnell ein Paar, heiraten und bekommen zwei Kinder. Alles scheint perfekt, aber dann zwingt ein tragischer Schicksalsschlag Travis dazu, die wohl schwierigste Entscheidung zu treffen, vor die ein Mensch gestellt werden kann.

Meine Meinung
Bis zum letzten Tag ist das erste Buch von Nicholas Sparks, das ich gelesen habe. Allzuviel erwartet habe ich nicht und bin deshalb um so erstaunter, dass meine ohnehin geringe Erwartungshaltung doch noch enttäuscht werden konnte.
Es geht also um den absolut perfekten Travis Parker. Sein Aussehen ist perfekt, sein Job ist perfekt, seine Freunde sind ebenfalls perfekt und sein Charakter? Der ist natürlich auch perfekt; Travis ist charmant, humorvoll, geduldig, kann toll mit allen umgehen und ist einfach zum verlieben. Sein ganzes Leben strotzt nur vor Harmonie; die größten Konflikte hat er mit seiner Schwester Stephanie, die hin und wieder bissige Bemerkungen über dies und das macht. Aber nur im Spaß versteht sich; alle finden sie und ihre Spötteleien total witzig und nichts kann den Frieden trüben. Da zieht auf einmal Gabby zur Nachbarschaft und alles ändert sich. Oder doch nicht? Zumindest am Anfang gibt sie sich ganz unnahbar und abweisend und möchte so gar nichts mit unserem Sunnyboy zu tun haben. Das kann dieser aber natürlich nicht auf sich sitzen lassen und fängt an, mit ihr, der ebenfalls gut aussehenden Gabby, die sich ihrer Attraktivität aber gar nicht bewusst ist und von sich selbst denkt, dass sei ein sehr unsicheres Auftreten hat, zu flirten. Da die beiden sich offensichtlich so perfekt ergänzen, dass sie es selbst kaum glauben, verlässt Gabby ihren Freund und heiratet Travis. Damit endet der erste Teil des Romans und ich muss leider sagen, dass der mir so gar nicht gefallen hat. Überall nur Love, Peace und Harmonie, das war mir einfach zu viel. Sparks verfolgte bei diesem Buch offensichtlich eine Konfliktvermeidungsstrategie, die ihn leider ziemlich unglaubwürdig aussehen lässt. Nicht einmal die Trennung von Gabby und ihrem Freund wird als Möglichkeit genutzt, ein bisschen Pepp in die ganze Story zu bringen. Stattdessen wird es gerade mal in einem Nebensatz erwähnt, dass Gabby hin – und hergerissen ist zwischen „der Liebe zweier Männer“ und unheimlich leidet und verwirrt ist. Zu spüren bekommt man als Leser davon aber nichts.
Der zweite Teil liest sich dann im Gegensatz schon etwas besser; eine leichte Spannungskurve ist zu erkennen, als das heile Familienleben erschüttert wird und Travis vor einer moralisch und ethisch sehr schwierigen Entscheidung steht. Jetzt erwarte ich natürlich keine philosophische Abhandlung über dieses Thema (auf das ich nicht näher eingehen werde, um etwaigen Lesern des Buches nicht auch noch das letzte Fünkchen Spannung zu rauben), aber ein bisschen mehr Reflexion ist meiner Meinung nach nicht zu viel verlangt. Doch immerhin: das Problem existiert und wird tatsächlich in der Geschichte behandelt. Zwar liegt der Fokus hier auf Travis' Selbstmitleid, aber dadurch wird seine Verzweiflung und Überforderung deutlich. Das muss man dem Autor lassen – Gefühle in Worte packen kann er; nur driften seine einseitigen Beschreibungen im ersten Teil deutlich zu oft ins Kitschige ab. Hier macht er das zumindest zum Teil wieder ein wenig gut, zerstört die Bilanz aber wieder mit einem voraussehbaren, linientreuen Ende.
Mir bleibt auch einfach verschlossen, was genau Sparks mit diesem Roman sagen wollte, oder wo überhaupt die Haupthandlung ist. Der erste, absolut nichtssagende Teil wird sehr lange ausgeführt, damit der Leser die platten und langweiligen Charaktere angemessen kennenlernen kann, und im etwas knackigeren zweiten Teil, auf den der erste im Grunde hinarbeitet, beschränkt sich die Story aber quasi auf Travis Depri-Phase. Viel zum Mitnehmen bleibt da nicht, auch wenn der Ansatz dazu sicher vorhanden ist. Aber weil alles durch dieses Friede-Freude-Eierkuchen-Geplänkel so unglaubwürdig ist, spricht mich der Roman einfach nicht an.
Nun gut, wie zu erkennen ist, konnte ich diesem Buch nicht viel abgewinnen und kann leider gar nicht verstehen, wieso Sparks einer der meistgelesenen Autoren der Welt ist. Aber eine Chance kriegt er von mir noch, sobald ich die Frustration, die dieses Buch bei mir ausgelöst har, verarbeitet habe. Es könnte ja schließlich sein, dass ihm hier einfach nur ein Ausrutscher passiert ist und die anderen Bücher – gerade die verfilmten – deutlich besser sind. Dieses Buch allerdings bekommt genau 1 Wölkchen und wird schnellstmöglich in die Bibliothek zurückgebracht.


02.11.2011

Leserückblick: Oktober 2011

08:42 1 Comments
So, pünktlich zum Monatsanfang ist es wieder mal Zeit für ein kleines Resumée :)
Mal abgesehen von vielen guten Nachrichten, die es diesen Monat allgemein bei mir zu verzeichnen gibt, war auch mein Bücherleben wieder richtig schön. Lesen konnte ich fünf Bücher, was bemerkenswert ist, weil die Uni wieder angefangen ist und ich die Lektüre für selbige (was viiiieeel ist) nicht in meine Statistik aufnehme.
Und hier die Zahlen:

Gelesen:
Ana Veloso - Das Mädchen am Rio Paraíso
Petra Busch - Mein wirst du bleiben
Markus Zusak - Der Joker
Amber Kizer - Meridian. Dunkle Umarmung
Elliot Perlman - Sieben Seiten der Wahrheit

In Seiten:
2628 (...genau 100 Seiten weniger als letzten Monat^^)

Durchschnittsbewertung:
3,6 Wölkchen

Highlight des Monats:
Markus Zusak - Der Joker

Enttäuschung des Monats:
Amber Kizer - Meridian. Dunkle Umarmung

In Bildern:


 Da gibts wirklich nix zu meckern; fast nur gute Bücher und mein Lesepensum hab ich auch gehalten. Alles wunderbar ;D