18.11.2011

# Rezensionen

[Rezi] Joseph Gelinek – Die Violine des Teufels

Erscheinungsjahr: 2011
Originaltitel: El violín del diabolo
Genre: Thriller
Seitenzahl: 475

Teaser:
Perdomo stellte schon beim Anfangsallegro fest, dass Larazzábals Violine eine hypnotisierende Wirkung auf ihr Publikum ausübte, das ihre virtuosen Pirouetten mit angehaltenem Atem verfolgte, als wäre sie eine jener unglaublichen Trapezkünstlerinnen des weltberühmten Cirque du Soleil.




Handlung
Kriminalkommissar Perdomo und sein Sohn Gregorio sitzen im Konzertsaal des großen Auditorio Nacional in Madrid. Gregorio ist ein sehr musikbegeisterter Junge, der ein großes Talent an der Geige besitzt. Nun besucht er mit seinem Vater das Konzert einer der besten Violinistinnen der Welt: Ane Larrazábal. Nach ihrem beeindruckenden Solo wird die Musikerin in der Konzertpause tot in einem der Übungsräume gefunden – stranguliert und auf der Brust mit ihrem Blut das Wort „Teufel“ in arabischen Schriftzeichen geschrieben. Sofort fällt der Verdacht auf islamistische Terroristen. Perdomo, der als erster Polizist am Tatort war, wird mit dem Fall betraut und stellt schnell fest, dass es sich dabei um eine falsche Fährte handelt, die die Ermittlungen vom wirklichen Täter ablenken sollen. Doch wer hat die junge Musikerin auf dem Höhepunkt ihrer Karriere ermordet? Nur eins ist sicher: Wer auch immer die Tat begangen hat, er ist jetzt auch im Besitz der Violine, mit der das Opfer ihre größten Erfolge gefeiert hat und die die berühmt berüchtigte Stradivari des großen Paganini persönlich gewesen sein soll. Nicht nur, dass diese Geige mehrere Millionen Dollar wert ist, es ranken sich auch düstere Geschichten um das Instrument. Angeblich konnte Paganini nämlich nur deshalb solch überragende Kunststücke damit vollbringen, weil er einen Pakt mit dem Teufel persönlich geschlossen hatte und dieser sich nach dessen Tod auf die Geige übertragen hat.

Meine Meinung
Eine weltberühmte Geigerin wird ermordet aufgefunden. Ihr wertvollster Besitz, eine echte Stradivari, ist verschwunden. Auf Grund dessen ist der ermittelnde Kommissar gezwungen, tief in die Materie der klassischen Musik, der Instrumentengeschichte und in das ziemlich gnadenlose Business der Orchestermusik einzutauchen. Hierbei gelingt es dem Autor, auch für Laien verständlich zu schreiben. Zwar werden einige Fachbegriffe nicht erklärt, sind aber auch nicht weiter wichtig für den Verlauf der Handlung und wurden somit von mir gekonnt überlesen. Einiges wird aber durchaus auch erläutert, sodass man dieses Buch auch gut als kleine Auffrischung der Allgemeinbildung betrachten kann.
Perdomo, der ermittelnde Kommissar steht ziemlich unter Druck in diesem Fall schnell Ergebnisse zu liefern, da das Medieninteresse bei einer so berühmten Persönlichkeit natürlich riesig ist. Jeder noch so kleinen Spur muss er nachgehen, auch wenn er als sehr rationaler Mensch nicht an Flüche oder Teufel glaubt. Da aber viele Menschen im unmittelbaren und auch entfernten Umfeld der Geige davon überzeugt sind, dass das Instrument verflucht ist, weil alle Besitzer – angefangen bei Paganini selbst – eines gewaltsamen Todes gestorben sind, schaltet er mehr aus Neugierde als aus Überzeugung, eine Parapsychologin ein, die ihn unterstützten soll. Und diese fördert wirklich erstaunliche Ergebnisse zu Tage und nicht nur diesem Zusammenhang bekommt man als Leser Gänsehaut bei einigen Passagen.
Auch ansonsten kann man sagen, dass der Schreibstil zwar nicht der allerspannendste ist, ich zumindest aber sehr gut unterhalten wurde und gefesselt war. Es gibt immer wieder kleine Einbrüche, aber diese sind wirklich nur ganz kurz und schnell geht die Geschichte wieder actionreich weiter. Vor allem am Ende legt das Tempo noch einmal ordentlich zu und ich konnte das Buch kaum noch aus der Hand legen. Neben den Ermittlungen laufen parallel noch mehrere Nebenerzählungen, die der Geschichte Leben einhauchen und sie authentisch machen. Sei es nun zum Beispiel ein kleiner Ausflug zu einem Geigenbauer oder in Perdomos Vergangenheit, als seine Frau bei einem Unfall ums Leben kam; einem Schicksalsschlag, den er und sein Sohn noch nicht wirklich verarbeitet haben.
Insgesamt also für mich eine solide Leistung; die Geschichte verwebt fundiertes musikalisches Fachwissen mit einem spannenden Ermittlungsfall, mysteriösen Begebenheiten und überraschenden Verschwörungen. Für mich war das Setting der Handlung in das Auditorio Nacional in Madrid sehr interessant und begeistert hat mich auch den Einblick aus erster Hand in das „Geschäft“ der klassischen Musik, das ich mir nicht so krass vorgestellt habe. Was ich auch sehr gelungen finde, ist die teilweise Verarbeitung echter historischer Begebenheiten in dem Roman, auf die der Autor sagar ganz am Anfang extra noch einmal hinweist.
Von mir gibt es schöne 3 Wölkchen

  

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