05.11.2011

[Rezi] Nicholas Sparks - Bis zum letzten Tag

Erscheinungsjahr: 2008
Originaltitel: The Choice
Genre: Liebesroman
Seitenzahl: 412


Teaser:
Wieder nickte Gabby nur. Ihr Magen war auf einmal ganz unruhig. Warum machte seine Gegenawart sie nur so kribbelig? Sie schaute ihm nach, bis er in seinem Haus verschwunden war, dann legte sie das Gehege mit Zeitungen aus und ging anschließend ins Schlafzimmer, um ihr Badezeug zusammenzusuchen. Die Quizfrage lautete: Bikini oder Einteiler?

Handlung
Im Leben von Travis Parker läuft alles wunderbar. Er hat ein schönes Häuschen in einer Kleinstadt in der Nähe vom Meer, einen gut bezahlten Job und einen engen Freundeskreis. Er liebt seinen verhaltensoriginellen Hund, ausgefallene Sportarten und geht gerne auf Partys. Was aber noch fehlt in seiner perfekten Welt, ist die Frau, mit der er eine Familie gründen möchte. Denn davon träumt Travis schon sein Leben lang; vor allem, seit seine drei besten Freunde nacheinander Väter geworden sind, wünscht er sich mehr und mehr, ebenfalls ein harmonisches Familienleben.
Gerade zu diesem Zeitpunkt zieht Gabby als seine unmittelbare Nachbarin in die beschauliche Kleinstadt. Sofort funkt es zwischen den beiden und obwohl Gabby eigentlich vergeben ist, werden sie und Travis doch schnell ein Paar, heiraten und bekommen zwei Kinder. Alles scheint perfekt, aber dann zwingt ein tragischer Schicksalsschlag Travis dazu, die wohl schwierigste Entscheidung zu treffen, vor die ein Mensch gestellt werden kann.

Meine Meinung
Bis zum letzten Tag ist das erste Buch von Nicholas Sparks, das ich gelesen habe. Allzuviel erwartet habe ich nicht und bin deshalb um so erstaunter, dass meine ohnehin geringe Erwartungshaltung doch noch enttäuscht werden konnte.
Es geht also um den absolut perfekten Travis Parker. Sein Aussehen ist perfekt, sein Job ist perfekt, seine Freunde sind ebenfalls perfekt und sein Charakter? Der ist natürlich auch perfekt; Travis ist charmant, humorvoll, geduldig, kann toll mit allen umgehen und ist einfach zum verlieben. Sein ganzes Leben strotzt nur vor Harmonie; die größten Konflikte hat er mit seiner Schwester Stephanie, die hin und wieder bissige Bemerkungen über dies und das macht. Aber nur im Spaß versteht sich; alle finden sie und ihre Spötteleien total witzig und nichts kann den Frieden trüben. Da zieht auf einmal Gabby zur Nachbarschaft und alles ändert sich. Oder doch nicht? Zumindest am Anfang gibt sie sich ganz unnahbar und abweisend und möchte so gar nichts mit unserem Sunnyboy zu tun haben. Das kann dieser aber natürlich nicht auf sich sitzen lassen und fängt an, mit ihr, der ebenfalls gut aussehenden Gabby, die sich ihrer Attraktivität aber gar nicht bewusst ist und von sich selbst denkt, dass sei ein sehr unsicheres Auftreten hat, zu flirten. Da die beiden sich offensichtlich so perfekt ergänzen, dass sie es selbst kaum glauben, verlässt Gabby ihren Freund und heiratet Travis. Damit endet der erste Teil des Romans und ich muss leider sagen, dass der mir so gar nicht gefallen hat. Überall nur Love, Peace und Harmonie, das war mir einfach zu viel. Sparks verfolgte bei diesem Buch offensichtlich eine Konfliktvermeidungsstrategie, die ihn leider ziemlich unglaubwürdig aussehen lässt. Nicht einmal die Trennung von Gabby und ihrem Freund wird als Möglichkeit genutzt, ein bisschen Pepp in die ganze Story zu bringen. Stattdessen wird es gerade mal in einem Nebensatz erwähnt, dass Gabby hin – und hergerissen ist zwischen „der Liebe zweier Männer“ und unheimlich leidet und verwirrt ist. Zu spüren bekommt man als Leser davon aber nichts.
Der zweite Teil liest sich dann im Gegensatz schon etwas besser; eine leichte Spannungskurve ist zu erkennen, als das heile Familienleben erschüttert wird und Travis vor einer moralisch und ethisch sehr schwierigen Entscheidung steht. Jetzt erwarte ich natürlich keine philosophische Abhandlung über dieses Thema (auf das ich nicht näher eingehen werde, um etwaigen Lesern des Buches nicht auch noch das letzte Fünkchen Spannung zu rauben), aber ein bisschen mehr Reflexion ist meiner Meinung nach nicht zu viel verlangt. Doch immerhin: das Problem existiert und wird tatsächlich in der Geschichte behandelt. Zwar liegt der Fokus hier auf Travis' Selbstmitleid, aber dadurch wird seine Verzweiflung und Überforderung deutlich. Das muss man dem Autor lassen – Gefühle in Worte packen kann er; nur driften seine einseitigen Beschreibungen im ersten Teil deutlich zu oft ins Kitschige ab. Hier macht er das zumindest zum Teil wieder ein wenig gut, zerstört die Bilanz aber wieder mit einem voraussehbaren, linientreuen Ende.
Mir bleibt auch einfach verschlossen, was genau Sparks mit diesem Roman sagen wollte, oder wo überhaupt die Haupthandlung ist. Der erste, absolut nichtssagende Teil wird sehr lange ausgeführt, damit der Leser die platten und langweiligen Charaktere angemessen kennenlernen kann, und im etwas knackigeren zweiten Teil, auf den der erste im Grunde hinarbeitet, beschränkt sich die Story aber quasi auf Travis Depri-Phase. Viel zum Mitnehmen bleibt da nicht, auch wenn der Ansatz dazu sicher vorhanden ist. Aber weil alles durch dieses Friede-Freude-Eierkuchen-Geplänkel so unglaubwürdig ist, spricht mich der Roman einfach nicht an.
Nun gut, wie zu erkennen ist, konnte ich diesem Buch nicht viel abgewinnen und kann leider gar nicht verstehen, wieso Sparks einer der meistgelesenen Autoren der Welt ist. Aber eine Chance kriegt er von mir noch, sobald ich die Frustration, die dieses Buch bei mir ausgelöst har, verarbeitet habe. Es könnte ja schließlich sein, dass ihm hier einfach nur ein Ausrutscher passiert ist und die anderen Bücher – gerade die verfilmten – deutlich besser sind. Dieses Buch allerdings bekommt genau 1 Wölkchen und wird schnellstmöglich in die Bibliothek zurückgebracht.


Kommentare:

  1. Tolle Rezi *-*
    ..einen Leser mehr für dich! ♥

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  2. Wenn man noch kein Buch von Nicholas Sparks gelesen hat, dann rate ich prinzipiell immer zu "Wie ein einziger Tag", "Zeit im Wind" oder "Weit wie das Meer". Seine älteren Werke sind einfach um einiges besser, als die neuen.
    Vielleicht gibst du dem Autor ja irgendwann nochmal eine Chance :)

    Liebe Grüße,
    Sanny

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  3. Ich liebe Nicholas Sparks Bücher ♥ Auch wenn ich jedes Mal sooo doll weinen muss.
    Ach ja ich bin gerade erst auf deinen Blog gestoßen und wollte mal fragen, ob du dir mal meinen Blog angucken kannst und mir deine Meinung dazu schreiben kannst.
    Lg Marcia

    http://www.teabooksandfairytales.blogspot.com

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