22.12.2011

[Rezi] Charles Dickens - Eine Weihnachtsgeschichte

Erscheinungsjahr: 2004
Originaltitel: A Christmas Carol
Genre: Klassiker
Seitenzahl: 251


Teaser:
Auch dass das Gespenst seine eigene höllische Atmosphäre hatte, war so grauenerregend. Scrooge fühlte sie nicht selbst, aber doch musste es so sein; denn obgleich das Gespenst ganz regungslos dasaß, bewegtsen sich sein Haar, seine Rockschöße und seine Stiefeltroddeln wie von dem heißen Dunst eines Ofens.



Handlung
Der knauserige und verbitterte Ebenezar Scrooge hasst Weihnachten. Das Wetter in Lonodon ist ungemütlich, die Leute singen ständig vor sich hin und sind penetrant gut gelaunt, möchten Spenden und Almosen und die Werte, die für ihn zählen kommen viel zu kurz: Leistung, Geld und die Arbeit. Weihnachten ist für Scrooge die Zeit im Jahr, in dem dieses einem lockeren Leben weicht, Versager eine Sonderbehandlung widerfährt und er seinem Angestellten sogar einen Tag frei geben muss. Scrooge, für den einzig seine Gewinnmaximierung zählt und sich nicht um das Schicksal anderer Menschen kümmert, hasst eigentlich alles. Aber die Weihnachtszeit noch mehr. Doch in diesem Jahr ändert sich alles. In der Nacht vor Heiligabend erscheint ihm zunächst der Geist seines verstorbenen Geschäftspartners Jacob Marley. Dieser war vom gleichen Kaliber wie Scrooge und nach seinem Tod wurde er für seinen egoistischen Lebensstil bestraft: für ewig wird er als in Ketten gelegter Schatten umherwandeln. Um Scrooge vor diesem Schicksal zu bewahren, kündigt er dre Geister an, die ihn besuchen werden: den Geist der Vergangenen Weihnachten, den Geist der Gegenwärtigen Weihnacht und den Geist der Zukünftigen Weihnacht. Der völlig verängstigte Scrooge lässt alle Besuche über sich ergehen und bekommt dabei eine entscheidende Lektion erteilt, die ihn und sein Leben verändern wird.

Meine Meinung
Ich denke, (fast) jedem ist dieser absolute Klassiker mehr oder weniger ein Begriff. Es gibt ja nicht nur endlos viele Fassungen des Buches, sondern auch sehr sehr viele Verfilmungen. Für mich ist es jedes Jahr zu Weihnachten ein Muss, den Film dazu zu sehen und endlich habe ich es geschafft, auch das Buch zu lesen. Meine Fassung ist zwar enorm gekürzt, weil es eine Mini-Mini-Variante ist, aber dennoch kommt die Geschichte genauso zum Ausdruck, wie Dickens einzigartiger Schreibstil, der von so gewaltiger Sprache ist, dass mich bis jetzt jedes Buch von ihm gefesselt hat.
Die Story spielt in London des 19. Jahrhunderts, also zur Wirkungszeit Dickens. Dadurch wird natürlich der Zeitgeist sehr authentisch vermittelt. Scrooge ist ein schrecklicher alter Kauz, der jedem Menschen in seinem Umfeld gereizt und übel gesinnt begegnet und deshalb auch keine Freunde hat. Einzig sein Neffe hat ihn noch nicht aufgegeben und lädt ihn jedes Jahr aufs Neue zum Weihnachtsessen ein. Und jedes Jahr dagt Scrooge ab. Außer diesem Neffen hat Scrooge noch gezwungenermaßen Kontakt zu seinem Angestellten Bob, der sich krumm und buckelig schuftet und nur einen sehr geringen Lohn für seine Arbeit bekommt, sodass er mit seiner Familie in sehr ärmlichen Verhältnissen leben muss. Vor allem für den jüngsten Sohn, Tiny Tim - der schmächtige Tim - ist das gar nicht gut, denn dieser ist von kränklicher Konstitution und müsste dringend gepäppelt werden. Scrooge jedenfalls hat zu anderen Menschen nur gerade so viel Kontakt wie nötig und beschäftiggt sich ansonsten nur mit seinem Geld.
Die drei Geister, die ihm in der Nacht vor Heiligabend erscheinen, sollen ihm die Augen öffnen und ihm zeigen, wie groß sein Einfluss, trotz seiner sehr minimierten sozialen Kontakte, auf das Leben der anderen Menschen hat, wie diese von ihm denken und was das mit ihm macht. So bekommt er die Gelegenheit, sein Leben aus der Position eines Außenstehenden zu betrachten und darüber nachzudenken. Auch wird er entführt in die Zeit, als er selbst jung und voller Hoffnung war, als er sich selbst noch auf Weihnachten gefreut hat und kann so ergründen, wieso er so geworden ist, wie er letztendlich ist. Und dann wird ihm natürlich auch vor Augen geführt, worauf sein Leben hinauslaufen wird, wenn er so weitermacht wie bisher.
Ich finde, mit diesem Werk hat Dickens zwar eine düstere, aber dennoch unglaublich warme Weihnachtsgeschichte geschaffen, die natürlich ein bisschen den moralischen Zeigefinger erhebt, aber trotzdem wichtige Botschaften transportiert. Die Figuren sind facettenreich ausgearbeitet, an sich vielleicht nicht allzu komplex - mit ausnahme von Scrooge selbst - aber das müssen sie auch gar nicht sein, um ihre Wirkung zu haben. In meiner kleinen aber feinen Ausgabe gibt es zusätzlich noch ein paar stimmungsvolle Illustrationen, die ich mir zwar auf Grund der Größe erst dicht vors Gesicht halten musste, aber als ich dann erkannt hatte, was sie jeweils darstellen sollten, fand ich sie richtig schön. Diese wunderbare Geschichte erhält von mir 5 rosa Wölkchen!


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