11.12.2011

[Rezi] Sebastian Fitzek - Splitter

Erscheinungsjahr: 2009
Genre: Psychothriller
Seitenzahl: 364



Teaser:
Schließlich starrte er nach unten. In die sieben Meter tiefe Baugrube, an deren Stelle sich heute mittag noch die Hausnummer 211 befunden hatte - die Bleibtreu-Klinki, die nun ebenso verschwunden warwie der letzte Rest an Normalität in seinem in tausend Teile zersplitterten Leben.




Handlung
Der Strreetworker Mark Lucas, der sein Herz den verlassenen Straßenkindern Berlins verschrieben hat, steht selbst vor dem existenziellen Nichts: bei einem Autounfall sind seine Frau Sandra und sein ungeborenes Baby ums Leben gekommen, während er - der am Steuer saß - nur mit ein paar Schrammen davongekommen ist. Einzig der Splitter, der in seinem Nacken steckt und nicht entfernt werden kann, zeugt äußerlich noch von dem schrecklichen Tag. Aber seelisch hat der Unfall tiefe Narben verursacht und Marc ist so traumatisiert und verzweifelt, dass er sich an eine Privatklinik wendet, in der ein Forschungsprojekt anläuft, welches bei freiwilligen Testpersonen bestimmte Teile des Gedächtnisses löschen soll. In seinem unerträglichen Schmerz über den Verlust seiner Familie erscheint ihm das als einzige Möglichkeit, wieder ein Leben zu haben. Nach der Voruntersuchung geht Marc nach Hause, um das ganze noch einmal in Ruhe zu überdenken. Schließlich ist es ein großer Schritt, sein Gedächtnis löschen zu lassen und das sollte sehr sehr gut überlegt sein. Doch als er an seine Wohnung kommt, beginnt eine Reihe verstörender Erlebnisse für Marc, die ihn nicht nur an seinem Verstand, sondern auch an seiner realen Existenz zweifeln lassen. Hat er doch an dem Experiment teilgenommen, und erinnert sich nur nicht mehr daran? Und warum taucht plätzlich überall seine verstorbene Frau auf?

Meine Meinung
Das zweite Buch von Fitzek für mich - und wieder ein geniales Buch! Man wird direkt in die Handlung hineingezogen und Fitzeks fesselnder Schreibstil bewirkt, dass man sich nicht nur genau mit Marc identifizieren kann, man fühlt mit ihm, ist mit ihm verwirrt, verängstigt und von den Ereignissen total überfordert. Ein Spannungshöhepunkt jagt den anderen und anstelle von Erklärung bekommt man nur immer wieder neue Informationen, die scheinbar gar nicht ins Bild passen wollen.
Parallel zu Marcs eigener Geschichte gibt es noch einen zweiten Handlungsstrang, in dem man seinen Bruder Benny begleitet. Dieser leidet unter dem HSP-Syndrom - er ist eine hypersensibele Person, hat ein unnatürlich ausgeprägtes Mitgefühl und ist deshalb immer kurz vorm Durchdrehen, weil er ständig allen Menschen helfen will. Schon vor langer Zeit ist er in die kriminelle Schiene abgerutscht und hat sich von den falschen Leuten Geld geborgt. Da er es nicht zurückzahlen kann, hat er jetzt deren Schläger an der Backe. Die Brüder haben sich vor langer Zeit zerstritten, doch jetzt wo beide riesengroße Probleme haben, finden sie wieder mehr oder weniger zueinander und die Handlungssträge werden von Fitzek auf eine tolle Weise miteinander verbunden.
Was ich auch noch sagen möchte, obwohl ich weiß wie abgedroschen das klingt, ist, dass mich dieses Buch wirklich zum Nachdenken gebracht hat. Eigentlich hasse ich diesen Satz in Rezis, aber diesmal ist es gerechtfertigt, finde ich. Die Frage, ob ich mein Gedächtnis wirklich löschen lassen würde, also nur die schlechten Erinnerungen, hat mich sehr beschäftigt. Ich bin zu dem Schluss gekommen (wie übrigens Fitzek selbst auch, wie er im Nachwort ausführt), dass das für mich nicht in Frage käme. Zum Glück ist mir zwar noch nie sowas traumatisches passiert, wie Marc in der Story, aber ich denke trotzdem, dass vergessen keine Lösung sein kann. Ich finde, Erinnerungen machen die Persönlichkeit aus. Und wenn man die schlechten einfach eliminiert, wie kann man dann aus seinen Fehlern lernen und zu der Person werde, die man eben ist? Wer weiß, wie ich darüber denken würde, wenn ich tatsächlich eine so krasse Erinnerung hätte, wie Marc, die mach wahnsinnig macht und keine Ruhe lässt. Aber dazu fällt mir ein Zitat von Khalil Gibran ein. Er sagte: Das Leid brachte die stärksten Seelen hervor. Die allerstärksten Charaktere sind mit Narben übersäht.
Sehr passend zum Thema wie ich finde.
Gut, also dieser herausragende Thriller erhält von mir 4 Wölkchen  (den kleinen Abzug muss ich wegen dem ein bissch zu glatten Ende geben; dort hat das Buch für mich ein bisschen geschwächelt)


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