20.12.2011

[Gerede] Wenn das Internet streikt

...und der abhänige Nutzer unerwartet auf kalten Entzug gesetzt wird, geschehen seltsame Dinge.
Die Wäsche bügelt sich fast von alleine.
Das Geschirr ist plötzlich abgespült im Schrank.
Der Berg an Uni-Arbeiten schrumpft kontinuierlich.
Und trotzdem ist am Ende der Arbeit noch eine Unmenge an Tag übrig zum lesen, telefonieren oder um sonstige Aktivitäten auszuführen, für die im normalen Alltag oft die Zeit fehlt. Es ist doch unglaublich, wie viel Zeit so ein Durchschnittsmensch am Computer bzw am Internet verbringt. Ich persönlich setze da sicher noch einiges drauf, denn eigentlich bin ich ständig online. Als bekennende Boykottiererin von Smartphones habe ich zwar wenigstens keinen Draht in die Welt, wenn ich unterwegs bin; aber zu Hause bin ich definitiv daueronline.
Fällt dann wie oben erwähnt mal für zwei Tage das Internet aus, weil die vom vielen Arbeiten erschöpfte Fritz-Box kurzerhand einen Generalstreik einberuft, komme ich schon ganz schön ins Schwitzen. Natüüürlich nur, weil man als Student ohne Internet im Prinzip verloren ist. Wer keine Mails checken und versenden kann, ist auch nicht auf dem Laufenden, was morgen im Seminar drankommt.
In den ersten Offline-Minuten wirkt noch alles wie in einem bösen Traum. Einzig das Mantra "gleich ist wieder ne Verbindung da, gleich ist wieder ne Verbindung da!!" hält einen von einem hysterischen Anfall ab. Doch mit jedem fehlgeschlagenen Verbindungsversuch wächst die Panik, bis sie sich schließlich in einem an Raserei grenzenden Wutanfall entlädt. WIESO muss ausgerechnet jetzt das Internet ausfallen??!? Ist die Wut verraucht, folgt die Phase der Resignation: verdammt, dann mach ich halt was anderes. Nur was? Was soll man bitte ohne Internet tun? Kein Facebook, keine Blogs, kein Youtube, nicht mal googlen kann man. Völlig auf mich alleine gestellt, fing ich damit an, total verrückte Dinge zu tun. Aufzuräumen. Zu lernen. Und über meinen Internetkonsum nachzudenken. Und nach einem Tag ohne Internet begann ich, dieses Gefühl von totaler Unabhängigkeit zu genießen. Nach dem Heimkommen nicht erst den Laptop anschmeißen zu müssen, um zu gucken, was ich verpasst hab. Nicht bis Spätabends noch in Chats rumzuhängen, sondern einfach irgendwas anderes zu tun; was sinnvolles, was sinnloses, völlig egal, ich hatte auf einmal unendlich viel Zeit.
Und jetzt... geht das Internet wieder. Und es wäre gelogen, wenn ich sagen würde, dass ich trotzdem weiterhin lange offline sein werde. Aber: ich habe die Vorteile darin gesehen und werde künftig die meinen Internetkonsum eingrenzen. Es müssen keine 6 Stunden am Tag vorm Computer verbracht werden. Schon gar nicht, um mir einfach nur die Zeit zu vertreiben. Denn eigentlich ist sie dazu viel zu schade :)


Argwöhnisch wacht der Mensch über alles, was im gehört. Nur die Zeit lässt er sich stehlen, am meisten vom Fernsehen
...oder eben vom Internet ;)
Linus Pauling

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