13.01.2012

# Rezensionen

[Rezi] Friedrich Schiller - Die Räuber

Erscheinungsjahr: 2001 (Erstausgabe 1781)
Genre: Drama
Seitenzahl: 149



Teaser:
Weg, weg von mir! Ist dein Name nicht Mensch? Hat dich das Weib nicht geboren? - Aus meinen Augen du mit dem Menschengesicht! - Ich habe ihn so unaussprechlich geliebt! so liebte kein Sohn, ich hätte tausend Leben für ihn - Ha!




Handlung
Dem Grafen von Moor sind zwei Söhne gegeben: Karl und Franz. Beide sind in etwa gleich alt, doch als Erstgeborenem steht Karl natürlich das Erbe des Vaters zu. Deshalb wird dieser auch schon von früher Kindheit an bevorzugt behandelt und zur Universität geschickt, während Franz auf dem Anwesen der Familie bleiben muss.
Karl und seine Freunde stellen in der Stadt einige üble Sachen an, sodass sein Vater schon ganz verzweifelt ist. Mit einem Brief an seinen Vater möchte Karls sich für die Unannehmlichkeiten, die durch sein Verhalten entstanden sind, entschuldigen und hier sieht Franz, der schon immer neidisch auf Karl war, seine Chance, das Erbe an sich zu reißen. Er enthält dem Grafen Moor den Originalbrief vor und gibt ihm dafür eine gefälschte Version, die von noch mehr Untaten berichtet und seinen Vater dazu zu veranlassen, Karl zu enterben und als Sohn zu verstoßen. Als ihm das Erbe sicher ist, beschließt Franz, seinem Vater zu erzählen, dass Karl tot sei, damit er aus Kummer darüber einen Herzinfarkt bekommt und stirbt. Dies geschieht auch und somit ist Franz nun der rechtmäßige Graf von Moor.
Karl dagegen wartet ungeduldig auf eine Antwort von seinem Vater. Doch er erhält nur einen Brief von Franz, in dem dieser ihm erklärt, dass Karl nicht auf eine Versöhnung hoffen kann und mit sofortiger Wirkung aus der Familie verstoßen ist. Vor lauter Verzweiflung gründet er mit seinen Freunden eine Räuberbande, die eine Spur der Verwüstung auf ihrem Weg hinterlassen. Nach vielen begangenen Verbrechen, bei denen einige seiner besten Freunde und viele unschuldige Menschen sterben, kommt Karl wieder zu sich und beschließt, nach Hause zurückzukehren.

Meine Meinung
Dieser Klassiker aus der Sturm und Drang Zeit ist formal gesehen ein Drama; allerdings als Lesedrama konzipiert war es nicht für die Realisierung auf der Theaterbühne vorgesehen. Das merkt man vor allem an den vielen Szenewechseln und der hohen Anzahl an Rollen, mit denen man vielleicht am Anfang ein wenig durcheinander kommt. Lesenswert ist es aber auf alle Fälle, denn obwohl ich normalerweise Bücher in Dramenform nicht gerne lese, weil mir die geschriebene Geschichte zwischen den Dialogen fehlt, hatte ich hier keine Probleme, die Szenen beim Lesen in einen Gesamtkontext einzufügen.
Der spannende Verlauf der Geschichte, sowie die Handlungsweisen der Charaktere sind unheimlich fesselnd. Oben in der Inhaltsangabe klingt es zwar an, dass es hier die beiden Brüder Karl und Franz gibt und der eine gut und der andere böse ist. Aber so schwarz-weiß sind die Figuren natürlich nicht gezeichnet. Vor allem Karl, der vom Unsinn-treibenden Studenten zum gemeinen Verbrecher wird, aber das auch nur, weil er sich vor lauter Verzweiflung über den Ausstoß aus der Familie nicht anders zu helfen weiß, ist eine faszinierende Person. Teilweise ging er mir zwar auch auf die Nerven, weil er wie viele Charaktere der Sturm und Drang – Zeit eine solche emotionale Überbetonung an den Tag legt, dass es für mich schon schwierig war, seine Handlungen überhaupt nachzuvollziehen. Aber er rechtfertigt sein Räuberleben vor sich selbst und anderen damit, dass er gegen Ungerechtigkeiten angeht und nur Leute bestraft, die es verdient haben. Das mag zu einem gewissen Grade stimmen, aber am Ende stellt er fest, dass auch die besten Absichten keine Erleichterungen für das Gewissen sind, wenn sie mit moralisch unvertretbaren Mitteln durchgesetzt werden. Auch Franz, der bis fast zum Schluss der hinterhältige und kaltblütige Fiesling ist, beginnt am Ende die Strafe Gottes zu fürchten, weil er an das denkt, was ihm alles auf dem Gewissen lastet. Insgesamt hat mir das Buch sehr gut gefallen; die Sprache ist ziemlich gut zu verstehen, wenn man von einigen Ausdrücken absieht, die man hinten in den Anmerkungen nachschlagen muss, um alles verstehen zu können. Ich würde gerne noch viel viel mehr zu den einzelnen Charakteren schreiben, vor allem über Spiegelberg, der die Idee zur Räuberbande hatte, über Schweizer oder Roller, Gründungsmitglieder der Räuberbande und die loyalsten Freunde, die Karl hat. Oder über das Motiv der Freiheit, dessentwegen sich Karl erst dazu überreden lässt, über sein friedfertiges Naturell hinaus eine gewaltsame Karriere als Räuberhauptmann zu starten. Oder über Amalia, Karls große Liebe, die ihm bis zum Ende die Treue hält, auch wenn Franz als Herr des Herr des Hauses um sie wirbt und sie ziemlich fies unter Druck setzt, seine Frau zu werden. Aber das würde alles den Rahmen meiner Rezi sprengen, fürchte ich. Was ich damit sagen will ist, dass dieses Werk enorm viele Facetten hat, spannend zu lesen ist und es eigentlich wert wäre, eine mindestens zehnseitige Interpretation zu bekommen. Aber leider nicht hier. Deshalb kriegt es einfach eine große Leseempfehlung von mir – mit der Einschränkung, dass man sich Zeit dafür nehmen muss und nicht nur oberflächlich drüber ließt, sondern auch tiefer gräbt, liest, was zwischen den Zeilen steht und sich vorher ein wenig mit der Zeitgeschichte des Sturm und Drang auseinandersetzt. Sonst kann man das volle Potential dieses Dramas nicht ausschöpfen. 4 Wölkchen gibt es von mir!


Kommentare:

  1. Ich musste das Buch vor ein paar Monaten von der Schule aus lesen...^^ Ich fand es ganz okay, aber es lag bestimmt auch daran, dass ich zum Lesen gezwungen wurde... ;) Freiwillig ist das ja gleich was ganz anderes :D
    Tolle Rezi! :)

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    1. Na klar, bei meinen Schullektüren hat sich in mir auch immer alles gegen die Bücher gesträubt. Aber die Tatsache, dass du dieses Buch hier trotzdem okay fandest, spricht doch sehr für dessen Qalität ;D
      Danke schöön :D

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  2. Hachjaaaa.... eine tolle Rezi! Aber ich kann mich mit Goethe und Schiller einfach nicht anfreunden XD Naja obwohl.. mehr mit Schiller als mit Goethe! Da hat wohl meine Deutschlehrerin schuld ^^''

    Das mit dem Kommentar war vollkommen richtig :) ich freu mich auf deine nächste Rezi ^^

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    1. Danke :) War gar nicht so einfach, meine wirren Gedanken zu dem Buch in Worte zu fassen ;)
      Schiller mag ich aber auch lieber. Goethe schwingt immer dieser hochtrabende Genie-Kram mit; da ist mir Schiller doch viel sympathischer. Aber bei mir hatten auch meine Deutsch-Lehrer Schuld --> Goethe-Fans...hat mich fürs Leben gebrandmarkt ;D

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