24.01.2012

# Rezensionen

[Rezi] Simon Beckett - Voyeur

Originaltitel: Fine Lines
Erscheinungsjahr: 2010 (Erstausgabe 1994)
Genre: Krimi/Thriller
Seitenzahl: 380


Teaser:
Ich verfluchte sie und schaute auf meine Uhr. Es war genug Zeit verstrichen, um meine Rückkehr zu rechtfertigen, und da Anna und Zeppo nicht mehr allein waren, gab es auch keinen Grund mehr, fernzubleiben.





Handlung
Donald Ramsey ist ein erfolgreicher Geschäftsmann aus London. Da sein künstlerisches Talent nicht ausgereicht hat, um als Maler eine erfolgreiche Karriere zu starten, hat er sich eine Alternative gesucht und handelt nun mit Kunstobjekten. Seine Galerie ist sehr erfolgreich und mehr oder weniger der Mittelpunkt seines Lebens. Er hat keine Frau, keine Familie und interessiert sich auch allgemein nicht dafür, daran etwas zu ändern, denn er hat eine krankhafte Abneigung gegen jede Art körperlicher - oder konkret sexueller - Beziehung. Das einzige, was ihm in dieser Hinsicht nicht widersteht, ist seine Sammlung erotischer Kunstwerke - subtile oder auch offene Darstellungen erotischer Handlungen sind die einzige Leidenschaft, die Ramsey in seiner eigenen kleinen Welt zulässt.
Doch dann stellt er eine neue Assistentin ein. Zunächst ist alles wie immer, doch dann beginnt Anna eine unwiderstehliche Anziehung auf ihn auszuüben. Eine sexuelle Beziehung mit er kann und will er sich zwar trotzdem nicht vorstellen, aber er wird besessen davon, sie in seiner Nähe zu haben und beobachten zu können. Als Anna dann beschließt, mit ihrem Freund Marty nach Amerika auszuwandern, fängt der Boden unter Ramseys Füßen gewaltig an zu schwanken.

Meine Meinung
Dieses Buch war mein erster Beckett. Bewusst habe ich nicht mit der fast schon legendären Hunter-Reihe angefangen, weil ich erstmal einen Eindruck von seinem Schreibstil bekommen wollte. Und auch, wenn ich das Buch hier "nur"  als durchschnittlich gut einstufen würde, hat es mir dennoch gut gefallen. Es gab kaum einen Moment, an dem ich es freiwillig aus der Hand gelegt hätte.
Die Geschichte wird aus der Sicht des Protagonisten erzählt; sie ist aus der Ich-Perspektive geschrieben und man weiß deshalb genau, was in Ramseys Kopf vorgeht. Und das ist ein ganhz bewusst eingesetztes Mittel, denn von außen betrachtet, ist er ein charmanter, zuvorkommender Mann in den Vierzigern. Das wissen die anderen Personen im Buch. Doch wir als Leser wissen von seinem absolut gestörten Verhältnis zur Sexuallität und den daraus resultierenden Aktionen. Denn es wird schon zu Beginn des Romans ziemlich deutlich, dass Marty, Annas Freund, irgendwie aus dem Weg geräumt werden muss, damit Ramsey seinem Voyeurismus fröhnen kann. Ein Komplize, Zeppo, ist schnell gefunden. Zunächst versuchen es die beiden noch auf die harmlose Tour: Zeppo soll Anna verführen und so dazu bringen, sich von Marty zu trennen. Doch da sie ihrem Freund absolut treu ist, kommen die beiden schnell zu einem rabiateren und brutaleren Plan, der sehr schnell durchgeführt wird. Die weitere Handlung beschränkt sich dann im Großen und Ganzen auf einen Wechsel aus Panik und Beruhigung, seitens Ramseys und Zeppos, je nach Ermittlungsstand der Polizei, die sich natürlich nach Martys Verschwinden auf die Suche nach ihm macht. Gegen Ende werden dann die ganzen eher mäßg spannenden Psychospielchen aufgelöst, was zwar noch mal zu einem kleinen Spannungsschub führt, aber keineswegs einen typischen Thriller-Effekt hat, auch wenn der Roman als solcher gekennzeichnet ist. Außerdem blieb mir auch irgendwie verschlossen, was genau der Autor mit dem Buch eigentlich sagen wollte; das Ende ist in dieser Hinsicht nicht sehr erhellend. Der Schreibstil ist aber trotzdem wirklich einnehmend; zwar waren für mich manche sexuelle Beschreibungen ein wenig zu detalliert, aber in seinem Vorwort schreibt der Autor, dass er gerade diese genaue Darstellung braucht. Da sie auch keineswegs obszön sind, hat es mich auch nicht sonderlich gestört und ich kann den Autor in diesem Punkt auch verstehen, zeigt die kühle, fast schon klinsche und wissenschaftliche Beschreibung doch Ramseys distanziertes Verhältnis zur Sexualität.
Was mir auch noch auffiel, war die unglaubliche Entwicklung der Technik. Das hat jetzt nur sekundär etwas mit dem Buch zu tun, aber mir wurde bei der Lektüre ziemlich deutlich bewusst, dass die ganze Geschichte so heutzutage, wo ziemlich jeder zumindest ein Handy besitzt, nicht mehr funktionieren würde. Also nicht wundern, wenn ihr das Buch auch lest - 1993 gab es noch keine IPhones ;)
Es gibt insgesamt 3 Wölkchen von mir.


Kommentare:

  1. Wollte nur mal kurz Grüße hierlassen und sagen dass mir dein Blog total gut gefällt und ich grad Leserin bei dir geworden bin und jetzt sicherlich öfter mal vorbeischauen werde!

    LG Luminchen
    http://luminchenslesekiste.blogspot.com/

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    1. Danke schön :) Freut mich, dass es dir bei mir gefällt! :D

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