12.02.2012

[Rezi] Sebastian Fitzek - Der Augensammler

Erscheinungsjahr: 2010
Genre: Psychothriller
Seitenzahl: 439

Teaser:
Wir hinterfragen meist nur unsere Fehler. Nie unsere Erfloge. Wenn etwas gutgeht, nehmen wir es als gottgegeben hin. Wir grämen uns, wenn wir Geld verlieren oder von der Liebe unseres Lebens verlassen werden. Doch weshalb sie bei uns bleibt, fragen wir uns ebenso selten, wie wir uns über eine bestandene Prüfung wundern. Dabei sind es meiner Meinung nach weniger die Fehler, aus denen wir Menschen lernen können, als die Erfloge, die wir nicht verdienen. Wenn wir diese nicht hinterfragen, lullen sie uns ein, machen uns slebstgefällig und wir können sie niemlas wiederholen.



Handlung
Die grausamste Mordserie in seiner Karriere wird zu seinem persönlichen Albtraum. Der Polizeijournalist Alexander Zorbach, ehemals selbst Polizist bei der Mordkommission, ist auf der Spur des Augensammlers. So hat die Presse – und vor allem auch er selbst in seinen Artikeln – den Menschen getauft, der Grundschulkinder entführt und irgendwo in Berlin versteckt, deren Mütter umbringt und den Vätern knapp zwei Tage Zeit lässt, ihre Kinder zu finden. Keinem ist es bisher gelungen. Erst die Leichen werden entdeckt und diesen fehlt immer das linke Auge.
Als der Augensammler erneut zuschlägt und eine Frauenleiche gefunden wird, ist Zorbach, der den Polizeifunk anzapft und abhört, der erste Reporter am Tatort. Das verdächtige für seinen ehemaligen Kollegen Philipp Stoya daran ist, dass der Fund der Leiche gar nicht über Funk durchgegeben worden ist. Als dann noch Zorbachs Brieftasche am Tatort gefunden wird, wächst der Verdacht, er habe etwas mit dem Fall zu tun, oder sei, noch schlimmer, selbst der Mörder. Zorbach kann sich selbst nicht erklären, wieso er plötzlich nicht mehr bloßer Beobachter ist, sondern mittendrin steckt in dem kranken Spiel des Augensammlers. Die blinde Physiotherapeutin Alina, die dann plötzlich auf der Bildfläche erscheint, macht das Chaos in Zorbachs Kopf komplett. Sie behauptet nämlich, dass ein Mann zur Behandlung bei ihr in der Praxis war und sie, als sie ihn berührte, durch die seine Augen gesehen hat, wie sie ein Kind entführt und die Mutter umbringt. Da sie über Details Bescheid weiß, die nicht in der Öffentlichkeit bekannt sind, Zorbach aber auch nicht an Esoterik oder menschliche Medien glaubt, weiß er nun gar nicht mehr, was er denken oder tun soll, um nicht völlig durchzudrehen.

Meine Meinung
Es gibt Bücher, die nehmen dich gefangen und lassen dich nicht mehr los. Nicht, wenn du schläfst oder im Bus sitzt und selbst dann nicht, wenn du sie schon längst beendet hast und eigentlich ein neues Buch anfangen möchtest.
Der Augensammler ist ein solches Buch, das immer noch in mir nachklingt und meinen Kopf fast pausenlos beschäftigt. Ich brauche dringend die Fortsetzung!
Alexander Zorbach war ein guter Polizeibeamter. Er war einer der geschicktesten Verhandlungsführer bei der Mordkommission und genau das wurde ihm bei einem Einsatz zum Verhängnis. Seit diesem schicksalhaften (oder war es doch einfach Zufall?) Tag, an dem etwas in ihm zerbrochen ist, befindet Zorbach sich in psychologischer Behandlung und musste seinen Dienst bei der Polizei beenden. Weil er sich aber nach wie vor zu Verbrechen hingezogen fühlt, hat er einen Job als Reporter bei einer großen Zeitung angenommen und versucht nun als Polizeijournalist seinen Beitrag zur Aufklärung dieser zu leisten. Und jetzt ist er an dem schrecklichsten und perversesten Fall seiner Laufbahn: dem des Augensammlers. Auch für seine ehemaligen Kollegen ist diese Mordserie das schlimmste, was ihnen je untergekommen ist. Die Zeit rennt ihnen allen davon. Denn das Ultimatum kommt Sekunde für Sekunde näher. Die Nerven liegen blank. Auch beim Leser. Unter den Kapitelnummern steht meistens die genaue Angabe, wie lange es dauert, bis das Ultimatum abgelaufen und somit das Leben des entführten Kindes vorbei ist. Man spürt förmlich, wie einem die Zeit durch die Finger rinnt und die eigene Verzweiflung wächst mit der der Figuren. Das liegt zum einem an dem wirklich rasanten Schreibstil. Es geschieht so viel und die Geschichte hat so viele Schichten und Abzweigungen, dass man fast schon von Reizüberflutung sprechen kann. Dann sieht man den Handlungsverlauf aus verschiedenen Perspektiven, unter anderem auch – und das hat mich wirklich fertig gemacht – aus der Sicht von dem 9-jährigen Tobias, dem aktuellen Opfer des Augensammlers. Dadurch ist natürlich ganz klar, dass man als Leser emotional viel mehr mitfiebert, denn die Gnadenlosigkeit des Täters bekommt so noch eine zusätzliche Dimension.
Hier sollte ich vielleicht noch eine kleine Warnung aussprechen: Teilweise sind die Schilderungen wirklich sehr brutal; also zumindest brutaler, als ich es von Fitzek gewöhnt bin. Dabei ist das schlimme nicht die äußerliche Gewalt, die den Figuren angetan wird, sondern – und gerade das macht dieses Buch zu einem grandiosen Psychothriller) wie sie auf geistiger Ebene gequält werden. Wer also schwache Nerven hat, sollte von diesem Buch lieber die Finger lassen (ich hab zwar schon krassere Darstellungen gelesen, wollte den Hinweis aber dennoch gerne anbringen).
Die Kapitel und die Seitenzahlen laufen ebenfalls rückwärts, genau wie der Countdown zur Suche nach dem Kind. Doch diese Parallele ist nicht der einzige Grund, der Fitzek zu dieser zunächst verwirrenden Einteilung geführt hat. Aber wozu das noch gut sein soll, erfährt man erst am Ende des Buches. Und was ist das für ein Ende! Genial und gleichzeitig eiskalt. Erbarmungslos. Ich muss den zweiten Teil der Reihe haben! JETZT!!
5 rosa Wölkchen von mir. Mehr kann ich dazu einfach nicht sagen.


Kommentare:

  1. Hi,
    eine tolle Rezi! Eigentlich bin ich immer davon ausgegangen, dass mir die Bücher von Fitzek doch etwas zu brutal sind und hab mir deshalb keines gekauft. Aber es klingt wirklich spannend und schon so Aspekte wie rückläufige Zahlen usw. finde ich wieder total super!
    Hm...vielleicht schau ich doch mal genauer rein!
    LG und einen schönen Sonntag

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    1. Danke schön :D
      Mach das auf jeden Fall! Wobei dieses Buch wirklich etwas brutaler ist als man von Fitzek gewohnt ist. Aber ich finde, er bewegt sich noch nicht mal an der Grenze zu (zumindest meinem) Toleranzbereich, also schau einfach mal rein :)

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