24.04.2012

[Rezi] Sarah Eder - Herr Leben, die Rechnung bitte!

Erscheinungsjahr: 2011
Genre: Roman
Seitenzahl: 276


Teaser:
Hume hat ja bekanntlich gesagt, dass induktive Schlüsse, also vom Einzelfall zum Universalfall, logisch nicht gültig sind. Das heißt auch wenn ich 1000 Mal beobachte, dass Hunde bellen, kann ich nicht sagen, dass alle Hunde bellen. Und das ist doch schon irgendwie tröstlich. Hume macht Hoffnung. Auch wenn ich 1000 Mal versage, darf ich nicht sagen, dass das immer so seon wird. Das ist eben nciht logisch gültig.


Handlung
Hannah - mit "h" am Ende - ist Linguistik-Studentin in Salzburg. Deshalb zerlegt sie auch gerne jedes Wort in seine kleinsten Teile und wendet wissenschafltiche Theorien kluger Köpfe auf das Leben im Allgemeinen und ihres im Speziellen an. Als sie dann von Felix, ihrem Quasi-Freund, sitzen gelassen wird und dieser nach Portugal abreist, können Hannah aber erstmal weder Darwin noch Shakespeare helfen, ais ihrer depressiven Stimmung herauszukommen. Und zu allem Überfluss zieht ihre Therapeutin, welche sie ursprünglich besucht hat, um ihre Versagensängste bezüglich des Studiums in den Griff zu kriegen und die ihr mit der Zeit eine wichtige Bezugsperson geworden ist, ausgerechnet wegen der Liebe in eine andere Stadt. Un lässt Hannah allein mit Herrn Leben. Selbiger ist nämlich die organisierte Vertretung und übernimmt alle Patienten einschließlich Hannah. Anfangs sträubt sie sich dagegen, doch bald gelingt es Herrn Leben mit seinen unkonventionellen Methoden Hannah wachzurütteln und wieder auf die richtige Spur zurückzubringen.

Meine Meinung
Um es gleich vorweg zu nehmen: Ich liebe dieses Buch! Es erzählt die Geschichte einer chaotischen, zwar irgendwie typischen aber dennoch vollkommen einzigartig gezeichneten Studentin, die nicht nur ihren Liebenskummer verarbeiten muss, sondern auch ihre allgemeine Einstellung zu ihrer Person und dem Leben zu überarbeiten hat, um dieses endlich wieder genießen zu können. Passenderweise heißt der Mensch, der ihr dabei hilft Leben mit Nachnamen. Mit seiner zynischen Art ist er sowohl für Hannah als auch für den Leser ein Mittelding zwischen unheimlich sympathisch und schrecklich anstrengend.
Mit Hannah konnte ich mich vom ersten Moment an identifizieren. Wahrscheinlich, weil viele Parameter, die das Leben beeinflussen, auf uns beide zutreffen: Anfang bis Mitte 20, Studentin, eigentlich motiviert und total begeistert vom Studium aber gleichzeitig total unsicher und überfordert damit und dem "Erwachsensein". Welcher Student kennt schließlich nicht die horrend wachsende Liste an Aufgaben und Verantwortungen, die einem plötzlich vor die Nase geknallt wird. Damit muss man ja überfordert sein. Und dann sind da natürlich auch noch die Männer. Das leidige Thema. Viele im Grunde total bekloppte Gedanken, die die Autorin Hannah in den Kopf schreibt, habe ich in ähnlicher Weise schon oft bei mir selber entdeckt und ich muss sagen, es ist doch sehr beruhigend und lustig gleichzeitig, damit nicht alleine zu stehen. Denn laut aussprechen würde ich das teilweise nie niemals, vor allem, weil einiges auch eher unkonkret im Kopf rumgeistert.
Jedenfalls dreht sich die Story rund um Hannahs Leben. Dabei ist die keine 0/8/15 - Identifikationsfigur, sondern durchaus ein schrulliger Charakter mit einigen Ecken und Kanten, der manchen Lesern sicher auf die Nerven fallen kann. Das liegt zum Teil sicher auch daran, dass sie immer wieder in sprachwissenschaftliche Exkurse abschweift und wissenschafltiche Theorien auseinander pflückt. Mir als Germanistik-Studentin hat das extrem gut gefallen. Aber es könnte den ein oder andern doch langweilen. Nur so als Warnung. Wer davor aber nicht zurückschreckt, erlebt mit, wie Hannah von Herrn Leben hilfe zur Selbsthilfe erhält und herausfindet, wieso genau es ihr so schlecht geht. Es liegt wie oftmals an ihrer Grundeinstellung, die sie mit Hilfe von vier zentralen Fragen ergründen und ändern soll. Bei der Suche nach Antworten entwickelt sie sich langsam zu einem Menschen, der zwar nicht frei von Fehlern ist und auch nicht aus seiner Haut kann, aber der mit sich und seiner Umgebung umgehen kann. Die Figur (die andern Charaktere sind nicht so ausgiebig beschrieben und bleiben eher im Hintergrund) ist sehr lebensnah angelegt und es macht großen Spaß, sie bei ihrem Weg zur Selbstfindung zu begleiten.
Alles in allem keine allzuschwere, aber dennoch eine berührende Geschichte. 5 Wölkchen von mir!



Ganz herzlich danken möchte ich BloggDeinBuch und dem epidu - Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares. Hier könnt ihr es euch bei Amazon ansehen :)

1 Kommentar:

  1. Habe mir das Buch direkt mal auf meiner Wunschliste notiert, hört sich sehr interessant an.

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