30.06.2012

Leserückblick Juni 2012

Und schon wieder ist ein Monat vorbei. Und während das Sommerwetter hier im Norden auf sich warten ließ, habe ich mich gemütlich eingekuschelt und tatsächlich den besten Lesestand seit Blogbeginn erreicht! *yeahi* :D
Eigentlich wäre es besser gewesen, ich hätte Nase nicht in Bücher, sondern in meine Uni-Aufzeichnungen gesteckt, denn dann hätte ich jetzt nicht berechtigte Zweifel daran, ob ich die Klausurenphase nächste Woche ohne Schaden überstehe. Aber egal, hier kommt die Liste:

Gelesen
J.R.R. Tolkien - Der Herr der Ringe III. Die Wiederkehr des Königs (Rezi)
Paulo Cohello - Der Alchimist (Rezi)
Sabine Thiesler - Der Kindersammler (Rezi)
Markus Zusak - Wilde Hunde (Rezi)
Wolfgang Hohlbein - Hagen von Tronje (Rezi)
Lewis Carroll - Alice im Wunderland (Rezi)
David Safier - Mieses Karma (Rezi)

In Seiten
2459

Durchschnittsbewertung
4,3 Wölkchen

Highlight des Monats
Paulo Cohello - Der Alchimist

Enttäuschung des Monats 
Gab's nicht! :D

In Bildern

29.06.2012

[Rezi] David Safier - Mieses Karma

Erscheinungsjahr: 2009
Genre: Humor
Seitenzahl: 282




Teaser:
Ich drehte mich um. Ich befand mich wieder in dem Erdtunnel, in dem ich schon das letzte Mal aufgewacht war. Und auch diesmal grinste mich ein unglaublich dicker Ameisen-Buddah an. Er wirkte sehr zufrieden mit sich, mit der Welt, mit dem Kosmos. Ganz im Gegensatz zu mir.

Handlung
Kim Lange ist eine Karrierefrau. Als ebenso erfolgreiche wie skrupellose Fernsehmoderatorin ist sie über Leichen gegangen, um jetzt endlich den Deutschen Fernsehpreis entgegenzunehmen. Aber nicht nur unliebsame Kolleginnen hat Kim ausgestochen, sondern auch ihre Tochter Lilly und ihren Mann Alex über Jahre hinweg mehr als vernachlässigt. Wie auch wieder am Tag der Preisverleihung; dieser fällt nämlich mit Lillys fünftem Geburtstag zusammen, doch anstatt diesen mit ihrer Familie zu verbringen, steht Kim in Versace gehüllt im Blitzlichtgewitter.
Doch dann stirbt sie - getroffen von einem Trümmerteil einer russischen Raumstation. Und weil sie im Laufe ihres Lebens Unmengen an schlechtem Karma gesammelt hat, darf sie nicht ins Nirwana einkehren, sondern wird als Ameise mit fettem Hintern wiedergeboren. Als solche lebt sie jetzt im Ameisenhügel, der im Garten ihrer zurückgebliebenen Familie steht und beobachtet, wie Alex und Lilly mit dem Verlust umgehen. Natürlich sind die beiden traurig, dich nach einiger Zeit betritt Kims ehemalige beste Freundin Nina die Bühne und kümmert sich aufopferungsvoll um den trauernden Rest der Familie. Natürlich kann Kim nicht zulassen, dass ihr Platz von einer anderen eingenommen wird, tut sich mit dem ebenfalls als Armeise wiedergeborenen Casanova (ja, dem Casanova) daran, gutes Karma zu sammeln, um als höheres Tier oder sogar als Mensch wiedergeboren zu werden und die aufkeimende Beziehung zwischen Nina und Alex zu verhindern.

Meine Meinung
Auf die eine oder andere Weise glauben wahrscheinlich die meisten an das berühmte Karma, auch wenn nicht jeder diese Bezeichnung für das Prinzip "irgendwann bekommt man die Rechnung für das, was man tut" verwendet. Kim für ihren Teil glaubt nicht daran. Das würde nämlich voraussetzten, dass sie sich reflektierend mit dem Leben im allgemeinen und ihrem im Speziellen auseinandersetzt. Aber dafür hat sie keine Zeit. Sie muss an ihrer Karriere feilen. Und als sie endlich ein großes Etappenziel erreicht hat und den Deutschen Fernsehpreis in der Hand hält, stirbt sie auf eine dermaßen absurde Weise, dass es gleich richtig lustig macht. Und so ist das ganze Buch aufgebaut. Absolut verrückte und wahnwitzige Ideen vereint mit einem (nicht einmalig aber dennoch sehr) lustigen Schreibstil voller Sarkasmus und Situationskomik lassen das Lesen dieses Romans zu einer enspannenden und amüsanten Lektüre werden. Es gibt keine Längen in der Geschichte, weil Kim niemals zögert, etwas zu unternehmen und deshalb nie still steht. Diese Charaktereigentschaft wird auch auf den Erzählstil übertragen und es ist immer Action angesagt. Sehr gelungen fand ich auch die Darstellung Giacomo Casanovas, der hin und wieder in den Fußnoten auch zu Wort kommen darf und dessen Ausdrucksweise wirklich stark dem Ton der Memoiren (die ich tatsächlich gelesen habe) entlehnt, was wieder für einige witzige Stellen sorgt, weil sich der chauvinistische, dem 18. Jahrhundert entsprungene Casanova mit einer emanzipierten Frau wie Kim und auch den technischen Neuerungen der Gegenwart auseinandersetzten muss. Zusammen schaffen es die beiden aber auf der Evolutionsleiter soweit hochzuklettern, dass sie wieder Säugetiere werden und Kims Mission "Familie retten" angehen können. Dabei bekommt Kim zum ersten Mal Gelegenheit, von außen auf ihr menschliches Selbst zu blicken und erkennt, dass sie wirklich nicht gerade die angenehmste Person war. Im Laufe des Romans macht sie dann - unter anderem, weil sie ja immer weiter gutes Karma sammeln muss - eine ziemliche 180° - Wendung und lernt, dass sich nicht immer alles um das eigene Ich dreht.
Am Ende gibt es dann zu der ganzen lockeren Komik auch ein bisschen was philosophisch angehauchtes zum Nachdenken, sozusagen die Moral von der Geschichte, die mich grade auch in Anbetracht von Kims Entwicklung sehr gerührt hat und das Buch zu einem schönen runden Abschluss macht.
Eine absolut zu empfehlende Sommerlektüre also. 3 gute Wölkchen von mir!


26.06.2012

[Rezi] Wolfgang Hohlbein - Hagen von Tronje

Erscheinungsjahr: 2004
Genre: Fantasy
Seitenzahl: 512


Teaser:
Der Mann unterschied sich äußerlich kaum von seinen Begleitern. Seine Kleidung war einfach wie die ihre und ebenso abgerissen, seine Waffen zerschrammt und blind vom Schmutz, der im Laufe vieler Wochen darauf eingetrocknet war, und auch in Wuchs und Statur kamen ihm die meisten seiner Begleiter gleich oder übertrafen ihn sogar.



Handlung
Die Geschichte des Nibelungenlieds aus der Sicht des Anti-Helden Hagen von Tronje. Das ist grob gesagt die Handlung in diesem Buch. Hagen ist der Waffenmeister des Königs von Burgund - Gunther. Sein Schwert ist genauso gefürchtet wie sein scharfer Verstand und er genießt hohes Ansehen. Seine Beziehung zum König und dessen Familie, also Mutter und Geschwister, ist mehr als nur freundschafltich. Er ist ein Teil der Familie und auf seinen Rat wird in fast jeder Situation gehört.
Da taucht Siegfried auf. Der strahlende Held mit den übermenschlichen Kräften ist aus dem Nibelungenland gekommen, um Burgund gewaltsam an sich zu reißen. Da er und seine Nibelungenkrieger im Kampf unschlagbar sind, müssen Gunther und Hagen eine Schlacht unbedingt abwenden und bringen ihn mit diplomatischem Geschick dazu, als Gast in den Königshof einzukehren. Über ein Jahr lang lebt er am Hof, führt das Heer der Burgunden erfolgreich durch den Krieg mit Dänemark und Sachsen und verliebt sich schließlich in Kriemhild, Gunthers Schwester. Auch diese ist dem starken und gutaussehenden Mann nicht abgeneigt und so hält Siegfried um ihre Hand an. Doch durch die Hochzeit würde das Königreich der Burgunden eher früher als später doch unter Siegfrieds Herrschaft fallen und das muss Hagen mit allen Mitteln zu verhindern versuchen.

Meine Meinung
Vielen wird die Geschichte des Nibelungenlieds geläufig sein, ist es doch eine der ältesten germanischen Sagen. In diesem Buch bereitet Hohlbein die Story ganz neu auf und stellt sie mal von der anderen Seite dar. Während im Original Siegfried die Rolle des strahlenden Helden zugeschrieben wird und Hagen ein hinterlistiger, egomanischer Mörder ist (ich persönlich kann Siegfried aber schon im Original nichts abgewinnen und bin auf der Pro-Hagen-Seite), dekonstruiert Hohlbein dieses Bild und schafft damit eine völlig neue Perspektive aus der man auf die Handlung blicken kann.
Siegfried kommt zwar als starker Held daher, wird aber nicht durchweg positiv dargestellt. Zum Glück aber auch nicht komplett negativ, sodass keine schwarz-weiß-Malerei entsteht. Hohlbein schafft hier einen perfekten Spagat zwischen dem unbeschreiblich großen Ego eines angeblich unbesiegbaren Hühnen und dessen unvergessenen, großartigen Leistungen. Allerdings ist unverkennbar, dass die Sympathien  auf Hagens Seite liegen, der als Gegenspieler von Siegfried auftritt und dessen Handlungsmotive ebenso durchleuchtet werden, wie seine Position am Hof.
Super fand ich auf jeden Fall die extreme Nähe zum Original, denn bis auf den Schluss kann man das meiste auf die eine oder andere Art im Nibelungenlied des 13. Jahrhunderts finden. Auch die Einbettung in den geschichtlichen Kontext fand ich sehr gelungen. Denn nicht nur Siegfried stellt eine Bedrohung für Hagens Welt dar, sondern auch die sich ausbreitende Christianisierung und den Untergang des römischen Reichs.
Was sich jetzt vielleicht als verstaubten und öden Geschichtsexkurs anhört, ist ganz und gar nicht langweilig geschrieben. Man wird mit diesen Informationen nämlich einfach gefüttert, während man eine Geschichte liest, die fast wie ein fetziger Krimi geschrieben ist und eine Spannungskurve nach der nächsten aufweist.
Schade ist nur, dass das Buch mit dem ersten Teil des Nibelungenlieds aufhört. Mich hätte sehr interessiert, wie Hohlbein den einen oder anderen Konflikt, der sich durch seine spezielle Interpretation ergibt, im zweiten Teil gelöst hätte. Aber trotzdem bekommt das Buch 5 rosa Wölkchen von mir!


25.06.2012

[Rezi] Lewis Carroll - Alice im Wunderland

Erscheinungsjahr: 2006 (Original: 1865)
Originaltitel: Alice's Adventures in Wonderland
Genre: Kinderbuch
Seitenzahl: 120


Teaser:
Der Hutmacher setzte sich auf den Platz der Haselmaus und Alice nahm widerstrebend den Platz des Märzhasen ein. Der Hutmacher war der Einzige, der von dem Wechseln einen Vorteil hatte, und Alice war am schlechtesten dran, denn der Märzhase hatte gerade seinen Becher mit Milch umgestoßen.



Handlung
Die kleine Alice macht an einem Tag, der so ganz normal begann, eine phantastische Reise in ein Land, wo Tiere reden können und lebendige Spielkarten den Hochadel bilden. Eigentlich sitzt sie mit ihrer großen Schwester in der Sonne und ist schon ganz dösig, als sie plötzlich ein weißes Kaninchen mit rosanen Augen sieht, das an den beiden Mädchen vorbeihetzt und ganz offensichtlich in allerhöchster Eile ist - was man daran erkennt, dass es selbiges zum einen immer wieder vor sich her sagt, und zum anderen ständig auf seine Taschenuhr schaut. Alices Neugier ist geweckt und sie folgt dem Kaninchen in seinen (vermeintlichen) Bau, stürtzt in ein tiefes Loch und fällt fast unendlich lange. Als sie fertig ist mit Fallen, findet sie sich - völlig unverletzt - in einem kreisrunden Raum wieder. Das Kaninchen ist verschwunden, doch Alice weiß nicht, durch welche der vielen Türen es verschwunden ist. Da sie aber nur den Schlüssel zu einer einzigen Tür finden kann, zögert sie nicht lange, trinkt Schrumpftrank, isst Wachstumskuchen und trinkt wieder Schrumpftrank, passt endlich durch die Tür und tritt ein ein eine wunderliche Welt, in der sie ein Abenteuer nach dem anderen erlebt, weiterhin ständig ihre Größe wechselt - von 8 cm bis 8 m ist alles dabei, und viele verrückte Geschichten von nicht minder verrückten Personen hört.

Meine Meinung
Alice im Wunderland - wer kennt die Geschichte von dem kleinen Mädchen mit der großen Fantasie nicht? Spätestens seit dem Film mit Johnny Depp ist der Inhalt in den meisten Köpfen wieder präsent. Ich habe mich mal dran gemacht die Originalversion zu lesen, denn die deiversen Verfilmungen interpretieren die Geschichte logischerweise doch immer ein wenig neu, und fand sie einfach zauberhaft. Im Nachhinen bereue ich es ein wenig, das Buch nicht gleich noch auf Englisch gelesen zu haben, denn die Sprache ist - bis auf ein paar Außnahmen - kindgerecht und somit leicht zu verstehen, und ich habe mittlerweile vermehrt gehört, dass viele englische Wortspielereien nicht oder nur mit großen Einbußen übersetzt wurden/werden können. Naja, vielleicht komme ich ja nochmal dazu, die Geschichte auch in der Originalsprache zu lesen.
Die Geschichte ist total verrückt und absolut konfus. Es war nicht ganz leicht für mich, in dieser Welt zurechtzukommen, in der einfach alles mögliche ist und es für nichts eine logische Erklärung bedarf. Es sind einfach alle verrückt. DAS ist die Erklärung. Man muss sich also schon ganz stark auf das was man liest einlassen und sollte es möglichst nicht hinterfragen. Sonst versteht man es nicht. Darum ist es meiner Meinung nach für Kinder besonders gut geeignet, weil sie mit der nötigen Unbedarftheit rangehen und sich einfach die Sezenen vorstellen, wie sie beschrieben sind. Denn nur dann entfaltet sich der großartige Humor der Geschichte.
Leider wird nicht ein einziges Mal konkret erwähnt, wie alt Alice ist. Das würde mich wirklich mal interessieren, da ich ihr gewisse Eigenarten bis zu einem Alter von elf Jahren leichter verzeihen könnte. Ein bisschen nervig ist sie nämlich, die Gute. Ähnlich wie Pipi Langstrumpf hat sie zum Beispiel nicht sooo viel Ahnung von Mathe und vertritt ihre falschen Ergebnisse aber genauso selbstbewusst wie ihre Kindheitsheldin-Kollegin. Bei Pipi wirkt das aber irgendwie charmant, während Alice sich ziemlich viel auf ihre "Schlauheit" einbildet und eher ein bisschen arrogant rüberkommt. Verwöhnt und naiv ist wohl eine treffende Beschreibung ihres Charakters, aber gleichzeitig ist sie auch wieder niedlich, wenn sie die Gärtner der Königin vorm Schafott bewahrt. Ihr großes Ego führt sie aber trotzdem zu Problemen, die mit ein bisschen mehr Zurückhaltung nicht entstanden wären. Aber dann wäre das Buch auch nicht halb so lustig und verrückt, weshalb ich Alice außnahmsweise verzeihe. Außerdem hat sie auch einige gute Eigenschaften. Sie ist zum Beispiel extrem wissenshungrig, schonungslos ehrlich und vertritt ihre Meinung. Sie ist - und das ist für ihr Alter bemerkenswert - eine starke Persönlichkeit mit einem wachen Blick auf ihre Umwelt.
Natürlich wird Alice am Ende wach und denkt, dass sie ihren Ausflug nur geträumt hat. Was ihre Erlebnisse aber nicht weniger süß macht. Die Geschichte beflügelt die Fantasie der Leser einfach, weil man angesteckt wird von der bunten Welt. Sie kommt auf jeden Fall ganz oben auf die Liste der Bücher, die ich meinen Kindern vorlesen werde. 5 Wölkchen.


18.06.2012

[Gerede] Besondere Tage

Manche Tage können nur gut werden.
Du spürst es schon beim Aufwachen, wenn dich diese angenehme Ruhe erfüllt und dich ganz sanft aus dem Traumland in die Wirklichkeit trägt.

Und dann begleiten dich lauter bunte Kleinigkeiten, die den Tag erstrahlen lassen.

Vogelgezwitscher
gerade noch genug Müsli da
Frisur beim ersten Versuch geglückt
perfektes Timing zum Bus
ein geschenktes Lächeln
Fliederduft
geteilte Vorfreude
unerwartete Möglichkeiten

Und plötzlich weißt du, was Glück ist.
Was einen Tag besonders manchen kann.
Ohne überragende Ereignisse, großartige Aufregung und ohne Schnickschnack.

Die Erkenntnis zaubert dir ein Lächeln ins Gesicht.
Und das macht vielleicht den Tag eines anderen genauso besonders.

15.06.2012

[Rezi] Markus Zusak - Wilde Hunde

Erscheinungsjahr: 2008
Originaltitel: Fighting Ruben Wolfe/When Dogs Cry
Genre: Jugendbuch
Seitenzahl: 365


Teaser:
Egal wie sehr Rube und ich auf ihn schimpften, würden wir ihn irgendwie vermissen, wenn ihm etwas zustoßen würde. Es ist schon komisch: Es gibt Dinge auf dieser Welt, die dich von morgens bis abends nur nerven, aber man weiß genau, dass man sie vermissen würde, wenn sie weg wären.



Handlung
In diesem Buch werden zwei Bücher zusammengefasst. "Ruben Wolfe" ist das erste und "Cameron Wolfe" das zweite.
Im ersten Buch erzählt Cameron von seinem Leben. Seine Familie wohnt in einem ärmeren Viertel in der Nähe von Sydney. Sein Vater hat bei einem Arbeitsunfall schwere Verletzungen davongetragen und ist seitdem ohne Job. Deshalb versucht seine Mutter, die Famile zu ernähren. Das gelingt ihr mehr schelcht als recht. Sarah, Camerons Schwester, scheint sozial immer weiter abzurutschen und läuft eigentlich nur noch betrunken durch die Gegend. Steve ist der einzige Siegertyp der Famile. Aus ihm wird einmal was werden. Ganz anders sieht es mit Cameron und Rube aus. Die beiden hängen eigentlich nur rum und versuchen, irgendwie mit der Situation zu Hause klarzukommen. Dann werden sie von Perry entdeckt, einem etwas zwielichtigen Mann, der an der Organisation illegaler Boxkämpfe beteiligt ist. Schnell sind die beiden engagiert, um mit ihren Kämpfen Geld zu machen und die Familienkasse zu unerstützen.
Im zweiten Buch ist ungefähr ein Jahr seit den Boxkämpfen vergangen. Wieder ist Cameron der Erzähler und diesmal geht es hauptsächlich um eine charakterliche Entwicklung. Er, der typische Loser-Typ ohne Selbstwertgefühl beginnt zu verstehen, dass auch er Talente hat und aus dem Schatten seiner großen Brüder austreten kann.

Meine Meinung
Ich weiß gar nicht so genau, wo ich mit meiner Rezi anfangen soll. Es wird mir unglaublich schwer fallen, mich kurz zu fassen, denn wie gesagt, sind in diesem Band zwei Bücher vereint, die eigentlich jeweils eine richtig ausführliche Rezension verdient hätten.
Man kann beide Bücher seh gut miteinander vergleichen; zwar sind sie nicht im selben Stil geschrieben, weil Cameron - der die Geschichte aus der Ich-Perspektive erzählt - sich in dem einen Jahr, das wie gesagt dazwischen liegt, weiterentwickelt hat, doch sind sie vom Aufbau und von der Intensität her sehr ähnlich. Hauptaugenmerk liegt nicht auf spannenden Szenen, sondern auf der Entwicklung der agierenden Figuren, ihren Beziehungen zueinander und dem Verständnis füreinander. Die Familie Wolfe ist eine Kämpfer-Familie. Sie durchleben im ersten Buch eine sehr harte Zeit und jedes Familienmitglied schaut einmal in seinen eigenen seelischen Abgrund (mit Außnahme der Mutter vielleicht, die Cameron sehr für ihre Stärke bewundert und die kaum einen Moment der Schwäche erlebt) und trotzdem halten alle zusammen. Ganz besonders die Brüder Rube und Cameron. Obwohl beide so unterschiedlich sind und einen harschen Umgangston miteinander pflegen, würde jeder für den anderen durchs Feuer gehen. Und genau das müssen sie auch beweisen. Rube im ersten Buch und Cam im zweiten. Doch bis es soweit ist, müssen sie sich erst selbst richtig kennen lernen und verstehen, wer und was sie sind. Rube lernt es, indem er lernt, richtig zu kämpfen. Damit sind nicht die illegalen Boxkämpfe gemeint, denn die gewinnt er mit seinem unbezwingbaren Willen und seiner Stärker immer. Aber er muss um sich kämpfen, darum, sich selbst zu finden. Der sensible und scheue Cam ist dabei ein einfühlsamer Beobachter, der Rubes Stimmungen und Entwicklungen beschreibt wie es niemand sonst hätte tun können. Diese Sensibilität steigert sich noch im zweiten Teil, als es um Cam selbst geht. Ohne Freunde hat er nur seine Familie, die ihm Halt gibt. Weil er sehr verschlossen ist, fällt es ihm sehr schwer, Kontakte zu knüpfen, sodass er eigentlich lieber mit sich und seinen Gedanken alleine ist. Unschwer zu erraten, dass ihn aus dieser Verfassung nur ein Mädchen und die erste große Liebe heraushelfen kann. Und die Erkenntnis, dass er gar nicht so erbärmlich ist, wie er sich selbst immer sieht.
Bei beiden Büchern herrscht eine melancholische Stimmung vor, die in einer für Zusak typischen Wortgewalt transportiert wird. Ich liebe seine Art zu Schreiben einfach - wie er durch seine Worte alltägliche Dinge zu etwas Besonderem werden lässt, einfach, indem er sie aus einem andern Blickwinkel betrachtet. Ein wunderschönes Buch. 5 Wölkchen von mir.


12.06.2012

[Rezi] Sabine Thiesler - Der Kindersammler

Erscheinungsjahr: 2006
Genre: Krimi/Thriller
Seitenzahl: 526


Teaser:
Der Mann war irre nett, davon war Benjamin überzeugt. Obwohl er es ein bisschen gruselig fand, dass er eine Pistole dabei hatte. Aber eine Sekunde später dacht er, dass das auch wieder toll war. Wie in Amerika. Wie im Wilden Westen. Keiner konnte einem etwas tun. Man konnte sich jederzeit verteidigen. Oder einen anderen retten. So wie er ihn gerettet hatte.



Handlung
Die Geschichte beginnt in Berlin. Dort schwänzt der kleine Benjamin die Schule und wird von Alfred aufgelesen. Alfred erscheint ihm wie ein rettender Engel, denn er vertreibt zwei ältere Jungs, die Benjamins Taschengeld klauen wollten. Deshalb fasst der Junge auch sofort Vertrauen zu dem älteren Mann und geht bereitwillig mit ihm mit, als dieser ihn einlädt, seine Meerschweinchen zu füttern. Doch damit trifft Benjamin die schlimmste und letzte Entscheidung seines Lebens. Nach zwei Tagen findet die Polizei seine übel zugerichtete Leiche, der neben seinen schweren Verletzungen der obere rechte Eckzahn fehlt, in einer Laube. Alfred flüchtet nach diesem Mord, wie er es schon nach seinen früheren Verbrechen getan hat und richtet sich in einer anderen Ecke Deutschlands ein.
Dort findet die Polizei drei Jahre später die Leiche eines weiteren Jungen. Auch dieser fehlt der obere rechte Eckzahn, sodass eine Sonderkommission eingerichtet wird. Leider bleiben die Ermittlungen erfolglos und als keine weiteren Kinder ermordet werden, wir der Fall zu den Akten gelegt.
Nach diesem ersten Teil beginnt die eigentlich Hauptgeschichte: Anne Glombek zieht es in die Toscana. Zurück an den Ort, an dem die vor 10 Jahren im Sommerurlaub ihren Sohn verloren hat, von dem seit diesem Tag jede Spur fehlt. Sie kauft sich ein Haus und hofft, dort endlich zur Ruhe zu kommen.

Meine Meinung
Die Einordnung in ein bestimmtes Genre ist mir bei diesem Buch nicht leicht gefallen. Ein typischer Thriller ist es nicht, denn dazu fehlen die immer wieder ansteigenden Spannungskurven. Ein Krimi ist es aber auch nicht so richtig, weil man die ganze Zeit weiß, dass Alfred der Täter ist und auch die Ermittlungsarbeiten eine geringe Rolle spielen. Auf dem Cover steht Roman, aber das ist mir auch nicht präzise geung. Denn die Geschichte hat von allem etwas.
Im ersten Teil erfährt der Leser viel über die Hauptperson Alfred. Er, der Kinderschänder, wird unverblümt vorgestellt, seine kranken Phantasien und Gedanken aufbereitet und man bekommt erst einmal einen Einblick in seine Psyche. Mögliche Erklärungen, warum er sich zu dem entwickelt hat, was er ist. Seine schwere, lieblose Kindeheit. Wie er in der Schule gemobbt wurde. Das Aufwachsen ohne Vater oder irgendeine Art von Bezugsperson. Der kleine, verletzliche Alfred wird im krasen Kontrast zu seinem jetztigen Ich dargestellt. Fast bekommt man ein wenig Mitleid mit ihm, vor allem, weil es am Anfang der Geschichte noch so aussieht, als würde er versuchen, seine gestörten Gelüste in den Griff zu bekommen. Trotzdem ist das alles nichts für schwache Nerven und eher zart besaitete Leser, denn gerade dieser erste Teil ist geprägt von ziemlich viel Ekel und Schrecken. Ziemlich schnell hat sich Alfred dann sein Opfer Benjamin ausgesucht. Hier sind große Teile aus der Sicht des Kindes geschrieben, was nicht einfach zu verdauen ist.
Der zweite Teil spielt ein paar Jahre später - im ersten Teil sind wir ungefähr im Jahr 1986, jetzt im Jahr 2004. Vor 10 Jahren ist Annes Sohn Felix beim Sommerurlaub spurlos verschwunden und sie hat diesen Verlust noch nicht verarbeiten können. Deshalb kauft sie von dem eigenbrötlerischen Enrico eine von ihm restaurierte Mühle in der Toscana; ganz in der Nähe des Ortes, an dem sie Felix zum letzten Mal gesehen hat. Dort möchte sie versuchen, irgendwie zur Ruhe zu kommen und stellt noch einmal Nachforschungen an. Auch wenn die Chancen nach 10 Jahren gering sind, hat sie immernoch Hoffnung herauszufinden, was mit ihrem Sohn geschehen ist. Auch hier fand ich den Schreibstil der Autorin wieder sehr einfühlsam; sie bringt Gefühle und Stimmungen sensibel auf den Punkt, sodass man sich richtig gut darauf einlassen kann. Was bei diesem Buch natürlich eher belastend ist, aber trotzdem für seine Qualität spricht. Hier hören auch die im ersten Teil dominierenden Zeit- und Personensprünge auf, sodass man der Handlung ein wenig leichter folgen kann.
Insgesamt ein lesenswertes Buch, das zwar eine bedrückende Thematik hat, über die man durch die sehr sparsam eingesetzten Spannungsszenen auch wirklich nachdenken muss, aber ein rundes Leseerlebnis bietet. 4 Wölkchen von mir.



11.06.2012

[Gerede] Vom inflationären Gebrauch unglaublicher Adjektive

Es ist unglaublich, wie unglaublich kleine Wörtchen oder Ausdrücke Einzug in den allgemeinen Sprachgebrauch halten, sich vermehren und eine unglaublich lange Zeit ohne jegliche Scham immer und immer wieder verwendet werden.

... so geschah es auch mit dem Wörtchen "unglaublich". Dieses arme, unschuldige Wort wird momentan von jedem in den Mund genommen und ist mittlweile fast schon ausgelutscht.
Dabei war die ursprüngliche Intention, die mit der Verwendung dieses Wörtchen verfolgt wurde, gar nicht so schlecht. Im Zeitalter der Superlative will man sich abheben von den Top-Marken und den Mega-Angeboten, möchte sich abwechslungsreicher ausdrücken, um aufzufallen. So kommt man von den Superlativen zu den Hyperbeln. Ein "unglaublich preiswertes" Angebot (dem geschätzten Linguisten wird jetzt vielleicht auffallen, dass in diesem Fall "unglaublich" natürlich ein Adverb und kein Adjektiv ist, was aber rein semantisch keinen großen Unterschied macht und deshalb von mir diskret ignoriert wird) muss natürlich sofort in Augenschein genommen werden, denn super-günstige Angebote kennen wir zur Genüge und glauben schon längst nicht mehr an deren Gültigkeit. So zumindest könnte eine mögliche Argumentation der Marketing-Strategen lauten, die das kleine Wörtchen annektiert haben.
Aber was passiert, wenn wir diese Werbung dann zu oft sehen/hören/lesen? Wir gewöhnen uns die Redewendungen selbst an. Mir zumindest geht es zeitweise auch so, dass "einfache" Ausdrücke nicht mehr ausreichen, um das zu verdeutlichen, was ich sagen will. Ein Kuchen ist nicht mehr "sehr lecker", er ist "unglaublich lecker". Dass das natürlich irgendwie Schwachsinn ist, weil ich offensichtlich daran glaube, wie lecker der Kuchen ist (ich esse ihn schließlich grade), merke ich meistens gar nicht.
Aber nicht nur bei mir selber, auch bei vielen Menschen in meinem Umfeld ist mir in letzter Zeit wiederholt aufgefallen, wie merkwürdig oft dieser Ausdruck Verwendung findet. Dabei sollte es doch eigentlich reserviert sein, für wirklich außergewöhnliche Situationen, in denen uns eigentlich die Worte fehlen. Ein sicheres Reservewort sollte es sein, an dem wir und immer bedienen können, wenn wir eine bestimmte Emotion - ob positiv oder negativ ist dabei irrelevant - kaum fassen, geschweige denn sprachlich realisieren können.
Aber der allgemeine Drang, ständig alles überbieten zu müssen, zeichnet sich auch (oder gerade) in der Sprache ab und hat mir diese Möglichkeit genommen. Jetzt muss ich mir einen neuen großen Ausdruck suchen, um in großen Situationen die passenden Worte zu haben. Gar nicht so einfach ist das.
Oder ich schweige einfach. Vielleicht ist das manchmal sogar die bessere Variante, um unglaubliche Momente angemessen zu würdigen.

10.06.2012

[Rezi] J.R.R. Tolkien - Der Herr der Ringe III. Die Wiederkehr des Königs

Erscheinungsjahr: 2008
Originaltitel: The Return Of The King
Genre: Fantasy
Reihe: Herr-der-Ringe, Teil III
Seitenzahl: 482

Teaser:
Dann endlich sank die Sonne hinterm Mindolluin und entlammte den ganzen Himmel, sodass die Hügel und Berge wie blutgetränkt aussahen; und Feuer glühte auch auf dem Fluss, und das Gras auf dem Pelennor lag rot im Abendlicht.




Achtung! Spoilergefahr!*Achtung! Spoilergefahr!*Achtung! Spoilergefahr!

Handlung
Der Krieg in Mittelerde geht weiter. Der böse Herrscher Sauron hat überall seine Truppen stationiert und die nach wie vor in Teilgruppen zersplitterten Gefährten kämpfen an verschiedenen Fronten, um die Schreckensherrschaft zu beenden. Die große Aufgabe, um die es sich seit Teil 1 dreht - nämlich den Einen Ring zu zerstören - ist nach wie vor nicht erfüllt und wird für die beiden Hobbits Frodo und Sam zu ihrer größten Aufgabe. Während ihre Freunde auf dem Schalchfeld stehen und versuchen, die Aufmerksamkeit Saurons auf sich zu ziehen, schleichen sich Frodo und Sam mitten in dessen Festung hinein; denn nur dort kann der Ring zerstört werden.

Meine Meinung
Wer einen fulminanten Showdown erwartet, wird mit diesem abschließenden Teil der "Herr der Ringe"-Trilogie nicht wirklich glücklich werden. Zwar gibt es auch hier einige spannende Stellen mit guten, fesselnden Szenen, aber wie bei den beiden Vorgängern auch schon überwiegen am Ende doch die langatmigen Beschreibungen der Landschaften/Zustände/Probleme.
Die Geschichte wird grob in zwei Handlungssträngen erzählt, wie es auch schon in Band 2 der Fall war. Mich persönlich hat dabei schwer gestört, dass das nicht zeitlich chronologisch passiert, sondern man erst die Wochen des Kampfes erlebt (Handlungsstrang 1) und dann die selben Wochen nochmal erlebt, nur diesmal aus der Sicht von Frodo und Sam (Handlungsstrang 2). Ich finde es deutlich angenehmer, wenn die einzelnen Handlungstränge überkreuzt erzählt werden; dann habe ich sie jeweils nicht so schnell über und die Geschichte liest sich viel spannender. Die ewigen Landschaftsbeschreibungen, die sicher von einigem literarischen Wert sind, gingen mir leider auch immer mehr auf die Nerven.
Wie allerdings am Ende die Handlungen ineinander laufen und verknüpft werden, gefällt mir da schon viel besser. Das Buch steckt voller kleiner erzählpraktischer Feinheiten, die es zu einem schönen Leseerlebnis machen würden, wären nur ein paar zähe Beschreibungen weniger vorhanden.
Insgesamt fand ich das Ende auch ein wenig unbefriedigend. Es sind so viele Fragen offen geblieben und die Charaktere haben sich meiner Meinng nach auch nicht wirklich entwickelt (außer Aragorn und Sam vielleicht, aber auch nicht in dem zu erwartenden Maß) und handelten teilweise total unglaubwürdig für mich. Warum zum Beispiel arrangiert sich Saruman nicht mir der neuen Situation und passt sich an, nachdem Sauron gestürtzt ist? Schließlich war er mal der oberste aller Zauberer - da kann man ein bisschen Intelligenz und Anpassungsfähigkeit ja wohl erwarten. Und was war überhaupt los mit Sauron? Der tritt ja überhaupt und in keinster Weise direkt in Erscheinung, geschweige denn wird erklärt, warum er überhaupt so böse wurde. Alles auf den Ring zu schieben kommt mir zu einfach vor. Schließlich existierte der nicht von Anbeginn der Zeit.
Noch zu bemämgeln habe ich - wie schon in Band 1 und 2 - die fehlenden Emotionen. Dafür hatte Tolkien entweder keine Lust oder kein Talent. Nicht einmal bei Aragorns anscheinend lang ersehnten Hochzeit kommt ein Fünkchen Gefühl rüber.
Naja, allzu begeistert bin ich von dieser hochgelbten Trilogie nicht. Und der letzte Teil ist tatsächlich insgesamt betrachtet für mich der schwächste. Vielleicht aber auch nur, weil meine Toleranzgrenze mit jedem Band gesunken ist. 3 Wölkchen.


04.06.2012

[Gerede] Im EM-Fieber!

Als Tochter eines ambitionierten (um nicht zu sagen 'fanatischen') Schalke-Fans, habe ich lange Zeit aus jugendlichem Rebellionsverhalten alles gemieden, was in irgendeiner Form mit Fußball zusammenhing. Sowohl den Vereinsfußball als auch Spiele der Nationalmannschaften habe ich mit aller Nachdrücklichkeit abgelehnt und boykottiert.

Doch mittlerweile habe ich mich entwickelt. Ob in eine positive oder negative Richtung bleibt noch zu beurteilen. Jedenfalls wurde mein Vater mit den Jahren ein wenig ruhiger, und als dann die königsblaue Schalke-Bettwäsche aus unserem Haushalt verbannt wurde (ob dem Durchsetzungsvermögen meiner Mutter oder tatsächlich der Einsicht meines Vaters geschuldet, wird für immer ein Mysterium bleiben) löste sich auch meine teenager-mäßige Anti-Haltung auf. Zur EM 2004 war ich dann bereit, mich der Fußballfangemeinschaft anzuschließen und seitdem halte ich ein Leben ohne Mitfiebern, Motzen, Jubeln und Klugscheißen für sau langweilig und freue mich auf jedes Spiel. Die Affinität zum FC Schalke 04 scheine ich von meinem Vater geerbt zu haben, was wirklich nicht leicht zu vertreten ist, da wo ich herkomme (Nein! Nicht aus Dortmund ;) ).

Aber jetzt geht's am Freitag erstmal los mit der EM - ich freu mir schon 'nen Keks! :D
Jaaa, über die Besetzung Nationalannschaft kann man(n) streiten (und tut es auch mit Vorliebe) und natüüürlich hätten 90% der Diskussionswütigen eine viel bessere Mannschaft zusammengestellt und wir werden ja sehen, was wir davon haben, ect. pp.
Fakt jedoch ist, dass man (und jetzt meine ich speziell mich^^) trotzdem anfeuern wird und dazu ein passendes Outfit braucht, weshalb ich auch bei folgender Aktion mitgemacht habe, bei der man eins von 300 Fan-Shirts gewinnen kann. Wenn ihr auch so ein tolles Shirt haben wollt, schaut hier vorbei. Die Aktion wird von T-Shirt-Drucker.de gesponsort und ich finde sie super :)
Jetzt muss nur noch der Versand rechtzeitig klappen und ich kann am Samstag schon einen eleganten Auftritt als 12. Mann (im Fußball wir auf die Gender Gap halt nicht so nen Wert gelegt) hinlegen ;)

02.06.2012

[Rezi] Paulo Cohelo - Der Alchimist

Erscheinungsjahr: 1996
Originaltitel: O Alquimista
Genre: Erzählung
Seitenzahl: 172


Teaser:
"Ganz egal, was man ist, jeder Mensch steht jederzeit im Mittelpunkt der Weltgeschichte. Doch meistens weiß er es nicht", schloss der Alchimist, indem er sein Pferd antrieb. Der Jüngling lächelte. Er hatte es nie für möglich gehalten, dass das Leben eines Hirten so wichtig sein könnte.



Handlung
Ein junger Schafshirte zieht nun seit zwei Jahren mir seiner Herde durch Andalusien. Mit diesem Leben ist er absolut zufrieden, denn er reist viel umher und lernt immer neue Menschen kennen. Dann hat er gleich zweimal hintereinander einen merkwürdigen Traum, den er von einer Zigeunerin deuten lässt. Dieser Traum sagt ihm, er muss nach Ägypten zu den Pyramiden, denn dort wird er einen Schatz finden. Der junge Hirte ist hin- und hergerissen zwischen der Sicherheit seines bekannten Lebens und dem Abenteuer mit Aussicht auf sein Glück. Doch er entschließt sich, seinem persönlichen Lebensweg zu folgen und lernt dabei alles über die Welt und vor allem über sich selbst.

Meine Meinung
So wenige Seiten dieses Buch auch haben mag, ist es dennoch gefüllt mit unglaublich viel (und man kann es nicht anders bezeichnen) Weisheit. In jeder Zeile steckt eine wertvolle Botschaft, auf die man sich nur einlassen muss, um sie zu verstehen.
Die Handlung an sich ist sehr unkompliziert und klar strukturiert. Ein junger Schafshirte sucht sein Glück. Er verkauft seine Tiere und macht sich auf den weiten Weg zu den Pyramiden, weil ein Traum ihm gesagt hat, dass er dort einen Schatz finden wird. Auf dieser Reise wird er ausgeraubt, muss sich mehrmals wieder aufrappeln und lernt Menschen kennen, die ihm etwas über das Leben beibringen können. Allen voran der Alchimist, der ihn zu seinem Schüler macht. Schließlich findet der junge Hirte den Schatz. Aber nicht dort, wo er ihn die ganze Zeit vermutet hat.
Es geht in diesem Buch nicht um die Geschichte selbst. Es geht um die Botschaft, die durch sie vermittelt wird. Deshalb gibt es auch kaum Spannungsbögen, verzwickte Personenkonstellationen oder überraschende Wendungen. Vielmehr wird der Leser duch die pure Abwesenheit dieser Thrill-Effekte an das Buch gefesselt, denn es strahlt eine solche Erhabenheit und Ruhe aus, dass man gar nicht anders kann, als weiterzulesen. Ähnlich wie ein Bibelgleichnis aufgebaut, ist eine prägende Thematik auch die göttliche Kraft, was aber selbst mich, als wirklich nicht religiösen Menschen, trotzdem sofort in seinen Bann gezogen hat. Es ist beeindruckend, wie Coehlo ein solchs schwieriges Thema beschreiben kann, sodass sich jeder, egal welcher Konfession oder Glaubensrichtung, damit identifizieren kann.
Im Grunde hat die Geschichte mehrere Lehrbotschaften zu vermitteln, die wir sicher alle aus unserer Kindheit kennen: Wenn du etwas wirklich willst, kannst du es erreichen. Das Wichtige ist meist nicht auf den ersten Blick zu erkennen. Oder: Lebe im Hier und Jetzt. Und der gleichen mehr. Alles Weisheiten, die (mir geht es zumindest so) einem als Kind viel präsenter waren und die im Laufe des Lebens einfach verdrängt werden, weil andere Gedanken den eigenen Kopf so beanspruchen, dass für so etwas keine Zeit mehr bleibt. In dem Sinn war die Lektüre dieses Buches für mich wie eine Art Rückbesinnung; Runterkommen von dem ganzen Stress des Alltags und einfach mal darüber nachdenken, was eigentlich wichtig ist. Denn auch die Geschichte ist nicht überladen mit literarischen Protzelementen, sondern auf das Wesentliche reduziert. Glasklar und unverziehrt. Und genau darin besteht die Kunst des Autors: ein so gewaltiges Werk zu schaffen, ohne viel Aufhebens zu veranstalten.
Mit einem Wort: Großartig. 5 rosa Wölkchen.