20.09.2012

[Rezi] Jennifer Brown - Die Hassliste

Erscheinungsjahr: 2010
Originaltitel: The Hate List
Genre: Jugendbuch
Seitenzahl: 454



Teaser:
Aber der eigentliche Grund, warum ich die ganzen Details nicht recht auf die Reihe kriegte, war, dass das für mich alles nicht zusammenpasste. Anscheinend war mein Gehrin schlicht nicht imstande, das alles zu begreifen. 




Handlung
Am 2. Mai 2008 wird für die Schüler der Garvin-Highschool ein Alptraum wahr: Nick Levi betritt die Mensa der Schule, zieht eine Pistole und beginnt damit, gezielt Menschen abzuschießen. Viele sterben, andere werden schwer verletzt, aber selbst, wer keine körperlichen Wunden davon trägt, ist doch von dem erlebten Grauen für immer gekennzeichnet. Doch auch Nick befindet sich in einem Alptraum. Zumindest hält er sein ganzes Leben dafür. Er wird in der Schule gequält, gemobbt und ist mit seiner Freundin Valerie die Witzfigur der Schule. Zusammen haben die beiden eine Hassliste geführt, auf der sie systematisch jeden ihrer Peiniger aufgeschrieben haben. Valerie hat damit ihre Wut zumindest teilweise abreagiert. Aber Nick will Taten sprechen lassen und tötet sechs Schüler und einen Lehrer. Valerie beendet den Amoklauf, indem sie sich zwischen Nick und eine Mitschülerin stellt und eine Kugel ins Bein bekommt. Daraufhin erschießt Nick sich selbst, doch der Alptraum ist noch lange nicht vorbei.

Meine Meinung
Valerie wird für Nicks Ausraster verantwortlich gemacht. Schließlich war sie seine Freundin und hat mit ihm zusammen die Hassliste geführt. Die Angehörigen der Opfer machen sie verantwortlich, die Polizei, die Medien, ihre Freunde, sogar ihre Eltern. Und noch schlimmer: sie sich selbst. Ständig fragt sie sich, warum sie das nicht hat kommen sehen. Und selbst als die Polizei die Ermittlungen niederlegt, ist sie für viele trotzdem schuldig.
Einfühlsam und tiefgehend beschreibt die Autorin in diesem Buch den langen Weg von einer solch traumatisierenden Erfahrung zurück ins Leben - auch wenn sich wohl niemals wieder Normalität einstellen kann.
Wenn man in den Nachrichten von einem Amok-Lauf hört - was ja vor nicht allzulanger Zeit ein sehr präsentes Thema war und auch heute noch aktuell ist - treten die Medien das ganze Leben des Täters in der Öffentlichkeit breit. Man hat Mitleid mit den Opfern und kann es nicht fassen, wie sowas passiert. Warum niemand vorher merkt, dass mit den Tätern, die ausnahmslos negativ dargestellt werden, etwas nicht stimmt. In diesem Buch wird das ganze von der anderen Seite angegangen. Es geht weniger um die Gründe, die zu dem Amoklauf geführt haben könnten, sondern um die Traumabewältigung danach. Nick ist nicht bloß der Täter, der Böse, der wahl- und grundlos Menschen ermordet. Er ist gleichzeitig ein Opfer der sadistischen (und das können Jugendliche wirklich sein) Schüler an seiner Highschool, die ihm das Leben dort zur Hölle machen. Aber auch das ist noch nicht alles. Für Valerie war er nämlich kein Loser. Die beiden waren ein Paar, er war ihr Anker in einer Welt, zu der sie sich beide nicht zughörig fühlten, er war humorvoll, sensibel und intelligent. Und trotzdem hat sie den Amoklauf nicht kommen sehen. Wollte es nicht. Trotz der Liste. Trotz den vielen Gesprächen über den Tod. Und als ihr Nick dann allem ein Ende macht, zerbricht alles um Valerie herum. Obwohl sie von vielen als Mit-Täterin angesehen wird, muss sie genau wie alle anderen das geschehene verarbeiten.
Davon handelt das Buch. Hart und fast schon gnadenlos detailreich schildert die Autorin die Lage, immer im Wechsel zwischen dem Zeitpunkt der Tat und Valeries Leben ein Jahr danach. Sie lässt den Leser richtig fallen in Valeries Gedanken und vermittelt sehr einfühlsam, womit Valerie zu kämpfen hatte und hat und auch womit die Menschen in ihrer Umgebung fertig werden müssen. Aber auch die Rolle der Medien und die Wahrnehmung von außen wird nicht unter den Teppich gekehrt. Man könnte (beziehungsweise finde ich fast, man sollte) das Buch auch als nicht ganz so subtile Kritik an der Berichterstattung der Medien und an deren Sensationsgeilheit beziehungsweise Gleichgültigkeit gegenüber der Wahrheit - oder zumindest der anderen Wahrheit, denn es gibt bekanntermaßen immer mehrere - verstehen, was noch ein deutlicher Pluspunkt ist.
Fazit: ein ergreifendes Buch zu einem schwierigen Thema, das zwar eichnfach zu lesen, aber nur schwer zu verdauen ist. 5 Wölkchen von mir.


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