12.10.2012

# Rezensionen

[Mini-Rezi] Paulo Coelho - Der fünfte Berg

Erscheinungsjahr: 2007 (Erstausgabe 1996)
Originaltitel: O Monte Cinco
Genre: Roman
Seitenzahl: 222


Teaser:
Der Gedanke an den Tod schreckte ihn nicht mehr. Er wandte sich an den jungen Propheten an seiner Seite und versuchte, ihn zu beruhigen: "Frage Gott, denn an Seinen Entschlüssen zweifelst du", sagte er. "Ich füge mich in mein Schicksal".




Das war das zweite Buch, das ich von diesem Autor gelesen habe und nach meiner schweren Begeisterung für 'Der Alchimist' wollte ich unbedingt mehr von Coelho. Keine Ahnung, warum, aber diese Geschichte konnte mich nicht mal ansatzweise fesseln, bewegen, mitreißen oder mir sonst in irgendeiner Weise einen Denkanstoß geben. Bis auf 'Hoffentlich ist das bald vorbei'.
Dabei kann man rein vom Erzählstil definitiv Parallelen ziehen. Coelho schreibt sehr geradeaus, einfach Sätze ohne Verschachtelungen und zusätzliche Schnörkel. Das erinnert sehr an Gleichnisse aus der Bibel, die einen ähnlichen Stil aufweisen. Und irgendwie ist das wohl auch so gedacht.
Die Geschichte spielt im Jahr 870 v. Chr. und Protagonist ist der junge Elia, der von Kindesbeinen an Stimmen der Engel hört. Durch sie erhält er Botschaften von Gott, was die Königin Israels gar nicht gut findet, denn sie glaubt an die Götter von Baal und will ihren Glauben rücksichtslos durchsetzten. Also flüchtet Elia, nachdem er eine Dürre prohezeit hat, um nicht getötet zu werden. Er landet in Akbar, einer Stadt in der Nähe des fünften Berges, deren Bewohner ebenfalls nicht an den christlichen Gott glauben, Elia aber aufnehmen. Bei einer Witwe und ihrem Sohn kommt er unter und versucht nun von Gott gelenkt, sein Leben zu führen.
Und genau das nervte mich so. Wozu selbstbestimmt leben, wenn man von oben Anweisungen bekommt und somit jede Verantwortung von sich weisen kann. Elia belastet sein Gewissen trotzdem schwer und ist auch an sich kein uninteressanter Charakter. Aber trotzdem ist der Dreh- und Angelpunkt der Geschichte, den christlichen Glauben zu rechtfertigen und zu beweisen, dass alle anderen Glaubensrichtungen falsch und unsinnig sind. Wie kann man heutzutage sowas nur schreiben? Ich weiß nicht, ob die Geschichte um Elia irgendeine historische Grundlage hat, aber wenn, wäre die Darstellung ohne dieses göttliche Gelaber definitiv schöner zu lesen.
Ich konnte bis zum letzten Drittel keinen Zugang zu der Geschichte finden. Alles zu esotherisch, zu unglaubwürdig und ein in diesem Zusammenhang einschläfernd wirkender Schreibstil - keine gute Mischung. Gegen Ende entwickelte sich dann sowas wie ein Spannungsverlauf und auch der bis dahin unmündige Mensch bekommt eine eigenverantwortlichere Rolle. Aber alles in allem habe ich mich wirklich sehr gequält und kann nun ein einziges, sehr entäuschtes, Wölkchen vergeben.


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