06.10.2012

# Rezensionen

[Rezi] Jilliane Hoffman - Morpheus

Erscheinungsjahr: 2005
Originaltitel: Last Witness
Genre: Thriller
Seitenzahl: 399



Teaser:
C.J. saß in ihrem Büro in dem weinroten Sessel mit der hohen Lehne - wo sie nie wieder hatte sitzen wollen - und starrte auf Bantlings Berufungsantrag , der schwarz auf weiß vor ihr lag.




*Achtung! Spoilergefahr! * Achtung! Spoilergefahr! * Achtung! Spoilergefahr! *

Handlung
Eine der besten Staatsanwältinnen des Bundesstaates Florida lässt jeden Tag die brutalsten Verbrecher verurteilen und kämpft dabei ständig mit ihrer Vergangenheit. J.C. Townsed wurde vor Jahren grausam vergewaltigt und den Täter hat sie durch geschicktes Auslegen und Zurückhalten von Beweismitteln selbst hinter Gittern gebracht. Allerdings für die Verbrechen eines anderen. Dort wartet er jetzt auf die Vollstreckung der Todesstrafe. Dennoch ist Bill Bantling nicht unschuldig. Auch wenn er die Cupido-Morde nicht selbst begangen hat, so herrscht doch kein Zweifel, dass er eine gestörte Persönlichkeit ist und überall auf der Welt Frauen vergewaltigt und umgebracht hat. Und er hat geschworen, sich an C.J. zu rächen.
Neben seinem Berufungsantrag muss sich die Staatsanwältin mit einer weiteren Mordserie beschäftigen, die das gesamte Polizeiorgan in Atem hält: Cops werden im Dienst überfallen, verstümmelt und dann sterben gelassen.

Meine Meinung
Dieses Buch ist die Fortsetzung des Thrillers 'Cupido', welcher dieser Bezeichnung mehr als gerecht wird und mich wirklich gefesselt hat. Entsprechend hoch waren meine Erwartungen an den Folgeband. Die leider nicht erfüllt worden sind.
Wie auch bei 'Cupido' erhält man im Roman Einblick in das hochkomplizierte Rechtssystem der USA, durch das ein vermeintlich wasserdichter Fall zu einer bürokratischen Herausforderung wird. Das ist nach wie vor sehr interessant, auch wenn ich bei den vielen verwendeten Abkürzungen wie FDLE, MPD etc. ein bisschen den Überblick verloren habe.
Der Anfang des Buches verspricht eigentlich auch eine gute Geschichte. Ein Polizistenmörder, der irgendwie mit dem eigentlich abgeschlossenen Fall 'Cupido' zu tun hat, geht in Miami um und irgendjemand scheint im Hintergrund die Fäden so zu ziehen, dass C.J. an den Ermittlungen beteiligt ist. Doch anstatt die Ermittlungen in den Vordergrund zu stellen und langsam einen Spannungsbogen aufzubauen, tröpfelt die Geschichte nur vor sich hin. C.J.'s ethnische Krise, dafür gesorgt zu haben, dass Bantling als Cupido verurteilt wird, obwohl sie weiß, dass er zumindest diese Verbrechen nicht begangen hat, nehmen einen großen Teil des Buches ein. Und nicht nur C.J. hat Gewissensbisse; auch Bantlings ehemalige Anwältin scheint dies mit ihrem Gewissen nicht vereinbaren zu können, weshalb sie mit einer eidesstattlichen Erklärung den Berufungsprozess in Gang bringt. Währenddessen verschließt C.J. sich immer mehr vor ihrem Verlobten Dom - dabei sind die beiden eigentlich ein super Paar und ihr Rumgenerve ist echt nicht zu ertragen - der ebenfalls bei den Ermittlungen in diesem Fall dabei ist.
Wir haben also viele verschiedene Baustellen, die das Buch bedienen soll: Der aktuelle Fall 'Morpheus', der Fall 'Cupido', der im Begriff ist, wieder aufgerollt zu werden, C.J.'s Beziehungskiste und die moralischen Probleme für die Beteiligten am Urteil von Bantling. Dabei rutscht der 'Morpheus' des öfteren in den Hintergrund und wird hauptsächlich von C.J.'s Traumata überdeckt. Vielleicht ist das der Grund dafür, dass der erwartete "Thrill"-Effekt ausblieb. Lediglich in den letzten 30 Seiten legt die Erzählweise an Tempo und Action zu, sodass es immerhin am Ende doch noch ein wenig spannend wird.
Alles in allem kein Vergleich zu dem wunderbaren Vorgänger 'Cupido' und für mich lediglich 2 Wölkchen wert.


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen