01.10.2012

# Rezensionen

[Rezi] Lauren Oliver - Wenn du stirbst, zieht dein ganzes Leben an dir vorbei, sagen sie

Erscheinungsjahr: 2010
Originaltitel: Before I Fall
Genre: Jugendroman
Seitenzahl: 445


Teaser:
Dann blitzt plötzlich etwas Weißes vor dem Auot auf. Lindesey schreit etwas - Wörter, die ich nicht verstehen kann, irgend so was wie Sitz oder Sicht oder Scheiß - und plötzlich...
Nun.
Ihr wisst, was dann passiert.



Handlung
Sam und ihre drei besten Freundinnen Lindsey, Elody und Ally gehören zu den angesagtesten und beliebtesten Mädchen ihrer Highschool. Warum? Weil sie die Spielchen, die einen an die Spitze der Beliebtheitsskala bringen, perfekt beherrschen. Regeln überstrapazieren, Gerüchte verbreiten und bloß nicht zu nett zu den anderen sein.
Am Freitag dem 12. Februar ist für Sam dann Schluss mit lustig. Sie und ihre Freundinnen sind gerade auf dem Heimweg von einer Party, als das Auto - von der nicht mehr ganz nüchternen Lindsey gefahren - von der Straße abkommt. Bei dem Unfall stirbt Sam. Eigentlich. Allerdings wird sie am nächsten Morgen ganz normal wach und denkt, dass alles nur ein schlimmer Traum war. Bis sie auf die Datumsanzeige ihres Handys blickt und nach und nach merkt, dass immernoch, oder besser schon wieder, der 12. Februar ist und sie diesen Tag immer und immer wieder erlebt.

Meine Meinung
Die Idee, nach dem Tod den selben Tag wieder und wieder zu durchleben, ist nicht neu. Trotzdem war die Lektüre des Buches, entgegen meiner vorhergehenden Befürchtung, nicht langweilig.
Sam ist ein typisches Teenie-Mädchen, dass seine eigenen Grenzen testet und versucht, von den anderen akzeptiert zu werden. Dazu passt sie sich möglichst an und tut, was ihre Freundinnen von ihr erwarten. Am 12. Februar ist die ganze Oberstufe der Schule zu einer Party bei Kent, der eigentlich nicht zu den Coolen gehört, aber eine Menge Bier springen lässt, eingeladen und auch Sam und ihre Freundinnen gehen selbstverständlich dorthin. Nachdem Juliet Sykes, der schuleigene Freak, einmal mehr von allen gedemütigt worden ist, zerstreuen sich die Partygäste langsam und auch die vier Mädels machen sich auf den Rückweg. Doch sie kommen nicht zu Hause an.
Am nächsten Morgen geht der ganze Tag wieder von vorne los. Erst ist Sam verwirrt und irritiert, doch langsam aber sicher kommt die Gewissheit, dass sie tatsächlich den gleichen Tag wieder erlebt. Natürlich versucht sie, den Unfall zu verhindern, was ihr auch gelingt. Und trotzdem geht ihr Leben am nächsten Tag nicht weiter, sondern sie wird wieder zurück zum Freitagmorgen gebeamt. Das muss sie solange durchmachen, bis sie versteht, wie sie ihr Leben wirklich retten kann.
Die Charaktere der Geschichte sind zunächst eher sterotypisch konzipiert. Man hat die beliebten und hübschen Mädchen, die heißen Sportler, und die Freaks, die keiner mag. Im weiteren Verlauf, als Sam ihr Leben nach und nach in Frage stellt und mit einer guten Portion Selbstreflexion auf ihr Verhalten blickt, dringt man auch bei den anderen Personen unter die Oberfläche, was mich sehr erleichtert hat. Sobald Sam anfängt richtig hinzusehen und ihr Umfeld bewusster wahrzunehmen, verändert sich auch die einseitige Darstellung der Charaktere. Richtig tiefgründig wird die Autorin natürlich trotzdem nicht. Es geht in dem Buch schließlich um Selbstfindungsprobleme und Identitätskonflikte, also wird alles gespikt mit ein paar kleinen, (Pseudo-)Weisheiten, die sicherlich zum Nachdenken anregen, allerdings nichts neues sind.
Die Protagonistin Sam war mir von Anfang an extrem unsympathisch. Nicht, weil sie die anderen von oben herab behandelt, sondern weil sie es tut, obwohl sie weiß, wie schlimm das für die anderen ist. Früher gehörte sie nämlich selbst zu den Freaks und hat es eigentlich einer glücklichen Fügung zu verdanken, dass sie die Beliebtheitsskala aufgestiegen ist. Aus Angst vor einem Fall, ist sie jetzt doppelt gemein zu den anderen, um ihre Position zu halten. Sie ist also nicht nur keine liebenswürdige Person, sondern sie ist auch noch rückratlos. Nicht, dass ich nicht verstehe, wie es dazu kommen konnte. Aber trotzdem.
Alles in allem ein putziger Jugendroman. 3 Wölkchen von mir.


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