09.10.2012

# Rezensionen

[Rezi] Thomas Thiemeyer - Das verbotene Eden I. David und Juna

Erscheinungsjahr: 2011
Genre: (Jugend-)Dystopie
Reihe: Das verbotene Eden, Teil I
Seitenzahl: 459



Teaser:
Noch immer hatten die Teufel nichts von ihrer Anwesenheit bemerkt. Sie waren viel zu sehr damit beschäftigt, den Bewohnerinnen Angst und Schrecken einzujagen. Brandgeruch strömte Juna in die Nase.




Handlung
Im Jahr 2015 kommt ein neues Grippemittel auf den Markt, das längerfristig die Menschheit in zwei Lager spalten wird. Denn dieses Medikament lässt die Viren mutieren, sodass sie eine Störung im Gehirn bewirken. Diese Störung lässt Männer und Frauen einander bis auf den Tod verabscheuen und das Gesellschaftssystem, wie es bis dahin herrschte, bricht auseinander.
65 Jahre später haben sich die Strukturen geändert. Die Menschen leben in den Überresten der früheren Welt, in denen viel Wissen und Technik verloren gegangen ist. Einzig die Distanz zwischen Männern und Frauen ist geblieben - die Geschlechter leben absolut voneinander getrennt in einem Scheinfrieden, der durch den tiefsitzenden Hass auf beiden Seiten jede Minute zu kippen droht.
Vor diesem Hintergrund spielt die Liebesgeschichte zwischen David und Juna - einem jungen Bibliothekar im Kloster der Männer und einer Kriegerin der Frauen. Die Wirkung des Virus' scheint nachzulassen - können die beiden helfen, die verhärteten Fronten zu versöhnen?


Meine Meinung
Mein Eindruck von dem Buch ist ein wenig durchwachsen. Die Menschheit hat sich quasi selbst ins Aus katapultiert, was ja nicht nur mehr oder weniger wahrscheinlich ist, sondern auch die Grundlage für eine spannende Story ist. Die meiste Technik ist verloren und droht, in Vergessenheit zu geraten. Wer kann sich schon ein Leben ohne Strom vorstellen? Kein Intenet, kein Fernsehn, kein Licht! Die Hinweise auf eben diese Dinge, die es in der Story ja nicht mehr gibt, aber für uns selbstverständlich sind, fand ich sehr gut. Kleine runde Dinger mit einem Loch in der Mitte? Wozu sind die bitte gut? Naja, ohne CD-Player (und ohne Strom!) halt zu nix.

Dass das Leben nach den dunklen Jahren, in denen sich Männer und Frauen bekriegt haben, ganz einfach und eher primitiv dargestellt wird, ist auch sehr nett. Da verzeihe ich doch glatt die schlampige Ausarbeitung der Vorgeschichte. Ein Virus, das Mann und Frau zu Totfeinden macht? Also bitte. Die offensichtliche Problematik an der Situation - wo kommen nochmal die Baby her? Genau! - wird zwar auch angesprochen und ist sogar ein relativ zentrales Thema, aber ehrlich gesagt wurde mir die ganze Zeit einfach nicht klar, was dieses Virus im Hirn anstellen muss, damit sowas passiert. Es war definitiv nicht glaubwürdig genug dargestellt.
Als Hintergrund für die Geschichte mag es ja einen Sinn haben, die Menschheit so zu spalten, aber nur für eine Liebesstory à la 'Romeo und Julia', auf die auch oft genug verwiesen wird, braucht man doch nicht zu solch grundlegend existenzbedrohenden Geschichten zu greifen. Hätten gemischte Gruppen diesen Zweck nicht genauso gut erfüllt? So drängten sich mir nämlich einige Gedanken auf. Zum Beispiel, ob ich es als schwulen- und lesbenfeindlich deuten muss, dass die 'natürliche' Ordnung wieder hergestellt werden soll, in der Mann und Frau zusammen leben und die gleichgeschlechtliche Liebe mit Vorurteilen zu kämpfen hat. Anfangs war ich zwar noch der Meinung, dass eine Story, in der es eigentlich nur gleichgeschlechtliche Partnerschaften - Juna lebt ja selbst mit einer Frau zusammen - gibt, doch eine ganz nette Art ist, sich damit auseinander zu setzten, dass Homosexuelle immernoch mit Ausgrenzungen zu kämpfen haben und es in dem geschaffenen Gesellschaftsbild ganz normal ist. Aber je mehr Verschmähungen und Hasstiraden über Beziehungen zwischen Mann und Frau aufkamen, je mehr Sprüche fielen, die in der Realität oft Schwulen gelten, desto mehr kam ich von diesem Gedanken weg. Die Verhältnisse ins genaue Gegenteil umzukehren ist ja schön und gut. Aber letztendlich ist doch das Ziel, die ursprünglichen Strukturen wieder aufzubauen. Der Zustand, der also (von den Radikalen und letztendlich bösartig dargestellten Personen) verteidigt wird, ist durch eben diese Personen negativ konnotiert. Nennt das Überinterpretation, aber ich persönlich finde es ein bisschen bedenklich, dass heutzutage indirekt vermittelt wird, dass nur Verbindungen von Männern mit Frauen als natürliche Ordnung gelten.

Davon aber mal abgesehen: die gesellschaftskritischen Ansätze bezüglich der Pharmaindustrie finde ich trotz aller Kritik an der Virus-Geschichte sehr passend platziert und auch die kleinen Exkurse in Shakespears Werk 'Romeo und Julia' haben mir gefallen. Der Schreibstil des Autors ist eher simpel und macht das Buch zu einem guten Einschub für Zwischendurch. Die Geschichte ist nachvollziegbar aufgebaut - 3 große Teile bilden den Rahmen und diese sind wiederum jeweils in mehrere Kapitel gegliedert. Man weiß im Prinzip von Anfang an, dass Juna und David sich irgendwann zwingend begegnen müssen und fiebert die ganze Zeit diesem Moment entgegen. Der wird ein bisschen zu lange rausgezögert finde ich, aber das ist nicht weiter tragisch. Durch die Rahmenhandlung des schwelenden Konflikts kommt immer wieder genug Action auf, sodass es nicht langweilig wird. Auch der Entwicklung der Charaktere - vor allem David, der zu Beginn das genaue Gegenteil von der souveränen und selbstbewussten Juna ist und sich im Laufe der Handlung zu einer eigenständigen Persönlichkeit entwickelt - kann man gut folgen.

Insgesamt also eine Lektüre, deren Ansätze interessant sind; diese hätten aber besser ausgebaut werden können. Der Virus und das Spalten der Menschheit in Frauen auf der einen und Männer auf der anderen Seite sind meiner Meinung nach einfach sehr wackelige Säulen, auf der eine Story platziert wird. Diese ist von den Verwicklungen, dem Spannungsverlauf und der Auflösung her aber trotzdem ganz schön zu lesen und somit bekommt das Buch von mir summa sumarum 3 Wölkchen.


1 Kommentar:

  1. Danke schön für Dein nettes Kommentar zu meinen Fotos :-)

    Das Eichhörnchen war so süß, ich hätte es am liebsten mit nach Hause genommen :D :D

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