02.11.2012

[Rezi] Ursula Poznanski - Erebos

Erscheinungsjahr: 2010
Genre: (Jugend-)Thriller
Seitenzahl: 485


Teaser:
Es war sein eigenes Wimmern, das Nick weckte. Sein Herz punpte so schnell, als wäre er gelaufen. Die Dunkelheit seines Traums war immernoch um ihn, vielleicht war er gar nicht aufgewacht.




Handlung
Nicks Freund Colin benimmt sich seit einigen Tagen sehr merkwürdig. Er geht nicht an sein Handy, ruft auch nicht zurück, schwänzt das heißgeliebte Basketballtraining und sogar die Schule. Wenn der dann doch mal auftaucht, sieht er übernächtigt und blass aus und ist sehr abweisend Nick und auch seinen anderen Freunden gegenüber. Dagegen verbringt er immer mehr Zeit mit Typen, über die sich ihre Clique eigentlich immer lustig gemacht hat, und die den selben abgekämpften Eindruck machen. Für Nick ist klar, dass da etwas merkwürdiges und möglicherweise gefährliches im Gang ist. Als er dann von Brynne, einer Mitschülerin, eine CD und mysteriöse Anweisungen bekommt, findet Nick heraus, was die anderen so stark beschäftigt: Ereobos ist ein interaktives Computerspiel, das durch seine Aufgaben und Quests, die alle in die reale Welt hineinreichen, Nicks ganzes Leben kontrolliert, weil dieser sich dem Sog des Spiels nicht mehr entziehen kann.

Meine Meinung
Das Computerspiel 'Erebos', das von seinen Spielern absolute Geheimhaltung und totalen Gehorsam verlangt, verbreitet sich mit rasanter Geschwindigkeit an Nicks Schule. Außenstehende bemerken die beunruhigenden Veränderungen am Verhalten der Schüler zwar, können allerdings nichts tun. Denn niemand traut sich, über das Spiel zu reden. So ergeht es auch Nick, nachdem er das Spiel bekommen und ausprobiert hat. Es macht ihn absolut süchtig. Von Anfang an wird den Spielern klar gemacht, dass sie nur eine einzige Chance haben, das Spiel zu spielen. Wenn ihr Charakter stirbt, ist es vorbei. Und wenn sie die Regeln brechen - siehe Verschwiegenheit - ist es auch vorbei. Also wagt niemand, sich zu offenbaren. Nick wird Teil dieser Gemeinschaft, obwohl er Anfangs skeptisch und misstrauisch ist und Colins Verhalten auf etwas möglicherweise Gefährliches zurückführt. Doch trotzdem wird auch er in den Bann von 'Erebos' gezogen. In dem Spiel geht es vor allem darum, durch Kämpfe gegen Orks oder auch in Arenakämpfen gegen andere Spieler, ein immer höhreres Kampflevel zu erreichen. Dies geschieht durch ein Ritual, bei dem der Spieler eine Aufgabe in der realen Welt erledigen muss. Erst, als immer mehr Schüler dem Druck nicht mehr standhalten und wirklich gefährliche Dinge passieren, beginnt Nick zusammen mit einer Gruppe Computer-Nerds (im allerpositivsten Sinn ;) ), Nachforschungen anzustellen und das Konzept hinter dem Spiel auseinander zu dröseln.
Jeder, der schon mal ansatzweise einem Computerspiel verfallen war, kann nachvollziehen, was mit Nick und den anderen Spielern passiert. Aber selbst, wenn man sich in keiner Weise für Computer interessiert, wird man von dem Schreibstil der Autorin gefesselt und kann das Suchtpotential von 'Erebos' nachvollziehen. Die Welt des Spiel wird genauso detailreich geschildert, wie die Geschehnisse in der Realität, sodass beide Welten nicht nur in der Geschichte, sondern auch für den Leser verschmelzen. Jede der Welten hat eigene Charaktere und Spannungsverläufe, auf die man sich einlässt.
Zwei große Themen hat Poznanski hier in ihrem Buch verarbeitet: die unheimliche Sogwirkung, die Computerspiele haben können zum einen. Und das soziologische Phänomen vom System, das sich selbst kontrolliert zum anderen. Letzters fand ich fast schon fast am spannendsten, vielleicht, weil es der Angelpunkt der Geschichte ist, an dem die Handlung aufgehängt ist. Das Prinzip ist: keiner verrät etwas von dem Spiel, weil sich die Spieler gegenseitig beobachten und anschwärzen. So tun alle, was das Spiel verlangt, selbst wenn es um Gewaltanwendungen geht, aus Angst davor, die anderen würden Versagen oder eine Weigerung weiterleiten. Auch das Gruppengefüge innerhalb der Schule verändert sich durch das Spiel. Es gibt jetzt die Eingeweihten und die Uneingeweihten, der soziale Status, den die Leute vor dem Spiel hatten, ist unwichtig geworden.
Die Hauptcharaktere sind alle nachvollziehbar aufgebaut, auch wenn ich mich dem Protagonisten Nick nicht unbedingt viel anfangen konnte. Er war mir ein bisschen zu durchschnittlich und bekam erst gegen Ende ein richtiges Profil. Meine absoluten Lieblinge Victor, und Mr. Watson (der viel zu wenig vorkam), aber vor allem Emily, die mit ihrer gefestigten Perönlichkeit (an der aber auch mal Zweifel aufkommen) und ihrer gesamten tiefgründigen Art die ganze Gegenbewegung erst anzettelt, sind mir dagegen fast schon ans Herz gewachsen.
Es gab durchaus ein paar logische Ungereimtheiten, aber trotzdem kann ich nicht anders und muss diesem Buch glatte 5 Wölkchen und eine uneingeschränkte Leseempfehlung geben. Es ist keine Anti-Computerspiel-Geschichte, sondern beschreibt einfach was passieren kann, wenn man zwischen Fiktion und Realität nicht mehr unterscheiden kann. Mein absolutes Monatshighlight.

Kommentare:

  1. Eine sehr schöne Rezension. Mir hat das Buch auch außerordentlich gut gefallen :)
    Liebe Grüße, KQ

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  2. Du hast es aber auch schön hier :)
    Ich habe Saeculum gelesen war absolut begeistert. Obwohl das Thema von Erebos nicht ganz so meins ist, werde ich es wohl lesen "müssen" :D Kenne nur begeisterte Leser!!!

    Liebe Grüße Krys

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