27.12.2012

[Rezi] Timur Vermes - Er ist wieder da

Erscheinungsjahr: 2012
Genre: Roman
Seitenzahl: 396



Teaser:
Entgegen kleingeistiger Vermutungen muss ein Führer nicht immer sofort die richtige Antwort kennen - er muss sie nur im richtigen Moment parat haben, in diesem Falle, sagen wir, passend zum nächsten Kriegsausbruch.





Handlung
Adolf Hitler ist zurück. Und zwar der echte. Mitten in Berlin wacht er im Jahr 2011 auf und findet sich wieder in einer für ihn komplett neuen und befremdlichen Welt. In einer Welt, in der es selbstverständlich ist, dass man zwar über Hitler lacht, ihn aber niemals ernst nimmt. So ist es nicht weiter verwunderlich, dass er schnell als weltbester Hitler-Imitator (weil außer dem Leser und Hitler selbst natürlich keiner ahnt, dass es sich um den echten Adolf handelt) zum gefeierten Comedy-Star wird.
Für ihn selbst ist die neue Welt zwar befemdlich und die politische Situation Deutschlands erschreckend, aber er fasst auch durch die Unterstützung der TV-Produktionsfirma, die ihn unter Vertrag genommen hat, schnell Fuß und bereitet sich darauf vor, alle Missstände zu beheben und da anzusetzten, wo er 1945 aufgehört hat.

Meine Meinung
Es ist wirklich nicht so einfach, etwas zu diesem Buch zu schreiben; es hat so viele verschiedene Ebenen, auf denen man es betrachten muss, und behandelt natürlich ein wirklich delikates Thema.
Nicht nur, dass Hitler zurückkommt - was allein ja schon geung Stoff zum Gruseln bietet - er ist auch noch die Identifikationsfigur des Romans. Da aus der Ich-Perspektive geschrieben wird, denkt man sich unwillkürlich in die Gedankenwelt des Protagonisten hinein. Will man das bei diesem speziellen Protagonisten aber wirklich? Hitler ist nicht der Böse, als den man ihn normalerweise zu betrachten gewohnt ist, sondern einfach ein Typ mit Ideen und Visionen, die er noch durchsetzen will. Und dieses Ziel verfolgt er, indem er sich schnell an die veränderten Gegebenheiten anpasst und sich das neue mediale System zunutze macht.
Redet er also von Kriegen und Lebensraumerweiterung und all diesen Dingen, von denen er fest überzeugt ist, muss man als Leser schon ein bisschen aufpassen, weil alles mit solch einer Selbsverständlichkeit geschrieben ist, dass die Grenze zur Satire meiner Meinung nach schon hauchfein überschritten wird. Das ist die eine Seite.
Die andere Seite ist, dass, wenn man sich auf die Handlung einlässt, wirklich eine gute Comedy geliefert bekommt. Heutzutage, das hat der Autor ganz richtig erkannt und in seinem Roman zugespitzt dargestellt, kann Adolf Hitler nur als Comedian gesehen werden. Oder als Witzfigur. Da ist es schon lustig zu lesen, dass er auf der Straße zunächst immer mit "der Stromberg aus Switch" angesprochen wird, oder dass er durchaus zutreffend und schlagfertig über deutsche Politiker herzieht - allen voran die der NPD, über die er maßlos entsetzt ist. Er wird von den Personen im Roman als perfekt ausgearbeiteter Künstler gesehen, der "Method Acting" betreibt, also als Schauspieler so sehr in seine Rolle geschlüpft ist, dass er sie niemals ablegt.
Da fällt einem als Leser plötzlich auf, dass man denkt "Er hat eigentlich recht, der Hitler" und gleich darauf "Moooooment...".
Es ist eben so: was die Missstände angeht, steckt viel Wahres in den Aussagen. Was allerdings die Lösung angeht, damit lag und liegt Hitler in jeder Zeit und ob im Roman oder in der Realität absolut daneben. Die Gefahr dabei ist, dass man von der Wortgewandtheit eingelullt wird und aufhört, selbstständig zu denken. Und das zeigt dieser Roman auf, der zwar komödiantisch beginnt, aber im weiteren Verlauf und vor allem gegen Ende immer mehr erschreckend aufzeigt, wie leicht das System Medien und damit eine gesamte Bevölkerung manipuliert werden kann und auch heute - ohne Hitler - immernoch manipuliert wird.
Ein krasses Buch auf jeden Fall, dessen Konzept wirklich bis ins kleinste Detail ausgearbeitet ist - sogar der Preis von 19,33 €. Eine ziemlich geniale und schlau platzierte Gesellschaftskritik. 4 Wölkchen von mir.


1 Kommentar:

  1. Das Buch steht auch noch auf meiner Liste der "Bücher, die ich mir demnächst unbedingt holen muss". *g* Allein die Idee dahinter finde ich sehr interessant. In das Ganze noch eine gute Portion Medienkritik einzuarbeiten, gefällt mir ebenso - ich bekomme z. B. auf tumblr sehr häufig gerade aus Amerika Beispiele präsentiert, wie stark die Medien dort die Gesellschaft beeinflussen, das nimmt schon erschreckende Ausmaße an.

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