02.03.2013

# Rezensionen

[Rezi] Monika Feth - Der Erdbeerpflücker. Jette-und-Merle-Buchserie Teil I

Erscheinungsjahr: 2003
Genre: (Jugend-)Thriller
Seitenzahl: 350
Reihe: Jette-und-Merle-Buchserie, Teil I



Teaser:
Dabei binich KKrimiautorin, dachte sie. Gehe täglich mit Mord und Totschlag um. Aber wenn es jemanden trifft, den ich kenne, dann bin ich nicht fähig, es zu begreifen.




Handlung
Drei Freundinnen halten es aus verschiedenen Gründen zu Hause nicht mehr aus und gründen deshalb eine WG. Jette, Merle und Caro sind zusammen ins beschauliche Brühl gezogen und achten jetzt gegenseitig aufeinander; zusammen bewältigen sie den Alltag, die Schule und das Leben an sich. Merle ist zusätzlich aktive Tierschützerin, die hin und wieder ihre Leute in die Wohnung einlädt, um die ein oder andere Labortier-Befreiungsaktion zu planen. Jette ist die Tochter der berühmten Kriminalautorin Imke Thalheim. Diese wohnt nicht weit entfernt von der WG in einer abgelegenen aber schön restaurierten alten Mühle, um sich ganz dem Schreiben zu widmen. Die beiden haben eigentlich ein gutes Verhältnis und Jette ist nur ausgezogen, weil sie etwas Abstand von dem Druck, den die Berühmtheit ihrere Mutter mit sich brachte, gebraucht hat. Caro dagegen kommt aus komplett zerrütteten Verhältnissen. Ihre Kindheit war geprägt von Gewalt und Hass und obwohl sie aus diesem Leben ausgebrochen ist, wirkt es natürlich nach. Sie ist verschlossen, verletzt sich selbst und hat manchmal starke Stimmungsschwankungen. Nur Merle und Jette vertraut sie immerhin ein bisschen. Und dem großen Unbekannten, dem sie ihr Herz geschenkt hat. Ihm vertraut sie blind alles an, was sie bewegt, ohne dabei im Gegenzug viel von ihm zu erfahren. Sie darf ihn nicht ihren beiden besten Freundinnen vorstellen und kennt noch nicht einmal seinen Namen. Sie wird Jette und Merle gegenüber immer verschlossener - so lange, bis sie eines Tages nicht mehr nach Hause kommt.

Meine Meinung
Erstens: Dieses Buch ist ein Paradebeispiel für einen miesen Klappentext. Obwohl er nur aus 6 Zeilen besteht, verrät er schon die ganze Geschichte und nimmt - abgesehen von den letzten Kapiteln - einen großen Teil der Spannung weg.
Aber davon mal abgesehen haben wir hier einen soliden Thriller vor uns. Man weiß durch den Klappentext zwar schon grob, was passieren wird, aber da dieses Buch auch nicht primär auf Nervenkitzel angelegt zu sein scheint, ist das für das Lesevergnügen nicht absolut schädlich.
Erzählt wird die Haupthandlung aus verschiedenen Blickwinkeln: Jette, ihrer Mutter, dem ermittelnden Komissar und dem Täter selbst werden eigene Abschnitte zuteil, die in einem individuellen, zur Figur passenden Stil geschrieben sind und deshalb eine gute Identifikationsfläche für den Leser bieten. Außerdem wird so der absolute Fokus von dem Kriminalfall abgelenkt und die Lebensumstände der einzelnen Charaktere bekommen einen eigenen Raum. Dadurch lernt man die als Leser kennen und kann ihre Reaktionen in verschiedenen Situationen besser verstehen. Allgemein finde ich die Gestaltung und Ausarbeitung der Personen sehr gelungen; logisch aufgebaut aber nicht klischeehaft.
Was mir besonders aufgefallen ist, ist die angedeutete Reflexion der Autorin über ihre eigene Arbeit durch die Figur der Imke Thalheim, die eine berühmte Krimi-Autorin ist. Inwieweit der Arbeitsablauf und die Verarbeitung der Stoffe der Romanfigur mit der realen Monika Feth zu tun hat, lässt sich natürlich nicht klar sagen, aber die Art und Weise, wie diese Arbeit von Imke selbst in Frage gestellt wird, lässt schon auf kritische Selbstreflexion der Autorin schließen.Gerade im Bezug zur Konzeption der Täterfigur sind die Überlegungen Imkes sehr aufschlussreich. Sie identifiziert sich in dem Roman, den sie gerade schreibt, ihrer Meinung nach zu sehr mit dem Täter - sie möchte ihm eigentlich keine Entschuldigung für seine Vebrechen liefern. Genau das tut Monika Feth mit ihrem Täter letztendlich auch nicht. Zwar hat er viel Raum, um seine schlimme Kindheit zu erzählen und seine unleugbar verletzte Seele für den Leser zu entblößen, aber das gilt im Roman nicht als Rechtfertigung für seine Taten und auch Mitleid soll der Leser nicht oder nur wenig empfinden. Dem Täter durch mehrere Parallelen gegenübergestellt wird nämlich der ermittelnde Komissar. Dessen Kindeit war ähnlich grausam wie die des Täters - voller Demütigung und Gewalt. Trotzdem hat er sich dafür entschieden, Verbrechen zu bekämpfen und nicht sie zu begehen. Damit wird also durch diesen direkten Vergleich zweier etwas stereotyper Figuren betont, dass die Umstände, in denen man aufwächst, zwar prägend sind für die Lebensgestaltung, man aber aktiv dafür sorgen kann, das Beste daraus zu machen. Auch wenn es schwer ist.
Auch ein paar andere Themen, die auf das reale Leben übertragbar sind, laufen neben der Haupthandlung mit. Der Sensationsjournalismus bekommt zum Beispiel auch sein Fett weg.
Die Autorin schafft mit ihren Worten eine zauberhafte Atmosphäre. Am meisten mochte ich tatsächlich die Stellen mit Landschafts- oder Stimmungsbeschreibungen, die den Leser wirklich abholen. Für einen Thriller fehlte mir allerdings ein bisschen der "Thrill"-Effekt. Man ist sich von vorne bis hinten einfach zu sicher, wer was wann tut und was passieren wird. Gestört hat mich dann auch noch die Betonung der Intuition. Merle hat hellseherische Träume und der Komissar verlässt sich ganz auf seinen Instinkt. Das kann man mal machen, aber in diesem Buch war mir das definitiv zu viel Esoterik.
Alles in allem also ein ganz nettes Buch, das 3 Wölkchen von mir bekommt.


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