13.06.2013

# Rezensionen

[Rezi] Simon Beckett - Leichenblässe

Erscheinungsjahr: 2009
Originaltitel: Whispers Of The Dead
Genre: Thriller
Reihe: David-Hunter-Reihe, Teil III
Seitenzahl: 416



Teaser:
Ich überließ den Zahnarzt seiner langsamen Verwesung, ging an einer dunkel verfärbten und aufgeblähten Leiche vorbei, die teilweise von Sträuchern verdeckt war, und folgte dem schmalen Pfad, der sich durch die Bäume nach unten schlängelte.



Achtung!*Spoileralarm!*Achtung!Spoileralarm!*Achtung!Spoileralarm!

Handlung
Um sein Leben wieder in geregelte Bahnen zu lenken und mit den Geschehnissen der jüngsten Vergangenheit abzuschließen, ist David Hunter nach dem überlebten Mordanschlag wieder zurück zu seiner Ausbildungsstätte nach Knoxville gereist, um dort über seinen emotionalen und beruflichen Balast hinwegzukommen und herauszufinden, was er eigentlich von der Zukunft erwartet.
Die Body Farm ist ein Ort, an dem der Verwesungsprozess menschlicher Körper unter verschiedenen Umständen untersucht wird, um so die forensische Anthropologie zu einer noch genaueren Wissenschaft zu machen. Menschen stellen sich freiwillig nach ihrem Tod dieser Farm zur Verfügung und werden dort dann untersucht.
Der Leiter dieser Einrichtung - Tom Lieberman - war früher Davids Lehrer und steht aus gesundheitlichen Gründen kurz vor der Pensionierung. Doch zu einem letzten Mordfall bittet ihn das TBI - das Tenessee Bureau of Investigation - um seine fachmännische Unterstützung, bei der ihm seinerseits David helfen soll. In einem völlig überheizten Raum wurde eine Leiche gefunden, die augenscheinlich viel stärker verwest ist, als bei der ermitteltet Todesdauer üblich. Und das ist nicht die einzige Unstimmigkeit, die die Aufklärung dieses Falls zu einem verwirrenden Fadengeflecht werden lassen, dem David - der nebenbei als Brite, der an Ermittlungen zu einem amerikanischen Mordfall beteiligt ist, auch noch mit unheimlich viel Bürokratie und Rechtsverdrehung zu kämpfen hat und sich auch eigentlich lieber raushalten möchte - auf den Grund zu gehen versucht.

Meine Meinung
Auch dieser dritte Teil der David-Hunter-Bücherreihe hat mich wieder restlos überzeugt. Es ist ein bisschen so, als hätte ich einen alten Bekannten wiedergetroffen. Den ich immerhin 4 Wochen nicht gesehen habe - solange habe ich mich nämlich an meine selbstauferlegte Beckett-Abstinenz halten können (wenn man Thriller direkt hintereinander liest, hat man einfach die Muster im Kopf und ich komm dann nicht so richtig rein. Deshalb die Abstinenz ;) ).
Man ist also sofort wieder in der Geschichte drin, auch wenn diese unbefriedigenderweise nach einem Zeitsprung einsetzt. Also nicht direkt dort anschließt, wo der zweite Teil geendet hat, sondern einige Zeit später, als David gerade versucht, mit allem, was ihm in letzter Zeit passiert ist, klarzukommen. Aber das konnte ich Beckett verzeihen, denn die sehnsüchtig erwarteten Informationen fließen nach und nach in die Handlung mit ein und stillen so die gröbste Neugier.
David kehrt also zurück zu seiner alten Ausbildungsstätte, der Body Farm. Das ist eine ganz schön skurrile Einrichtung, denn überall gammeln Leichen vor sich hin, die dann in ihren unterschiedlichen Verwesungszuständen von forensischen Anthropologen untersucht werden und ich bin mir immernoch nicht sicher, was ich davon halten soll. Aber weil David ganz der Wissenschaftler ist, den wir kennen, betrachten wir auch die Body Farm aus seiner Perspektive und betrachten das alles ziemlich nüchtern. Schließlich haben die Toten ihren Körper ja auch freiwillig der forensischen Forshcung zur Verfügung gestellt. David jedenfalls braucht abstand von London und vor allem zu seinem Beruf als Forensiker bei Mordermittlungen. Er ist sich nicht mehr sicher, ob er diesen Job weiterhin ausüben kann und kehrt deshalb erstmal zur wissenschaftlichen Arbeit zurück.
Aber wie das immer so ist, wird David durch seinen alten Mentor Tom doch in einen komplizierten Mordfall verwickelt und findet so bald wieder zu seiner alten Form.
Und das ist auch gut so, denn ein bisschen anstrengend ist der Gute ja mit seiner Selbstbemitleidungsorgie, die er da abhält. An sich wäre das gar nicht so schlimm, weil er ja auch traumatische Dinge erlebt hat. Aber gerade die thematisiert er nie. Seine Methode ist die Verdrängung, aber das das nicht der ultimative Weg ist, wird dem Leser schon ziemlich früh klar. David leider nicht so schnell, weshalb er noch ein bisschen in seiner Depri-Welle badet. Das hat mich aber auch nur leicht genervt und ist wirklich Kritik auf höchstem Niveau. Ansonsten ist die Figur des David Sympathieträger wie immer und auch die meisten anderen Charaktere sind gut und nachvollziehbar ausgearbeitet. Einige Überraschungen natürlich inklusive.
Total super dieses Mal fand ich die Aufteilung der Geschichte: es gibt hin und wieder kleine Passagen, in denen alles aus der Sicht des Täters erzählt wird. Das macht alles noch viel spannender, weil man natürlich nach Hinweisen auf dessen Identität sucht und deshalb noch mehr mitfiebert.
Auch der Schreibstil ist wie in den Vorgänger-Bänden: spannende Abschnitte wechseln sich mit interessanten, forensischen Fakten ab. Allerdings muss ich doch sagen, dass ich ein bisschen den Eindruck habe, Beckett baut seine Thriller alle nach dem gleichen Schema auf. Im Nachhinein bin ich deshalb froh darüber, eine Pause mit der Reihe gemacht zu haben, denn sonst hätten mich einige Wendungen sicher nicht überrascht.
Trotzden hatte ich unheimlich viel Spaß beim Lesen und fand dieses Buch sogar wieder ein bisschen stärker als den zweiten Teil "Kalte Asche". Deshalb erhält es von mir auch grade so noch 5 Wölkchen und natürlich eine Leseempfehlung :)


1 Kommentar:

  1. Mir hat der dritte Band auch sehr gut gefallen, mein Favorit bleibt bisher "Kalte Asche". Nach der Kurzgeschichte hoffe ich, dass wir bald mit einer Fortsetzung der David Hunter Reihe rechnen können ...

    Liebe Grüße,
    Patricia

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