26.07.2013

[Rezi] John Green - Das Schicksal ist ein mieser Verräter

Erscheinungsjahr: 2012
Originaltitel: The Fault In Our Stars
Genre: Jugendbuch
Seitenzahl: 283



Teaser:
Aber ich machte mir trotzdem Sorgen. Ich war gerne ein Mensch. Ich wollte es noch eine Weile bleiben. Sorgen sind eben eine weitere Nebenwirkung des Sterbens.





Handlung
Krebskinder sind eine unfaire Mutation und eine Nebenwirkung der Evolution. So zumindest sieht Hazel die ganze Sache - ihres Zeichen selbst Krebspatientin im Kinderkrankenhaus. Ihre Lunge ist voller Tumore, die dank eines speziellen Medikament momentan nicht weiter wachsen. Nachteil ist, dass sich auf Grund dieses Medikaments ihre Lunge ständig mit Wasser füllt. Und dabei ist die sowieso schon angeschlagen und nicht wirklich funtkionsfähig. Deshalb hat Hazel ihr mobiles Sauerstoffgerät auch immer dabei und in der Nase, weil sie sonst nichtmal eine Treppe hochsteigen kann. Und meistens kann sie nicht einmal mit dem Ding eine Treppe bewältigen.

Weil ihe Mutter meint, dass sie sich mehr wie eine normale 16-jährige benehmen soll, zwingt sie Hazel zu einer Selbsthilfegruppe für krebskranke Kinder zu gehen. Damit sie aus ihrer klinischen Depression herausfindet. Allerdings ist diese Gruppe - natürlich - in diesem Zusammenhang eigentlich eher kontraproduktiv, weil die Besetzung ständig wechselt. Eine Nebenwirkung davon, wenn man Beziehungen zu anderen Krebspatienten aufbaut. Doch genau in dieser Gruppe lernt sie Augustus kennen. Er hat Knochenkrebs, aber obwohl ihm deshalb ein Bein amputiert wurde, ist er wesentlich fitter als Hazel. Seine Krebsart hat ja auch eine Heilungschance von 80 Prozent. Hazels nicht. Trotzdem verlieben sich die beiden ineinander, diskutieren über Bücher, Musik und teilen einfach ihre Zeit miteinander. Hazel erzählt Gus auch, dass ihr größter Wunsch es ist, ihren Lieblingsautoren zu treffen; der hat ihrer Meinung nach das beste Buch über ein krebskrankes Mädchen geschrieben, dass es gibt. Gus setzt alles daran, ihr diesen Wunsch zu erfüllen, und gemeinsam fliegen sie nach Amsterdam - weil sich das Leben lohnt, auch wenn das Ende absehbar ist.

Meine Meinung
Wann lese ich schonmal ein Buch quasi in einem Rutsch durch und sitze nach dem Ende noch ungefähr 10 Minuten in Tränen aufgelöst im Bett? Eigentlich nie. Aber nie ist relativ und eigentlich in Kombination mit nie eigentlich sehr unsinnig. Bei diesem Buch spielte sich oben genanntes Szenario jedenfalls ab und ich bin immer noch nicht so richtig in der Lage, etwas dazu zu schreiben. Aber trotzdem starte ich den Versuch, damit ich nichts vergesse, wenn ich nicht mehr unmittelbar unter dem Eindruck dessen stehe, was ich grade gelesen habe.

Ich meine, man kennt ja den Krebsbuch-Plot, weshalb Verlauf und Ende einer solchen Geschichte doch relativ absehbar sind. Die Kunst besteht also darin, diesen Handlungrahmen so zu füllen, dass es a) nicht zu vorhersehbar wird, b) nicht zu abgedroschen und c) nicht zu unaushaltbar ist.
Und bei allem was mir heilig ist, kann ich sagen, dass John Green diese Kriterien mit Bravour erfüllt. Abgesehen von Punkt c) vielleicht. Aber es liegt nicht in der Natur der Sache, erträglich zu sein und eine gute Geschichte davon sollte das definitiv widerspiegeln.

Hazel ist eine ganz besondere Protagonistin, die sich auf so eine erwachsene Art mit ihrer Krankheit und dem Leben allgemein auseinander setzt, dass ich mir super oft in Erinnerung rufen musste, dass sie erst 16 Jahre alt ist. Eine Aussage zum Beispiel ist bei mir besonders hängen geblieben, für die ich sie (ob fiktiv oder nicht) einfach nur bewundert habe. Sinngemäß sagt sie da, dass es ätzend ist, an Krebs zu sterben. Und das einzige, was noch ätzender ist, ist ein Kind zu haben, das an Krebs stirbt. Dieses eine Statement ist perfekt, um sie zu charakterisieren: sie hat keine Lust darauf, die Floskeln über kämpferische und starke Krebskinder zu hören und doch ist sie genau das: sie ist stark. Sie kämpft vielleicht nicht im klassischen Sinn, denn wie sollte sie auch etwas bekämpfen, was wie der Krebs nunmal ein Teil von ihr ist, aber sie erkämpft sich das Stückchen Lebenserfüllung, das ihr vom Schicksal so vehemment verwehrt wird. Dabei hat sie natürlich gute und schlimme Tage und ihr treuster Begleiter ist durch alle Zeit - neben Gus später - ihr absolutes Lieblingsbuch "Ein herrschaftliches Leiden" von Peter van Houten. Dieses Buch handelt von einem krebskranken Mädchen und spricht Hazel förmlich aus der Seele. Allerdings ist sie sehr unzufrieden mit dem Ende, weil die Geschichte irgendwann einfach mitten im Satz aufhört. Dabei möchte sie so gerne wissen, wie es weitergeht mit den Nebencharakteren, die ja irgendwie weitermachen müssen, wenn das Mädchen tot ist. Denn so läuft es nunmal.

In Augustus findet sie einen witzigen, schlagfertigen und intelligenten Freund, der an die Krankheit mit genau dem selben sarkastischen Humor herangeht, wie Hazel selbst. Die beiden verstehen sich auf Anhieb und sind bald nach ihrem Kennelernen ein Paar. Wenn man keine Zeit zu verlieren hat, sollte man diese schließlich mit den Menschen verbringen, die einem am wichtigsten sind. Gus ist direkt und großherzig und erfüllt Hazels sehnlichsten Wunsch: die Reise nach Amsterdam, um van Houten die Fragen zu stellen - wie es weitergeht, wenn die Protagonisten seines Romans tot ist. Und auch, wenn dieser Besuch ganz anders verläuft, als geplant, wird doch einiges klar. Keiner kann wissen, was danach kommt. Hazel nicht. Van Houten nicht. Und wir, als Leser dieses Buches, schonmal gar nicht

Ich kann nicht sagen, dass mir die Geschichte gefallen hat. Natürlich nicht. Sie ist furchtbar tragisch, unfair und unbefriedigend. Aber die Worte, mit der sie erzählt werden, mag ich sehr. Auf manche Fragen gibt es einfach keine Antwort. Diese Erfahrung macht Hazel am Beispiel ihres Lieblingsbuches greifbar, aber natürlich steht das metaphorisch (nicht nur Gus kann Metaphern entdecken ;) ) für so ziemlich alle Fragen, die das Leben betreffen. Am Ende der Geschichte stand ich ähnlich da, wie Hazel am Ende ihres Lieblingsbuchs. Mir ist klar, warum es so endet, aber ich will wissen, wie es weitergeht. Mit den anderen. Mit allem. Obwohl es letztendlich eigentlich nicht wichtig ist. Alles wichtige diese Geschichte betreffend ist gesagt.
Ich vergebe 5 Wölkchen.

Kommentare:

  1. Das ist ist wirklich ein tolles Buch! Also toll, in Sinne von total berührend.

    Ich hab es auch erst kürzlich gelesen, könnte es aber immer wieder lesen.

    Liebe Grüsse
    Vanessa

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  2. Wow, du beschreibst das Buch so perfekt und ich hab mich genauso gefühlt, nachdem ich DSieMV gelesen hatte...........die Rezi dazu kam ein bisschen holprig daher, aber du hast es echt toll gemacht!
    Ich persönlich hätte ja sowas von drauf GEWETTET, dass DSieMV auch MITTEN im Satz endet - was dann doch nicht so war. Aber ich habs die ganze Zeit auch als Möglichkeit und Trick von John Green (paranoid wie ich bin^^) gefürchtet :D

    Tja, also, ich musst auch wirklich überlegen, wie ich dieses Genre beschreibe, hab wirklich lang gebraucht, um nicht einen Megasatz zu verwenden^^ Super, dass bei euch die Umsetzung von der Idee auch gut ankommt! Freu ich mich riesig!!
    Du, da fragste die Falsche, ich hab null Ahnung, weshalb. Fakt ist, es will nicht weggehen. Aber jetzt heißt es SCHEIß DRAUF!! Ich hab nunmal in zwei Tagen Ferien und da geh ich trotzdem Schwimmen, Husten hin, Schnupfen her =P ÄÄÄÄÄÄTSCH ^^
    Deswegen hört man sich Sexy & I know it doch an - damit man sich den Arsch ablachen kann, höhö.
    Ja, beim Konzert waren besonders die Jugendlichen total gut gelaunt nach uns =) Aber Gospels find ich auch soooooo toll, habt ihr auch mal "Oh happy Day" gesungen? Bestimmt, gel? DAS GospelLied schlechthin^^ Ich liebe ja Sister Act 1+2 ;) Woopie Goldberg ist toll *.*
    Genau wegen seiner anderen Statur fand ich Bing ja doch sehr toll, aber er sah einfach so zum Anbeißen aus, hach :D Jane und er zusammen waren sowieso das absolute Sahnehäubchen!♥

    Liebste Grüße,
    bald Ferienhabende L E Y ^^

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  3. Ein schlauer Junge (na gut, es war ein nerviger, aber der Spruch war gut xD) hat mir mal gesagt:
    Wer "eigentlich" sagt meint eigentlich immer das Gegenteil
    xD

    Ich freu mich ja so, dass dir das Buch auch gefallen hat und auf dich scheinbar die gleiche Reaktion hatte :). Es ist definitv eines meiner Lieblingsbücher und man sollte es gelesen haben.

    Ehrlich gesagt: Ich mag auch die Geschichte.
    Weil sie realistisch ist. Und ehrlich. Und traurig, aber trotzdem schön.
    Es ist perfekt <3.

    Und wie es endet, möchte ich eigentlich auch nicht wissen, denn es ist sehr wahrscheinlich, dass Hazel stirbt und das muss ich echt nicht auch noch lesen *schnüff*.

    Was sagst du zur Besetzung vom Film?

    Liebe Grüße :)
    Charlie

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  4. Du hast diese Rezension so wunderschön geschrieben, dass ich sofort Lust auf das Buch bekomme. Aber ich habe mich einfach noch nie bereit für die Geschichte gefühlt und etwas Angst damit zu beginnen...
    Vielleicht beginne ich es sogar morgen, da ich dann einen ganzen Tag alleine zu Hause bin und das bei einem solchen Buch immer notwendig ist ;)
    Übrigens habe ich es endlich geschafft den TA zu beantworten. Schau einfach auf meinem Blog nach!

    LG Anni

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