27.08.2013

# Katzenjammer

[Gerede] Hirnleistung ...3%

Seit ich meine Bachelor-Arbeit abgegeben habe, werde ich das Gefühl nicht los, dieses Meisterwerk literaturwissenschaftlicher Arbeit (zumindest in meinen Träumen ist die das ;) ) war nicht das einzige, was ich im Prüfungsamt zurückgelassen habe. Offensichtlich sind wichtige Teile meines Gehirns ebenfalls dort geblieben; die Teile nämlich, die für logisches Denken und kongnitive Verknüpfen zuständig sind.

Das kann ja ganz witzig sein, aber nach einer Woche Selbstexperiment muss ich dennoch sagen: dumm sein ist furchtbar anstrengend. Vor allem, wenn man einfach nicht damit aufhören kann. Ein Beispiel:
Ich stehe auf dem alljährlichen Straßenfest rum und habe zwei 1-€-Stücke auf meiner Handfläche liegen. Starre darauf. Warum auch immer. Wahrscheinlich habe ich versucht, wie gewohnt irgendwas zu denken, aber weil es nicht funktioniert hat, führte mein Kopf gerade einen Neustart durch. Jedenfalls kam sogleich Oberflächlicher Bekannter Nummer 1 herbei, klapste mir aufmunternd auf die Schulter und sagte: "Das sind zusammen zwei Euro" - woraufhin ich mich artig für die Hilfe bedankte (äh?!), um gleich danach weiterhin auf meine Hand zu starren. Sekunden später erschien Oberflächlicher Bekannter Nummer 2, um mir die selbe bahnbrechende Mitteilung zu machen. "Du hast da zwei Euro". Danke für die Information! Endlich aus der Starre erwachend marschierte ich sogleich zum Getränkestand, um besagte zwei Euro loszuwerden.
Und nach wie vor bin ich mir nicht sicher, was an dieser Szenerie beunruhigender ist: dass mein Hirn ein paar Sekunden lang einfach nicht in der Lage war, herauszufinden, warum ich zwei Euro in der Hand hielt (für's Protokoll: ich wusste, wie viel Geld das war, ich wusste nur nicht, warum es da war), oder dass die Menschen in meinem Umfeld mittlerweile davon ausgehen, dass ich nicht in der Lage bin, eins + eins zusammenzuzählen.

Gehen wir gewohnt wissenschafltich an die Problematik heran. der BA-Schreibprozess lässt sich in mehrere Phasen unterteilen:

1. Brainstorming
Was interessiert mich? Was kann ich? Was hat Potential?
→ Motivationslevel: hoch
→ benötigte Hirnleistung: niedrig bis normal

2. Thema klären
Betreuer suchen und von Idee überzeugen, Gliederung erstellen, alles anmelden
→ Motivationslevel: immernoch hoch
→benötigte Hirnleistung: ebenfalls hoch (zumindest, wenn man einen intellektuell fordernden Betreuer hat. So wie ich.)

3. Literatursuche
lesen, lesen, lesen, kopieren, lesen und lesen
→ Motivationslevel: stetig sinkend
→ benötigte Hirnleistung: hoch (Informationen verarbeiten, filtern und kritisch reflektieren)

4. Schreiben
lesen, schreiben, schreiben, lesen, schreiben
→ Motivationslevel: mäh!
→ benötigte Hirnleistung: hoch. Weil aber die Motivation im Keller ist, kann auch das Gehirn nicht mehr so leicht angeheizt werden und muss mit Gewalt zum Denken gezwungen werden; wie der Putzlappen, nachdem sich das Hirn mittlerweile auch anfühlt, wird es ausgewrungen, damit wenigstens ansatzweise sinnvolle Sätze auf dem Papier landen.

5. Immernoch Schreiben
schreiben, hysterische Anfälle unterdrücken, Schokolade essen, schreiben, noch mehr Schokolade essen, weiterschreiben und Korrektur lesen
→ Motivationslevel: Moti...was?
→ benötigte Hirnleistung: kurz vor der Kernschmelze

6. Abgabe
Weg mit dem Ding! Die Freiheit ruft!
→ Motivationslevel: HOCH! Alles, was die letzten Wochen zu kurz gekommen ist, darf und muss nachgeholt werden!
→ benötigte Hirnleistung: sehr niedrig. Zumindest vergleichsweise. Und weil nach dieser ganzen Arbeit die Synapsverbindungen, die für Alltagsdinge zuständig sind, erstmal wieder neu hergestellt werden müssen, gibt's Hirn auf Sparflamme. Zur Regeneration. Weil die Motivation und damit die Aktivität aber so hoch ist und deshalb immernoch viel Information verarbeitet werden muss, klappt es ab und zu nichtmal mit dem Sparflammenhirn und es muss neu gestartet werden. Das führt dann zu merkwürdigen Situationen und unnötigen Missverständnissen.

Eindeutig bin ich in Phase 6. Logischerweise. Deshalb ist es völlig verständlich, warum ich verwirrt bin. Und nicht in der Lage, zu denken. Und deshalb irgendwie dumm. Es bleibt einzig die Hoffnung, dass sich diese Regenerationsphase nicht mehr so lange hinzieht. Spätestens in zwei Jahren zur Master-Arbeit muss ich wieder voll da sein. Und bis dahin helfen mir ja zum Glück sogar meine Oberflächlichen Bekannten dabei, die großen Probleme des Alltags zu lösen, indem sie für mich freundlich, selbstlos und vor allem ohne Schadenfreude schwierigste mathematische Probleme lösen. Prost!

Kommentare:

  1. Nach dem witzigen Artikel liegt deine Gehirnleistung sicher nicht bei 3% ;)
    Vielleicht haben dir die Leute auch nur geholfen, weil sie schon mal ähnlich verwirrt geschaut haben?
    Übrigens hast du mein Reiseziel für die Studienfahrt doch ganz gut erkannt, nur wie wir dorthin kommen ist ja noch unklar!

    LG Anni

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