03.10.2013

# Rezensionen

[Rezi] Ian McEwan - Der Tagträumer

Erscheinungsjahr: 1994
Originaltitel: The Daydreamer
Genre: (Kinder-) Erzählung
Seitenzahl: 154


Teaser:
Er war immer froher, eine Katze zu sein, das Herz schwoll ihm in der Brust, und ein kribbelndes Gefühl in den Tiefen seiner Kehle wurde so stark, dass er sich selbst hören konnte. Peter schnurrte vir Behagen.





Handlung
Peters liebste Beschäftigung ist, sich in Tagträumen zu verlieren. Deshalb empfinden viele Erwachsene den 11-jährigen Jungen als etwas schwierig, denn er ist die meiste Zeit still und in seiner eigenen Welt. Deshalb weiß niemand, welche Geschichten sich in seinem Kopf abspielen und warum er sich manchmal aus der Sicht eines Außenstehenden etwas merkwürdig verhält.
Nach einem einleitenden Kapitel werden sieben dieser Abenteuer seiner Fantasiewelt geschildert; da wird Peter von einer wütenden Puppenarmee angegriffen, tauscht den Körper mit dem Familienkater und bestreitet aufregende Katzenkämpfe oder er lässt mit einer Entfernungscreme seine gesamte Familie verschwinden.

Meine Meinung
Diese kurze Erzählung von dem kleinen Peter mit der großen Fantasie lässt den Leser in wundersame Welten abtauchen, die einem ein bisschen die Träume aus der eigenen Kindheit in Erinnerung rufen. Zumindest war das bei mir so.
Die Rahmenhandlung besteht aus dem Familienleben - Peters Eltern, seine Schwester und der Kater gehen nach Außen hin einem ganz normalen Leben nach. Auch Peter ist eigentlich nicht großartig auffällig - nur eben sehr still. Und manchmal tut er plötzlich Dinge, die niemand nachvollziehen kann. Stundenlang im Gras liegen und in die Wolken starren ist da noch das Harmlosteste. Es kommt schonmal vor, dass er in der Küche vor einer offenen Schublade steht und sich nicht rührt. Was natürlich niemand weiß: in seinem Kopf gehen in diesen Momenten die spannendsten Geschichten vor, die Peters gesamte Konzentration einfordern.

Ein paar Bücher von McEwan habe ich bereits gelesen und was im Vergleich dazu auffällt ist, dass hier alle Geschichten immer gut ausgehen; die gewohnte (ich nenne es mal) "dunkle" Seite blendet er in diesem Buch total aus. Aber das ist für ein Kinderbuch wahrscheinlich auch angemessen und ein paar morbide Gedanken finden durchaus ihre Verwendung, zum Beispiel in Form von einer zum Leben erwachten Puppenarmee - für mich persönlich eine wirklich wirklich wirklich gruselige Vorstellung. Puppen machen mir einfach Angst xD
McEwans Talent, sich außerordentlich gut in die menschliche Gedankenwelt einzufühlen und das dann auch mit einer Sensibilität und Nachvollziehbarkeit niederzuschreiben, ist dagegen auch in diesem Büchlein enthalten.

Auch, wenn das Buch schon ein paar Jährchen auf dem Buckel hat und eigentlich für Kinder gedacht ist - für mich war es ein sehr schönes und gemütliches Leseerlebnis für Zwischendurch und ich vergebe sehr gute 4 Wölkchen.


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