15.10.2013

[Rezi] Jo Nesbø - Die Larve

Erscheinungsjahr: 2011
Originaltitel: Gjenferd
Genre: Kriminalroman
Reihe: Harry-Hole-Reihe, Teil IX
Seitenzahl: 561


Teaser:
Vielleicht machen wir ha gerade deshalb Bilder. [...] Um falsche Beweise zu schaffen, mit denen wir dann die fehlerhafte Annahme belegen können, dass wir glücklich sind. Denn der Gedanke daran, nicht einmal in der Vergangenheit glücklich gewesen zu sein, ist unerträglich.


Handlung
Oslos Drogenszene ist eine der größten der Welt. Die Polizei kann die verschiedenen Drogenringe und sowohl Import als auch Export weder sprengen, noch eindämmen, sodass immer mehr Drogentote zu verzeichnen sind. Zu diesen zählt auch der junge Gusto Hanssen, der seine Karriere als Dealer selbst beendet hat, indem er sich sein Zeug selbst gespritzt hat. Und was er da für den obersten Boss, den kaum jemand zu Gesicht bekommt und den alle nur Dubai nennen, verkauft, ist die neue Hammerdroge. Violin macht zehnmal schneller abhängig als Herion, und das in geringeren Dosen, muss außerdem nicht teuer importiert werden, weil es im heimischen Keller hergestellt werden kann. Der Hauptvorteil für den "Konsumenten" ist aber, dass bei einer Überdosis nicht sofort die Atmung aussetzt und es dadurch weniger Tote gibt.
Gusto Hanssen stirbt auch nicht an einer Überdosis Drogen, sondern er wird erschossen. Und alles deutet darauf, dass es sein Freund und Kollege Oleg war.

Aus diesem Grund kehrt Harry Hole nach drei Jahren, die er in Hongkong verbracht hat, zurück in seine Heimat. Rakel - Harrys große Liebe - ist nämlich Olegs Mutter und Oleg war für Harry lange Zeit wie ein eigener Sohn. Deshalb versucht der Ex-Polizist Olegs Unschuld nachzuweisen. Dafür taucht er ab in die osloer Parallelgesellschaft der Drogengangs, Junkies, korrupten Politiker, Gewalt und Verzweiflung und bringt sich dabei wiederholt in Lebensgefahr.

Meine Meinung
Harry Hole ist der Protagonist dieses Romans und verkörpert ein bisschen den stereotypen, abgebrannten aber übermoralischen Ermittler, der trotz großer persönlicher Probleme seiner Berufung, gegen die organisierte Kriminalität vorzugehen, nicht den Rücken kehren kann.
Zusätzlich zu diesem Gerechtigkeitsdrang kommt bei diesem Fall natürlich die persönliche Komponente hinzu, ohne die er überhaupt nicht nach Oslo zurückgekehrt wäre.

Die Geschichte ist grob gesehen in zwei verschiedene Erzählebenen unterteilt: den aktuellen Geschehnissen, Ermittlungsfortschritten Harry und einigen Nebenhandlungssträngen auf der einen Seite und der rückblickenden Erzählung aus der Sicht Gustos, der die Zeit unmittelbar vor seinem Tod Revue passieren lässt.
Ein bisschen verwirrend sind diese verschiedenen Handlunsebenen und -stränge am Anfang, sodass der Einstieg in den Roman etwas schleppend vonstatten gin. Wenn man dann aber erstmal alles sortiert hat und jede Person ihren - eventuell vorläufigen - Platz im Gefüge eingenommen hat, geht die Action los und ab der zweiten Hälfte konnte ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen. Die Erzählung wird ab diesem Zeitpunkt dichter und der Leser versteht die Zusammenhänge durch die erhaltenen Informationen immer besser.

Wie gesagt, die Figur des Protagonisten lässt sich gut in das typische Ermittler-Schema einpassen und es ist meiner Meinung nach auch ein bisschen überzogen, zu welchen Leistungen er trotz schwerster Verletzungen fähig ist. Aber gut, es ist praktisch, einen Übermenschen auf der guten Seite zu haben. Und noch besser ist es, wenn im Gegesatz dazu auf der bösen Seite hauptsächlich Weicheier sitzen, die quasi sofort tot umfallen, wenn Harry sie schief ansieht.
Nichtsdesto trotz ist es interessant zu Verfolgen, die sich die Ermittlungen entwickeln, Spuren verwischt werden und plötzlich wieder auftauchen und nach vielen vom Autor hervorragend gelegten falschen Spuren der Fall aufgeklärt wird. Die Arme der Drogenbosse reichen bis zu den höchsten politischen Ämtern und es ist sehr spannend, wie sich diese Arme gegenseitig unterstützen oder aus Macht- und Geldgier torpedieren.

Es hat mir - schätz ich mal - auch nicht geschadet, dass ich hier mit dem nenten Teil angefangen habe. Es kann natürlich sein, dass ich jetzt ein bisschen gespoilert bin, wenn ich die Vorgänger-Bände lesen möchte, aber bei diesem packenden Schreibstil wird mir das sicher nicht das Leseerlebnis vergällen.
Von mir erhält dieser Kriminalroman gute 3 Wölkchen - ein bisschen Abzug musste es wegen dem Superman-Klischee-Ermittler dann doch geben. Aber trotzem ist es ein sehr gutes Buch für ein paar kurzweilige Stunden.


1 Kommentar:

  1. Hach, Nesbø. Ich muss gestehen, dass ich ihn mag. Ich habe mal "Der Erlöser" gelesen und fand das Buch extrem gut, danach habe ich dann die Reihe um Harry Hole von vorne angefangen und bin jetzt bei Band 5 oder so. Ich mag Harry.
    Trotzdem kann ich all deine Kritikpunkte sehr gut nachvollziehen, die Bücher haben durchaus ihre Schwächen.

    Die FBM war wirklich mal wieder toll. Auch wenn das mit dem Plan teilweise natürlich nicht so gut geklappt hat, aber das ist ja meistens so. :)

    Ich bin derzeit auch wieder wirklich planlos, was die Zeit nach dem Studium angeht. Mittlerweile tendiere ich doch sehr zum Master, aber genau genommen schwankt das täglich. :D (Das habe ich schon mal geschrieben, nicht wahr? Argh, egal, ich lasse es trotzdem stehen.)
    Du warst an einer nördlichen Uni, oder? Aber wenn es einem da gefällt, warum nicht dableiben? Die Entscheidung kann ich da sehr gut nachvollziehen. Der fortführende Masterstudiengang an meiner Uni gefällt mir zum Beispiel nicht so, also ich schätze, dass ich nach dem Bachelor hier weg bin.

    Ich glaube nicht, dass man sich beim Master die Wartesemester anrechnen lassen kann. Da läuft sowieso alles sehr viel anders als beim Bachelor, die können z.B. von vornherein schlechte Noten ausschließen und in dem Fall kann man sich auch nicht mehr einklagen oder so. Und Studiengebühren sind bei Masterstudiengängen ja auch an staatlichen Unis möglich, da fiel mir manchmal echt die Kinnlade runter.

    Ich glaube mittlerweile, dass ich die Dauerhysterie bin. Letztens bin ich um sechs Uhr aufgewacht und bin in Panik verfallen. :D
    Aber gut, das liegt ach daran, dass ich meine Forschung extrem dumm gelegt habe und das so zeitlich definitiv nicht machbar ist. Aber das kann man ja alles irgendwie umorganisieren. (Gerade habe ich wieder eine entspannte Phase.)
    Die Nachher-Hysterie kann ich aber auch gut nachvollziehen, wenn man die ganze Zeit an etwas arbeitet und es dann plötzlich nicht mehr ändern kann, urgs. Da habe ich ja schon bei Hausarbeiten immer ein mulmiges Gefühl bei der Abgabe. Besonders, wenn man früher abgibt als man müsste und dann ja quasi die übrige Zeit nicht mehr nutzt.
    Ich glaube, mit so etwas wie einer Bachelorarbeit ist man wahrscheinlich auch nie 100% zufrieden und könnte ewig weiterarbeiten. :D
    Aber: Ich übe mich nun ja im positiven Denken.

    Vielleicht lernen unsere Blogger-Ichs sich ja irgendwann mal kennen? (Mein armes Blogger-Ich hat gar keine Freunde, das arme sozial verwahrloste Ding.)

    Viele Grüße
    Miyann
    (Und sorry, wenn ich Sachen zehntausendmal geschrieben habe, ich bin verwirrt.)

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