28.12.2014

[Musik] Sonntagslieder #109

12:35 4 Comments
Nach nun insgesamt vier Fressorgien in den verschiedensten Verwandtschaftskonstellationen fühle ich mich nun kugelrund und leider nicht mehr im Stande, ohne weiteres von der Couch aufzustehen. Aber das schöne ist ja: muss ich auch nicht. Ein Hoch auf Dekadenz und Faulheit.
Zum Glück gehört Musik hören unbedingt zu diesem Lebensstil, weshalb nun wie immer meine Top-3-Lieder der letzten Tage folgen. Voilà:



Wham! - Last Christmas
Zum Leidwesen einiger Menschen in meinem Umfeld gehöre ich zu der Sorte Weihnachtslieder-Hörer, die einige Lieder niemals leid zu hören werden. Und so geht es mir auch bei diesem Song. Aber auch wenn alle darüber lästern - seit 30 Jahren ist er fester Bestandteil des Weihnachts-Pop-Repertoires, also bin ich definitiv nicht die einzige, der das so geht :D


Mark Forster - Flah mich
Ein Lied mit absolutem Ohrwurmcharakter, das ich seit ein paar Tagen ständig vor mich hin singe.


Olly Murs - Wrapped Up
Ebenfalls ohrwurmig und wenn ich nicht eins der obigen Lieder singe, dann dieses. Zumal dieses Lied mir auch einfach instant gute Lauen macht :D

Und plötzlich wird mir klar, dass dieses hier die letzten Sonntagslieder für 2014 waren. Und, dass ich Silvester nicht halb so sehr mag wie Weihnachten. Obwohl es auch dann wieder einiges zu Essen geben wird. Was ja auch die Hauptsache ist. Seid ihr für Silvester gerüstet und fühlt ihr euch auch wie ein lebendiger Marshmallow?
Ich wünsche euch einen ruhigen post-weihnachtlichen Sonntag!♥

26.12.2014

[Rezi] Jason F. Wright - Das Weihnachtsglas

11:31 0 Comments
Erscheinungsjahr: 2009
Originaltitel: Christmas Jars
Genre: Erzählung
Seitenzahl: 142



Teaser:
Als sie das Glas in ihren Händen drehte, fiel ihr zum ersten Mal die Aufschrift auf: Weihnachtsglas, handgeschrieben in Rot und Grün, quer über das zwanzig Zentimeter große Glas.




Handlung
Hope ist eine aufstrebende Journalistin bei der städtischen Zeitung; nach jahrelanger harter Arbeit hat sie es von der einfachen Praktikantin zu einer voll verantwortlichen Redakteurin geschafft. Zusammen mit ihrer Adoptivmutter hat sie die Weihnachtstradition, an Heiligabend in einem bestimmten Diner an einem bestimmten Platz zu sitzen und ein leckeres Essen zu genießen. In diesem Jahr ist ihre Mutter allerdings verstorben und an Weihnachten holt die mit Arbeit verdrängte Tradition die arme Hope ein. Als sie von ihrem einsamen und traurigen Weihnachtsessen nach Hause kommt, kommt noch eine bittere Überraschung dazu: in ihre Wohnung wurde eingebrochen und ihre Wertsachen sind allesamt weg. Als sie völlig verzweifelt nach draußen zum Durchatmen geht, findet sie ein herrenloses Glas mit der Aufschrift "Weihnachtsglas". Dieses ist bis obenhin gefüllt mit Münzgeld und auch ein paar Scheinen - alles in allem eine stattliche Summe, die Hope zwar nicht ihren Verlust ersetzen lässt, aber ihr auf emotionaler Ebene enorm weiterhilft. Als engagierte Journalistin riecht sie in diesem Glas ihre erste Titelstory und beginnt nach der Herkunft zu forschen.

Meine Meinung
Weihnachten ist die einzige Zeit des Jahres, in der Kitsch nicht nur erlaubt, sondern sogar gefordert ist. Und diesen Anforderungen wird das kleine Büchlein hier absolut gerecht.

Hopes Geschichte ist ein bisschen dramatisch und sowohl von Verlusten als auch von großem Glück geprägt. Ihr Leben fing schon gleich ziemlich schlecht an. Ausgesetzt von einer Mutter, die sie offensichtlich nicht ernähren konnte, wurde sie von der alleinstehenden Louise gefunden und gleich liebevoll aufgenommen. Ihre Kindheit war sehr glücklich und Mutter und Tochter waren ein eng zusammengeschweißtes Team.
Nach Louises Tod hat Hope nur noch ihre Arbeit, in die sie alle ihre Energie steckt. Dass ihre Mühe belohnt wird, ist nur ein schwacher Trost und nach dem Einbruch in ihrer Wohnung scheint sich die Welt für ein paar Momente völlig gegen sie gestellt zu haben. Doch dann findet sie ihr Weihnachtsglas und das Blatt wendet sich. Weniger, weil sich die äußeren Umstände so sehr wandeln, sondern mehr, weil sich in Hopes Innerem so viel tut.

Bei ihren Nachforschungen um den Ursprung des Glases lernt Hope eine nahezu ideale Familie kennen: sie haben sich ein sicheres Leben mit einem handwerklichen Betrieb aufgebaut und leben in schönster Harmonie zusammen. Hope, die nie ein solches Familienidyll erlebt hat, wird schnell und herzlich bei diesen Menschen aufgenommen und bald auch in das große Familiengeheimnis eingeweiht. Die Familie verschenkt nämlich in jedem Jahr "Weihnachten" in Form eines Einmachglases, in dem sie das gesamte Jahr über ihr Kleingeld sammeln. An Weihnachten suchen sie sich eine Person aus, die vielleicht auch das Geld, aber in erster Linie ein bisschen Liebe und Positivität nötig hat, und überlassen dieser dann anonym das Glas.

Eine rührende Geschichte, die ganz dreist auf den emotionalen Weihnachts-Sentimentalitäts-Zug aufspringt und mit ein paar stereotypen Figuren einige schöne und viel zu selten gedachte Gedanken formuliert. Kurz und knackig ein hübsches Geschichtchen vielleicht auch zum Vorlesen für kleine Geschwister. 3 solide Wölkchen von mir dafür.


24.12.2014

[Gerede] Was an Weihnachten im TV-Programm niemals fehlen darf

14:25 4 Comments
Weil ich mich natürlich ebenfalls den omnipräsenten Weihnachtsgrüßen anschließen möchte, aber bekennenderweise immer eine gesunde Prise Anti-Mainstream bin (wobei das ja eigentlich auch schon wieder total Mainstream ist. Aber mal im Ernst: wer will schon völlig aus dem gesellschaftlich anerkannten fallen?), gibt es diese Grüße gepaart mit einer Aufstellung der Filme, die für mich seit Jahren - beziehungsweise Jahrzehnten, wie ich alte Schachtel leider sagen muss - zu einem gelungenen Weihnachtsfest dazu gehören. Für den Fall, dass es jemanden gibt, der da tatsächlich Inspiration braucht. Wovon ich nicht ausgehe. Da hat doch irgendwie jeder seine eigene Tradition. Aber vielleicht decken sich ja ein paar Filme :)

1. Drei Haselnüsse für Aschenbrödel


Der Soundtrack alleine ruft bei mir direkt Bilder von einer weiten, unberührten Schneelandschaft hervor und in Kombination mit diesem zuckersüß umgesetzten Märchen ist dieser Film ein Standart für mich am 25. Dezember. An diesem Tag läuft er nämlich in allen dritten Programmen rauf und runter, sodass ich meine gesamte Familie mindestens zwei Mal damit erfreue, den gesamten Film anzuschauen. Und ja, sie freuen sich wirklich immer riesig. Riesig.

2. Die Hexe und der Zauberer


Ebenfalls ein echter Klassiker ist diese Adaption des berühmten Artus-Stoffes. Und wie so oft besticht auch in diesem Film wieder der Sidekick - Artur und Merlin und auch die Hexe sind natürlich auch richtig witzig, aber nichts geht über den Kauz Archimedes!

3. Das Zehnte Königreich


Jedes Jahr nehme ich mir vor, herauszufinden, welche Buchreihe diese 5-teilige Verfilmung zu Grunde liegt. Aber ich schaffe es nicht und auch in diesem Jahr wird es wahrscheinlich untergehen, weil noch so viel wichtigeres auf der ToDo-Liste steht. Aber egal. Wer die Serie Once Upon A Time mag, wird mit großer Wahrscheinlichkeit auch von dieser Geschichte begeistert sein. Mir zumindest geht es so. Denn ich liebe Märchenadaptionen - und wann passen die besser als zu Weihnachten?

4. Frozen


Und ganz ganz neu auf der Liste ist der allseits bekannte und für mich unverständlicherweise von diversen hartherzigen Menschen als lästig empfundene Disneyfilm Frozen. Allen Gegenargumenten zum Trotz habe ich folgendes zu sagen: es liegt Schnee, es geht um Liebe und die Musik ist super. Perfekt für Weihnachten. Punkt.

Ab morgen werden also unter anderem diese Filme bei mir im Fernsehen laufen. Wie sieht es bei euch aus? Habt ihr auch mehr oder weniger traditionelle Weihnachtsfilme? Wie dem auch sei wünsche ich euch allerseits ein paar wunderschöne Feiertage, viel leckeres Essen und eine tolle Zeit mit euren Liebsten. Genießt die Weihnachtstage ♥

20.12.2014

[Rezi] Juli Zeh - Corpus Delicti

13:23 1 Comments
Erscheinungsjahr: 2010
Genre: Politik-/Gesellschaftsroman; Dystopie
Seitenzahl: 263




Teaser:
Gesundheit ist das Ziel des natürlichen Lebenswillens und deshalb natürliches Ziel von Gesellschaft, Recht und Politik. Ein Mensch, der nicht nach Gesundheit strebt, wird nicht krank, sondern ist es schon.




Handlung
In einem System, in dem die körperliche Gesundheit keine Sache des Individuums mehr ist, sonder staatlichen Prüfungen unterliegt, ist das Bild vom gläsernen Menschen wahrgeworden. Ein Chip im Oberarm misst permanent, ob das vorgeschriebene Sportpensum eingehalten wurde, welche Ruhephasen der Körper erhält und ob er von seinem "Besitzer" auch zum Optimum gepflegt wird. Regelmäßige Blut- und Urinkontrollen gehören genauso zum Alltag wie das Einhalten der Hygienestandards in der Wohnung. Alles durch Gesetze eines unfehlbaren, weil auf Objektivität beruhenden, Gesellschafts- und Rechtssystems geregelt und kontrolliert.
Moritz Holl hielt nicht viel von diesem System. Er zweifelte die Unfehlbarkeit und die Universalität an. Landete im Gefängnis für ein Verbrechen, das er laut eigener Aussage nicht begangen hat - trotz Überführung durch einen DNA-Test. Seine Schwester Mia glaub fest an seine Unschuld, auch und vor allem, nachdem Moritz sich selbst im Gefängnis das Leben genommen hat. Ab diesem Moment beginnt sie konsequent, das System in Frage zu stellen.

Meine Meinung
Um es kurz zu machen: dieses Buch ist eine grandiose Geschichte über ein totalitäres und gleichzeitig demokratisches System, die die Möglichkeit einer freien und gerechten Gesellschaft ausschließt. Zumindest wenn man diese beiden Parameter an individuellen Schicksalen bemisst.

So viel Lob möchte ich über dieses Buch loswerden, dass ich gar nicht weiß, wie ich anfangen soll. Von der ersten Seite an, hat es mich total gepackt. Die Logik, nach der dieser Staat errichtet ist, ist so bestechend und so fundiert, dass man selbst schnell Teil seiner Zirkelschlüsse wird, wenn man nicht aufpasst. Aber zum Glück kann man Mias Gedankengänge, ihre Entwicklung und die Herleitung eines Gegenentwurfs - der dennoch keine Lösung enthält - verfolgen und so dem Sog der Argumentation für eine völlige Gesundheitsgesellschaft (so würde ich sie mal salopp bezeichnen) entgehen. Wobei die Drastik auch ohne Mia zu Tage kommen und den Leser erschaudern machen würde.

In einer Welt, in der alles reguliert ist und allein der Zug an einer Zigarette ein schweres Vergehen ist, weil es einen Missbrauch toxischer Substanzen darstellt, in der man keinen Schluck Wein trinken darf und überhaupt alles unter Strafe steht, was dem Wohl des Leibes in irgendeiner Form schadet - dorthin wird der Leser gleich geworfen. Mit allen Konsequenzen. Sportpensum, das es einzuhalten gilt. Panische Mütter, die erschrocken rumrennen, wenn ihre Kinder anfangen zu niesen. Immer, wenn man erschrocken einen neuen - vermeintlich privaten - Bereich des Lebens sieht, der von diesem Staat überwacht wird und man denkt, dass jetzt eigentlich nichts mehr kommen kann, erscheint ein weiterer Aspekt auf der Bildfläche, über den das Individuum nur beschränkte Kontrolle hat.

Und mittendrin ist Mia. Eine Anhängerin dieser METHODE. Eine Naturwissenschaftlerin, deren gesamtes Wesen auf Rationalität ausgerichtet ist und die deshalb diese Gesellschaftsordnung als logische Reaktion einer Gesellschaft auf die Umwelt ansieht. Krankheiten sind ausgerottet und die Menschen schaffen sich die äußeren Bedingungen dafür, ein möglichst langes, gesundes Leben zu führen. Wie es dem natürlich Instinkt der Lebewesen entspricht. Aber eine Sache ist falsch gelaufen und hat einen großen Riss in die Fassade gesprengt: Mias Bruder Moritz ist einem Justizirrtum zum Opfer gefallen - davon ist sie fest überzeugt. Und das bei einem System, das sich selbst als unfehlbar definiert. Da kann etwas nicht stimmen.
Mia ist eine ausgesprochen interessante Hauptfigur; ihr Psyche ist gleichzeitig furchtbar labil - neben Wahnvorstellungen hat sie außerdem Depressionen - und gleichzeitig ist ihr Verstand messerscharf. Man weiß nie, wann sie den nächsten gedanklichen Schritt zulässt und wann sie sich für eine Seite entscheidet: für oder gegen die METHODE.
Spannend ist auch ihre Gegenfigur: Heinrich Kramer, der ebenfalls blitzschnelle Gedanken hat und hochmanipulativ seine Ziele verfolgt; dabei aber klarer Anhänger der bestehenden Ordnung ist. In den Dialogen zwischen den beiden findet man unheimlich viele Denkanstöße - genau wie auch in den Dialogen zwischen Mia und Moritz.

Sowieso ist dieses Buch sehr gesprächslastig. Als könne man die Aushandlung dieses Gesellschaftsbildes nur im Gespräch führen. Oder eben auch nicht. Der Schreibstil ist perfekt - nüchtern an manchen, überschwänglich an anderen Stellen, aber immer präzise. Sicher keine leichte Kost. Aber eine lohnenswerte. 5 rosa Wölkchen von mir. Leute. Lesen. Unbedingt!


17.12.2014

[Gerede] Verrückt? Niemals!

09:18 0 Comments
In letzter Zeit habe ich viel über Neurosen nachgedacht. Oder zumindest über die kleinen und weniger kleinen Ticks, die wohl jeder Mensch hat und die ich gerne als Neurosen bezeichne. Obwohl ich natürlich weiß, dass eine wirkliche Neurose viel heftigere Ausprägungen annehmen kann und auch eigentlich nicht lustig ist. Aber solche harmlosen Macken finde ich nicht nur überaus amüsant, sondern auch sehr sympathisch. Und ich achte auch tatsächlich bei den Menschen in meinem Umfeld extrem auf solche wiederholten, unnötigen Dinge, die sie aus keinem richtigen Grund heraus tun. Besonders sprachliche Ticks hab ich schnell auf dem Schirm - und leider adaptiere ich sie fast genauso schnell. 
Was ich eigentlich sagen will: man ist nicht bekloppt oder verrückt, weil man immer wieder verschiedene irrationale Sachen tut. Und vor allem ist man nicht alleine. Deshalb hier ein paar der bescheuertsten Ticks meinerseits:

  • Natürlich hat der erste Punkt direkt was mit Büchern zu tun. Und meinem Schlafmangel. Ich lese nämlich hauptsächlich abends im Bett. Und da ist es relativ ungünstig, dass ich nicht einfach so mit dem Lesen aufhören kann, wenn ich müde bin, sondern mindestens bis zum Ende des Kapitels lesen muss. Aber das ist nicht alles. Denn wirklich beruhigt aufhören kann ich nur, wenn das neue Kapitel auf einer runden oder halbrunden Seitenzahl (also mit einer 0 oder ein 5 endend) beginnt. Das ist zum Glück öfter der Fall als man denkt!
  • Wo wir grade bei Zahlen sind: Grundsätzlich will ich immer eine gerade Anzahl an Keksen essen. Also 2, 4, 6. Manchmal, wenn ich mir gerade aufgelegt habe, maximal 2 Kekse zu essen, esse ich extra 3 ("einer mehr ist ja wohl okay"), um danach direkt einen vierten zu essen. Weil 3 ja keine gerade Zahl ist.
  • Wenn ich Dinge zu erledigen habe, schreibe ich sie auf eine ToDo-Liste, damit ich sie nicht vergesse. Und was da nicht draufsteht, wird das auch nicht gemacht, selbst wenn ich von mir aus doch daran denke.
  • Wenn ich nicht weiß, was ich mit meinen Händen tun soll, reibe ich mir wie Wickie die Nase.
  • Und auch die letzten beiden Punkte sind natürlich auch nochmal Buch-Ticks. Zum einen passiert es öfter, dass ich, wenn in einem Buch etwas passiert, womit ich absolut gar nicht einverstanden bin, dieses Buch zuklappe, von mir werfe und 5 Minuten lang schmolle. Dann lese ich beleidigt weiter :D
  • Zum andern lese ich meistens mit einer inneren Stimme. Und diese Stimme klingt oftmals nach der Person, mit der ich an dem Tag die meiste Zeit verbracht hab. Oft ist es so, als würde mir eine meiner Freunde das Buch vorlesen. Das kann irritierend sein, ich sags euch!

Diese Liste könnte man wahrscheinlich noch ewig weiterführen, aber zu meinem persönlichen Seelenfrieden muss ich es doch hierbei belassen. Was sind eure besonderen Ticks? Habt ihr auch so viele bücherbezogene Macken? Schreibt mir das mal - vielleicht können wir eine Selbsthilfegruppe eröffnen. Wobei... ein bisschen Wahnsinn hat schließlich noch niemandem geschadet!

14.12.2014

[Musik] Sonntagslieder #108

07:30 0 Comments
Weihnachten steht kurz vor der Tür - da verwundert es nicht, dass in den dieswöchigen Top-3 fast ausschließlich weihnachtliche Lieder zu finden sind. Aber nicht nur. Der Horizont verengt sich ja nicht automatisch, nur weil Weihnachten ist. Außerdem fehlt mir der Schnee. Sicherlich wäre ich viel mehr in Weihnachstsstimmung, wenn es mal schneien würde. Aber gut, was nicht ist, kann ja noch werden. Jetzt erstmal viel Spaß mit einer Auswahl meiner aktuellen Lieblingslieder!



Michael Bublé - Let It Snow
Meine Wetter-Beschwörungsformel. Vielleicht hilft es ja ;)


Melanie Thornton - Wonderful Dream
An Weihnachten darf Kitsch nicht nur - da MUSS Kitsch. Und Pathos. Was passt dazu besser, als dieses Lied? Das einzig Gute, das wir jemals von Coca Cola erhalten haben.


Slipknot - The Negative One
Wenn man dann doch mal Kontrastptogramm braucht. Meine Empfehlung dafür.

Soweit, so gut. Wie sieht es bei euch aus - hattet ihr schon Schnee und freut ihr euch darüber oder eher nicht so? Einen gemütlichen dritten Advent wünsche ich euch! ♥

12.12.2014

[Rezi] Kai Meyer - Asche und Phönix

09:29 0 Comments
Erscheinungsjahr: 2012
Genre: Fantasy
Seitenzahl: 459



Teaser:
In Lyon hatte Ash seine Narben gesehen, an den Armen und am Bauch: streichholzlange Schnitte, einer neben dem anderen, und auch ein paar größere, auf die sie nur einen kurzen Blick hatte werden können, als er aus der Dusche gekommen war.




Handlung
Unsichtbar fristet Ash ihr Leben in London - von niemandem wahrgenommen und völlig zufrieden damit. Ihren Pflegeeltern ist es egal, wo sie sich rumtreibt und so hat sie sich einer ominösen Gruppe angeschlossen. Menschen, die in fremde Wohnungen einbrechen und dort leben, während die Besitzer gerade auf Reisen sind. Wenn sie wieder gehen, hat sich im Idealfall nichts in der Wohnung verändert - kein Essen fehlt, kein Dekostück ist verschoben, nichtmal ein fremder Geruch steht in einem der Zimmer.
Um sich ihr Essen zu verdienen, jobbt Ash außerdem als Zimmermädchen in großen Hotels. Aber nur, um ihrer eigentlichen Profession nachzugehen - dem Diebstahl. Wenn die großen Stars und Sternchen zu Filmpremieren und weiteren offiziellen Anlässen ihre Zimmer verlassen haben, steckt Ash dort alles an Bargeld ein, was sie finden kann. Bis sie eines Tages erwischt wird. Von Parker Cale, dem Hauptdarsteller des beliebtesten Teenie-Films aller Zeiten. Doch anstatt sie bei der Polizei anzuzeigen, lässt er sich von Ash unbemerkt aus dem Hotel bringen und zieht sie mit in eine abstruse Geschichte aus Seelenverkäufen, Familiendramen und einem waschechten Pakt mit dem Teufel - oder sowas ähnlichem.

Meine Meinung
Wenn man die Inhaltsbeschreibung dieses Buches liest, weiß man eigentlich schon mehr oder weniger, worauf man sich einlässt. Vielleicht aber eher weniger als mehr. Denn obwohl die angelegte Liebesgeschichte sehr vorhersehbar ist, überrascht das Buch dennoch - nur auf einer anderen Ebene.

Teilweise habe ich mich dabei erwischt, wie ich die Geschichte als weltlich gewordene Kritik an der gesamten Popkultur interpretiert habe. Das ist vielleicht ein bisschen zu hoch gegriffen und dichtet der Geschichte einen nicht vorhandenen Anspruch zu, aber unteranderem kann man sie definitiv so lesen.

Nehmen wir zunächst einmal Parker Cale, der Jungstar der aktuellen Filmindustrie. Ihm liegen sämtliche Fangirls zu Füßen, er räumt alles ab, was geht. Mit einer einzigen Hauptrolle in den Verfilmungen einer Fantasy-Buchreihe. Wer sich da nicht direkt an den gesamten Twighlight-Hype erinnert fühlt, dem kann ich auch nicht helfen. Parker selbst findet seine Rolle, die ihn zum Erfolg geführt hat, mehr als furchtbar. Sie erfüllt weder seinen Anspruch an qualitative Schauspielerei, weil sie ihm einfach zu platt konzipiert ist, noch hält er überhaupt irgendwas von der Marketing-Maschinerie dahinter. Außerdem ist er zermürbt von der Presse und den Fans, weil er ständig im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit steht. Was er gleichzeitig verabscheut und braucht wie eine Droge. Also geigt er seinem Vater, der alle Fäden in der Hand hält, öffentlich die Meinung, und tritt damit eine regelrechte Lawine los.

Denn da taucht auch schon der personifizierte Pop selbst auf - Libertaque, der sich von dem Ruhm anderer ernährt. Sucht nach Ruhm ist ein zentrales Thema im gesamten Roman, aber in dieser Figur konzentriert sich diese Sucht aufs Höchste. Allerdings - und das finde ich besonders interessant - unterscheidet Libertaque zwischen richtigem und falschem Ruhm - Menschen, die etwas mit einem künstlerischen Anspruch erschaffen und damit berühmt werden, liefern ihm den richtigen Ruhm. Und Menschen wie Parker oder sein Vater, die lediglich Masse für die Massen produzieren, liefern zwar Ruhm, der satt macht, aber sonst nichts kann.
Überhaupt ist es diese Gegenfigur, die mich an dem Roman am meisten fasziniert hat. Weil sie als einzige nicht nach einem bekannten Stereotypen konzipiert ist und man nie wissen kann, was als nächstes mit ihr passiert. Die fantastischen Elemente und die knallharte Kritik am Showbusiness - beziehungsweise an der Motivation vieler Beteiligter - allgemein verbinden sich in pervertierter, zugespitzter Form in dieser Figur.

Ansonsten sind mir zwei, drei logische Brüche in der Geschichte aufgefallen - vor allem am Ende -, was natürlich nicht hätte sein müssen. Auch wird mir ein bisschen zu schwarz/weiß gemalt und die Hauptfiguren sind eher langweilig. Im Endeffekt knüpft das Buch nämlich doch an bekannte Mechanismen an: berühmter, unglücklicher Star PLUS Außenseitermädchen, das die Persönlichkeit und nicht den Ruhm sieht GLEICH wahre Liebe. Also die heimliche Fantasie eines jeden Teenies. Aber wegen der grandiosen Gegenfigur und dem gewohnt mitziehenden meyerischen Schreibstil gibt es dennoch vier Wölkchen von mir.


10.12.2014

[Gerede] Merkwürdige Geschäftsmodelle und Ausnutzen naiver Blogger?

08:30 8 Comments
Ende Oktober diesen Jahres erhielt ich bezeichnenderweise als nette kleine Halloween-Überraschung eine relativ ausführliche Email. In dieser teilte mir die freundliche Julia ohne Nachnamen mehr oder weniger förmlich mit, dass
a) mein Blog wirklich supiii ist, und
b) ich mir unbedingt die Website Paperblog.com anschauen sollte. Um das Haus des Wahnisnns dort anzumelden. Hat nur Vorteile. Für alle Beteiligten.

Auf Grund einer fehlenden Anrede (ich wurde in der Mail kurz und knackig mit "Hallo" begrüßt - aber ohne meinen Namen), und weil direkt ziemlich schamlos Werbung für eine mir sowohl völlig unbekannte als auch leicht suspekt wirkende Website gemacht wurde, habe ich diese Mail im ersten Impuls als Spam eingeordnet und wollte sie auch als solche behandeln. Was aber passierte dann? Traurig aber wahr - der letzte Absatz der Mail zielte knallhart auf meine Eitelkeit ab und hat damit genau richtig getroffen:
Ihr Blog entspricht genau unseren Qualitätkriterien für interessante und gut geschriebene Artikel und ich bin überzeugt, dass Ihre Beiträge für die Leser des Ressorts Literatur eine Bereicherung darstellen.

Tja, ich muss leider zugeben... damit hatte die Julia mich an der Angel. Deshalb habe ich mich mal ein wenig auf der Seite umgeschaut und schnell festgestellt, dass auch einige Blogs, die ich gerne lese, bereits dort angemeldet sind. Doch wozu? Laut eigender Aussage ist Paperblog eine Art Netzwerk:
Paperblog ist eine neue partizipative Internetseite für Blogger, die seit über einem Jahr online ist. Wir möchten mit unserem Projekt zum einen ein alternatives Medium aufbauen, in dem auch Erfahrungen, Meinungen und Ereignisse ihren Weg in die Öffentlichkeit finden, die in den klassischen, großen Medien eher wenig Gehör finden.

Ein paar Fremdwörter beeindrucken mich ja von Natur aus eher wenig, sofern ich darin inhaltsleere Worthülsen erschnüffeln kann - und dieses Alarmsystem hat auch hier ausgeschlagen. Partizipativ ist die Webseite insofern, als dass sich dort jeder mit seinem Blog anmelden kann und es dann los geht mir fröhlichem Rating, Commenting etc pp. Was das mit dem alternativen Medium angeht - ich dachte, das wäre mein Blog eigentlich schon. Aber gut, neue Leser zu erreichen, ist ja gemeinhin ein Wunsch der Bloggerwelt, von daher ist der Grundgedanke der Seite ein nicht ganz schlechter. Das Problem: wenn die Leute deine Beiträge auf Paperblog.com lesen, besuchen sie nicht automatisch auch deinen Blog. Wozu auch? Die Beiträge können bequem gelesen und bewertet werden - da braucht die eigentliche Blog-Seite nicht noch umständlich angeklickt zu werden. Damit war ich also schon raus aus der Nummer.

Doch vor ein paar Tagen meldete sich Julia wieder bei mir und rief mir die Seite in Erinnerung. Was also tun? Gründlichere Recherche. Nicht nur die AGBs habe ich daraufhin befragt, sondern auch das liebe World Wide Web, und so mehrere interessante Sachen herausgefunden.

Zum einen tritt man mit Zustimmung der AGBs die Rechte seiner Inhalte ab. Paperblog darf damit machen, was sie wollen. Verbreiten, kürzen, übersetzen und letztendlich verändern. Haften tut man aber immernoch selbst dafür. Das klingt ja schonmal gar nicht gut. Außerdem verdient man selbst damit keinen müden Cent. Was Paperblog angeht - tja, ich schätze die Buchhaltung ist für Mitglieder dieser partizipativen Seite wenig transparent.
Zum anderen geht nicht nur Julia auf die Jagd nach vielversprechenden Blogs, die zu der Informationsflut auf Paperblog ihren Beitrag leisten wollen. Offensichtlich hat sie noch eine Schwester - Johanna ohne Nachnamen. In meinem Kopf sind Julia, Johanna und Co. ganz offensichtlich eine mafiöse Vereinigung, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, in der Bloggerweilt nach naiven Menschen zu suchen, diese mit Augenwischerei dazu bringen, sich ihrer Sachen anzuschließen und damit für die Marmelade auf dem Brot sorgen. Oder es ist nicht ganz so dramatisch. Läuft aber auf das selbe hinaus. Denn es gibt qualitativ keine Gegenleistung. Du gibst von dir produzierten Content weiter, erhälst aber nichts dafür außer ein paar spekulative Klicks.

Wie auch immer - ich habe daraufhin freundlich, aber bestimmt und ironisch dankend abgelehnt. Sogleich kam auch eine Antwort mit der weisen Erkenntnis, dass dieses
Projekt nicht alle Blogger gleichermaßen begeistern kann.

Absolut richtig. Die Lobhudelei war gut für das Blogger-Ego, aber meine Seele verschenke ich nicht.

06.12.2014

[Rezi] Simon Becket, u.a. - Tödliche Gaben. Die spannendsten Weihnachstskrimis

10:33 0 Comments
Erscheinungsjahr: 2009
Genre: Kurzgeschichten, Krimi, Thriller
Seitenzahl: 218



Teaser:
Manchen Menschen gefällt es, andere Menschen umzubringen. Als forensischer Anthropologe ist es mein Beruf - meine Berufung - , herauszufinden, wie sie es getan haben, und für die Identifizierung ihrer Opfer zu sorgen.





Inhalt
Wer sich in der Thriller-Szene ein bisschen auskennt, wird sich bei obigen Teaser direkt richtig verortet fühlen. Bekannte Größen geben sich die Ehre, eine Geschichte zu diesem kleinen Büchlein beizutragen - unter anderem auch Simon Beckett, der seine wohl berühmteste Figur, David Hunter, für eine kurze Episode in ein winterliches Setting setzt.
Insgesamt sind es 11 kriminalistische Kurzgeschichten, die dem Leser präsentiert werden und die die unterschiedlichsten Themen und Schwerpunkte haben. Mal liegt ein toter Weihnachtswichtel in einem Kofferraum, dann rätselt ein Mönch daran, ob es Gottes Bestimmung für ihn ist, kriminell zu werden und wieder in einer anderen Geschichte wird ein wenig surrealistisch erklärt, wieso es in den 1930er Jahren wirklich zur großen Depression in der Wirtschaft kam.

Meine Meinung
So unterschiedlich die Autoren sind, die an diesem Buch mitgewirkt haben, so verschieden ist auch der Stil der Geschichten  und meiner Meinung auch das reflexive Niveau.

Es ist natürlich nicht so leicht, auf weniger als 30 Seiten eine spannungsreiche und fesselnde Stimmung zu erzeugen - gerade in dem besagten Genre. Und den einzelnen Autoren gelingt das mehr oder weniger gut. Dennoch hat jede einzelne Geschichte einen gewissen Unterhaltungswert, der sich aber nicht immer auf die Effekte beruft, nach denen Krimis oder Thriller arbeiten. Manchmal geht es auch ins Phantastische oder ins Individuell-Tragische und Nervenkitzel wird eher zum sekundären Aspekt der Geschichte.

Fast allen gemein ist das winterliche, wenn nicht sogar weihnachtliche Setting und das ist ja für dieses Thema nur legitim. Vielleicht bin ich ein bisschen voreingenommen, aber die beste Geschichte ist meiner Meinung nach mit Abstand die von Sebastion Fitzek. Das weihnachtliche Thema ist ebenso in der Geschichte verwoben, wie seine typischen Psycho-Spielchen, die mit der Lesererwartung machen, was sie wollen und grundsätzlich falsche Fährten legen.

Mein Fazit fällt also nicht schwer begeistert, aber dennoch solide aus. Für mich war dieses Buch das ideale Bus-Buch, weil es kurzweilige, schnell abgeschlossene Unterhaltung bietet und manchmal sogar ein wenig Nervenkitzel. Für Hardcore-Thriller-Fans ist es aber wahrscheinlich ein wenig zu platt. 3 Wölkchen gibt es dafür von mir.

04.12.2014

[Gerede] Dating wird völlig überbewertet

10:18 12 Comments
Wenn man quasi Mitte 20 ist und dazu bekennender Single, hört man immer wieder die selben Fragen:
"Na, wie läufts in der Liebe?", "Willst du dir nicht langsam mal was festes suchen?", "Hast du etwa vor, alleine alt zu werden?" und die mit Abstand schlimmste Frage: "Warum gehst du denn nicht öfter aus? Dating-Möglichkeiten hast DU ja schließlich genug!"
Ohne den Wahrheitsgehalt dieser letzten Aussage grundsätzlich zur Debatte stellen zu wollen, würde ich hier dem selbsternannten Love Expert, der diese trifft, am liebsten über die Wange streicheln. Mehrmals. Mit meiner Faust.

Denn erstens drängt sich mir bei all diesen Gesprächen selbst eine Frage auf: Warum seid ihr nur alle so unentspannt? "Chillt euch mal!" würde ich am liebsten in die mitleidig-besorgten Gesichter schreien. Völlig relaxed natürlich. Der Fragesteller hat sich sein Gesellschaftsbild anscheinend von schlechten amerikanischen Teeniefilmen und How I Met Your Mother abgeschaut, wo die Prämisse lautet: stehst du am Wochenende ohne Date da, bist du entweder Soziopath oder ein Beziehungsversager. Denn natürlich besteht der einzige Sinn des Seins darin, einen Partner zu finden und für immer immer immer zu behalten. Dass es nicht unbedingt ein Gewinn ist, wenn man jedes Wochenende vor einer neuen Person sitzt, bleibt da mal dezent außen vor. Du musst 99 Frösche küssen, und der hundertste verwandelt sich dann in deinen Prinzen? ...also bitte!

Zweitens kommen diese Ratschläge doch meistens von dem selben Typ Mensch. Diese Leute, die seit ihrer Geschlechtsreife maximal zwei Wochen nicht in einer Beziehung gesteckt haben und sich im Grunde gar nicht als eigenständige Persönlichkeit definieren können. Diese Leute, die von Partner zu Partner hüpfen und ihre Erfüllung nur im Doppelpack finden. Versteht mich nicht falsch - wen das glücklich macht, dem stehe ich sicher nicht im Weg. Selbst bin dann aber doch lieber der unabhängige Typ.

Und drittens - last but not least: Dates sind ganz ganz schrecklich. Wäre das die einzige Möglichkeit, potentielle Partner kennenzulernen, wäre ich sicher noch nie in einer Beziehung gewesen. Dates laufen immer nach dem gleichen Schema ab, wenn man die Person noch nicht kennt - egal, wie originell man es verpacken will: im Grunde ist das bloß eine Mikro-Castingshow, bei der die jeweils wichtigen Punkte in Form eines mehr oder weniger zwanglosen Informationsaustausches überprüft werden. Musikgeschmack? Check! Hobbys? Check! Ach, du warst ein Jahr in Australien? Verrückt, 32 meiner Bekannten auch! Ja, ich studiere xyz-Gedöns. Oh, spannend. Blablablabla. Was das wirklich interessante an Mensche ist, geht einfach meistens unter, wenn als Subtext jeder Aussage ein "Super, noch zwei ungefähre Gemeinsamkeiten, und es reicht auf jeden Fall für einen Kaffee bei mir" mitschwingt. Wie eingefahren dieses Schema ist, merkt man vor allem dann, wenn man einfach mal untypische Fragen stellt oder bescheuerte Antworten gibt. "Und, was war so in deiner Schultüte?" sagt als purer Informationswert ungefähr genauso viel aus wie die Lieblingsserien, aber die Reaktionen sind wenigstens mal anders. Von irritiert bis unterhaltsam ist da alles dabei.

Jedenfalls empfinde ich es nicht als das ultra-krass alternative Lebenskonzept, wenn man nicht beständig auf der Suche nach einer besseren Hälfte ist. Auch, wenn einige Leute in meinem Freundes- und Bekanntenkreis das anscheinend so sehen. Aber ich arbeite lieber erstmal daran, alleine schon eine vollständige Person zu sein. Und sollte jemand auftauchen, der ebenfalls eine vollständige Person ist, können wir gerne zusammen vollständig sein. Und wenn nicht, ist das auch gut.

01.12.2014

Leserückblick November 2014

07:01 2 Comments
Das Jahr ist fast vorbei und mich überkommt langsam schon wieder die Silvester-Panik (so sehr ich Weihnachten liebe, so sehr hasse ich Silvester. Wirklich. Ich hasse es). Darüber zu berichten würde sich fast mehr lohnen als euch zu erzählen, welche grandiosen Leseerfolge ich im November gefeiert habe. Aber dann würde ja die Statisitk ausfallen - und das geht natürlich nicht. Muss doch alles seine Ordnung haben hier.

Gelesen
Justin Cronin - Die Zwölf (*Rezi*)
Gianrico Carofiglio - Die Illusion der Weisheit (*Rezi*)

In Seiten
1055

Durchschnittsbewertung
4,5 Wölkchen

Highlight des Monats
Ganz ohne Zweifel Die Illusion der Weisheit von Gianrico Carofiglio. So viele tolle Geschichten auf so wenig Raum ♥

Enttäuschung des Monats
Immerhin: keine.

In Bildern



Aber hey - ich hatte am Anfang des Monats nicht erwartet, überhaupt mit diesem Schinken (Immerhin 800 Seiten hat Die Zwölf) durchzukommen. Das ist doch schonmal ein Erfolg. Mal sehen, was der Endspurt noch so bringt.

30.11.2014

[Musik] Sonntagslieder #107

10:21 0 Comments
Es ist Weihnachten!
Diese Botschaft verbreite ich seit Freitag überall in meiner Umgebung. Und dann muss ich meistens meinen Weihnachtsbegriff erläutern, der offensichtlich mit dem der meisten Menschen auseinander geht. Deshalb auch hier die Klarstellung: diese "Vorweihnachtszeit" ist für mich nicht ein Vorlauf auf diese eigentlichen drei Feiertage, sondern auch schon das Fest. Alles glitzert, man schreibt Weihnachtskarten, isst Kekse und denkt an die Menschen, die man besonders mag. Also - Weihnachten. Und deshalb sieht es bei mir im Zimmer aus, als wäre eine Kitsch-Bombe explodiert und deshalb setze ich mich heute Nachmittag in den Zug und gondele nach Lübeck zu einem der tollsten Weihnachtsmärkte, die ich kenne. Am ersten Adventssonntag. Das ist ganz sicher eine mega tolle Idee...haha! :D



The Baseballs - Rudolph The Red Nosed Reindeer
Grundsätzlich als erstes packe ich das Weihnachtsalbum der Baseballs aus. Diese Coverversionen verbreiten Weihnachtsstimmung und gut Laune. Oder wer kann bitte bei diesem Lied still sitzen bleiben? :D


Mighty Oaks - Brother
Aber weils natürlich auch ein bisschen gemütlich sein soll, ist auch dieses Lied stark in meiner Playlist vertreten. Und außerdem momentan mein Weck-Klingelton. So verderbe ich mir immer die schönen Lieder - sie reißen mich aus dem Schlaf.


Fall Out Boy - Centuries
Zum Schluss noch mein absolutes Lieblingslied der letzten Zeit. Läuft rauf und runter :)

Damit wünsche ich euch einen wunderschönen ersten Advent und eine zauberhafte, stressfreie Weihnachtszeit ♥

29.11.2014

[Rezi] Gianrico Carofiglio - Die Illusion der Weisheit

20:37 0 Comments
Erscheinungsjahr: 2012
Originaltitel: Non esiste saggezza
Genre: Erzählungen
Seitenzahl: 218



Teaser:
Manchmal passiert es, dass man die richtige Antwort gibt und es im selben Moment weiß. Es passiert selten, aber es passiert. Wir wussten es beide.





Inhalt
10 kurze Erzählungen befinden sich in diesem kleinen Büchlein, die in sich abgeschlossen sind und inhaltlich nicht miteinander zusammenhängen. Ein Schwerpunkt kristallisiert sich dennoch heraus - in vielen der Erzählungen geht is in dem einen oder anderen Sinn um Kriminalität. Verbrechen, die begangen wurden, Verhörtechniken, die Verdächtige zum Reden bringen, sind zentrale Motive von nicht nur einer Geschichte. Doch auch Kindheitserinnerungen oder besondere Begegnungen zweier Menschen bilden den Rahmen für eine kleine, intensive Geschichte.

Meine Meinung
Eigentlich bin ich nicht so der Kurzgeschichten-Typ (witzig: grade lese ich noch ein Buch mit lauter Kurzgeschichten), und falls es euch auch so geht, muss ich ganz ernsthaft sagen: gebt diesem Buch eine Chance, denn es hat sie verdient!

Jede einzelne Geschichte erschafft auf ganz kleinem Raum eine so dichte Atmosphäre und entfaltet sich bewundernswert vielschichtig, dass es mich beim Lesen richtig aus den Socken gehauen hat. Damit ich ein bisschen Substanz in dieser Rezi habe, schreibe ich einfach über meine zwei Lieblingsgeschichten; die verdeutlichen auch direkt zwei Dinge: die Diversität der Thematiken zum einen und die Intensität des Schreibstils zum anderen.

Fangen wir an mit "Interview mit Tex Willner". Diese Geschichte ist in Dialogform gehalten und es geht um einen Interviewer, der mit der Figur Tex Willner ein Interview führt. Dabei kristallisiert sich nach und nach heraus, dass Tex eine Comic-Figur ist, die den Journalisten durch seine Jugend hindurch begleitet hat. Ohne davon jetzt mehr verraten zu wollen (so viel zur Substanz... aber Spoiler sind böse!), thematisiert dieser kurze Dialog so viele Aspekte des Heranwachsens, der Identitäsfindung und auch - was mich ja ganz besonders begeistert hat - Überlegungen zur Erzähltechnik selbst, dass es fast schon ein kleines Feuerwerk ist. Obwohl sehr wenig drumherum passiert - eigentlich gar nichts, denn bis auf ein paar Regieanweisungen am Anfang und Ende gibt es nur die Sprechteile - oder vielleicht auch gerade deswegen ist diese Begegnung sehr intensiv und der Interviewer macht auf knapp 15 Seiten eine ziemlich große Entwicklung durch.

Uuund meine absolute Lieblingsgeschichte, die mich mit Abstand am meisten beeindruckt hat, ist "Das doppelte Leben der Natalia Blum". Diese Erzählung steht getreu dem Motto "Das beste zum Schluss" steht diese Erzählung ganz am Ende des Buches und hat mich gleich von Beginn an fasziniert. Es geht darin um einen erfolgreichen Lektoren, der ein vielversprechendes Manuskript von einer jungen Frau erhält. Das Manuskript ist noch nicht beendet und scheint äußerst autobiographisch zu sein. Weil der Schreibstil von Natalia so dermaßen mitreißend ist, will er ihr gleich einen Vertrag anbieten. Doch sie meldet sich nicht mehr bei ihm und der Lektor befürchtet - anhand von dem im Manuskript aufgebauten Bild - dass ihr etwas passiert sein könnte. Diese Erzählung arbeitet auf so vielen Ebenen der Fiktion, der Fiktion in der Fiktion und der Realität der Fiktion, dass es einfach unglaublichen Spaß gemacht, hat, sie zu lesen. Klingt komplex - ist es aber gar nicht so sehr, denn der Schreibstil ist eingängig, prägnant und trotzdem äußerst malerisch.

Endlich hat es mal wieder ein Buch geschafft, die höchste Auszeichnung von mir zu erhalten. 5 rosa Wölkchen gibt es von mir!

24.11.2014

[Rezi] Justin Cronin - Die Zwölf. Passage-Trilogie, Teil II

19:15 0 Comments
Erscheinungsjahr: 2013
Originaltitel: The Twelve
Genre: Science Fiction
Reihe: Passage-Trilogie, Teil II
Seitenzahl: 832


Teaser:
Die Erste dieser Kreaturen soll unter euch wandeln in Gestalt eines tugendhaften Mannes und das Böse in sich verbergen, und es soll sie befallen eine Krankheit, sodass er einem Dämon gleiche, furchtbar anzusehen. Er soll der Vater der Zerstörung sein und auf den Namen Zero hören.


Achtung! Spoilergefahr!*Achtung! Spoilergefahr!*Achtung! Spoilergefahr!*

Handlung
Von den urspünglichen 12 Testpersonen, die jeweils ihr eigenes Viral-Gefolge erschaffen haben, sind nach dem ersten Teil nur noch 11 übrig. Weil mit dem Tod dieser ursprünglichen 12 auch alle von ihnen abstammenden Virals sterben, ist die naheliegende Mission, nacheinander diese 11 umzubringen, um so die Menschheit von der ständigen Gefahr zu befreien.

Doch bevor e der Kampf gegen die Virals geschildert wird und die Geschichte der Protagonisten des Vorgängerbandes weitergeht, werden durch mehrere Zeitsprünge in die verschiedenen Stadien der Katastrophe, die die USA zerstört hat, nocheinmal veranschaulicht, welche Konsequenzen das Virus für die Menschheit in den verschiedenen Entwicklungsstufen hatte.

Irgendwann landen wir dann wieder in der interessanten Zeit, nämlich im Jahr 97 n.V., wo wir sowohl auf Amy als auch zum Beispiel auf Peter, Alicia oder Caleb treffen, die nach dem Kampf gegen Babock die unterschiedlichsten Plätze in der sich neu formierenden Gesellschaftsordnung gefunden haben. Oder im Fall von Alicia vielleicht eher neben der Gesellschaft stehen. Jedenfalls ist das erklärte Ziel, die Virals zu zerstören, um endlich wieder eine sichere Gesellschaft errichten zu können.

Meine Meinung
Der erste Teil dieser Trilogie hat mich ja nicht wirklich vom Hocker gehauen - zu viele Längen, zu viele unnötige Teilhandlungen und allgemein einfach viel zu klobig kam der daher. Weil mich aber die letzten 300 Seiten nochmal absolut eingenommen haben und das Ende richtig krass war, dachte ich, dass dieser 800-Seiten-Schinken auf jeden Fall einen Versuch wert ist. Und mein Optimismus wurde nicht enttäuscht.

Zuerst fällt positiv auf, dass in einem religiös anmutenden ersten Kapitel nochmal die wichtigsten Ereignisse aus Band 1 zusammengefasst werden. Ist man dann wieder auf einem guten Stand, gehts gleich erstmal wieder in das Jahr des Viral-Ausbruchs, was perfekt ist, um wieder in diese brutale Weltuntergangsstimmung reinzufinden, die sich mehr oder weniger durch das gesamte Buch ziehen wird. Die letzten Überlebenden versuchen irgendwie, vor den mit Leichen übersähten Städten zu fliehen und sich irgendwie zu retten. Besonders gut an diesem Teil hat mir die Schilderung der verschiedenen menschlichen Reaktionen auf ein solch traumatisierendes Erlebnis. Dieser Einblick in die Psyche hat mir sehr gut gefallen und schon direkt meine Stimmung positiv beeinflusst.

Danach geht es weiter. Damit, dass sich diverse Gruppierungen zusammenfinden und versuchen, ein neues System zu erschaffen, nach dem die Menschen sicher leben können. Dass das nicht so leicht ist, versteht sich ja von selbst. Und dann passiert es auch noch, dass es dem menschlichen Geschlecht leider immanent zu sein scheint, Macht gerne auch mal zu missbrauchen und das Wohl einiger weniger über das Wohl aller zu stellen. Folter, Intrigen, aber auch Rebellion und Mut sind großen Themenschwerpunkte.

Kritikpunkte habe ich aber leider trotz allem ein paar. Zum einen sind wirklich viele krasse Schilderungen von Gewalt in diesem Roman enthalten. Ob es jetzt um ein Massaker der Virals oder um eine brutale Vergewaltigung geht, stellenweise ist dieses Buch nichts für schwache Nerven. Was mir aber viel schwerer im Magen liegen geblieben ist die Aktivität der Rebellen. Selbstmordattentate, denen Unschuldige zum Opfer fallen, sind deren Hauptaufgaben und gerade in der heutigen Zeit ist das ein sehr sensibeles Thema, das für mich nicht reflektiert genug behandelt worden ist. Vor allem, weil man als Leser klar die Position der Rebellen einnimmt und deren Tun grundsätzlich unterstützt, denn sie kämpfen gegen das repressive Regime. Aber mal ehrlich: alle, die mit Sprengstoffgürteln in Menschenmengen gehen, sind der Meinung, sie tun das Richtige und befreien sich von der Unterdrückung. Bei wem liegt die Deutungsmacht um Gut und Böse, richtig und falsch? Das kam viel zu kurz.

Amys und Alicias Entwicklungen finde ich besonders stark in diesem Buch. Und es gibt außerdem die eine oder andere überraschdende Wendung. Ganz zu schweigen von dem fulminanten Showndown. Wie auch im Vorgängerband war das Ende auch hier mit Abstand am stärksten. Und mit dem Ende meine ich die letzten 200 Seiten. Auch wenn ich fast den gesamten Monat für dieses Buch gebraucht habe - das war es wert. 4 Wölkchen von mir!


16.11.2014

[Musik] Sonntagslieder #106

10:24 4 Comments
Normalerweise würde ich jetzt hier mit dem Befehel <insert random shit> entweder über die Uni, das Wetter oder Schokolade schreiben. Aber im Moment leidet meine soziale Kompetenz ein wenig und ich bin nicht in der Lage, Smalltalk zu führen. Weder in der Realität noch hier auf dem Blog. Keine Zeit, keine Zeit. Nur relevante Informationen werden zur Zeit von mir vermittelt. Und das sind in diesem Fall die drei Lieder, die mich in dieser Woche durch ihre beruhigende Wirkung vorm Abdrehen bewahrt haben.



Maroon 5 - Maps
Dieses Lied gehört in die Kategorie "Sing-Ding"; da kann man erstmal ein bisschen Stress kanalisiert und kontrolliert hinausposaunen.


3 Doors Down - Be Like That
Um dann wieder ein bisschen runter zu kommen, eignen sich Lieder mit einer eher ruhigen Struktur (und Streichern ♥ ) am besten.


Ed Sheeran - Thinking Out Loud
Und wenn sich dann der Blutdruck wieder stabilisiert hat, eignen sich ...ich nenne es mal "Schmalzlieder (im besten Sinn!) perfekt dazu, diesen Zustand zu erhalten. Und auch, wenn seine Lieder meistens etwas triefen, ist Eddys Stimme doch einfach nur mega :D


Und das war es auch schon für diese Woche. Was tut ihr, um Stress abzubauen? Gibt es auch ein paar Lieder, die euch dabei helfen, oder habt ihr ein ganz anderes Geheimrezept?
Einen schönen und stressfreien Sonntag wünsche ich! ♥

11.11.2014

[Gerede] Wer suchet... #8

20:12 3 Comments
Manche Dinge werden nie alt oder langweilig. Blogformattechnisch gehört für mich eindeutig das allseits bekannte Suchbegriffe-Sammeln dazu; aus mir völlig unerfindlichen Gründen erreichen Menschen mit den kuriosesten Suchanfragen das Haus des Wahnsinns - und finden hier sehr wahrscheinlich oftmals nicht unbedingt das, was sie tatsächlich finden wollen. Dafür habe ich aber immer wieder etwas zu lachen, wenn ich mir meine Statistiken anschaue - und diese Momente möchte ich euch natürlich nicht vorenthalten. Also gibt es hier mal wieder fünf Suchanfragen, durch die Menschen auf diesem Blog gelandet sind und die ich mir nur bedingt erklären kann.

in cowboystiefeln schlafen
Selbst, wenn ich Cowboystiefel besäße, würde ich nicht darin schlafen. Aber man kann es sicher tun. Allerdings würde ich ein erfrischendes Fußdeodorant bereit halten.

rosamunde-pilcher-faktor
Völlig selbstreflexiv muss ich sagen, dass dieser Faktor hier wahrscheinlich eher weniger gegeben ist. Kein Rosen, kein Kitsch, kein Bling-Bling. Da fall ich wohl durchs Raster. Leider.

warum ist herr richte in.die.nsdap ein
Für die Zukunft: Stellt doch eure Fragen bitte in vollständigen Sätzen, wenn ihr schon eure Hausaufgaben von irgendwelchen Internetseiten klaut. Ein bisschen guten Willen erwarte ich da schon.

hermine teig weitergabe beenden
Zu meiner Zeit hieß dieses ominöse Kuchen-Kettenbrief-Teil noch Hermann, aber man muss ja immer mit der Zeit gehen. Die Weitergabe beendet man ganz einfach dadurch, indem man den Teig nicht weitergibt. In die Mülltonne damit. Irgendwann findet man erstens keine Abnehmer mehr und hat zweitens keinen Bock mehr auf diesen Kuchen.

wundervolle orte 
Ich finde es schön, dass auch solche Suchanfragen hierherführen :) Die wundervollsten Orte allerdings sollte man nicht im Internet, sondern in der Welt da draußen suchen. Oder doch zumindest in einem Buch. Da ist das alles nicht so flüchtig ;)

Das waren die fünf interessantesten Anfragen, die ich in letzter Zeit gesehen habe. Es ist doch immer wieder schön! :D Und deshalb meine Frage an euch: Was ist aktuell eure lustigste/verstörendste/verrückteste Suchanfrage, die in den Statistiken auftaucht? Schreibts mir gerne in die Kommis! :)

08.11.2014

[Gerede] Zweifelhafte Berichterstattung und warum Buh-Männer so schnell wechseln

18:54 4 Comments
"Jeder Arbeitnehmer hat das Recht, für bessere Arbeitsbedingungen zu kämpfen, ABER...", "die Idee des Streiks ist grundsätzlich zu befürworten, ABER..." und nicht zuletzt die fette Schlagzeile auf Spiegel.online "Der unsympathischste Arbeiterkampf Deutschlands". Solche Sätze und Aussagen treten in den letzten Tagen und Wochen vermehrt auf. Und das macht mich krank. Zwar sind einige dieser Schlagzeilen klar als Kommentar gekennzeichnet, dürfen deshalb entsprechend polemisch formuliert sein und die Meinung des Verfassers klar herausstellen. Aber auch ein Großteil der übrigen Berichterstattung zu dem Konflikt zwischen der Gewerkschaft GDL und dem Vorstand der Deutschen Bahn drückt dem Leser eine Meinung auf. Und zwar eine, die immer und immer wieder gegen den GDL-Chef Claus Weselsky feuert. Neutraler, qualitativer Nachrichtenjournalismus ist ja bekanntermaßen nicht selbstverständlich und daher auch nur selten zu finden, aber langsam ist es auch mal gut mit dieser unreflektierten Meinungsmache. Ich persönlich verfasse nun meinen ganz eigenen Kommentar zu dem Thema und vertrete ganz subjektiv eine völlig konträre Meinung zu dem gängigen Duktus. Vielleicht ist dann das Gleichgewicht wieder einigermaßen hergestellt.

Was sind denn überhaupt die Probleme, die zu der Eskalation geführt haben? Kürzere Arbeitszeiten und mehr Lohn sind ja schließlich die Standartforderungen von Gewerkschaften. Und bei einer Berufsgruppe wie den Lokführern, deren Gehälter tatsächlich unter dem deutschen Durchschnittsgehalt liegen und die gleichzeitig viele (unbezahlte) Überstunden machen müssen, ist diese Forderung auch legitim. Die DB hat im Jahr 2013 649 Millionen Euro Gewinn gemacht. Selbst wenn die Gewinnspanne nicht mehr so groß ist wie noch 2012 sind die Forderungen der GDL wirtschaftlich umsetzbar. Denn wo sollte man bitte den Gewinn besser reinstecken, als in die Mitarbeiter, die das Unternehmen schließlich tragen? Ich weiß, diese Frage stellen sich die Manager der großen Konzerne eher selten, denn für die gelten die Mitarbeitergehälter oft als größter wirtschaftlicher Schaden, der ihrer Firma jährlich zugefügt wird. Aber diese traurige Haltung ist ein anderes Thema. Was medial viel stärker aufgeputscht wird, ist der angebliche Machthunger des GDL-Chefs, weil dieser ganz plötzlich nicht nur die Tarifbedingungen für die Lokführer, sondern auch für die Zugbegleiter oder die Rangeierführer aushandeln will. Selbige werden eigentlich von der Gewerkschaft EVG vertreten, deren Einflussbereich die GDL mit ihren Forderungen eindämmen will. 

Soweit, so gut. Aber in dieser Gleichung fehlt doch noch etwas! Ach ja, die DB! Denn diese hat auch maßgeblichen Anteil an den Verhandlungen, taucht aber nur selten in den Medien auf. Und wenn, dann als armer, hilfloser Konzern, mit dem die böse GDL einfach nicht mehr spielen will. Fakt aber ist, dass die DB ihre Interessen genauso rücksichtslos durchsetzen möchte, wie es der GDL immer vorgeworfen wird. Deshalb ist konsequente Gewerkschaftsarbeit auch so wichtig - damit die Konzerne nicht tun und lassen können, was sie wollen. Folglich gibt es Dinge, die absolut indiskutabel sind und von keinem ernstzunehmenden Gewerkschafter akzeptiert werden können; wie etwa der Vorschlag der DB, von nun an mit beiden Gewerkschaften gleichzeitig zu verhandeln (guter Ansatz!), im dem Fall aber, in dem nur eine der Gewerkschaften mit der Unternehmensleitung einig wird und die andere nicht, eben dieser anderen Gewerkschaft das Streikrecht und damit jede Bewegungsfreiheit zu nehmen. Das geht einfach nicht. Problematisch ist also nicht nur der gewerkschaftliche Machtkampf, sondern auch die wenig kompromissbereite Haltung der DB.

Streik tut weh. Sonst baut er keinen Druck auf ist er unwirksam. Warum sonst streiken in Deutschland hauptsächlich Berufsgruppen, die das öffentliche Leben beträchtlich einschränken? Die Müllabfuhr, die Piloten, die Lokführer? Weil das schmerzt! Und zwar nicht nur der Wirtschaft, sondern vor allem den Pöbel (ich darf das so schreiben, ich zähle mich dazu). Würde ein Streik in der Metallindustrie auch auf solch ein Entsetzen stoßen? Ich glaube nicht. Wenn dort diverse Werke still liegen, juckt das niemanden; ob der neue Golf in 4 oder in 6 Wochen lieferbar ist, macht keinen Unterschied. 
Leider schafft es die DB im Moment, den aufgebauten Druck umzuleiten und auf die GDL zurückzuwerfen. Und da muss man sich doch fragen, wie es sein kann, dass sich ein großer Teil der Gesellschaft plötzlich indirekt mit einem Unternehmen solidarisiert, das noch vor einem Jahr stark unter Beschuss stand. Erinnert ihr euch an das Chaos am Mainzer Hauptbahnhof, der fast komplett lahm gelegt war, weil im Stellwerk ein paar Mitarbeiter krank waren? Wie desolat die personelle Situation in dem Konzern ist, wurde da doch deutlich! Wie kann es ein, dass plötzlich nicht mehr der DB-Vorstand unter Beschuss steht, sondern die Gewerkschaften, die genau gegen solche Sachen kämpfen? Weil die meisten Journalisten den "Einzelgänger" Weselsky unsympathisch finden? Weil sie durch Zugausfälle ihre Meetings verpassen? Weil einer angefagen hat zu meckern und jetzt alle anderen nachziehen müssen? Was ist da los?! Meine Theorie: die DB hält sich medial extrem bedeckt. Bis zum Donnerstag gab es kein Statement direkt vom Vorstand und somit gab die DB einfach keinen guten Aufhänger her. So ließen sie einfach die Medien für sich arbeiten und die GDL als Buh-Mann-Verein dastehen. Mit Weselsky als personifiziertem Übel.

Es ist ziemlich einfach, die Verhandlungen der GDL als reinen Machtkampf abzustempeln. Diese Kategorisierung erfasst die Komplexität des Falles aber in keinster Weise und führt auch zu nichts. Das Streikrecht ist zu befürworten - ohne ABER. Und wenn es konsequent angewandt wird, gibt es nichts zu jammern. Da muss man dann durch, bis ein Kompromiss gefunden wird. Punkt.

05.11.2014

[Rezept] Gnocci mit Zwiebel- Lauchsauce (+Schnitzel! ;D )

09:45 1 Comments
Schon vor einiger Zeit habe ich auf dem Blog der lieben Nina ein Rezept entdeckt, dass es mir sofort angetan hatte. Mal abgesehen von dem köstlich aussehnden Bild ist besteht diese leckere Komposition ausschließlich aus Teilen, die ich richtig gerne esse. Und das Sahnehäubchen: man braucht gar nicht viel. Nicht viele Zutaten, nicht viel Zeit, nicht viel Koch-Können. Eindeutig perfekt also, um in die heiligen Hallen dieses studentisch angelegten Kochbuchs zu kommen, das hier im wahnsinnigen Haus entsteht.

Das braucht ihr:
1 Packung Gnocci
1 Stange Lauch
1 rote Zwiebel
300 ml Milch
1 TL Gemüsebrühe
3 Putenschnitzel
Salz, Pfeffer, Paprikapulver
 etwas Öl

Außerdem:
1 Topf
2 Pfannen
diverse Messer, Löffel und Schneidebrettchen
ein Nudelsieb

So wird's gemacht:
Zuerst stellt ihr einen Topf mit Wasser auf den Herd und bringt das Wasser zum Kochen. Danach ein bisschen salzen und die Gnocci reingeben. Wenn sie oben schwimmen, sind sie gut. Bis es soweit ist, könnt ihr euch schonmal an die Schnibbel-Arbeit machen: den Lauch in Scheiben und die Zwiebel in halbe Ringe schneiden. 

Dann das Fleisch von Fett und Sehnen entfernen. In der Zwischenzeit dürften die Gnocci fertig sein, also könnt ihr sie abgießen und erstmal zur Seite stellen. Beide Pfannen auf den Herd stellen und jeweils ein bisschen Öl darin erhitzen. Die Schnitzel mit Salz, Pfeffer und Paprikapulver würzen und in der einen Pfanne braten. 

In die andere Pfanne gebt ihr den Lauch und die Zweibeln und bratet diese ebenfalls kruz an. Mit Salz und Pfeffer würzen und dann die Gemüsebrühe mit der Milch verrühren und dazugeben. Die Gnocci ebenfalls in die Pfanne schmeißen und alles ein bisschen ziehen lassen.

Wenn die Schnitzel gut sind, sollte auch die Beilage fertig sein. Alles zusammen auf einem Teller anrichten und fertig!

Und so sah das ganze bei mir aus:


Wenn ihr es lieber vergetarisch wollt, wie Nina es auch vorgeschlagen hat, dann lasst das Schnitzel einfach weg. Ich persönlich finde die Kombi aus naturbelassenem Schnitzel mit Gnocci, Lauch und Zwiebel nahezu genial und auf jeden Fall extrem lecker. Yummi! ♥

02.11.2014

[Musik] Sonntagslieder #105

11:24 2 Comments
Halloween ist endlich vorbei. Das ist meine Proklamation für diesen Sonntag. Voller Erleichterung und Freude kann sie nun endlich von all denjenigen ausgesprochen werden, die genauso wie ich irgendwie gar nichts mit diesem "Fest" anfangen können.
Mal abgesehen von der fehlenden traditionellen Verankerung sind es zwei Dinge Dinge, wegen denen ich Halloween nicht mag: Verkleiden. Gruseln. Beides tue ich nicht gerne und beides ist nunmal die Quintessenz von Halloween. Und was ebenfalls unglaublich nervt, sind diese klingelnden Kinder. Im Ernst, die haben doch keine Ahnung. Es gilt nunmal die Regel: wenn du ein Kind bist und von mir keine Süßigkeiten bekommst, DANN SPIELST DU MIR GEFÄLLIGST EINEN STREICH und rennst nicht heulend zu Mami. Viel zu verweichlicht diese Kinder von heute.
Offiziell bin ich also ein bockiger Halloween-Griesgram, werde von meiner Mitbewohnerin einfach nicht mehr an die Tür gelassen, wenn es an diesem Abend klingelt und kann ganz in Ruhe ungruselige Musik hören.



Simple Plan - Ordinary Life
Traurigerweise ist es nunmal so: wenn in einem Lied in irgendeiner Form gezählt wird, mag ich es. Da kann man quasi direkt mitsingen :D


Kraftklub - Unsere Fans
Es ist so genial, wie sie mit dieser typischen Kritik umgehen und den Spieß einfach umdrehen. Und das Video dazu! Feier ich richtig!


The Rocky Horror Picture Show - Time Warp
Und weil dieser Film mein persönlicher Halloween-Standart ist, hier mein aktueller Ohrwurm. Für immer wahrscheinlich.

Wie ist das bei euch - mögt ihr Halloween oder seid ihr in diesem Fall auch eher die Spielverderber? In jedem Fall wünsche ich euch jetzt viel Spaß beim Hören und einen entspannten, ungruseligen Rest-Sonntag! ♥

01.11.2014

Leserückblick Oktober 2014

11:43 4 Comments
Eigentlich war in diesem Monat gar nichts los. Bis letzte Woche habe ich meine Tage mit lesen, Zoo Tycoon (eine kurze, aber intensive Obsession), rumliegen und Nichtstun verbracht. Doch dann ... fing die Uni wieder an. Ohne jetzt viel jammern zu wollen - tatsächlich hätte ich momentan mehrere Gründe zum Jammern, aber keiner davon schließt die Uni mit ein - muss einfach mal festgehalten werden, dass dieses Semester viel Arbeit wird. Super spannend, ganz sicher. Aber eben viel Aufwand. Vor allem lesetchnisch werde ich also wahrscheinlich wieder abbauen, denn wenn man sich den ganzen Tag lang mit den Tausend Plateaus von Gilles Deleuze beschäftigt, kann man sich am Abend für kein geschriebenes Wort mehr begeistern. Ich zumindest nicht. Um so mehr freue ich mich, heute noch einmal auf eine erfolgreiche Statistik zurückblicken zu können. Auf geht's!

Gelesen
Maggie Stiefvater - Nach dem Sommer (*Rezi*)
Anthony Horowitz - Das Geheimnis des weißen Bandes (*Rezi*)
Kai Meyer - Arkadien brennt (*Rezi*)
Kai Meyer - Arkadien fällt (*Rezi*)

In Seiten
1616

Durchschnittsbewertung
3,3 Wölkchen

Highlight des Monats
Bei fast ausschließlich guten Büchern fällt da die Entscheidung nicht leicht. Dennoch küre ich Arkadien brennt von Kai Meyer zu meinem Lieblingsbuch des Monats. Auch wenn die Entscheidung knapp ausgefallen ist :)

Enttäuschung des Monats
Hier dagegen ist die Platzierung klar. Das einzige Buch diesen Montas, das ich wirklich schlecht fand und von dem ich mir viel mehr versprochen habe: Nach dem Sommer von Meggie Stiefvater. Nee, nee.

In Bildern


Etwas jugendbuchlastig war die Geschichte diesen Monat. Das kommt auch nicht oft vor und wird sich sicher die kommende Zeit auch wieder ändern :D

29.10.2014

[Rezi] Kai Meyer - Arkadien fällt. Arkadien-Reihe, Teil III

09:40 0 Comments
Erscheinungsjahr: 2011
Genre: (Jugend-) Fantasy
Reihe: Arkadien-Reihe, Teil III
Seitenzahl: 448


Teaser:
Die Harpyie stieß ein markerschütterndes Kreischen aus und geriet ins Taumeln. Ihr Flügelschlag kam aus dem Rhythmus. Rosa verlor erneut die Orientierung, als die Eule ein Stück absackte, so plötzlich, dass Rosa ein panisches Zischen ausstieß und dabei ihre Zähne aus dem Leib ihrer Gegnerin riss.



Achtung! Spoileralarm!* Achtung! Spoileralarm!* Achtung! Spoileralarm!*

Handlung
Nachdem Fundlings Tod bekannt wird, organisiert Alessandro eine Beerdigung, wie sie sonst nur Familienmitgliedern zusteht. Aber Fundling hat Rosa und Alessandro nicht nur das Leben gerettet und dafür seines gegeben, er ist auch zusammen mit Alessandro aufgewachsen und für diesen darum ein Teil seiner Kindheit. Ausgerechnet zu der Beerdigung nun taucht Richterin Quattrini zusammen mit ihren beiden Leibwächtern auf - alles Mitglieder der Anti-Maffia - um das Gespräch mit Rosa und Alessanfro zu suchen. Die Richterin scheint mehr als umfassend über die Dynastien Arkadiens informiert zu sein und wird bei dem Gespräch Opfer eines hinterhältigen Mordkomplotts. Da Rosa und Alessandro zum Zeitpunkt des Anschlags alleine mit der Richterin waren, sieht es natürlich so aus, als wären sie für deren Tod verantwortlich. Ihnen bleibt nichts anderes übrig, als die Flucht zu ergreifen und werden damit zu Verfolgten - nicht nur von der Polizei, sondern auch von ihren jeweiligen Familien, die sich über alle Konflikte hinweg zusammengeschlossen haben, um der Beziehung der beiden endgültig ein Ende zu setzen.

Meine Meinung
Abschlüsse einer Reihe sind ja immer etwas schwierig. Vor allem in diesem Fall waren noch so viele lose Enden und offene Fragen, dass es eine große Leistung wäre, alles angemessen miteinander zu verknüpfen. Und glücklicherweise kann ich berichten, dass Kai Meyer diese Aufgabe meiner Meinung nach gut gemeistert hat.

Mit nicht mehr als ein paar vagen Anhaltspunkten und haarsträubenden Vermutungen versuchen Rosa und Alessandro, auf den Grund des Geheimnisses zu kommen, warum sie im Mittelpunkt eines so ausgetüftelten Plans stehen und sich ausnahmslos alle Clans der Insel gegen die beiden wenden.
Der Druck kommt von allen Seiten und die beiden kämpfen verbissen um jeden noch so kleinen Informationsfetzen, um endlich das große Ganze zu verstehen. Alles scheint mehr oder weniger bei der TABULA zusammenzulaufen; einer Organisation über die niemand etwas zu wissen scheint. Eine große Hilfe bei den Nachforschungen sind erstmal Danai Thanassis und ihr Vater, die schon länger gegen diese Organisation kämpfen.

Die Handlung setzt mit einer wahnsinnigen Geschwindigkeit ein und verliert auch während ihres Verlaufs nicht an Tempo. Ein Schlag folgt auf den nächsten und parallel werden immer mehr Verbindungen sichtbar. In der Mitte hatte die Story für mich dann einen kleinen Durchhänger, weil zu viel Action irgendwann halt auch ein bisschen langweilig wird, aber das hat sich relativ schnell wieder gelegt, als im letzten Teil - vor dem großen Showdown - der Schwerpunkt mehr darauf lag, die Geheimnisse rund um TABULA aufzudecken.

Es fügt sich irgendwann alles zusammen - meiner Meinung nach ein bisschen zu gut und auch ein bisschen absehbar, aber das tut dem Lesevergnügen nur wenig Abbruch. Die Figuren sind gewohnt detailliert ausgestaltet, sodass es Spaß macht, sie bei diesem Wettrennen gegen... nun ja, den Tod zu begleiten. Die Nebenfiguren erhalten nicht so viel Raum wie in den Vorgängerbänden, aber wenn sie auftauchen, dann gewohnt liebenswert. Ich bin ein Iole-Fan - die Kleine ist so ein toller Charakter! Der Schwerpunkt liegt so stark wie nie auf Rosa und Alessandro, die beide ihre Verwandlungen immer besser im Griff haben. Vor allem Rosa hat ihr Erbe mittlerweile völlig unter Kontrolle; ihre Entwicklung in der gesamten Reihe ist wirklich beachtlich.

Sehr gut gefallen hat mir auch immer wieder die moralische Komponente: Rosa, die nicht in der Mafia aufgewachsen ist, hat immer Skrupel vor jeder Gewalttat, stellt alles in Frage und merkt mit Schrecken, wenn sie es doch mal genießt, Macht auszuüben. Diese permanente Infragestellung finde ich in einem Buch, bei dem so viel Blut fließt, enorm wichtig.

Dieser letzte Band hatte für mich zwar einige Längen und war nicht der stärkste Band der Reihe und lässt durchaus einige Fragen offen, ist aber trotzdem ein schöner Abschluss. Es gibt 3 Wölkchen dafür von mir.

25.10.2014

[TAG] Fictional Bucket List

16:05 0 Comments
Es ist schon wieder ein Weilchen her - wie doch immer die Zeit vergeht! - seit mich die liebe Nina offiziell getagged hat. Und wenn sich schonmal die Gelegenheit bietet, quasi 'legal' und aufgefordert einen TAG mitzumachen (was ich sonst ja immer ignoriere und einfach alles mitnehme, was mit gefällt, ob getagged oder nicht), muss diese auch genutzt werden. Besser spät als nie, sag ich da immer!

Die Regeln
Was eine Bucket List ist, wissen wahrscheinlich die meisten von euch. Das ist eine Liste mit Dingen, die man noch machen/sehen/erfahren will, bevor man stirbt. Sozusagen eine universelle Aufgabenliste. Und eine solche wird in diesem TAG erstellt. Und zwar unter folgenden Voraussetzungen:
1. 10 Punkte wären gut
2. Es dürfen nur Dinge drauf, die in der Realität nicht möglich sind (zumindest nicht offiziell)
3. Die Dinge müssen mit Büchern zu tun haben (woher auch sonst den Input nehmen? ;) )

Uuuund los geht's!

  • Es steht sicher auf jeder Liste (Nina hatte es auch auf Platz 1 ;) ), und das hat seinen guten Grund. Denn wer bitte möchte nicht endlich seine verdiente Zauberausbildung bei Hogwarts erhalten? Im Ernst, wir haben ein Recht auf Bildung - steht so im Grundgesetz. Also bitte, ich erwarte in naher Zukunft mein Ticket für den Hogwarts-Express von Gleis 9 3/4, um damit meine Reise in die Harry-Potter-Reihe von J.K. Rowling anzutreten.

  • Einmal Marianne die Meinung geigen. Aber so richtig. Das wäre wunderschön, denn sie regt mich jedes Mal wieder auf, wenn ich Verstand und Gefühl von Janes Austen lese. Und so ein netter Ausflug ins England um 1800 herum wäre doch sicher auch sehr nett. Schöne Landpartien, Gesellschaften und ein bisschen Handarbeit. Ich finde, das hätte was.

  • Mit diversen bewusstseinserweiternden Substanzen vielleicht sogar machbar - nicht, dass ich es ausprobieren würde ;) - wäre Nummer drei auf meinem Wunschzettel ein Spaziergang zusammen mit Alice durch ihr Wunderland. Vor allem bei dem Teekränzchen des Hutmachers wäre ich sehr gerne dabei; das habe ich als Kind schon immer nachgespielt. Lewis Carrolls Alice im Wunderland mochte ich nämlich quasi schon immer.



  • Old but Gold - eine kleine Reise nach Phantasien muss auch drin sein. Die Kindliche Kaiserin treffen und vielleicht genau wie Bastian viel über das Leben und sogar noch mehr über mich selbst erfahren. Meine eigene Unendliche Geschichte schreiben und rausfinden, ob sie genauso faszinierend und immer wieder toll zu lesen ist wie die von Michael Ende.

  • Eine tiefe und lebenslange Freundschaft mit einem Elefanten schließen ist der nächste Punkt auf meiner Liste. Eine Zeit lang wäre ich gerne Artistin im Zirkus aus dem Buch Wasser für die Elefanten von Sara Gruen. Mehr als einmal hat mir Rosies Treue und Solidarität die Tränen in die Augen getrieben, als ich das Buch gelesen habe. Natürlich nicht nur sie, aber irgendwie hat sie mich doch am nachhaltigsten beeindruckt.

  • Eines meiner liebsten Kinderbücher ist Lippels Traum von Paul Maar. Schon als Kind wollte ich mich unbedingt zusammen mit Lippel in seine Traumwelt einträumen und über alte orientalische Märkte wandern. Ich glaube, daher kommt meine Affinität zum Schlafen. Leider hat es bisher nicht geklappt, mich an diesen Ort zu träumen. Aber ich übe weiter!

  • Ein ausführliches Gespräch mit dem Tod aus Die Bücherdiebin von Markus Zusak stelle ich mir nicht nur ausgesprochen interessant, sondern auch ziemlich ergiebig und zum Nachdenken anregend vor. Vielleicht würden sich dadurch viele Problemstellungen der Philosophie - vor allem der Metaphysik - klären. Oder zumindest als irrelevant erweisen.




  • Mitte des 19. Jahrhunderts. In Amerika boomt der Holz- und Austernhandel, sodass entlang der Nordküste lauter neue Territorien entstehen, die später einmal Bundesstaaten sein werden. Zusammen mit Jane, Mr. Swan, Mr. Russell, Keer-Ukso und Jehu ein relativ gesichertes Leben aufbauen, interessante Aspekte der indianischen Kultur kennen lernen und dem Wachsen des Territoriums Washington beiwohnen - so ein Ausflug zu Boston Jane von Jennifer L. Holm würde mir auch gut gefallen. Es wäre interessant zu sehen, was Jane davon hält, dass Frauen mittlerweile tatsächlich Hosen tragen :D

  • Auch wenn sich die Gesellschaft nicht gerade angenehm geführt sieht und mehr oder weniger ein Bürgerkrieg ins Haus steht, würde ich gerne ein paar Tage bei Jade und den Echos verbringen. Das Flair in der Stadt stelle ich mir immer ein bisschen wie in Venedig vor - mein Ticket in die Welt von Nina Blazons Faunblut sollte also auch direkt mal ausgestellt werden :)


  • Last but not least - eine Welt, die gerade erst kennengelernt habe, noch nicht weiß, was alles passiert, und trotzdem einem Abstecher äußerst positiv gegenüberstehe. Es handelt sich um die Arkadien-Reihe von Kai Meyer, bei der es nicht nur um die Mafia auf Sizilien, sondern vor allem um ein höchst interessantes Familienerbe geht. Mal kurz zu einer Schlange werden wäre da zwar nicht auf meiner ToDo-List, aber gegen die Verwandlung in einen Tiger oder eine sonstige Raubkatze hätte ich so spontan mal gar nichts :D

Weil ich weiß, dass manche von euch TAGs nicht so gerne mögen, verteile ich auch diesen hier nicht explizit weiter. Aber ich würde mich trotzdem sehr freuen, wenn sich jemand von euch angesprochen fühlen würde und einfach mitmacht. Denn ich Antworten sind bestimmt spannend. Es ist interessant, in welche Welten ihr gerne mal abtauchen würdet :)

23.10.2014

[Rezi] Kai Meyer - Arkadien brennt. Arkadien-Reihe, Teil II

10:19 0 Comments
Erscheinungsjahr: 2010
Genre: (Jugend-) Fantasy
Reihe: Arkadien-Reihe, Teil II
Seitenzahl: 398



Teaser:
Lange sahen sie einander an. Das Rudel umstand sie regungslos. Rosa legte die Hände ans Gitter, schob das Gesicht zwischen die eiskalten Stangen. Gebannt blickte sie in die Tiefe.
Alessandro verwandelte sich.




Achtung! Spoilergefahr!*Achtung! Spoilergefahr!*Achtung! Spoilergefahr!*

Handlung
Clanführerin. Niemals hätte Rosa gedacht, dass sie mal zu den capi der Mafia gehören würde. Hätte sie auch nur gewusst, dass die Möglichkeit dazu besteht, hätte sie es verdrängt, denn sie hegt keinerlei Ambitionen auf dieses Amt. Hat sie noch nie. Trotz allem, und obwohl sie erst seit ungefähr vier Monaten überhaupt von den Geschäften ihrer Familie weiß, hat sie ihr Erbe akzeptiert und sieht sich nun umringt von Mitgliedern ihres Clans, die sich ihre Unwissenheit zu Nutze machen wollen und versuchen, sie zu beeinflussen. Oder zu stürzen, je nachdem. Auf Hilfe angewiesen, muss sie sich notgedrungen auf den langjährigen Anwalt der Familie Alcantara verlassen, der seit 30 Jahren alle Geschäfte überwacht und als einziger durchzublicken scheint.

Abegesehen davon sind Rosa und Alessandro damit beschäftigt, mehr über die geheime Organisation der TABULA herauszufinden, die grausame Versuche mit Arkadiern - vorrangig in deren Tiergestalt - durchführt. Auch Alessandro hat seine Position als capo angenommen und steht mehr als Rosa auf der Abschussliste der Mafia-Familien. Vor allem die Beziehung der beiden sorgt für Unruhen.
Als Rosa sich nach New York aufmacht, um ihre Mutter zu besuchen und zu fragen, ob Davide, Rosas Vater, ihr gegenüber jemals etwas über die TABULA erzählt hat, muss sie sich nicht nur ihrer Vergangenheit stellen, sondern auch ihrem Erbe und damit ihrer Zukunft.

Meine Meinung
Keine Ahnung, wann mich das letzte Mal eine Reihe aus diesem Genre so gepackt hat, wie die Arkadien-Reihe. Fakt ist aber: ich werde sofort und gleich mit dem dritten und letzten Teil beginnen. Und das liegt nicht nur an dem Cliffhanger am Ende des zweiten Bandes.

Es gibt mehrere Ebenen, auf denen verschiedene Sachlagen verhalndelt werden und deren Zusammenhänge erst nach und nach aufgeklärt werden können. Rosas Aufgabe als Clanchefin, die Funktion des Familienanwalts, Rosas Beziehung zu ihrer Mutter, die Vergewaltigung, der Hunrige Mann und natürlich die zutiefst skeptisch betrachtete Beziehung zwischen Alessandro und Rosa. Alles ist wichtig und steht gleichermaßen im Mittelpunkt. Es herrscht eine Ausgewogenheit zwischen diesen Aspekten, wie ich sie selten sehe, und die dafür sorgt, dass vor allem die Liebesgeschichte nur dann ins Kitschige abdriftet, wenn es ausnahmsweise sein muss.

Das spannende ist, dass jede geklärte Frage gleich einen Haufen neuer Fragen provoziert und weder Rosa, Alessandro oder eine andere Figur der Geschichte, noch der Leser selbst alles zu einem stimmigen Gesamtbild zusammenfügen kann. Dafür fehlt einfach noch zu viel Information. Wir erfahren von Rosas Mutter zwar mehr darüber, wie ihr Vater die Familie verlassen hat, aber konkret kann auch sie mangels Wissen nicht werden. Es ist an Rosa, an allen verschiedenen Ecken nach Informationsfetzen zu suchen und diese dann zusammenzuführen. Der Spannungsbogen und die konstanten Wendungen, die die Geschichte vornimmt, führen zu einem wirklichen fesselnden Leseerlebnis. Wie ich schon nach Beenden des ersten Teils gehofft hatte, werden viele Vorlagen daraus weiter ausgebaut.

Rosa ist eine tolle Protagonistin, die sich nicht nur durch ihre zynische Art von anderen Figuren abhebt, sondern auch durch ihre Handlungen, die man als Leser nie vorausahnen kann, weil sie immer wieder etwas tut, womit man nicht rechnet. Außerdem entwickelt sie sich in diesem Teil wirklich extrem weiter und wird zu einer immer stärkeren Persönlichkeit.
Alessandro entwickelt sich ebenfalls - wenn auch vielleicht nicht ganz so deutlich. Ich hatte auf jeden Fall den Eindruck, dass er zwar nach wie vor seine Aufgabe als capo ausführen will, aber nachdem sowohl Tano als auch Caesare tot sind, scheint er nichts mehr zu haben, was ihn wirklich richtig antreibt. Er kam mir etwas resigniert vor; vor allem angesichts der Tatsache, dass an allen Ecken Todesgefahr lauert.

Ein besonderes Highlight dieses Buches sind die Nebenfiguren. Diese sind nicht nur für den Handlungsverlauf von enormer Bedeutung, sondern richtig facettenreich und spannend ausgestaltet. Ob das jetzt Iole ist, die sechs Jahre in Gefangenschaft verbracht hat und die Welt deshalb trotz ihrer 16 Jahre wie ein kleines Kind sieht, dabei eine Abgeklärtheit besitzt, die dazu in krassem Widerspruch steht, oder deren Privatlehrerin, die aussieht wie ein graues Mäuschen, es im Zweifel aber faustdick hinter den Ohren hat. Und selbst die Figuren der "anderen" Seite, die bösen, die Rosa nichts Gutes wollen, sind nicht auf ihre reine Funktionalität beschränkt; allgemein ist die Geschichte keine schwarz-weiß - Malerei, was ich sehr sehr begrüße.

Der Schreibstil ist ebenfalls absolut fesselnd. Allein die Beschreibungen der Landschaften - sei es die überwältigende Weite Siziliens oder das chaotische New York - sind so eindringlich und detailliert, ohne zu auslandend zu sein, dass man sich perfekt in die Situationen eindenken kann. Gerade diese Art der Beschreibungen lassen aber auch die schrecklichen Dinge erst so schrecklich wirken, was mich mehrmals nach Luft schnappen ließ. Aber die schönen und lustigen Momente erhalten dadurch genauso ihre Lebhaftigkeit.

Die einzelnen Puzzelteile sind nach Beenden der Lektüre noch verworrener und verwirrender als vorher. Aber ich habe große Hoffnungen ins Grande Finale. Mit diesem Buch sind auf jeden Fall alle meine Wünsche für eine Fortsetzung in Erfüllung gegangen. 4 Wölkchen deshalb von mir.