27.02.2014

# Rezensionen

[Rezi] Gesa Schwartz - Grim II. Das Erbe des Lichts

Erscheinungsjahr: 2011
Genre: (Jugend-) Fantasy
Reihe: Grim-Bücherserie, Teil 2
Seitenzahl: 716


Teaser:
"Ihr seht den Zauber des ersten Lichts", sagte Theryon wie aus weiter Ferne, und Grim brauchte einen Augenblick, bis er den Feenkrieger und Milo im silbernen Schein des Mondes erkannte. "Die Poesie der Welt."





Achtung! Spoileralarm!*Achtung! Spoileralarm!*Achtung! Spoileralarm!

Handlung
Die Geschichte des Hybriden Grim und der Hartidin Mia geht in die zweite Runde. Nach den Abenteuern des ersten Bandes verfolgt Mia die Aufgabe, die Menschen langsam an die Geschöpfe und an die Magie der Anderwelt zu gewöhnen. Die Wesen der Anderwelt mussten vor langer Zeit, als die Menschen begannen, die Magie zu verleugnen und zu bekämpfen, in den Untergrund fliehen, um nicht ausgelöscht zu werden. Mittlerweile liegt der Zauber des Vergessens über den Menschen, sodass sie die Wesen der Anderwelt, die dennoch unter ihnen weilen, nicht erkennen können. Als Hartidin gehört Mia zu den wenigen Menschen, die diese Anderwesen sehen kann und ihr Wunsch ist es, die beiden voneinander getrennten Welten wieder zusammenzuführen. Dazu entwickelt sie eine Ausstellung magischer Artefakte im Louvre; ein kleiner Schritt auf dem Weg ihrer Mission.
Ihr Freund Grim ist währenddessen als Präsident der Gargoyle-Polizei damit beschäftigt, in einer grausamen Mordserie in der Menschenwelt zu ermitteln. Jedem der Opfer fehlen die Augen und am Tatort spüren die Ermittler einen Hauch fremder Magie, die sich nicht zuordnen können. Dennoch kommen sie den Tätern auf die Spur - Schattenalben, allen voran ihr Anführer Alvarash, sind für die Morde verantwortlich. Eigentlich sollten diese Wesen aus dieser Welt verbannt sein, denn sie verfügen über starke dunkle Magie und bringen Unheil überall dahin, wo sie auftauchen.
Doch die Alben sind nur ein kleiner Teil der Katastrophe, die auf die Menschheit zukommt. Die Königin der Feen, die ebenfalls einst von der Welt verbannt wurden, hat die sie fesselnde Magie gebrochen und ist nun gekommen, um die Menschheit zu vernichten. Die meisten Wesen der Anderwelt sind der Meinung, dass die Menschen genau dieses Schicksal verdient haben und weigern sich deshalb, für ihre Rettung einzutreten. Grim, sein Koboldfreund Remis, Mia und ihr Lehrmeister Theryon sind also auf sich alleine gestellt auf der Suche nach dem letzten Krieger des Lichts - dem einzigen Wesen, dessen Magie groß genug ist, um die Schattenalben und die mächtige Magie der Feen zu besiegen.

Meine Meinung
Nach dem sehr guten Trilogie-Auftakt habe ich schon lange dem Moment entgegengefiebert, in dem ich die Fortsetzung lesen konnte. Aber wie das manchmal leider so ist, wenn man mit zu hohen Erwartungen an ein Buch herangeht, werden alle Hoffnungen - BUM - enttäuscht.

Wobei das vielleicht auch ein bisschen dramatisch ausgedrückt ist. Aber ziemlich genau so habe ich während der ersten beiden Drittel des Buches gedacht. Erstmal habe ich sehr lange gebraucht, um überhaupt in die Geschichte reinzukommen - was beim ersten Teil auch schon so war. Das liegt schlicht und ergreifend daran, dass der Plot erstmal 150 Seiten lang vorbereitet wird, bevor es dann endlich mal zur Sache geht und mit der eigentlichen Geschichte losgeht.
Ich meine, die Ausstellung ist natürlich ganz spannend und Mias Familie, die ja irgendwie mit dem Tod ihres Bruders klarkommen muss und gleichzeitig als erste Menschen exklusiv in die Anderwelt eingeführt werden, ist ja ganz interessant und knüpft schön an den ersten Teil an. Aber warum muss das alles so lange vorbereitet werden? Diese Ausstellung ist der Grund zur besonderen Macht der Feenkönigin, denn sie sprengt die Eröffnungsfeier und stiehlt ein Artefakt, das ihre ohnehin unglaublich starke Magie so steigert, dass sie fast unbesiegbar wird. Hätte wirklich gekürzt werden können.

Genauso überflüssig und sogar noch viel frustrierender waren die gefühlt 1.000.000 Kämpfe mit dem Anführer der Schattenalben. Wirklich, jedes Mal, wenn ich dachte, dass es jetzt endlich mal ein bisschen weitergeht mit der Handlung, taucht dieser Penner auf und kämpft erstmal 5 Kapitel mit Mia oder Grim oder Mia und Grim und Theryon oder allen dreien oder noch anderen Freunden der Gruppe. Und am Ende? Ja am Ende dieser Kämpfe sind wir genauso weit wie vor dem Kampf, weil unsere Freunde einfach ein paar Heilungszauber durch ihre Körper schicken und gut ist. Weiter geht's als wäre nichts gewesen. Und mir hätte es auch wesentlich besser gefallen, wenn tatsächlich nichts gewesen wäre, weil diese Kämpfe das Fortkommen der Handlung einfach unnötig verzögert haben. Und die ging doch sowieso schon nur sehr schleppend in Gang.
Auch äußerst negativ aufgefallen sind mir so einige Floskeln, die die Autorin geradezu inflationär verwendet hat. Wirklich, wie ein eisiger Hauch streiften diese meine Wangen und ich bekam mit der Zeit wirklich überall Gänsehaut. Man hat bei fortschreitender Lektüre tatsächlich den Eindruck, die Gefühlssensoren aller Figuren befinden sich ausschließlich in den Wangen, denn sonst spüren sie eigentlich selten irgendwo was. Außer, sie haben mal ein Schwert im Rücken stecken, dann tut halt auch mal der Rücken weh. Und was passiert dann? Meistens werden dann die Augen schwarz. Oder sie werden hell. Oder es verschwindet ein Funken aus ihnen. Eine leichte Fixierung auf Augen ist jedenfalls nicht von der Hand zu weisen. Das beginnt schon mit den Leichen, denen die Augen fehlen (was ja noch in Ordnung ist, kennt man ja von psychopathischen Serienmördern, dass die die Augen als Trophäe mitnehmen), geht weiter bei den Augen Alvarashs und denen der Feen, die voller Dunkelheit stecken und endet bei den Mias oder Grims Augen, die je nach Gemütslage Funken sprühen oder Eisblicke absondern. Deutliche Bevorzugung der Gesichtspartie würde ich da mal sagen. Dabei gibt es wirklich genug andere Körperteile, die man auch mal erwähnen könnte.

Nach diesem Geschimpfe kann ich aber zum Glück auch ein paar positive Punkte vermelden: im letzten Drittel war steigert sich die Spannungskurve um 100% und ich habe endlich die besondere Sprache wiedergefunden, die mich im ersten Band so überzeugt hat. Beeindruckende Reden werden geschwungen, Loyalität und Mut bewiesen und die Figuren fangen endlich mal an, sich zu entwickeln und über sich selbst hinauszuwachsen.

Doch damit kommen wir leider schon zum nächsten Kritikpunkt: es gibt super viele Kampfszenen, super viele Exkurse in die Sagenwelt der Anderwesen (die wirklich sehr spannend sind!), aber die Figuren bleiben total auf der Strecke. Vor allem Mia entwickelt sich einfach mal gar nicht. Ihre Handlungsweisen sind vorhersehbar, sie lernt überhaupt nichts dazu und ist allegemein einfach total blass. Klar muss sie an ihrer Mission festhalten, sie ist ja der Inbegriff der Hoffnung dieser Welt, aber dennoch muss sie doch charakterlich nicht die ganze Zeit auf der Stelle treten. Und gefehlt hat mir auch das Knistern zwischen ihr und Grim. Und wenn ich das schon so empfunden habe, muss das echt was heißen. Aber die beiden wirken im Buch eigentlich selten wie ein Paar (außer der Gedanke an den jeweils anderen rettet einen der beiden vorm Aufgeben), sondern mehr wie ein Tagteam. Was der eine nicht hinbekommt, erledigt halt der andere.

Insgesamt eine spannende Basisgeschichte, die mit zu viel unnötigen Verzögerungen und zu wenig Figurenentwicklung aber leider sehr enttäuschend für mich war. Wären es statt der 700 Seiten nur 400, aber dafür mit griffigeren Figuren, gewesen, hätte mir das wesentlich besser gefallen. 2 Wölkchen gibt es von mir.


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