30.03.2014

[Musik] Sonntagslieder #82

11:08 4 Comments
Erschöpft aber müde und vor allem stolz bin ich gestern von einer tagesfüllenden Radtour zurückgekommen und nun absolut positiv überrascht, dass meine Oberschenkel nicht vor Muskelkater platzen. Anscheinend bin ich doch besser in Form, als gedacht.
Gestern habe ich bewusst tatsächlich keine Musik gehört, aber dafür habe ich es endlich geschafft, mir eine neue, sommerliche Autofahr-CD zusammenzustellen. Und die Top3 von dieser bekommt ihr jetzt auf die Ohren :)



Silverstein - Replace You
Meine Neuentdeckung der Woche. Wundervollerweise habe ich diese Band entdeckt und mich sofort verknallt :D Im Moment ist das genau die Musik, die ich gerne hören mag :D


Imagine Dragons - Working Man
Auch eine Neuentdeckung von mir - zumindest was das Album angeht, denn das habe ich mir gerade erst zugelegt. Vorher hab ich diese Band total unterschätzt. Und jetzt liebe ich fast jeden Song :D


Pennywise - Surfin' USA
Die Coverversionen von Pennywise sind dafür aber schon seit ewigen Zeiten immer wieder in meinen Playlisten. Mein liebstes Lied scheint es auf Youtube nicht zu geben, aber das hier ist auch ziemlich super :D


Ganz viel Spaß beim Hören wünsche ich euch und einen wundervollen Sonntag. Denkt daran, die Uhren alle umzustellen! ;) ♥

28.03.2014

[Rezi] Daniel Kehlmann - Die Vermessung der Welt

19:33 2 Comments
Erscheinungsjahr: 2005
Genre: Roman
Seitenzahl: 301



Teaser:
Bewegungen von Eseln, sagte Gauß.
Er habe sich immer besser mit Goethe verstanden, sagte Humboldt. Schiller sei seinem Bruder näher gewesen.




Handlung
Zwei Größen der deutschen Wissenschaftsgeschichte beginnen im 18. Jahrhundert ihre Karriere und prägen maßgeblich die Fortschritte von Physik, Mathematik, Geographie und allgemein der Naturwissenschaften. Der eine ist Carl Friedrich Gauß, der als staatlicher Landschaftsvermesser die heimischen Gebiete genau notiert und dabei die bestehenden Formeln optimiert oder sogar wiederlegt und durch bahnbrechende Erkenntnisse in Mathematik und Astronomie zu Ruhm gelangt. Der andere ist Alexander von Humboldt, der Bruder des Mitbegründers der heutigen Humboldt-Universität Alexander von Humboldt. Dieser reist fast sein ganzes Leben lang quer durch die Welt, bietet der Natur im Urwald und den kältesten Gipfeln der Berge die Stirn, um ebenfalls Vermessungsarbeit zu leisten und die bis dato sehr fehlerhaften Landkarten zu korrigieren. Die Arbeiten dieser beiden außergewöhnlich klugen Köpfe, die vom Wesen her unterschiedlicher nicht sein könnten, haben Einflüsse auf fast alle Lebensbereiche der Menschen. Egal ob Schiffsnavigation oder Medizin und Biologie - die Erkenntnisse, die Humboldt bei seinen Reisen und Gauß bei seinen Forschungen von der Heimat aus erlangen, gelten als enorme Gewinne für die Menschheit, denen noch heute viel Ehre gebührt.

Meine Meinung
Das Buch vereint die Darstellung zweier Lebensläufe, wissenschaftliche Terminologie und fiktionale Elemente. In der Welt der Literaturkritik ist es extrem positiv aufgefallen und hat viele Preise erhalten; meine Meinung dazu ist aber dennoch eher durchwachsen.

Die beiden Protagonisten Gauß und Humboldt sind zwar als Art Gegenpole angelegt, sind aber gleichzeitig beide keine Sympathieträger und waren mir die ganze Zeit über sehr suspekt. Vielleicht verstehe ich den hohen Geist aber auch einfach nicht.
Gauß stammt aus armen Verhältnissen und zeigt schon im Kindesalter erstaunliche Begabungen für die Mathematik. Nur dem Einsatz seines (dennoch inkompetenten) Lehrers ist es zu verdanken, dass er überhaupt eine höhere Schule besuchen und anschließend zur Universität gehen konnte. Gauß hat im großen und ganzen Probleme damit, sich mit den Menschen in seinem Umfeld zu unterhalten, denn sie brauchen ihm alle viel zu langem zum Denken. Er ist noch keine 30 Jahre alt, als er sein Lebenswerk, die Disquisitiones Arithmeticae, in dem er bahnbrechende mathematische Arbeit leistet, vollendet. Ab diesem Zeitpunkt sucht er nach einer neuen Schaffensaufgabe, weiß aber, dass ihm so etwas Großes nie wieder gelingen kann. Ablenkung findet er vor allem bei den Frauen. Jedem Rock sieht er nach, aber in seiner Hochzeitsnacht muss er dennoch aus dem Bett springen und eine neue Formel aufschreiben, die ihm gerade in den Sinn gekommen ist. Da sieht man doch schonmal ganz klar die Prioritäten.
Humboldt dagegen entspringt einer wohlhabenden Familie, sodass sie die beste Erziehung und Ausbildung erhalten. Schon früh lernt er die geistige Elite seiner Zeit kennen - Goethe und Wieland, um nur zwei zu nennen - und entwickelt sein Interesse für die Natur. Er sammelt Steine und Insekten, um diese genau zu untersuchen und findet das viel interessanter als den Stoff, den seine Lehrer ihm beibringen wollen. Als sich ihm die Gelegenheit bietet, macht er sich zusammen mit seinem Kollegen Bonpland zu einer Weltreise auf, um in unbekannte Gebiete vorzudringen und diese genau zu untersuchen.
Alt und exzentrisch geworden treffen diese beiden herausragenden Wissenschaftler aufeinander .

Genau habe ich mich mit den Biografien der beiden Protagonisten nicht beschäftigt und kann deshalb nicht sagen, welche Aspekte der Rahmenhandlungen fiktiv und welche realgeschichtlich belegbar sind. Verschiedene Aspekte der Persönlichkeiten, der Kindheit und der Lebenswelten sind allerdings eindeutig dichterischer Freiheit unterworfen, sodass dieses Buch weder als Biographie oder als historischer Roman deklariert werden kann. Der Schreibstil ist sehr gewöhnungsbedürftig; die ganze Geschichte ist in indirekter Rede gehalten, sodass ständig eine gewisse Distanz zwischen ihr und dem Leser herrscht. Es gibt diverse wissenschaftliche Exkurse, denen ich persönlich (aber ich bin auch ein absoluter Mathe- und Logikreinfall ;) ) nur sehr schwer und mit Unterstützung von Google folgen konnte, die aber durchaus sehr interessant und lesenswert sind.

Es werden abwechselnd Episoden aus den Forschungen Gauß' und Humboldts geschildert, die ja auch parallel ihre Methoden zur Landvermessung entwickeln. Der eine eben in Deutschland (bzw Preußen) und der andere in Südamerika. Der eigenwillige Schreibstil erschwert den Zugang zur Geschichte und ich persönlich hätte mich über ein ergänzendes Vorwort, dass Faktenund Fiktion im Buch ein wenig außeinanderdröselt, sehr gefreut.
Insgesamt gibt es 3 gute Wölkchen von mir und eine Lesempfehlung an alle abenteuerlustigen Lernwilligen ;)


25.03.2014

[Schatzkiste] Drinnen ist es schön - aber draußen kann man auch tolle Sachen machen

10:30 6 Comments
Im Winter verbringe ich so wenig Zeit wie möglich vor der Tür. Ich fühle mich am wohlsten, wenn ich von vier Wänden und einem Dach umgeben bin, die die böse Kälte von mir fernhalten. Umso mehr zieht es mich nach draußen, sobald die Sonne hinter den Wolken hervor scheint und das Thermometer wieder zweistellige Plusgrade anzeigt. In den letzten Tagen haben sich deshalb viel Zeit draußen verbracht. Und weil das alleine nicht immer Spaß macht, habe ich mir für einige Aktivitäten angenehme Gesellschaft gesucht :)

Aktivität des Tages
Irgendwie habe ich in letzter Zeit das Bedürfnis, unendlich oft zu betonen, dass ich Fahrrad fahre.
Wahrscheinlich muss ich die letzten 3,5 Jahre kompensieren, in denen mein treuer Drahtesel in unserem Keller vor sich hin gestaubt ist. Aber jetzt endlich habe ich diese Art der Fortbewegung wieder für mich entdeckt. Und man kommt damit tatsächlich fort. Überraschend schnell sogar, wie ich festgestellt habe :)
Soundtrack des Tages
Wenn man nicht in Bus oder Bahn sitzend von A nach B kommt und deshalb nicht von Motorgeräuschen zu laut geführten Telefonaten der Mitfahrer umgeben ist und außerdem das Auto mal zu Hause bleibt und deshalb keine laute Musik die Ohren beschallt, hört man mal so ganz andere Sachen. Und die sind teilweise wirklich total beruhigend und wirken sich zumindest auf mein Gemüt äußerst positiv aus. Vogelgezwitscher fällt definitiv in diese Kategorie :)


Kleidungsstück des Tages




Diese ollen aber bequemen Nike Canvas, die seit 2010 meine meist getragensten (ist das ein Wort) Sommerwetterschuhe sind. Und auch so aussehen. Aber ich liebe sie trotzdem abgöttisch, denn sie sind hammer bequem und ich bin damit schon durch so manche Matschpfütze getanzt ♥





Farbe des Tages


Strahlendes Himmelblau. Mehr muss ich dazu nach meinen langsam wahrscheinlich langweilig werdenden Hymnen auf den Frühling noch sagen ;)




Serie des Tages
Ab und an darf man ja ein wenig in Kindheitserinnerungen schwelgen. Und wann geht das momentan besser, als Werktags zwischen 17.30h und 18.30h? Denn zu dieser Zeit strahlt ein ehemaliger Musiksender (denn bei aller Liebe kann man den mittlerweile nicht mehr so nennen. Aber was soll's? ;) ) den prägensten Anime meiner Kindheit aus: Sailor Moon läuft einfach wieder im Fernsehen! Woohoo! Obwohl ich mittlerweile meine Mutter verstehen kann, die damals schon immer befahl: "Die sind die ganze Zeit am Schreien. Warum schreien die denn? Ist doch gar kein Grund, mein Gott. Mach den Ton leiser!", freue ich mich jeden Tag aufs Neue über die Ausstrahlung. Auch, wenn die den Titelsong einfach nicht mitsenden. Dafür gibt es den aber dankenswerterweise auf Youtube.


Gericht des Tages
Sushi. Zum ersten Mal in meinem Leben habe ich Sushi gegessen (und nein, das lag nicht an meiner momentanen Obsession für japanische Serien :D ) und ich muss sagen: obergeil! Es war richtig richtig lecker. Ziemlich teuer zwar, aber ab und zu werde ich mir das ab jetzt auf jeden Fall gönnen.
Weil ich kein Fan von Essensbildern bin und es semipeinlich bis unverzeihlich finde, in Restaurants seinen Teller zu fotografieren, habe ich keinen Bildbeweis für meine kulinarische Weiterbildung. Mein Wort muss euch genügen ;)

Neuentdeckung des Tages
Zum Thema "draußen" und "tolle Gesellschaft": Wie kombiniert man diese beiden Aspekte? Indem man sich Koordinaten auf sein Handy lädt, in den Wald stapft und nach versteckten Plastikdosen sucht! :D Schon total lange wollte ich Geocaching mal ausprobieren und hab es jetzt endlich geschafft. Wir hatten 3 Anfängercaches auf unserer Tour und haben diese auch alle mehr oder weniger problemlos gefunden. War ein riesen Spaß und wir sind bereit für die nächste Herausforderung!
Vielleicht wird es beim nächsten Mal ja ein Multi-Cache? Oder ein Nachtcache? Auf jeden Fall muss ich mich vorher noch ordentlich in das Vokabular einlesen :D


Fallen euch abgesehen von Fahrradtouren, Picknick und Geocaching noch andere coole Sachen ein, die man draußen machen kann? Und ist vielleicht sogar ein begnadeter Cacher unter euch?

23.03.2014

[Musik] Sonntagslieder #81

10:44 4 Comments
Heute wird ein höchst produktiver Sonntag. Auf meiner ToDo-Liste steht neben ein paar typischen, obligatorischen und langweiligen Uni-Sachen (die wahrscheinlich leider den größten Teil des Tages in Anspruch nehmen werden) ein Back-Experiment, das ich schon lange ausprobieren wollte, Geburtstagsgeschenke-Bastelei und anschließendes Aufräumen des Back- und Bastelschlachtfeldes. So aufgezählt klingt das irgendwie doch nicht nach sooo viel Arbeit - aber Sonntage verbringe ich vorzugsweise relativ bewegungslos im Bett; von daher ist dieser Plan schon ein überdurchschnittliches Maß an Aktivität. Wie immer begleitet mich Musik durch den Tag - die heutigen Top-3 siiiind:



Mighty Oaks - Brother
Diese Woche das erste Mal im Radio gehört und gleich verliebt. Ein total süßes Lied, das perfekt in den Frühling passt :)


Elaiza - Is It Right
Mich interessiert der ESC ja so gar kein bisschen; aber das diesjährige Lied gefällt mir sehr. Keine Ahnung, ob sie damit gewinnen oder nicht - in meiner Playlist sind sie auf jeden Fall unter den Siegern.


The Passenger - Holes
Auch wenn ich ein kleines Problem mit dieser unmännlichen Stimme hab, mag ich das Lied trotzdem :) Man kann so toll mitklatschen xD

Wie immer wünsche ich euch einen schönen Sonntag, viel Spaß bei allem, was ihr heute so vorhabt und morgen einen beschwingten Start in die neue Woche. ♥

21.03.2014

[Rezi] George Orwell - 1984 (EN)

15:52 6 Comments
Erscheinungsjahr: 2000 (Originalausgabe 1949)
Genre: Dystopie
Seitenzahl: 342



Teaser:
Freedom is the freedon to say that two plus two make four. If that is granted, all else follows.







Handlung
Wenn Winston Smith sich Morgens fertig für die Arbeit macht, erfassen ein Telescreen und versteckte Mikrophone jede seiner Bewegungen und Geräusche, die er macht. Auf dem Weg von seiner Wohnung zu seinem Büro wird er zusätzlich von Patrouillen überwacht und auch bei der Arbeit steht er unter ständiger Beobachtung. An seinem Platz, in der Kantine, auf der Toilette. Und nicht nur Winston ergeht es so - jeder einzelne Mensch in Oceania unterliegt konstanter Aufsicht. Big Brother is watching you. Als Parteimitglied arbeitet Winston daran mit, das totalitäre und repressive Regime zu erhalten, unter dem er leidet. Er ist mit seiner Abteilung dafür zuständig, dass Nachrichtenartikel aus den Zeitungen an die aktuelle Gegenwart angepasst werden. Wenn in einer Rede der Regierung zum Beispiel versprochen wurde, dass die Schokoladenration das kommende Jahr nicht gesenkt wird und ein halbes Jahr später diese Senkung doch durchgeführt wird, schreibt Winston den passenden Artikel in der Zeitung so um, dass die Regierung niemals ein solchen Versprechen gegeben hat. Die Zeitung wird neu gedruckt und alle alten Exemplare werden vernichtet. Nach diesem Prinzip ist die gesamte Gesellschaft aufgebaut, in der Winston lebt. Die Partei kontrolliert absolut alles - angefangen bei den Zeitungen, über die Nahrungsverteilung, die Arbeit, Freizeitgestaltung bis hin zu den zwischenmenschlichen Beziehungen. Einfach jeder einzelne Aspekt im Leben der Menschen wird kontrolliert und überwacht. Hin und wieder verschwindet ein Kollege, weil er von der Thought Police als Feind der Partei eingestuft wird; von einem auf den anderen Tag ist er einfach nicht mehr da, sein Name ist plötzlich auf keiner Liste mehr zu finden und seine gesamte Existenz ist von heute auf morgen ausgelöscht. Es gibt keinen Beweis dafür, dass er jemals gelebt hat - abgesehen in den Erinnerungen der Menschen seines Umfeldes. Doch selbst das Bewusstein der Menschen ist durch das so genannte double think geprägt - zur ihrer eigenen Sicherheit wird niemals an der Partei oder den oberflächlichen Informationen gezweifelt, auch wenn die Aussagen völlig unlogisch sind. Das kollektive Gehirn steht immer über dem individuellen Gehirn.
Winston kann sich damit allerdings nicht anfreunden. Er hat seine Kindheit vor der Machtergreifung durch die Partei erlebt und hat vage Erinnerungen daran, wie das Leben ohne diese beständige Kontrolle war. So hat er sich einen kleinen Platz im Kopf bewahrt, an dem er frei seine Gedanken hegen kann - scheinbar unbemerkt von der Thought Police. Als er diesen Platz dann aus seinem Kopf in die Realität verlagert, ist er sich völlig im Klaren darüber, damit seinem Tod ein Stück näher gekommen ist.

Meine Meinung
Auch wenn der Plot wahrscheinlich allgemein bekannt ist, habe ich ihn oben doch noch einmal ein kurz aufgeführt. Für mich war diese Lektüre ein Re-Read; vor 5 Jahren habe ich mich schonmal an dieses Buch gewagt und wollte nun nocheinmal die Originalfassung auf englisch lesen. Und mein Fazit fällt ziemlich genauso aus, wie vor 5 Jahren. Dieses Buch ist so schrecklich verstörend, dass selbst eigentlich triviale Details wie Mosaikstücke des Grauens werden und wahrscheinlich wieder 5 Jahre Selbsttherapie brauche, um es zu verarbeiten.

Was Orwell im Jahr 1949 entwirft ist ein Gesellschaftsbild der absoluten Kontrolle und Unterdrückung. Die Welt ist geteilt in drei Superstaaten, die die gesamte Erdoberfläche umspannen und einander so ebenbürtig sind, dass sie sich militärisch nicht zerstören können. Und das müssen sie eigentlich auch gar nicht, denn jeder Superstaat kann eigentlich alle seine benötigten Produkte selbst anbauen und schaffen - Fläche und genügend Klimazonen sind ja da. Dennoch befinden sie sich in konstantem Krieg untereinander - damit die Bevölkerung einen gemeinsamen Feind und ein gemeinsames Ziel hat. Das Leben innerhalb von Oceania (übrigens übersetze ich verschiedene Worte nicht, weil ich nicht mehr weiß, wie bestimmte Neologismen in den deutschen Ausgaben übersetzt worden sind und ich hier keine Verwirrung stiften will. Also bleibe ich bei den englischen Ausdrücken, aber die sprechen eigentlich ziemlich für sich) ist ziemlich grau und trostlos. Es gibt keine Zerstreuung, die nicht von der Partei genehmigt wurde. Zensur und Kontrolle sind die Säulen der Gesellschaft. Nirgendwo gibt es jemanden, der eine Gegenposition zur Partei vertritt. Denn selbst, wenn jemand ganz individuell auf Gedanken kommt, die die Partei determinieren würden, kann er sich niemandem anvertrauen oder dieses Misstrauen öffentlich kundtun. Sofort würde er aufgegriffen und entfernt werden. Kinder werden in den Schulen dazu erzogen, ihre eigenen Eltern an die Thought Police zu verraten und die verhafteten Eltern sind noch stolz darauf, so gut erzogene Kinder zu haben. Allgemein werden menschliche Bindungen weitgehend unterdrückt, damit das einzige existierende Zugehörigkeitsgefühl mit der Partei verbunden ist. Liebe gilt einzig und allein Big Brother - dem Oberhaupt der Partei.

Winston bricht diese Regeln in zweierlei Hinsicht. Erst einmal durchschaut er das perfide System, auf dem der Staat aufgebaut ist. Es gelingt ihm nicht zu vergessen, was er gesehen und gehört hat, auch wenn nach parteilicher Anordnung die Vergangenheit offiziell geändert wurde. Eastasia war nicht immer Bündnispartner und Eurasia nicht immer Kriegsgegner. Winston erinnert sich an eine Zeit, in der es anders herum war, auch wenn sich nirgendwo ein Beweis dafür finden lässt, außer in seinem Bewusstsein. Dann lernt er eines Tages Julia kennen. Anfänglich hält er sie wegen ihrer augenscheinlichen Systemhörigkeit für ein Mitglied der Thought Police, erkennt dann aber, dass auch sie Zweifel am Regime hat. Zwar hat sie kein Interesse am großen politischen Geschehen, aber sie fühlt sich in ihrer persönlichen Freiheit eingeschränkt. Auf ihre eigene Weise hassen die beiden Big Brother und die Partei. Verbotenerweise beginnen die beide eine Liebesbeziehung. Sie schaffen sich ein Versteck ohne Telescreen und Mikrophone, wechseln ständig ihren Treffpunkt und leben von Moment zu Moment. Denn klar ist, dass die beiden früher oder später auffliegen müssen.
Dann erfährt Winston von der Brotherhood, die im Untergrund gegen die Partei kämpft und wird stolzes Mitglied. Er zahlt dafür mit der bewussten Bereitschaft, sein Leben für das größere Ziel zu lassen: Big Brother zu stürzten.

Wenn man sich das so durchliest, kommt einem das doch alles ein bisschen bekannt vor. Tatsächlich habe ich bei der Lektüre öfter daran gedacht, dass in dem Buch verschiedene Aspekte aus unserem Leben aufgegriffen wurden - stark überbetont natürlich, aber dennoch ist es unheimlich beeindruckend, was Orwell vor so langer Zeit geschrieben hat und diesen Zukunftsentwurf dann mit der Realität zu vergleichen. Ich weiß, das ist das meistgesagte Statement zu diesem Buch, aber es entspricht einfach der Wahrheit.
Die Technologie ist eigentlich so weit, dass kein Mensch hungern müsste und dass keine Kriege (zumindest in der westlichen Welt) stattfinden müssten. Daten werden gesammelt und auch, wenn keine Mikrophone in unseren Bädern sind, können wir trotzdem dank Smartphone auf dem Klo geortet werden (okay, zumindest ihr alle, die ihr ein Smartphone besitzt. Mein altes Samsung macht so einen Kram nicht ;) ), Kameras sind an vielen öfftentlichen Plätzen und Privatsphäre wird ganz anders definiert als noch vor 15 Jahren.
Mit einer beeindruckenden Präzision analysiert Orwell in seinem Roman nicht nur sein imaginiertes Gesellschaftssystem, er gibt dem Leser die Möglichkeit, dieses auf die eigene Gegenwart zu übertragen. Eine kleine Gruppe an Menschen, die Macht, Geld und Luxus haben, eine kleine Menge in der Mitte und eine ungebildete Masse unterhalb der Pyramide? Das ewige Prinzip. Aber dank dem Ingsoc - dem englischen Sozialismus, der Ideologie, die die Partei vertritt, wird das wenigstens keinem so richtig bewusst. Und wenn doch wird man einfach schnell von dieser Welt getilgt.

Winston ist mit Abstand die am besten ausgearbeitete Figur. Und obwohl er kein Sympathieträger ist, habe ich doch mit ihm gelitten und nach Auswegen gesucht. Der Schreibstil ist - soweit ich das beurteilen kann - eher trocken und sachlich. Abgesehen von einzelnen Kapiteln, in denen mit Winston die Emotionen und die Erkenntnisse durchgehen. Auch für ungeübte Englisch-Leser auf jeden Fall gut verständlich. Trotzdem das Buch schon einige Jährchen auf dem Buckel hat, würde ich sagen, dass die Geschichte noch nie so aktuell war wie heute. 5 Wölkchen von mir.


20.03.2014

[Gerede] Frühling, Frühling, Frühling

15:05 2 Comments
Heute:

Dazu: wolkenloser Himmel, ein laues Lüftchen und Frühlingsblumen überall.
Wenn das mal nicht der perfekte Start in den kalendarischen Frühling ist, dann weiß ich auch nicht. Dieser Tag hat eine so geniale Wetterlage, dass ich mich heute Morgen motiviert auf mein Fahrrad geschwungen habe, in die Stadt geradelt bin, um ein paar Dinge zu erledigen und dann bis gerade eben im Park die Sonne genossen und gelesen habe.

 Und ein bisschen Kreativarbeit in Form von Wochenplanung und Blog-Ideen war dank des Motivationsschubes, den mir mein Sonnenbad verliehen hat, auch noch drin.



Folglich darf ich nun offiziell verkünden, dass die Freiluft-Lesesaison ab jetzt eröffnet ist!
Angrillen kann ja jeder - jetzt wird angelesen! Schließlich vergraben sich Bücherwürmer nicht klischeemäßig in irgendeinem Kellerloch und saugen einsam die Buchstaben ihrer Bücher in ihr Hirn auf. Nein! Lesen geht überall und macht bei gutem Wetter in der Sonne oder unter einem Baum mindestens genauso viel Spaß!


Übrigens meine Hymne des Tages ;)
Mit Eintritt des astronomischen beziehungsweise kalendarischen Frühlingsanfangs haben wir nun bar jeder Diskussion auf jeden Fall ganz sicher meine allerliebste Jahreszeit erreicht und niemand soll sich ab jetzt über die unnatürlich hohen Temperaturen beklagen! Meteorologisch gesehen ist der Frühling schließlich seit dem 1. März eingezogen. Und da waren die Biologen (aka meine Mitbewohnerin, die jetzt endlich wieder auf der Suche nach irgendwelchen Blättern im Wald rumkriechen darf) schon längst drin! Phänologisch hat der Frühling dieses Jahr nämlich irgendwann Mitte Februar begonnen - als die Schneeglöckchen und die
Krokusse überall aufgetaucht sind. Aber ob unnormal oder nicht ist mir völlig egal. Ich erfreue mich heute auf jeden Fall an der Sonne, dem
Vogelgezwitscher, Entengequake und dem Kinderlachen auf dem Spielplatz direkt neben meiner Lieblingslesebank.

Einziger Wermutstropfen: Nächste Woche Sonntag wird die Zeit umgestellt; das bringt meinen Rhythmus immer total durcheinander. Aber dafür ist es dann Abends länger hell. Auch schön.
Einen herrlichen Tag wünsche ich euch allerseits - genießt die Sonne und vor allem den Beginn der offiziellen Freiluft-Lesesaison mit einem guten Buch und einem gemütlichen Leseplatz! ♥

16.03.2014

[Musik] Sonntagslieder #80

11:25 2 Comments
Habt ihr diese Woche auch so die Sonne genossen?
Ich habe doch tatsächlich mein Fahrrad aus dem Keller geschleppt, verkehrstauglich gemacht und seitdem sogar lieber genutzt als das Auto. Zumindest für kurze Strecken :D Und ich bilde mir ein, sogar ein bisschen braun geworden zu sein - aber das ist wahrscheinlich wirklich nur Einbildung, denn insgesamt war konnte ich mich gar nicht so viel draußen aufhalten, wie ich das gerne getan hätte - Uni-Arbeiten fesseln mich immernoch an den Schreibtisch. Was vor allem an meiner unterirdischen Motivation liegt, denn eigentlich könnte schon längst alles erledigt sein. Selbst auf meine Motivationsplaylist ist kein Verlass mehr. Trotzdem bekommt ihr jetzt 3 Lieder daraus auf die Ohren :)



The Key of Awesome - Can't Remember To Forgett You Parody
Weil ich einen Ohrwurm vom Originalsong hatte, der mich aber wirklich nervt, höre ich einfach diese geniale Parodie. Parodien mag ich sowieso :D


Lady Gaga - Applause
Sie ist ja irgendwie ziemlich cool. Wenn sie nicht gerade als menschliches Kotelett durch die Gegend läuft.


Boys Like Girls - Heartbreak
Eigentlich kein Grund zum Partymachen... also meistens. Aber das Lied lädt doch dazu ein :D


Como siempre - wünsche ich euch ganz viel Spaß beim Hören und einen entspannten Sonntag mit Sonne, leckerem Frühstück und einem guten Buch ♥

15.03.2014

[Sammel-Rezi] Bis(s)-Tetralogie

12:39 3 Comments

Erscheinungjahr: 2006, 2007, 2008, 2009
Genre: Romantasy

Seit langer Zeit krame ich mal wieder mein Reihen-Format aus der Schublade, denn in den Ferien überkam mich das gleichermaßen unbändige und unverständliche Verlangen, die Meyersche Vampier-Saga mal in einem Rutsch durchzulesen. Natürlich handelt es sich um einen Re-Read und ich muss gestehen, dass ich die Bücher nur nochmal gelesen habe, um mich darüber aufzuregen. Das ist wohl nur mit einem unnatürlichen Hang zum Masochismus zu erklären - und damit wären wir auch schon gleich beim Thema.

Zur Story muss ich wahrscheinlich nicht mehr viel sagen, denn die ist wohl allgemein bekannt. Deshalb achte ich im folgenden auch nicht auf Spoiler - ihr seid also gewarnt ;) Bella, ein super durchschnittliches Mädchen mit der fast schon an Zwangsneurosen grenzender Tendenz, sich selbst schlechtzureden und gleichzeitig als totale Märtyerin hinzustellen (und das muss man erstmal schaffen!), verliebt sich in den Vampir Edward, der seinen Durst nach ihrem Blut ignorieren und eine Beziehung mit ihr führen kann. Nach einigem unnötigen und nichtssagenden Hin und Her, ein bisschen Gemetzel da und ein paar Dreiecks-Liebesdramen mit dem Werwolf Jacob dort, können sie dann endlich Friede Freude Eierkuchen zusammen die Ewigkeit verbringen. Denn Bella wird am Ende ebenfalls zum Vampir.

Leider lasse ich mich bei dieser Geschichte schnell zu Lästerei hinreißen und das erweckt dann den Anschein, als würde ich diese Sage viel negativer beurteilen, als ich es tue. Im Gegenteil amüsiere ich mich meistens köstlich bei der Lektüre - nicht umsonst habe ich die Bücher schon mehrmals gelesen - und ich verstehe auch jedes Mädchen, dass die Geschichte ernst nimmt und sich damit identifizieren kann. Schließlich war ich auch mal jung (oh Gott! Natürlich bin ich immer noch jung. Irgendwie.). Und kam mir trampelhaft, nicht liebenswert und flapsig vor. Dieses Gefühl hat sich zwar nicht verändert, aber meine Einstellung dazu. Und das lässt mich Bella und Wahnvostellungen einfach mit einem gewissen Humor betrachten, der hier keinem auf die Füße treten soll.
Im ersten Buch lernen wir also unsere Protagonistin Bella kennen - ein Prozess, der ziemlich schnell abgeschlossen ist, weil diese Figur einfach auf alle mehr oder weniger großen Komplexe reduziert wird, die man so hat als Mädchen. Wahrscheinlich auch als Junge - das kann ich allerdings nicht so richtig beurteilen ;) Jedenfalls zieht sie nach Forks und findet erstmal alles schrecklich. Ausnahmslos jeder ist total nett zu ihr und versucht ihr dabei zu helfen, sich schnell einzuleben. Ihr Vater kauft ihr ein Auto, ihre Mitschüler integrieren sie in die Gruppe und anscheinend schmelzen die Herzen der männlichen Mitschüler bei ihrem Anblick. Aber es ist trotzdem alles total furchtbar für sie. Bis endlich Edward der Glitzervampir auf der Bildfläche erscheint und zum Mittelpunkt ihres Lebens wird. Trotz erheblicher Lebensgefahr für Bella beginnen die beide eine Beziehung, weil Edward - wie er selbst nicht müde wird zu betonen - viel zu egoistisch ist, um sich von ihr fernzuhalten.
Buch zwei und drei könnte man theoretisch von Handlung und Figurenentwicklung streichen - zwar tun die Bücher so, als käme man irgendwie voran, ist aber am Ende des jeweiligen Bandes wieder auf der selben Stufe wie am Ende des ersten Teils. Mit der Ausnahme, dass jetzt zusätzlich noch ein paar Werwölfe die Szenerie ergänzen, Bella ihre Hormone entdeckt und Edward seine Rolle als moralische Instanz gefestigt hat. In diesen beiden Teilen sind eigentlich alle Figuren nur zum aufregen. Bella natürlich, weil sie ihrem Lieblingshobby aus Teil eins wieder frönen und fleißig vor sich hin leiden kann. Edward, weil er Bella ständig bevormundet und sich total im Recht sieht. Jacob, weil er klammert ohne Ende. Und alle anderen haben zu wenig Profil, um irgendeine Reaktion hervorzurufen.
Der vierte Teil ist meiner Meinung nach der Stärkste, weil endlich mal etwas passiert. Bella wird nämlich zum Vampir, was Edward endlich dazu bringt, sich nicht mehr wie eine Glucke aufzuführen und Jacob davon abhält, weiter an ihr rumzubaggern. Er ist aber jetzt auch anderweitig beschäftigt.

Obwohl ich also wie gesagt verstehen kann, warum die Reihe "damals" (ist ja irgendwie auch schon wieder ein alter Hut) so gehyped wurde, muss ich persönlich einfach zu oft vor Horror erschaudern, aus Mitleid auflachen und hin und wieder tatsächlich vor Wut aufhören zu lesen. Der Schreibstil ist ziemlich plump und die Klischeedichte ist mir einfach zu hoch.
Die Reihe erhält von mir eine Durchschnittsbewertung von 2 Wölkchen - und kommt damit wirklich noch gut weg, wie ich finde ;)

09.03.2014

[Musik] Sonntagslieder #79

12:19 5 Comments
Verblüffende Erkenntnis: konsequent durchgeführter Urlaub ist der Bloggerei ungefähr genauso abträglich wie Arbeitsstess.
Aber dafür habe ich richtig viel gelesen, richtig viel Sailor Moon geschaut (oh mein Gott, Sailor Moon läuft auf Viva - mein Leben hat endlich wieder einen Sinn) und viele richtig liebe Menschen wiedergesehen, die ich schon lange lange vermisst habe :D Insgesamt also trotz schlechter Blogger-Quote bisher eine schöne Zeit verbracht und das tolle Wetter heute ist nochmal das Tüpfelchen auf dem i.
Womit wir jetzt auch schon ganz schnell zum Kernthema kommen, damit ich den Lappi zuklappen und die Sonne genießen gehen kann: Musik! Was läuft zur Zeit in meiner Playlist? Hier die Top 3 der letzten Woche:



Jason Derulo - Marry Me
Wenn auch typischerweise eher eine materialistisch ausgerichtete Beziehung im Songtext verarbeitet wird, mag ich das Lied :D


Gentleman - To The Top
Mein Motivationssong in letzter Zeit :D


Cro - Meine Zeit
Ebenfalls ein motivierender Song find ich. Vor allem für Leute wie mich, die sich eher zu viel als zu wenig stressen :) Ich bleib relaxed :D


Einen sonnigen Sonntag wünsche ich allerseits. Ich schwinge mich jetzt auf das frisch renovierte Fahrrad und genieße die Sonne. Herzchen für euch! ♥♥

05.03.2014

[Rezi] Kathrin Lange - 40 Stunden

22:26 0 Comments
Erscheinungjahr: 2014
Genre: Thriller
Seitenzahl: 414



Teaser:
Faris unterdrückte ein Seufzen. Er arabisch aus, daran ließ sich nunmal nichts ändern. Wäre er an der Stelle dieser Männer gewesen, hätte er sich selbst vielleicht auch verdächtigt.





Handlung
In der Hauptstadt ist viel los. Selbst für berliner Verhältnisse sind unheimlich viele Touristen und Besucher da. Der Grund dafür sind die Kirchentage, einer mehrtägigen Veranstaltung, bei der sowohl protestantische als auch katholische Gläubige zusammengekommen sind, um ihre Religion gemeinsam auszuüben. Gekrönt werden soll das Ganze von einem ökumenischen Gottesdienst, den der Papst leiten und bei dem das Abendmahl gleichzeitig von katholischen und protestantischen Christen eingenommen werden soll - die größte Annäherung seit der Kirchenspaltung.
Dieser eigentlich positive Anlass sorgt zieht natürlich bedrohliche Aspekte mit sich. Mit einem davon muss sich Kriminalkommissar Faris Iskander befassen. Dieser bekommt nämlich einen sehr beunruhigenden Anruf, bei dem ihn die Person am anderen Ende der Leitung mit verzerrter Stimme dazu auffordert, seine Mails zu checken. Und in seinem Posteingang befindet sich ein Video, das einen Mann im Kapuzenpulli dabei zeigt, wie er einen anderen - offensichtlich bewusstlosen Mann - an Händen und Füßen an ein Holzkreuz nagelt wie Jesus Christus. An der Brust des Mannes befinden sich Elektroden, die zu einem Monitor führen auf dem die Herzschläge des Gekreuzigten angezeigt werden. Der Anrufer macht Faris klar, dass eine Bombe in Berlin hochgehen wird, sobald das Herz des Opfers aufgehört hat zu schlagen und um seiner Drohung mehr Gewicht zu verleihen, lässt er kleinere Bombe in einer U-Bahn explodieren. Faris ist unmittelbarer Zeuge der Explosion und wird vom Täter als Spielball benutzt. Warum dieser sich dafür ausgerechnet ein Mitglied der SERV - der Sondereinheit für religiös motivierte Verbrechen - ausgesucht hat, ist unklar. Doch es scheint, als habe der Täter eine persönliche Rechnung mit Faris offen.

Meine Meinung
Bombenattentate, religiöse Fanatiker und ein Limit von 40 Stunden, in dem der Fall gelöst sein muss - klingt nach Stoff zu einem spannenden Thriller, bei dem mehr als nur ein kontroverses Thema angeschnitten wird.

Tatsächlich ist die intensive Auseinandersetzung mit Bombenanschlägen, die Motivation der Täter und die Konfrontation mit Vorurteilen arabisch-stämmiger Menschen einer der Hauptangelpunkte, die das Buch hat. Faris Iskander ist selbst Muslim und sein äußeres Erscheinungbild lässt eindeutig auf seine arabische Herkunft schließen. Er ist Experte für islamistische Gruppierungen bei einer Sondereinheit der Kriminalpolizei, die sich mit religiösen Verbrechen befasst - Ehrenmorde genauso wie Bombenanschläge. Neben seinem Partner Paul gibt es weitere Experten für das Christentum oder die jüdische Religion, sodass die großen Gruppen kompetent abgedeckt sind.
Faris nun war vor nicht langer Zeit in einen Bombenanschlag verwickelt, der anscheinend auch religiös motiviert war - eine Bank wurde in die Luft gesprengt und über 50 Menschen kamen dabei ums Leben. Faris konnte trotz De-Eskalationversuchen diesen Anschlag nicht verhindern und kam selbst nur mit schweren Verletzungen davon. Der unbekannte Anrufer scheint nun direkt mit diesem Attentat zu tun zu haben, denn er stellt gleich beim ersten Telefonat einen Bezug dazu her. Dass es nicht der Bombenleger selbst sein kann, ist nachgewiesenermaßen unmöglich, denn dieser trug die Bombe am Körper und wurde selbst bei dem Anschlag zerfetzt. Faris und seine Kollegen tun alles in ihrer Macht stehende, um den Mann am Kreuz rechtzeitig zu finden, doch sie sind dabei auf die Hinweise des Anrufers angewiesen, der ihnen logischerweise neben einzelnen korrekten Häppchen immer auch falsche Spuren auftischt und den Fall auf eine persönliche Ebene zieht, sodass sich der Druck auf die Ermittler und vor allem auf Faris unglaublich erhöht.

Das klingt alles schonmal sehr gut. Ein kleiner Wehmutstropfen ist allerdings leider, dass Faris total dem stereotypen kaputten Kommissar entspricht, der unter der Last seines Berufes langsam aber sicher zusammenbricht. Aber das ist es nicht, was ihn am meisten belastet - nein, es ist sein gebrochenes Herz. Wenn es ihm auch teilweise gelingt, die schrecklichen Dinge seines Arbeitslebens abzuschalten; seinen Liebeskummer kann er seit zwei Jahren nicht abstellen und das zermürbt diesen ansonsten so taffen Kerl, der im Zweifelsfall trotz unglaublicher körperlicher und seelischer Belastung weitermachen kann. Da ist man schonmal halb zerfetzt von einer Bombe aber steckt das mal eben locker weg und rennt noch tagelang ohne zu essen oder zu schlafen durch Berlin.

Außerdem ist die gesamte Story relativ vorhersehbar. Es gibt verschiedene Erzählstränge, die neben der Haupthandlung um Faris parallele Geschehnisse in Berlin schildern und die schnell, wenn schon nicht klaren Aufschluss, eindeutige Spekulationen über Motive und Methodik und vor allem die Identität des Täters zulassen, die sich dann auch ziemlich genauso bestätigen. Die einzelnen Handlungstränge dienen natürlich dazu, der Geschichte mehr Dimension zu geben, waren dafür aber ziemlich lieblos aufgebaut. Keine ausgearbeiteten Figuren und keine wirkliche Handlung. Als Hintergrund zur Geschichte aber akzeptabel, liefern sie immerhin ein bisschen Raum, um das Großthema Religion ein bisschen tiefer zu behandeln.

Die Hauptfiguren sind dafür um einiges detaillierter beschrieben, auch wenn sie hauptsächlich in ihrer Rolle agieren und selten etwas unerwartetes oder überraschendes tun. Die Dialoge kamen mir teilweise extrem gestelzt vor und waren etwas mühsam zu lesen. Der restliche Schreibstil allerdings war gut, hat durch kurze abgehackte Sätze das Tempo erhöht und Spannung aufgebaut und war flüssig und locker zu lesen.

Alles in allem hat mir am besten die Auseinandersetzung mit der Religion und vor allem die kritische Aufbereitung der Vorurteile gefallen. Ein solider Thriller, der weder überaus unerwartete Wendungen noch verstörende Szenen hat aber ein ganz nettes Buch für Zwischendurch ist. 3 Wölkchen von mir.


Mein Dank geht an den Blanvalet-Verlag und BloggDeinBuch für die Bereitstellung dieses Rezensionsexemplares.

02.03.2014

[Musik] Sonntagslieder #78

12:31 0 Comments
Frisch in den elterlichen Gefilden angekommen, kann ich zwei Dinge vermelden:
1. Zugfahren macht zur Faschingszeit viel mehr Spaß. Vor allem, wenn man einen Elefanten und James Bond zu seinen Sitznachbarn zählen kann. Und das meine ich nicht ironisch.
2. Dank Mama habe ich in diesen 12 Stunden, die ich jetzt wieder hier bin, sicher schon mehr gegessen, als die gesamte letzte Woche. Das wird herrlich :D

Auf meiner 9-stündigen Zugfahrt habe ich mich neben der Lektüre eines Buches (HA! Am ersten Tag des Monats gleich das erste Buch beendet! Yeah.) auch viel Musik abgelenkt. Drei Lieder aus der Reiseplaylist folgen jetzt:



3 Doors Down - Duck And Run
Im Moment die Band, die ich mit Abstand am meisten höre. Ich weiß nicht warum, aber dieses Lied steigert irgendwie meine Arbeitsmotivation xD


Will.I.Am feat. Miley Cyrus - Feeling Myself
Ich steh auf den Beat :D Der Text fällt natürlich durch, aber der Beat ist cool :D


Far East Movement - The Illest
In zu hoher Dosis ein Lied, das mich extrem aggressiv macht. Aber so ein bisschen kann man das schon hören :D


Ich geh mich dann mal an den gedeckten Mittagstisch setzen. Euch wünsche ich natürlich wie immer einen wundervollen Sonntag und einen entspannten Tag in die neue Woche ♥

01.03.2014

Leserückblick Februar 2013

07:30 2 Comments
Am Ende des zweiten Monats diesen Jahres bin ich überaus und hochgradig urlaubsreif. Prüfungen, Hausarbeiten und diverse soziale Verpflichtungen gingen ganz schön auf Kosten meines Akkus. Deshalb fahre ich jetzt heute endlich einmal wieder in die Heimat zu meinen Eltern - damit ich von Mama standesgemäß gepäppelt werde :)
Natürlich hoffe ich, dann auch mal wieder etwas mehr zum Lesen zu kommen. Aber den Weg aus der totalen Lesestagnation (ich möchte es nicht Flaute nennen, denn ich hatte ja Lust zu lesen - nur keine Zeit) habe ich offensichtlich schon betreten. Immerhin ein Buch mehr als im Januar konnte ich beenden und für den März habe ich schon ein Lesevorhaben gefasst, dass auch diese Anzahl wieder mindestens um ein Buch übersteigen wird. Wundervoll. Aber jetzt erstmal zu den Zahlen aus dem Februar:

Gelesen
Eugen Ruge - In Zeiten des abnehmenden Lichts (*Rezi*)
Christian Mogenstern - Liebesgedichte (*Rezi*)
Gesa Schwartz - Grim II. Das Erbe des Lichts (*Rezi*)

In Seiten
1233

Durchschnittsbewertung
3,7 Wölkchen

Highlight des Monats
Ganz eindeutig Eugen Ruges "In Zeiten das abnehmenden Lichts". Ein wunderbarer Generationenroman mit absolut genialer Erzählperspektive.

Enttäuschung des Monats
Leider ebenfalls eindeutig Gesa Schwartz' "Grim". Obwohl der Plot super gut ist, hat mich die Umsetzung einfach nicht überzeugt.

In Bildern


Schon lange hatte ich kein enttäuschendes Buch mehr auf meiner Leseliste. Da war die Zeit wohl anscheindend reif, mal wieder etwas zu lesen, was mir nicht wirklich gefällt. Aber es ist so tragisch und ich bin wirklich wütend auf "Grim", weil ich das Buch einfach mögen wollte. Ich habe es versucht. Mit aller Macht. Aber es hat nicht funktioniert. Naja, der dritte Teil befindet sich schon auf meinem SUB - mal sehen, wann ich bereit bin, ihn zu lesen ;)
Ansonsten bin ich ganz zufrieden mit dem Monat. Die anderen beiden Bücher waren nämlich zauberhaft und ich freue mich jetzt auf meine Ferien und ganz viele neue (hoffentlich tolle) Bücher! :)