15.03.2014

[Sammel-Rezi] Bis(s)-Tetralogie


Erscheinungjahr: 2006, 2007, 2008, 2009
Genre: Romantasy

Seit langer Zeit krame ich mal wieder mein Reihen-Format aus der Schublade, denn in den Ferien überkam mich das gleichermaßen unbändige und unverständliche Verlangen, die Meyersche Vampier-Saga mal in einem Rutsch durchzulesen. Natürlich handelt es sich um einen Re-Read und ich muss gestehen, dass ich die Bücher nur nochmal gelesen habe, um mich darüber aufzuregen. Das ist wohl nur mit einem unnatürlichen Hang zum Masochismus zu erklären - und damit wären wir auch schon gleich beim Thema.

Zur Story muss ich wahrscheinlich nicht mehr viel sagen, denn die ist wohl allgemein bekannt. Deshalb achte ich im folgenden auch nicht auf Spoiler - ihr seid also gewarnt ;) Bella, ein super durchschnittliches Mädchen mit der fast schon an Zwangsneurosen grenzender Tendenz, sich selbst schlechtzureden und gleichzeitig als totale Märtyerin hinzustellen (und das muss man erstmal schaffen!), verliebt sich in den Vampir Edward, der seinen Durst nach ihrem Blut ignorieren und eine Beziehung mit ihr führen kann. Nach einigem unnötigen und nichtssagenden Hin und Her, ein bisschen Gemetzel da und ein paar Dreiecks-Liebesdramen mit dem Werwolf Jacob dort, können sie dann endlich Friede Freude Eierkuchen zusammen die Ewigkeit verbringen. Denn Bella wird am Ende ebenfalls zum Vampir.

Leider lasse ich mich bei dieser Geschichte schnell zu Lästerei hinreißen und das erweckt dann den Anschein, als würde ich diese Sage viel negativer beurteilen, als ich es tue. Im Gegenteil amüsiere ich mich meistens köstlich bei der Lektüre - nicht umsonst habe ich die Bücher schon mehrmals gelesen - und ich verstehe auch jedes Mädchen, dass die Geschichte ernst nimmt und sich damit identifizieren kann. Schließlich war ich auch mal jung (oh Gott! Natürlich bin ich immer noch jung. Irgendwie.). Und kam mir trampelhaft, nicht liebenswert und flapsig vor. Dieses Gefühl hat sich zwar nicht verändert, aber meine Einstellung dazu. Und das lässt mich Bella und Wahnvostellungen einfach mit einem gewissen Humor betrachten, der hier keinem auf die Füße treten soll.
Im ersten Buch lernen wir also unsere Protagonistin Bella kennen - ein Prozess, der ziemlich schnell abgeschlossen ist, weil diese Figur einfach auf alle mehr oder weniger großen Komplexe reduziert wird, die man so hat als Mädchen. Wahrscheinlich auch als Junge - das kann ich allerdings nicht so richtig beurteilen ;) Jedenfalls zieht sie nach Forks und findet erstmal alles schrecklich. Ausnahmslos jeder ist total nett zu ihr und versucht ihr dabei zu helfen, sich schnell einzuleben. Ihr Vater kauft ihr ein Auto, ihre Mitschüler integrieren sie in die Gruppe und anscheinend schmelzen die Herzen der männlichen Mitschüler bei ihrem Anblick. Aber es ist trotzdem alles total furchtbar für sie. Bis endlich Edward der Glitzervampir auf der Bildfläche erscheint und zum Mittelpunkt ihres Lebens wird. Trotz erheblicher Lebensgefahr für Bella beginnen die beide eine Beziehung, weil Edward - wie er selbst nicht müde wird zu betonen - viel zu egoistisch ist, um sich von ihr fernzuhalten.
Buch zwei und drei könnte man theoretisch von Handlung und Figurenentwicklung streichen - zwar tun die Bücher so, als käme man irgendwie voran, ist aber am Ende des jeweiligen Bandes wieder auf der selben Stufe wie am Ende des ersten Teils. Mit der Ausnahme, dass jetzt zusätzlich noch ein paar Werwölfe die Szenerie ergänzen, Bella ihre Hormone entdeckt und Edward seine Rolle als moralische Instanz gefestigt hat. In diesen beiden Teilen sind eigentlich alle Figuren nur zum aufregen. Bella natürlich, weil sie ihrem Lieblingshobby aus Teil eins wieder frönen und fleißig vor sich hin leiden kann. Edward, weil er Bella ständig bevormundet und sich total im Recht sieht. Jacob, weil er klammert ohne Ende. Und alle anderen haben zu wenig Profil, um irgendeine Reaktion hervorzurufen.
Der vierte Teil ist meiner Meinung nach der Stärkste, weil endlich mal etwas passiert. Bella wird nämlich zum Vampir, was Edward endlich dazu bringt, sich nicht mehr wie eine Glucke aufzuführen und Jacob davon abhält, weiter an ihr rumzubaggern. Er ist aber jetzt auch anderweitig beschäftigt.

Obwohl ich also wie gesagt verstehen kann, warum die Reihe "damals" (ist ja irgendwie auch schon wieder ein alter Hut) so gehyped wurde, muss ich persönlich einfach zu oft vor Horror erschaudern, aus Mitleid auflachen und hin und wieder tatsächlich vor Wut aufhören zu lesen. Der Schreibstil ist ziemlich plump und die Klischeedichte ist mir einfach zu hoch.
Die Reihe erhält von mir eine Durchschnittsbewertung von 2 Wölkchen - und kommt damit wirklich noch gut weg, wie ich finde ;)

Kommentare:

  1. Ich weiß noch, als ich die Reihe mit 12 oder 13 gelesen habe und ich war einfach hin und weg. Als dann der erste Film rauskam hat mir Kristen Steward mit ihren sogenannten "Emotionen" irgendwie alles verdorben. Den vierten Teil hab ich nie gelesen und ich denke auch nicht dass ich das noch tun werde.
    Ich fand Twilight eigentlich immer recht spannend und aufregend aber die Charaktere waren einfach so platt und klischeehaft. Ich meine hat Bella irgendwelche Hobbies? Außer für Edward zu schwärmen, Vampire zu googeln und ständig hinzufallen? Irgendwie unglaubwürdig fand ich außerdem, dass alle Typen auf sie stehen obwohl sie 0 Selbstvertrauen hat. Das ist einfach nicht nachvollziehbar und sowas von unrealistisch...
    Naja, aber Geschmäcker sind bekanntlich verschieden! Ist wohl einfach nicht (mehr) meine Welt. ;)

    LG
    Boncuk

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  2. Ich habe grade herrlich gelacht =D Hast du grad wunderbar nüchtern zusammengefasst, was eigentlich in den Büchern passiert - echt perfecto ;) Hah, ich weiß gar nicht, was ich noch sagen soll, du schreibst wirklich toll Mel, das muss mal wieder gesagt werden!!
    Ich denke schon gern daran zurück, wie ich vom ersten Band begeistert war, Vampire undsowas, das fand ich toll, ich war gern in der Geschichte von Forks drin. Den vierten Teil hab ich geliebt, den zweiten fast nicht geschafft, war Folter pur xP Jedenfalls, ich muss dann zugeben, dass ich mich von den Büchern nicht trennen will, es scheint als ob ich damit sagen will: schaut her, ich bin eine von denen, die sich mal diese Bücher angetan hat! Weißt du, was ich meine? ^.^

    Liebste Grüße ♥

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  3. Ich lese im Moment den dritten Band (auf Englisch, was irgendwie noch schlimmer ist als in der Übersetzung), v. a. weil ich eine Grundlage dafür haben will zu sagen, dass diese Reihe ganz großer Mist ist. *g*
    Ich kann leider im Gegensatz zu dir auch nicht über die Idiotie des Ganzen lachen, ich rege mich einfach immer nur auf. Ganz schlimm war "New Moon", weil da Bella in ihrer selbstbemitleidenden Jammerei einen bisher (zum Glück!) sonst nicht mehr erreichten Höhepuntk feierte.

    Irgendwo kann ich nachvollziehen, warum Teenies das Ganze so toll finden - die Charaktere sind so dermaßen flach und nichtssagend, dass sich wirklich jeder in sie hineinversetzen kann. Und an sich ist das auch nicht verwerflich, ein bisschen Eskapismus muss eben auch mal sein, und gerade im Teenie-Alter sind so überzogen dramatische Romanzen gern gesehen.
    Aber muss es eine Reihe sein, die alle 15 Kriterien für eine missbrauchende Beziehung beinhaltet? Und genau diese Aspekte dann häufig als die ultimative Romantik verkauft?

    Achso, und dass man Band 2 und 3 im Grund weglassen kann - hat das nicht damit zu tun, dass Meyer die gar nicht vorgesehen hatte und der Verlag darauf drängte, die Reihe auszubauen? Wenn man nämlich den ersten Band liest und dann den Beginn vom letzten, schließt das nahtlos aneinander an, und alles was nach dem Happily Ever After zu Beginn des 4. Bandes kommt ist im Grunde der forcierten Ausweitung aus den Bänden 2 + 3 geschuldet.

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