11.04.2014

# Rezensionen

[Rezi] Jane Austen - Emma

Erscheinungsjahr: 2009 (Erstausgabe: 1816)
Originaltitel: Emma
Genre: Klassiker
Seitenzahl: 494

Teaser:
Während ihrer Abwesenheit kam Mr. Knightley und saß eine Weile bei Mr. Woodhouse und Emma, bis ihr Vater, der einen Spaziergang vorgehabt hatte, sich von ihr überreden ließ, ihn nicht aufzuschieben, und auf die Bitten beider - freilich gegen seine Höflichkeitsbedenken - schließlich Anstalten machte, sich von Mr. Knightley zu verabschieden.



Handlung
Emma Woodhouse ist vom Schicksal eindeutig gesegnet: nicht nur gehört sie zur wohlhabendsten Familie im Umkreis und ist deshalb in der gehobenen Gesellschaft tonangebend, sie ist auch noch süße 21 Jahre jung, von blendendem Äußeren und unverheiratet. Wenn es nach ihr und ihrem Vater Mr. Woodhouse geht, sollte sich auch an letzterem nichts ändern. Mrs. Woodhouse ist schon lange nicht mehr unter ihnen und seit Emmas Schwester Isabella gut verheiratet ist, ist sie mit ihrem Vater alleine in Hartfield, ihrem Anwesen. Ihr Vater hasst Veränderungen wie nichts sonst und ist noch lange nicht darüber hinweg, dass Isabella nicht mehr mit ihnen allen zusammen wohnt und verheiratet ist, sodass Emma sich dazu entschließt, selbst immer an der Seite ihres Vaters zu bleiben und sich nicht an einen Mann zu binden. Überhaupt ist auch gar nicht der richtige Kandidat im näheren Umfeld. Stattdessen spielt sie lieber Ehestifterin und versucht, zwischen den Menschen in ihrem Bekanntenkreis Beziehungen heraufzubeschwören und gute Partien einzufädeln. Für ihre Freundin Harriet Smith, einer unehelichen Tochter eines Kaufmanns, etwa hat sich Emma Mr. Elton, den Geistlichen der Gemeinde, als perfekten Ehemann ausgesucht und manipuliert nun Harriert und ihrer Meinung nach auch Mr. Elton so, dass sie ebenfalls in diese Richtung denken. Es gibt nur einen Menschen, von dem Emma jemals Tadel für ihre Aktionen erhält - Mr. Knightley, ein alter Freund der Familie. Dieser scheut sich nicht, Emma darauf hinzuweisen, dass Mr. Elton mit Harriet keine ihm vom Stande her angemessene Frau hätte und er auch nicht vorhat, sich unter Wert zu verheiraten. Dennoch spielt Emma weiterhin Kupplerin - und belässt es auch nicht bei diesem einen Paar.

Meine Meinung
Irgendwie sind Jane-Austen-Bücher doch alle ein bisschen ähnlich. Es wird eine bestimmte Zeitspanne in einer englischen Grafschaft des 19. Jahrhunderts erzählt. Diese Erzählung spielt sich ausschließlich in dem kleinen Mikrokosmos der höheren Gesellschaft dieser Grafschaft ab, die aus sieben, acht Familien besteht und deren Beziehungsgeflecht im Roman ausgebreitet und entwickelt wird.

Auch bei "Emma" greift dieses Grundkonzept. Und gleich zu Anfang  muss ich sagen, dass mich Beziehungskonstellationen und vertretene Wertvorstellungen ein bisschen an GZSZ erinnert haben. Nur ein vornehmer. Wir sind schließlich in England, Sir.
Die Handlung kann man deshalb auf jeden Fall sehr leicht und sehr knapp zusammenfassen: auf der einen Seite sind die heiratsfähigen jungen Damen und die etwas älteren heiratsfähigen Herren und auf der anderen Seite die ehrenwerten verheirateten Paare oder alleinstehenden Erwachsenen, die sich zwar nicht für sich selbst, aber doch für ihre jungen Freunde fleißig an der Heiratsvermittlerei beteiligen. Zumindest abgesehen von Mr. Woodhouse, der vehement gegen Hochzeiten ist, weil diese immer Veränderungen in seinen gewohnten Sozialstrukturen bedeuten.

Wenn also die Handlung eher ein bisschen vorhersehbar ist, was macht dann dieses Buch zu etwas besonderem? Die Charaktere. Für mich haben diese der stereotypen Rahmenhandlung das Leben eingehaucht, das ich von Jane Austens Romanen gewohnt bin.
Emma, die Protagonistin, ist eindeutig ein reiches und verwöhntes Mädchen, das sich mit einer gewissen Arroganz über die Schicksale ihrer Mitmenschen verfügen möchte und lernen muss, dass sie im Ehestiften vielleicht doch kein so gutes Händchen hat, wie sie glaubt. Dennoch kann man ihr zugute halten, dass sämtliche ihrer Manipulationen dazu führen sollen, den Mensch in ihrem Umfeld zum größtmöglichen Glück zu verhelfen. Oder zumindest was Emma dafür hält. Es braucht verschiedene Lektionen, die nicht eines feinen Humors und ironischer Wendungen entbehren, damit Emma damit aufhört, sich auf Gedeih und Verderb in die Liebesangelegenheiten anderer Leute zu mischen. Da sie natürlich von Anfang an die vollkommenen Anlagen einer perfekten Dame besitzt und im Grunde ihres Herzens gutartig, respektvoll, höflich und freundlich gegen jedermann ist, entwickelt sich ihr Charakter im Laufe des Romans in genau diese Richtung und wird ein Paradebeispiel an englischer Vornehmheit.
Aus ihrem Vater Mr. Woodhouse bin ich den gesamten Roman über nicht wirklich schlau geworden - er stellt sich gegen jede Veränderung und ist immer sorgsam um die Gesundheit seider Freunde und Familie bemüht. Warum er allerdings - bei allem Hang zum Gewohnten - seine Tochter unverheiratet sehen möchte, ist mir bei den Grundsätzen dieser Gesellschaft ein Rätsel. Zwar ist er reich genug, um Emma auch nach seinem Tod ein angemessenes Leben zu ermöglichen, aber dieses Leben wäre wohl wenig erfüllt für die offene Emma, die sich gerne an der Spitze einer jeden Gemeinschaft sieht und der diese Rolle als ältere unverheiratete Dame wohl kaum weiterhin zukommen würde. Ich interpretiere Mr. Woodhouse deshalb, und weil er nie eine nachvollziehbare Begründung für sein Anit-Haltung liefert, als personifizierte Kritik an dem sich ewig wiederholenden Modell der Heiratswirtschaft: dass es jungen Leuten augenscheinlich nur darauf ankommt, eine gute Partie zu machen und sich möglichst vorteilhaft zu verheiraten.
Es gibt noch ein paar andere Figuren, die der Geschichte Leben verleihen, weil man entweder die ganze Zeit darauf wartet, dass ein schockierendes Geheimnis um diese Figur gelüftet wird (irgendwo ist immer ein Skandal - ich sag ja: GZSZ), weil man so sehr mit ihnen mitfühlt oder sie auch leidenschaftlich unsympathsich finden kann.

Im Übrigen wird natürlich sehr viel wert auf Manieren, Höflichkeit und das soziale Reglement gelegt; da werden kleinste Haltungsveränderungen groß gedeutet, die Wortwahl wird genaustens analysiert und zu den 1.000 Arten, jemandem auf die Füße zu treten, kommen mindestens genauso viele Möglichkeiten, jemandem ganz subtil seine Zuneigung zu gestehen. Da die Figuren deshalb oft in ihrer Rede an vornehme Zurückhaltung und höfliche Vorsicht gebunden sind, redet niemand mal Klartext redet und deshalb kann immer nur über die Gefühle und Gedanken der anderen spekuliert werden. Dies führt zu diversen Missverständnissen, deren Auflösung Ewigkeiten dauern. Teilweise zog sich die Geschichte wirklich unnötig hin; dabei ist aber wenigstens der Schreibstil sehr schön. Geprägt von den typischen Kettensätzen und dem sehr ausgewählten Vokabular, das dem Leser die Stimmungen dieser Zeit deutlich vor Augen führt, kann man sich in das England des 19. Jahrhunderts fallen lassen.

Zusammenfassend betrachtet war dieses Buch wohl der schwächste Roman, den ich von Jane Austen gelesen habe. Aber das ist Meckern auf sehr hohem Niveau, weshalb es nur einen leichten Punktabzug und immernoch 4 sehr gute Wölkchen von mir gibt.


Kommentare:

  1. Bisher konnte ich mich nicht dazu durchringen einen Roman von Jane Austen zu lesen, die Verfilmungen kenne ich zwar. Aber irgendwie konnte mich damals Stolz und Vorurteil (auf englisch) nicht packen und deshalb habe ich bisher auch keinen neuen Versuch gestartet.
    Die Handlungen ähneln sich wirklich sehr, wobei mir Mansfield Park, beispielsweise, mit am Besten gefällt.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Mansfield Park muss ich auch noch unbedingt lesen - Endziel ist ja, alles Jane Austen Romane gelesen zu haben.
      Ich weiß nicht, wenn dich die Zeit und die Gepflogenheiten interessieren und es dich nicht aggressiv macht, wenn junge Mädchen stänig wegen Kleinigkeiten in Ohnmacht fallen, solltest du ihr irgendwann vielleicht nochmal eine Chance geben :)

      Löschen
  2. Sag mal, muss ich mich irgendwie unterbelichtet fühlen, weil ich noch nie was von Jane Austin gelesen habe? :D Aber ich weiß nicht, ob der Schreibstil was für mich wäre, falls ja würde ich aber eher zu Stolz und Vorurteil greifen. Hast du eigentlich den Film geguckt? Emma ist doch der Film zu Jane Austins Roman oder? Nicht dass ich mich zum kompletten Trottel mache, haha xD

    AntwortenLöschen