08.05.2014

# Rezensionen

[Rezi] Kristin Cashore - Die Flammende. Sieben Königreiche Trilogie, Teil II

Erscheinungsjahr: 2009
Originaltitel: Fire
Genre: Jugend, Fantasy
Reihe: Sieben Königreiche Trilogie, Teil II
Seitenzahl: 507


Teaser:
Ein Krieg kündigte sich an. Und die Berge und Wälder wimmelten von Spionen und Dieben und anderen gesetzlosen Männern. Fremde waren immer ein Grund zur Sorge.




Handlung
Von ihrer flammend roten Haare, die die verschiedensten Rot-Töne aufweisen, erhielt sie ihren Namen - Fire. Halb Mensch, halb Monster - eine Art übersinnliches Wesen, das auf Menschen zumeist anziehend wirkt und immer in irgendeiner Weise die Gedanken anderer Lebenwesen lesen und beeinflussen kann - wächst sie gut beschützt von ihrem Freund Archer und dessen Vater in den Dells auf. Gut behütet muss sie auch sein, denn ihre fast magische Anziehungskraft, die sie auf Menschen und vor allem auf Männer ausübt, bringt mehr Vorteile als Nachteile mit sich. Und auch ihre Fähigkeit, das Bewusstsein von Menschen zu lesen und zu steuern führt gerade in der brisanten Zeit eines herannahenden Krieges mit sich, dass sie von verschiedenen Parteien "besessen" werden möchte, um den Krieg zu gewinnen.
In den Dells gibt es v´die verschiedensten Arten von Monstern, vor allem Tiere, die sich durch schillernde Farben von normalen Tieren abheben. Menschliche Monster sind sehr selten und sehr gefährlich - wie am Beispiel von Fires Vater deutlich geworden ist, der vor seinem Tod das Königreich mehr oder weniger beherrscht hat. Aus diesem Grund versucht Fire, ihre Monster-Fähigkeiten zu unterdrücken und nur zur Selbstverteidigung einzusetzen. Auch ihre Haare - das auffälligste Kennzeichen ihrer Andersartigkeit - trägt sie immer bedeckt. Dennoch kann sie ihre Wesen nicht verschleiern und gerät deshalb immer wieder in Gefahrensituationen.
Als ein gefangengenommener Bogenschütze mit merkwürdig leerem Bewusstsein trotz Sicherheitsverwahrung ermordet wird und diverses mysteriöse Vorgänge im Königreich vor sich gehen, erscheint ein Trupp von königlichen Soldaten, um Fire zum König zu geleiten, damit sie hilft, dieses Sache aufzuklären.

Meine Meinung
Obwohl dieses Buch der zweite Teil der Trilogie ist, spielt die Geschichte zu einem früheren Zeitpunkt als "Die Beschenkte". König Leck ist hier noch ein Kind und ich fand es sehr interessant, ein bisschen mehr über seine Herkunft und seine Motivation zu erfahren. Auch wenn das Hauptaugenmerk natürlich auf Fire liegt.

Das Land, in dem die Geschichte spielt, liegt genau neben den Sieben Königreichen. Es gibt aber keinen Kontakt zwischen den Dells und den Sieben Königreichen, sodass auf der einen Seite nichts von Monstern und auf der anderen Seite nichts von den Beschenkten bekannt ist.
Ich wusste zwar, dass die beiden Geschichten inhaltlich nichts miteinander zu tun haben, aber dass es sich hier um ein ganz neues Konzept handelt, war mir vorher nicht klar. Ein bisschen schade fand ich diese Monster-Sache aus zwei Gründen: die Beschenkten finde ich persönlich interessanter, weil es so viele Ausprägungen davon gibt. Außerdem ist der Begriff "Monster" meiner Meinung nach super unglücklich gewählt, weil er schlicht stark negativ besetzt ist. Natürlich stellen diese Wesen für die Menschen eine große Gefahr dar und sie begegnen ihnen mit starker Abneigung und Misstrauen. Aber gleichzeitig fühlen sie sich unsagbar angezogen von diesen schillernden Wesen. Natürlich macht gerade das die Gefahr aus, aber dennoch assoziiere ich mit Monstern etwas anderes als paradisvogelbunte Kätzchen oder Mädchen mit knallroten Haaren. Wenn ein Wesen keine Reißzähne und lange Krallen hat, ist die Bezeichnung Monster für mich nicht gerechtfertigt ;)
Ansonsten befinden wir uns allerdings in ähnlichen Sphären wie im ersten Teil. Wie Katsa hat auch Fire einen guten Einblick in die Gefühls- und Gedankenwelt der Leute in ihrem Umfeld. Allerdings gibt es Möglichkeiten, sich Fires Macht zu widersetzten, indem man sein Bewusstsein dazu trainiert, sich zu verschließen und keine Gefühle oder Gedanken zu ihr gelangen lässt. Dann kann nämlich Fire selbst auch kaum einen neuen Gedanken in das geschlossene Bewusstsein pflanzen. Brigan, der Oberbefehlshaber der Armee und der Bruder des Königs hat diese Abwehrtechnik zu Fires großer Frustration geradezu perfektioniert.

Die Geschichte ist aber auf jeden Fall ganz spannend; ein bisschen verworren zu Anfang, aber nicht so sehr, als dass man nicht ziemlich früh schon ungefähr weiß, wie es ausgeht. Der Schreibstil ist flüssig und angenehm zu lesen.
Ein großes Problem hatte ich mit Fire aber fast das gesamte Buch durch. Sie ging mir mit ihrem selbstgewählten Weg des Martyriums auf den Keks. Natürlich hat sie als Monster eine gewisse Wirkung auf die Menschen, gerade wenn sie unvorbereitet auf sie treffen. Vor allem Männer sind sofort von ihr angezogen und das bringt dann oft die negativsten Seiten mancher Männer an die Oberfläche, die Fire sofort vergewaltigen würden, könnte sie nicht ihre Gedanken manipulieren. Aber da ist dann auch schon der Knackpunkt. Obwohl Fire gar nichts weiter tut, als einfach da zu sein, gibt sie sich selbst die Schuld daran, dass Männer so auf sie reagieren. Ähm .Da ist doch irgendwas nicht ganz richtig. Denn offensichtlich kann man ihr ja widerstehen, wenn man will. Siehe Brigan. Oder Garan. Und es liegt ja wohl nicht in Fires Verantwortung, wenn manche Leute ihre Hormone nicht unter Kontrolle haben. Oder halt ihre Gedanken, die dann zu Taten werden. Dass sie sich deshalb die ganze Zeit selbst verurteilt und in Frage stellt, ist richtig schlimm für mich gewesen. Also richtig schlimm.

Ansonsten entwickelt sich die Geschichte anfangs eher schleppend und gegen Ende dann ein bisschen zu flott, sodass nicht alle offenen Fragen geklärt werden konnten. Allerdings ist sie dennoch solide aufgebaut und unterhaltend geschrieben, sodass ich dem Buch gute 3 Wölkchen verleihe.


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