16.05.2014

# Rezensionen

[Rezi] Sarah Dessen - Zu cool für dich

Erscheinungsjahr: 2002
Originaltitel: This Lullaby
Genre: Jugendroman
Seitenzahl: 447

Teaser:
Manchmal hat man im Leben ja die Chance, aufzuhören, bevor alles richtig angefangen hat. Häufig klappt das sogar noch, wenn man schon mittendrin steckt. Aber manchmal - und das ist das Ende - weiß man genau, dass eigentlich noch Zeit genug ist, um sich in Sicherheit zu bringen, und trotzdem kann man sich nicht auch nur einen Millimeter bewegen.



Handlung
Als kaltherziges Biest ist Remy stadtbekannt. Ihre ständig wechselnden Liebschaften und ihre routinierte Art, ihre Freunde abzuservieren, sorgen für reichlich Tratsch. Um diesen kümmerts sich die 17-jährige allerdings nicht, denn sie hat genug damit zu tun, sich um ihre sprunghafte Mutter und ihre drei besten Freundinnen zu kümmern. Nicht zu vergessen um den aktuellen Dating-Kandidaten. Außerdem wird sie nach diesem letzten Sommer in der Heimat ans andere Ende der USA ziehen und dort in Stanford zum College gehen und möchte ihr Leben klar strukturiert und geordnet zurücklassen. Ohne unnötige Bindungen. Ihre Mutter sieht sie bei Don - deren fünftem Ehemann gut versorgt und auch ihr Bruder wird schon ohne sie zurecht kommen. Chloe, Jess und Lissa werden wie sie selbst aus dem elterlichen Nest ausziehen und verschiedene Wege gehen, sodass Remy im Grunde völlig frei ist.
Als Dexter dann zufällig in ihr Leben schneit und sie ihn nicht mehr los wird, beschließt sie, dass eine letzte kurze Sommeraffäre auf dem Programm steht. Ihr Plan: die kurze Zeit genießen und bevor sich wirklich Gefühle entwickeln können ist sie sowieso auf dem Weg nach Stanford. Und Dexter ist quasi auch nur auf der Durchreise, denn er und seine Band touren durchs Land auf der Suche nach einer Plattenfirma, die sie unter Vertrag nimmt. Es scheint also die perfekte Beziehung mit dem perfekten Ablaufdatum zu sein.

Meine Meinung
Es handelt sich bei diesem Buch um eine relativ typische Mädchen-Entwicklungsgeschichte mit einer großen Portion Kitsch. Dass die Geschichte ziemlich vorhersehbar ist, wird also wahrscheinlich niemanden überraschen. Dennoch kann man ihr einiges abgewinnen.

 Die Protagonistin Remy tritt als Ich-Erzählerin auf, sodass der Leser einen absoluten Einblick in ihre Gefühls- und Gedankenwelt erhält. Deshalb war ich nach den ersten Kapiteln auch sehr verwirrt, als sie sich plötzlich selbst als kaltes Biest bezeichnet hat. Denn zu Anfang bekommt man davon wirklich gar nichts mit. Neurotisch, ja. Ein Kontrollfreak ist sie auf jeden Fall auch. Ein Organisationstalent und der souveräne Part im Leben ihrer Mutter. Vielleicht ein bisschen zynisch. Aber gefühlskalt? Schließlich managet sie fast komplett alleine die Hochzeit ihrer Mutter, der für die Planung und Durchführung eines solch riesigen Events der Überblick fehlt. Allgemein sorgt Remy sich sehr um die Menschen, die sie liebt. Auch ihrer Mädels-Clique gegenüber verhält sie sich alles andere als kaltherzig und wirkt im allgemeinen nicht pessimistisch der Welt gegenüber eingestellt.

Im weiteren Verlauf wird dann allerdings klar, dass sie tatsächlich ein kleiner Eisklotz sein kann - aber nur bei einem Thema: Liebe und Beziehungen. Seit sie klein war, hat sie die Ehen ihrer Mutter scheitern sehen und glaubt aus diesem Grund nicht daran, dass Beziehungen für die Ewigkeit geschaffen sind. Zwar sucht sie sich ihre Freunde nach einem ganz bestimmten Muster aus - groß, sportlich, hübsch, im Idealfall mit reichen Eltern - die ihrer Meinung nach die Chance, eine akzeptabele und mehr oder weniger beständige Beziehung zu führen, erhöht. Dass das eventuell die falschen Kriterien sind, kommt Remy dabei nicht eine Sekunde lang in den Sinn. Bis Dexter auftaucht und so gar nicht in ihr Schema passt. Er ist nicht nur schlaksig, unglaublich chaotisch und tollpatschig; er ist außerdem noch Musiker. Genau die Kategorie Männer, die Remy unter allen Umständen meidet wie die Pest. Doch er platziert sich einfach mitten in Remys Leben und lässt sich auch nicht mehr abwimmeln. Und es fällt Remy zunehmend schwerer, an ihrem Ursprungsplan einer Beziehung mit Ablaufdatum festzuhalten.

Die Metaphorik ist ja schon relativ eindeutig: Remy kühles Herz wird von Dexter zum schmelzen gebracht. Genauso kitschig, wie sich dieser Satz gerade anhört, wird die Geschichte im letzten Drittel, in dem es um nichts anderes als Gefühlsverirrungen geht. Schöne Momente gibt es zwar dort immernoch - zum Beispiel, wenn die verschiedenen Figuren ihre Perspektive auf die Liebe erläutern und dankenswerterweise dabei kaum ins Schmalzige abrutschen.
Ansonsten ist der Schreibstil sehr jugendlich - schnell zu lesen, umgangssprachlich und unkompliziert. Passend zu Remy eben, die auch gern alles in klarer Ordnung und einfacher Struktur hat. Die Figuren entsprechen eigentlich alle irgendeinem Rollenklischee und sind sehr stereotyp aufgebaut. Remys Mutter arbeitet als Schriftstellerin und ist ihrem kreativen Beruf gemäß infantil und exzentrisch. Don ist der typisch möchtegern-autoritäre Ehemann und Dexters Band ist ein chaotischer Jungshaufen, die von der Hand in den Mund leben und das College geschmissen haben, um irgendwann ihren Traum von der Musikkarriere erfüllen zu können. Dennoch sind sie alle irgendwie liebenswert - die kleinen Dialoge vor allem innerhalb der Band aber auch zwischen Remy und Dexter geben der Story eine Spritzigkeit und einen Witz, der sie kurzweilig zu lesen macht.

Auch wenn die Kennenlernumstände zwischen Remy und Dexte unglaublich konstruiert sind und die Story insgesamt sehr bekannten Wegen und Mustern folgt, kann ich das Buch doch als leichte Sommerlektüre empfehlen. Bei mir persönlich fühlt sich immerhin mein kleines Mädchenherz (das ich wahrscheinlich nie ganz ablegen werde) angesprochen, auch wenn der Geist nur den Kopf schütteln kann. Unter Einbeziehung der beiden - also Mädchenherz und Geist - komme ich zu einer Gesamtwölkchenzahl von 3. Knappe 3 zwar, aber immerhin.

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