18.06.2014

# Rezensionen

[Rezi] Fynn - Hallo Mister Gott, hier spricht Anna

Erscheinungsjahr: 2010 (Original 1974)
Originaltitel: Mister God, this is Anna
Genre: Erzählung
Reihe: Anna-Buchserie, Teil I
Seitenzahl: 193


Teaser:
Abends las ich Anna aus meinen Büchern vor. Sie hatte beschlossen, mit mir zu leben, also hatte ich ihr laut vorzulesen, damit sie an meinem Leben teilnehmen konnte. Was mich interessierte, interessierte sie auch.


Handlung
Eines Nachts findet der rastlose Fynn die kleine, sechsjährige Anna mutterseelenallein am londoner Hafen. Sie ist verschüchtert und schmutzig, aber mit Hilfe einer Packung Würstchen findet Fynn schnell einen Draht zu den kleinen. Er weiß nicht, woher sie kommt und wohin sie unterwegs ist, also nimmt er sie kurzerhand mit zu sich nach Hause. Er selbst ist 19 Jahre alt, weiß nicht genau, was er mit seinem Leben anfangen möchte, hat aber von seiner Mutter ein großer Herz für verlorene Personen und Tiere mitbekommen. Deshalb bedeutet "nach Hause" auch nicht bloß zu seiner Mutter, sondern außerdem zu den geretteten Haustieren und zwei weiteren aufgelesenen menschlichen Gästen. Anna bekommt ein Bad und ein Bett - dabei wird deutlich, dass sie von ihren Eltern schwer misshandelt worden sein muss, denn ihr Körper ist mit Prellungen und Quetschungen übersät.
Doch trotz ihrer schlimmen Vergangenheit hat sie sich eine unschuldige doch gleichzeitig messerscharf logische Denkweise beibehalten, die vor Liebe und Positivität nur so strahlt. Sie verzaubert nicht nur Fynn und dessen Mutter, sondern alle in ihrem Umfeld. Am prägnantesten ist dabei ihr direkter Draht zu Mister Gott. Dieser Gott hat nur wenig Ähnlichkeit mit dem Gott der Kirche, stellt aber für Anna einen großen Halt dar und lässt sie die Welt mit erstaunlich erwachsenen Augen betrachten. Fynn begibt sich also mehr oder weniger in Annas Schule und lernt dabei viel mehr über das Leben als aus jedem Buch, das er bisher gelesen hat.

Meine Meinung
Anna ist das klügste kleine Mädchen auf der Welt. Sie schafft es, komplexe Sachverhalte, mit denen sich Philosophen, Mathematiker oder Theologen seit Jahrhunderten beschäftigen, mehr oder weniger simpel für sich selbst zu klären und diese Erkenntnisse dann weiterzureichen. Vorzugsweise an Fynn, der sie mehr oder weniger adoptiert hat (oder vielleicht auch umgekehrt?), und mit dem sie viele tiefgehende Diskussionen führt. Vor allem über die Beschaffenheit von Mister Gott. Mister Gott ist Annas ganz persönlicher Ansprechpartner bei allen Problemen und Fragen und er hilft ihr immer, auf jede Frage eine Antwort zu finden. Oder wahlweise auch 10.00000 Fragen zu stellen, die alle mit der selben Aussage beantwortet werden können.

Das Buch ist aus der Sicht von Fynn erzählt, der von diesem kleinen Mädchen viel lernt. Mit ihm diskutiert Anna am meisten, denn sie hat auf viele Dinge eine ganz eigene, von der konventionellen Meinung abweichende Sicht und lässt Fynn mehr als einmal ganz grundlegende Dinge des Lebens, die er eigentlich für selbstverständlich geklärt empfunden hat, überdenken.
Ein bisschen hat mich die Kleine an Sokrates erinnert, der seine Dialektiken in ähnlicher Weise wie Anna vor den Leuten gerechtfertigt hat. Er führt nämlich durch geschicktes Nachfragen die Argumentation seiner Diskussionspartner ad absurdum und lässt sie sich selbst widersprechen, sodass sie am Ende logisch zu dem Schluss kommen, den Sokrates schon von Anfang an vertreten hat. Genauso macht es Anna mit Fynn, wenn auch weniger ironisch und mit wesentlich weniger Widerstand seitens ihres Schülers.

Vor allem ihre Erkenntnisse rund um Mister Gott, die das kleine Büchlein dominieren, fand ich extrem genial und (so sehr ich dieses Wort auch hasse) inspirierend. Sie hat so offene und erwachsene Ansichten, die sie gleichzeitig mit einer kindlichen Naivität erklärt und so leicht verständlich macht, dass es mich wirklich begeistert hat. Gott ist für sie nicht irgendeine abstrakte Größe, die im Universum herumwabert, sondern neben Fynn tatsächlich ihr bester Freund.
Faszinierend fand ich auch Annas riesiges Herz, in dem einfach für alles und jeden ein Plätzchen zu finden ist.

Dennoch schwingt oft auch ein großer Brocken Melancholie in der Geschichte mit. Anna hat manchmal Probleme, die sie nicht lösen, Ängste, die sie nicht überwinden kann. Dann ist Fynn zur Stelle und versucht, sie so gut es geht, aufzufangen.

Dieses Büchlein habe ich in einem Rutsch durchgelesen. Es hat mich zum lächeln gebracht, mich meinen Blick auf die Welt überdenken lassen und auch das ein oder andere Tränchen zum kullern gebracht. Ich fand es unglaublich bezaubernd und verleihe daher feierlich 5 rosa Wölkchen und erhebe es zu einem meiner ganz besonderen Leseschätze.


1 Kommentar:

  1. Oh ja, ich hab es letztes Jahr gelesen und so sehr gemocht! :) Diesen Sommer möchte ich es noch einmal lesen und habe es mir für meine Leseliste für den Sommer vorgenommen! <3 Schön, dass es dir auch so sehr gefallen hat, deine Rezension gefällt mir sehr!
    Lisa

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