25.06.2014

[Rezi] Gesa Schwartz - Grim III. Die Flamme der Nacht

Erscheinungsjahr: 2012
Genre: (Jugend-) Fantasy
Reihe: Grim-Bücherserie, Teil 3
Seitenzahl: 767


Teaser:
Vorsichtig berührte sie die Stirn. Sie war eisig dort, wo die Flamme sie getroffen hatte, und die Kälte drang durch ihre Finger und glitt unheilvoll über ihre Haut. Auf einmal drangen Geräusche durch die Stille, es waren Töne wie in einem Traum, und als Mias Herz schneller schlug, glitt der Laut aus ihr heraus.



Achtung! Spoileralarm!*Achtung! Spoileralarm!*Achtung! Spoileralarm!

Handlung
Nach der letzten großen Schlacht gegen die Schneekönigin ist erst einmal Ruhe und Frieden in Paris eingekehrt. Grim und Mia leben zusammen; Grim hat Carven mehr oder weniger adoptiert und dieser ist mit Jakob und Theryon auf Bildungsreise.
Doch da trübt ein seltsamer Nebel die Stimmung. Lautlos zieht er auf, wabert durch bestimmte Gebiete, hüllt die Menschen darin ein und verschwindet dann wieder - und mit ihm die Menschen darin. Auch Josi und Mias Mutter fallen diesem Nebel zum Opfer; ein zusätzlicher Anreiz für die altbewehrte Chaostruppe, herauszufinden, was es mit diesem Nebel auf sich hat. Grim setzt als Oberhaupt der Polizei der Anderwelt seine besten Spürnasen darauf an und begibt sich dann selbst in den Nebel. Da dieser ihn und später auch Mia verschont, wird schnell klar, dass ausschließlich Menschen der Macht dieses Nebels erliegen. Im tiefsten Inneren des Nebels trifft Grim auf einen Minotaurus, den er absolut nicht zuordnen kann. Normalerweise ist seine magische Kraft der eines Minotaurus bei weitem überlegen, doch im Kampf mit diesem Exemplar stellt sich heraus, dass es sich nicht um einen gewöhnlichen Dämonen handeln kann.
So startet die Reise von Grim, Mia, Remis und dem Vampir Lyskian, um gegen ihren bisher stärksten Gegener in den Kampf zu ziehen und ihn daran zu hindern, sich die Herrschaft über die Menschenwelt anzueignen. Dazu brauchen sie starke Verbündete und müssen sich nicht nur mit den Schrecken ihrer Gegner, sondern auch mit der Dunkelheit in ihrem eigenen Inneren auseinandersetzen.

Meine Meinung
Selten lasse ich mich zu solch einem harten Urteil hinreißen, aber bei diesem Buch ist es meiner Meinung nach absolut angebracht, von Papierverschwendung zu reden. Mir tut jeder Baum leid, der ungerechtfertigterweise sein Leben lassen musste, um diese rund 770 Seiten zu füllen.

Um den doch etwas kompromisslosen Ausspruch wieder ein bisschen zu relativieren, muss ich sagen, dass nicht alles schlecht ist an der Geschichte. Die Grundidee aus Band 1 bleibt erhalten: Das Menschen-/Hybridmädchen verliebt sich in den Gargoyl/Hybrid/Träger der Flamme des Prometheus/etc. und mit ihm zusammen entdeckt sie ihre Macht, beschützt die neue Welt und möchte am liebsten, dass sich ihre beiden Welten - die der Menschen und die der Anderwesen - wieder vereinen und in Frieden zusammeleben.
Aber leider ziehen sich die Schwächen aus Band zwei auch durch dieses Buch und werden meiner Meinung nach sogar noch deutlicher. Das Buch liest sich wie das Protokoll eines Computerspiels. Unsere altbewährte Gruppe wandert so durch die Gegend - mal bleibt sie hier in der bekannten Welt, dann gurkt mal jemand in der Traumwelt rum oder in den gefühlt 2.000 anderen Parallelwelten, die sich die Autorin da zurechtgedacht hat - muss sich hin und wieder mal ein bisschen trennen und dann erfüllt jeder so seine Prüfungen. Diese Prüfungen sind im Grunde lediglich mehr oder weniger blutiges Gemetzel, wobei die Gegner immer größer und immer stärker werden, aber em Ende gewinnt natürlich niemals der Feind. Das ist nicht nur super berechenbar, es verhindert auch, dass sich mal irgendwer oder irgendwas wirklich entwickeln kann. Die Charaktere bestehen ihre Prüfungen und rein von der Handlungslogik kann man diese 10 bis 20 Seiten Kapmf getrost streichen, denn man ist am Ende genauso weit wie am Anfang. Hat halt vielleicht ein kleines Level-Up, aber braucht das auch, weil der nächste Feind ja auch wieder ein bisschen stärker sein wird.

Es laufen verschiedene Handlungen parallel, die von der Eindimensionalität der Haupthandlung nur geringfügig ablenken, weil auch sie einfach angefangen und durchgezogen werden, ohne dass es einen Mehrwert für die Figurenentwicklung oder das Leserverständnis hat. Im Gegenteil: am Ende hat man so viele verschiedene Pseudo-Problematiken am laufen, dass der Durchblick ein bisschen schwierig wird.
Und was mich besonders aufgeregt hat: dieser gezwungene Versuch, auf Fantasy-Epos zu machen, indem nicht nur eine, sondern mehrere "erfundene" Sprachen in den Raum gestellt werden. Diese Sprachen wirken eher wie ganz schwache, quasi schattengleiche Abbilder von "Herr der Ringe" doch ohne dessen Herzblut und die Raffinesse. Es gibt einfach ein paar Wörter, die sich exotisch anhören. Niemand im Buch redet wirklich jemals in diesen Sprachen, aber die drei Ausdrücke, die im Buch auftauchen, eignen sich auch nicht für eine längere Konversation.

Die verkorkste Metaphorik habe ich ja in meiner Rezi zu Band 2 schon angesprochen und deshalb brauche ich sie hier nicht weiter ausführen. Sonst steigere ich mich nur weiter hinein und bekomme noch einen Herzanfall.
Das Ende ist dann einfach genauso vorhersehbar wie der ganze Rest der Geschichte. Das einzig spannende ist eigentlich, welche Wesen aus allen möglichen Mythologien die Autorin als nächstes auftauchen lässt. Und das verliert auch ziemlich schnell seinen Reiz.
Völlig versört hat mich dann der Epilog aus dem ich die ernsthafte Absicht herauslese, diese Reihe in der ein oder anderen Art fortzuführen. Ich bin mir nicht sicher, ob sich da nicht Greenpeace einschalten sollte. Denkt doch bitte mal an die Bäume!

Also, insgesamt gibt es ein Wölkchen von mir. Selten verliehen, aber in diesem Fall mit dem größten Vergnügen. Mein einziger Trost ist, dass die Cover dieser Reihe wirklich wunderschön sind und sie deshalb hübsch in meinem Regal aussehen werden. Immerhin etwas.

Kommentare:

  1. Du Arme (und die armen Bäume)! Ich kann mir das Grinsen aber dennoch nicht verkneifen xD Ich lese solche Rezensionen einfach viel zu gerne! Keine Ahnung welches Zeug einige Leute genommen haben für die alles rosa, flauschig und fluffig ist und "es gibt sooooo viele gute Bücher". Pustekuchen. Es gibt mindestens genauso viele schlechte. Naja, raus aus meinem Sumpfloch - das Buch mag vielleicht Papierverschwendung gewesen sein (770 Seiten - AUTSCH!), aber immerhin ist ein schöner Post für deinen Blog dabei rausgesprungen :P

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    1. Richtige Verrisse lese auch einfach super gerne. Da hat man auch viel mehr Möglichkeiten, das ganze etwas humorös aufzulockern :D Aber ob das die Qual des Lesens wert ist? xD
      Manche haben vielleicht einfach Glück bei der Auswahl :) So ein schlechtes Buch hatte ich auch wirklich schon lange nicht mehr in den Händen. Normalerweise finde ich wenigstens ETWAS positives, was wenigstens noch 2 Wölkchen rechtfertigt xD

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