09.07.2014

[Rezi?] John Green - The Fault In Our Stars

BloggDeinBuch und der Penguin Random House - Verlag haben mir freundlicherweise die englische Version eines der Bücher, das mich in den letzten Jahren mit am meisten bewegt, beeindruckt und begeistert hat, zum Lesen und Besprechen zur Verfügung gestellt.
Da ich vor ziemlich genau einem Jahr schon eine klassische Rezension zu dem Buch geschrieben habe (die ihr übrigens *hier* findet) und dieser auch nichts mehr hinzufügen kann, habe ich mir gedacht, heute den Begriff "Rezension" einfach ein bisschen zu dehnen und darunter keine bloße Buchbesprechung oder Kritik zu verstehen - mit fehlt auch mittlerweile einfach der "objektive" Abstand dazu - sondern ein bisschen davon zu erzählen, warum mich das Buch so nachhaltig beschäftigt, warum ich es liebe, obwohl ich es hasse und vor allem die Frage beantworte, warum ich es bei BdB gewinnen musste, obwohl ich es ja offensichtlich schon gelesen hatte.
Die Handlung sollte jedem, der das hier liest, auch mehr oder wenige detailliert geläufig sein - ich denke nicht, dass man sich der Story in letzter Zeit vollständig verschließen konnte. Von daher sind wir damit ja auch alle in etwa auf dem gleichen Stand.

Alles begann irgendwann im letzten Jahr, als sich mal wieder ein Buch in der Bloggerwelt eingenistet hat und von vielen Buchbloggern vorgestellt wurde. Der teenie-trotzig klingende Titel der deutschen Übersetzung und besagter plötzliche Hype sorgten dafür, dass ich mich nicht weiter mit dem Buch beschäftigte. "Noch so eine Geschichte für unverstandene Mädchen um die 14" hab ich gedacht (nichts gegen unverstandene Mädchen um die 14! Ich gehörte auch mal dazu. Aber aus dieser Phase bin ich nunmal herausgewachsen und brauche auch entsprechend keine Bücher mehr darüber zu lesen).
Irgendwann fand das Buch dann aber den Weg zu diversen Bloggerkollegen, deren Geschmack ich bis dato immer vertrauen konnte und die sich in ihren Besprechungen in regelrechte Gefühlsausbrüche hineinsteigerten. Ab diesem Moment fing ich dann auch mal an, mich näher mit dem Inhalt des Buches auseinanderzusetzen und meine Abneigung wurde von einem dezenten Interesse abgelöst. Und als ich dann bei einem meiner Besuche in der örtlichen Stadtbibliothek eben dieses Buch im Bestseller-Regal erblickt habe, wanderte es kurzerhand in meine Tasche.
Zu Hause lag es dann noch eine Weile herum, bis ich mich schließlich aufraffen konnte und losgelesen habe. Und was dann kam, ließ mich die emotionalen Rezensionen aller anderen Blogger sofort verstehen. Schon nach den ersten paar Kapiteln war ich so gefangen von John Greens Schreibstil, von Hazel und Gus, von der Geschichte und dieser absolut tragischen und gleichzeitig so herzerwärmenden Entwicklung, dass ich das Buch wirklich fast in einem Rutsch durchgelesen habe.

Hazel und Gus sind so wunderbare Protagonisten, die sich perfekt ergänzen. Mittlerweile würde ich sagen, dass sie sich vielleicht sogar ein bisschen zu rund und glatt entsprechen und alles ein bisschen konstruiert zusammenpasst, aber meiner Bewertung tut das keinerlei Abbruch. Hazel ist eine starke Figur, die klar in eine moralische Ecke gestellt wird, aus der sie auch nicht heraustritt. Sie als Krebspatientin, die bald sterben muss, hat trotzdem unendlich viel Geduld mit ihren Eltern und versucht, sie mit ihrer Krankheit so wenig wie möglich zu belasten und ist in keiner Weise egozentriert, obwohl man das als Sterbender ja schonmal gerne sein kann. Doch innerhalb dieser Ecke hat auch sie Zweifel, Wut, Angst und fordert sich das Recht auf ein bisschen Leben ein, das ihr ja wohl auch zusteht (wir sind uns wohl alle einig, dass ihr in Wahrheit noch viel mehr Leben zugestanden hätte).
Und Gus. Seine direkte Art, der Zynismus, mit dem Hazel und er mit ihren Erkrankungen umgehen, die schlagfertigen Dialoge der beiden - das alles ist richtig wunderbar.

Was das Buch für mich so besonders macht, ist die Art und Weise, wie es mit Paradoxien umgeht. Stärke und Schwäche, Schmerz und Freude, Liebe und Verzweiflung, Angst und Mut, Witz und Trauer, Leben und Tod liegen so nahe zusammen und werden so eng miteinander verknüpft, dass es doch kein Wunder ist, wenn die Leser als emotional instabile Wracks zurückgelassen werden.
Die Geschichte zerreißt mir immernoch das Herz. Wer hätte Hazel und Gus nicht die Ewigkeit zwischen 1 uns 1.000.000 gegönnt?
Es gibt nicht viele Bücher, die mich so zurücklassen, wie "Das Schicksal ist ein mieser Verräter". Aber wenn sie es tun, dann gehören die Geschichten darin mir, auch wenn ich das Buch nicht besitze. Also habe ich es nach dem Lesen wieder in der Bibliothek abgegeben und auch nicht gekauft. Weil ich wusste, dass ich es so schnell sowieso nicht wieder würde lesen können. BloggDeinBuch hat mir dann aber trotzdem die Möglichkeit gegeben, nicht nur das Buch in mein Regal stellen zu können (was ich trotz des Filmcovers gerne tue), sondern es sogar in der Originalsprache nochmal durchleben zu dürfen. Da musste ich einfach zugreifen. Um dann festzustellen, dass das Buch auf Englisch nicht weniger stark ist. Jaa, ich weiß - ich bin auch überrascht.

Long story short: meine Begeisterung hat sich nicht geändert, meine Tränenflut wurde nicht eingedämmt, meine Lacher nicht weniger und auch meine Bewertung sinkt nicht ab. Nach wie vor gehört dieses Buch zu meinen absoluten Schätzen. Auch wenn ich es hasse.
Hier übrigens das Schlusfazit aus meiner letztjährigen Rezi, das ebenfalls nach wie vor so stehen bleiben kann:

Ich kann nicht sagen, dass mir die Geschichte gefallen hat. Natürlich nicht. Sie ist furchtbar tragisch, unfair und unbefriedigend. Aber die Worte, mit der sie erzählt werden, mag ich sehr. Auf manche Fragen gibt es einfach keine Antwort. Diese Erfahrung macht Hazel am Beispiel ihres Lieblingsbuches greifbar, aber natürlich steht das metaphorisch (nicht nur Gus kann Metaphern entdecken ;) ) für so ziemlich alle Fragen, die das Leben betreffen. Am Ende der Geschichte stand ich ähnlich da, wie Hazel am Ende ihres Lieblingsbuchs. Mir ist klar, warum es so endet, aber ich will wissen, wie es weitergeht. Mit den anderen. Mit allem. Obwohl es letztendlich eigentlich nicht wichtig ist. Alles wichtige diese Geschichte betreffend ist gesagt.


5 rosa Wölkchen und ein Herz dafür! ♥



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