06.08.2014

[Rezi] Charlotte Link - Der Beobachter

Erscheinungsjahr: 2012
Genre: Kriminalroman
Seitenzahl: 651



Teaser:
Toms Fürsorge rührte Gillian. Sie hatte oft den Eindruck, er sei eher mit ihrer beider Firma verheiratet als mit ihr und in zweiter Linie mit seinem Tennisclub, aber es gab Augenblicke, da spürte sie die Wärme, die es vor Jahren zwischen ihnen gegeben hatte und die verborgen und vom Alltag überlagert noch immer da war.



Handlung
Weil sein eigenes Leben ihn nicht ausfüllt, nimmt Samson indirekt an dem seiner Nachbarn teil. Stundenlag schleicht der arbeitslose Mann durch die Straßen und beobachtet die Routinen und Gewohnheiten der Menschen, die ihm dort begegnen. So muss er zum einen nicht zu Hause sitzen, wo seine verbitterte Schwägerin ist, und zum anderen vergisst er die Perspektivlosigkeit seines eigenen Daseins. Seine liebsten Objekte sind die Mitglieder der Familie Ward, die nach Außen hin das für ihn perfekte Leben führen: die beiden Eltern Tom und Gillian führen eine harmonische Ehe und arbeiten beide in ihrer eigenen Firma, während die Tochter der beiden die typischen Teenie-Probleme durchmacht. Doch dann taucht John, der Handballtrainer der Tochter, auf der Bildfläche auf und verbringt öfter Zeit mit Gillian. Samson geht auf, dass vielleicht auch diese Familie nicht völlig ohne Probleme lebt und er nur auf die Fassade angesprungen ist, anstatt dahinter zu blicken.

Eines Tages werden in einem kurzen Zeitraum zwei ältere, alleinstehende Damen ermordet in ihren Wohnungen aufgefunden. Die Polizei vermutet durch den gleichen Tathergang den selben Täter bei diesen beiden Morden, kann allerdings keine Verbindung zwischen den Opfern erkennen. Die brutale Weise, mit der die beiden Frauen umgebracht worden sind, lässt allerdings auf einen Täter mit enorm viel Wut und Hass schließen.

Meine Meinung
Wirklich gute Krimis sind schwer zu finden, weil sie schwer zu schreiben sind. Dieses Buch ist auf jeden Fall ein gutes Buch, aber meiner Meinung nach leider nicht unbedingt das, was ich unter einem guten Krimi verstehe.
Schon die Seitenzahl lässt ein bisschen vermuten, was sich beim Lesen auch herausstellt: es ist eine viel zu ausführlich erzählte Geschichte, als dass ein rasantes Tempo erreicht werden könnte, das für die Spannungskurve eines Krimis für mich persönlich unerlässlich ist.

Wie viele Romane von Charlotte Link spielt auch dieser hier wieder in England. Der Zeitraum ist in der Weihnachtszeit angesiedelt, und ich fand diese düstere und kalte Jahreszeit hat sehr gut gerade zu den psychologischen Tiefen, die wir teilweise erleben, gepasst hat.

Die Hauptfiguren sind auch sehr schön und nachvollziehbar ausgearbeitet. Gillian und ihre Familie nehemen dabei einen relativ großen Raum ein und natürlich auch Samson Seagal erhält viel Raum.
Gillian und ihr Mann Tom haben sich mit ihrer Firma eine ziemlich stabile Lebensgrundlage geschaffen und führen ein sehr geregeltes Leben zusammen mit ihrer Tochter Becky. Ihr Leben ist absolut im Alltäglichen aufgegangen und irgendwie sehnt Gillian sich nach Abwechslung. Mit den Müttern der Schulkameraden von Becky findet sie nicht zusammen, weil sie deren Themen wie der neuste Klatsch und Tratsch oder das leckerste Keksrezept nicht interessieren. Ihre beste Freundin Tara ist die einzige Person, mit der sie eine wirkliche Freundschaft verbindet. Als Gillian dann eine Affäre mit John, dem Handballlehrer ihrer Tochter, beginnt, zieht sie den Argwohn Samsons auf sich, der sein Bild der perfekten Familie bedroht fühlt.

Es gibt viele verschiedene Handlungsstränge innerhalb der Geschichte, die mit absolut toll konzipierten Figuren bestückt sind. Diese Fähigkeit, psychologisch nachvollziehbare, aber nicht stereotype Charaktere zu schaffen, sind der Grund, warum ich Charlotte Link so gerne lese. Fraglich ist für mich nur, ob es bei einem so angelegten Roman wirklich nötig ist, das Innenleben fast aller Figuren - ob nun im Endeffekt relevant oder irrelevant - so ausführlich darzustellen wie es in diesem Buch der Fall ist. Sowohl die Ermittler, die Protagonisten, die Opfer und viele Nebenfiguren kann man absolut toll in ihren Handlungen nachvollziehen aber für meinen Geschmack ist das gar nicht nötig, wenn es für das Fortkommen der Geschichte nicht nötig ist. Und nicht nur das war mir zu ausführlich. Auch der Hang zum exzessiven Beschreiben der Landschaften, Häuser oder Schneeverwehungen sorgt dafür, dass Tempo und Spannung zurückgenommen werden.

Alles in allem hat mich das Konzept der Geschichte nicht überzeugt. Sie hat gute Anlagen, die für mich bei diesem Genre einfach zu stark ausgeführt wurde. 200 Seiten wenige hätte dem Buch auf jeden Fall nicht geschadet. Deshalb gibt es leider nur 2 Wölkchen von mir.






1 Kommentar:

  1. Ich war noch nie ein Fan von dicken Büchern und bei diesem hat sich auch mal wieder gezeigt, daß man einiges hätte kürzen können.
    Leider hat mich noch kjein Buch von Charlotte Link wirklich überzeugen können...

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