28.08.2014

[Rezi] Ernest Hemingway - Inseln im Strom

Erscheinungsjahr: 1983 (Erstausgabe:1970)
Originaltitel: Islands in the Stream
Genre: Erzählung
Seitenzahl: 388



Teaser:
Er hatte ihn noch nicht fest, und die Angelrute bog sich, die Leine lief aus, schräg ins Wasser, und der Junge versuchte, die Leine festzuhalten. Thomas Hudson hatte die Maschinen gedrosselt, so dass sich die Schrauben kaum noch drehten.



Handlung
Nachdem Thomas Hudson dank einer geerbten Ölquelle keine finanziellen Sorgen mehr hat, widmet er sich mehr oder weniger ganz seiner Leidenschaft, der Malerei. Auf einer der Inseln in den Bahamas hat er ein traumhaftes Haus direkt am mehr und mehrere Angestellte, die alles Nötige für ihn erledigen. Seine Tage sind durch die Malarbeiten an seinen Bildern, die in New York verkauft werden, strukturiert. Daneben genießt er das Inselleben - auf der kleinen Insel kennt jeder jeden und das Gemeinschaftsleben ist vor allem in der Hurricain-Saison besonders wichtig.
Doch im Moment freut Thomas sich vor allem auf den Besuch seiner drei Söhne Tom, David und Andy, die ihn für mehrere Wochen auf der Insel besuchen wollen. Tom ist der Älteste der Brüder und aus Thomas' erster Ehe, während Dave und Andy aus einer weiteren Beziehung stammen. Es ist selten, dass Thomas sie alle zusammen um sich hat und obwohl er diese Zeit herbeisehnt hat er auch gleichzeitig Angst vor der Einsamkeit, die wieder das Haus erfüllen wird, wenn seine drei Jungs wieder bei ihren Müttern sind.

Meine Meinung
Obwohl das Buch nicht dick ist, ist es dich ein ziemlich harter Brocken. Für mich war es ziemlich anstrengend zu lesen - einmal wegen der Sprache und einmal wegen dem deprimierenden Grundton, der die gesamte Erzählung beherrscht.

Das Buch gliedert sich in drei Teile: im ersten Teil wird Thomas' Leben in der Karibik geschildert. Abgesehen von seinen offensichtlich problematischen Beziehungen zu Frauen im Allgemeinen und seinen Ex-Frauen im Speziellen scheint er ein idyllisches Leben zu führen. Er kann seiner Leidenschaft folgen und Bilder malen, ohne sich um Geld Gedanken machen zu müssen. Seine Söhne lieben ihn und freuen sich wie Könige über ihren Urlaub auf der Insel. Aber richtig genießen kann Thomas all das nicht. Irgendwie scheint er immer etwas zu vermissen, ist aber nicht in der Lage, zu formulieren, was es ist. Im Zweifel flüchtet er sich in den Alkohol - hat sich aber strenge Regeln auferlegt, um nicht zum Alkoholiker zu werden. Zumindest im ersten Teil hält er sich auch zum großen Teil daran.

Am Ende des ersten Teils und dann am Anfang des zweiten Teils treffen Thomas dann gleich mehrere Schicksalsschläge und er verliert völlig den Halt im Leben. Mittlerweile lebt er mehr oder weniger in Havanna, weil er vom amerikanischen Militär eingezogen worden ist und von dort aus gegen Schiffe der deutschen Wehrmacht kämpfen muss. Sein analytischer Verstand helfen ihm, sich nicht völlig in sich zu verlieren, verhindert aber dennoch nicht, dass er immer weiter in den Alkoholismus versinkt.

Der dritte Teil schließlich beschreibt einen konkreten Einsatz: Thomas und seine Mannschaft verfolgen deutsche Schiffbrüchige, die versuchen, irgendwie heil nach Hause zu kommen, nachdem ihr U-Boot abgeschossen worden ist. Mit mindestens zwei verwundeten versuchen sie, Thomas zu entkommen.

Thomas ist der Protagonist dieses Buches und eindeutig die Figur, deren Charakter am stärksten ausgearbeitet ist. Die Einsamkeit, die ihn von Anfang an erfüllte und die später nicht nur stärker, sondern auch von Zerrissenheit und Verzweiflung ergänzt wird, ist ziemlich eindrucksvoll dargestellt. Er versucht, sich an seinen Regeln festzuhalten, um nicht völlig in ein depressives Loch zu fallen. Doch alleine schafft er es einfach nicht und flüchtet sich immer mehr in den Alkohol.

Der Schreibstil des Buches ist ein wenig gewöhnungsbedürftig. Teilweise liegt das meiner Meinung nach an der Übersetzung, die einige Begriffe einfach nicht übersetzt, obwohl es durchaus deutsche Entsprechungen zu den Begriffen gibt. Das fand ich in diesem Fall ein bisschen unnötig. Außerdem sind atemberaubende Kettensätze und spontane, unangekündigte Gedankensprünge an der Tagesordnung, sodass man sich beim Lesen auf jeden Fall konzentrieren muss, um am Ball zu bleiben. Die ganze Geschichte ist ziemlich dialoglastig und vieles wird entweder im Gespräch zwischen den Figuren geklärt, oder eben gar nicht.
Es gibt sehr lange Passagen, während denen im Grunde nichts passiert und die für die Handlung auch nicht weiter wichtig sind. Diese werden dann ellenlang und detailliert ausgeführt, sodass das Lesen doch ein bisschen langweilig wird.

Dass der Fokus so eindeutig auf Thomas Hudson liegt, finde ich dagegen sehr spannend, weil dadurch die ganze Tragweite seiner seelischen Zerrüttung illustriert werden kann. Die Ausgestaltung dieser Figur und ihres Schicksals hat mich auf jeden Fall beeindruckt.
Dennoch konnte mich das Buch nicht völlig überzeugen und war insgesamt betrachtet mehr Quälerei als Genuss für mich, sodass ich leider nur 2 Wölkchen als Gesamtfazit vergeben kann.

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