26.09.2014

# L(i)ebenswert

[Gerede] Turbo- Brüssel. Oder: Wie viele Sehenswürdigkeiten passen in zwei Tage?

Was macht man, wenn man Semesterferien hat, vom Fernweh gepackt wird und bei zwei guten Freundinnen dieselben Symptome entdeckt? Genau, man fährt einfach mal ein paar Tage weg. Und weil wir cool sind und uns außerdem immer gerne weiterbilden, haben wir uns gegen Strand und für Belgien entschieden. Genauer gesagt Flandern. Genauer gesagt Brüssel. Brüssel ist eine spannende Stadt voll mit interessanten Orten und Menschen. Das liegt zum einen daran, dass es super multi-kulti ist - die vielen Touris aber auch die vielen Zuwanderer, die in Brüssel - der Hauptstadt der EU - wohnen, bilden einen wirklich interessanten und spaßigen Mix. Zwei Tage sind natürlich viel zu kurz, um so eine riesige, vielfälige Stadt zu erkunden. Daher hatten wir ein richtig volles Programm und haben dieses ganz Touri-mäßig auch durchgezogen.

Drei Dinge verbindet jeder sofort mit Brüssel: Pommes, das Manneken Pis und das Atomium. Selbst Leuten, die sich eigentlich nicht großartig mit Belgien beschäftigt haben, wissen, dass man dort angeblich die besten Pommes bekommt. Angeblich? Im Ernst! Abseits der Touri-Fallen gibt es an jeder Straßenecke kleine Imbiss-Buden, die riesige Mengen an riesigen Pommes verkaufen - inklusive einer oder zwei Sorten Soße. Wobei da die Auswahl wirklich schwer fällt, denn Mayo und Ketschup werden eher selten zu den Pommes gegessen. Warum auch, wenn man ungefähr 25 Alternativen hat, die richtig, richtig lecker schmecken?
Die besten Pommes haben wir ganz durch Zufall gefunden. Eigentlich waren wir auf der Suche nach dem Europäischen Parlament, konnten dieses aber zuerst leider nicht finden (wie man dieses riesige Gebäude übersehen konnte, ist mir rückblickend ein echtes Rätsel) und sind deshalb durch Irren und Wirren quer durch die Gässchen von Brüssel auf die wohl weltberühmteste Pommes-Bude Belgiens gestoßen. Zu Recht weltberühmt, kann ich da nur sagen. Es ist wohl auch ein bisschen bezeichnend für meine Prioriätensetzung, wenn ich den Pommes hier mehr Platz zugestehe, als dem Europäischen Parlament, aber so ist das eben. Wobei das auch sehenswert war. Auf jeden Fall geben sollte man sich das Parlamentarium - das kostenlose Museum zur EU - richtig großartig gemacht und kurzweilig informativ. Aber eben nicht so lecker wie die Pommes ;)

So beeindruckend Pommes und Parlamentarium waren, so enttäuschend ist der kleine, pinkelnde Mann. Ich weiß, es ist Brüssels Wahrzeichen und ich finde es auch sowohl aussagekräftig als auch sympathisch, wenn eine Stadt einen pinkelnden Jungen als sein Symbol auserwählt. Aber irgendwie stellt man sich das dann doch etwas spektakulärer vor. Tatsache ist aber, dass das Manneken Pis ungefähr 60 cm hoch ist und man nicht näher als 2 Meter ran kommt. Aber an manchen Tagen hat der Bub immerhin etwas an. Wie hier einen wunderschönen Jogginganzug der kommenden Olympischen Spiele.

Ein weitaus imposanteres Wahrzeichen der Stadt - auch, wenn dieses ein bisschen außerhalb des Zentrums liegt - ist da schon das Atomium. Ein Gebäude, das aussieht, wie ein riesiges Eisenmolekül. Das Ding ist um die 100 Meter hoch, wobei die Kugeln quasi die Räume und die Röhren die Gänge sind. Ziemlich genialer Ausblick ist es auf jeden Fall. Und die Röhrengänge sind extrem genial spacig.


Und was gibt es sonst noch? Freundliche, hilfreiche Menschen, die drei verwirrt dreinblickenden, verzweifelt in der Karte nach dem Weg suchenden Mädels sofort und ohne zu Zögern ihre kompetente Hilfe anbieten. Bunt bemalte und künstlerisch gestaltete Metro-Stationen, die einen fast die wunden Füße vergessen lassen, die man nach 12 Stunden Sightseeing hat, und natürlich eine unglaubliche Vielfalt an Architektur. Und Essen. Erwähnte ich das Essen bereits? Ich bin sicher, der einzige Grund dafür, dass sich die Bewohner Brüssels nicht alle rollend fortbewegen ist die Tatsache, dass es viel zu hügelig ist. Müssten die nicht die ganzen Berge hoch und runter laufen, sähen die Leute dort ganz anders aus.


Was man sich auch unbedingt ansehen sollte - einfach, um mal einen Eindruck von der kitschigen Architektur dieser Stadt zu bekommen, die ja auch immerhin Königssitz ist, ist der Grand Place mit dem Rathaus und der Börse. So viel Gold, Stuck und Pomp habe ich selten auf einem Haufen gesehen und ich war wirklich fasziniert. Vor allem wunderschön war der Blumenmarkt auf dem Grand Place, der Gott sei Dank an unserem zweiten Tag die Bierzelte vom vergangenen Bierfest abgelöst hat. Eine enorme Geruchsverbesserung ging damit übrigens auch einher.

Und wo wir grade vom Königssitz reden: nicht zu vergessen ist natürlich der Palast von Philippe und Mathilde - wann hat man schon sonst mal die Gelegenheit, einen der größten Paläste Europas zu sehen? Wenn ich so darüber nachdenke wirkt es fast, als müsste die Stadt mit ihren riesigen Gebäuden das kleine Männchen kompensieren ;) Jedenfalls ist dieses Gebäude wirklich enorm und passt im Grunde unter keinen Umständen vollständig auf ein Foto. Wir haben es natürlich trotzdem versucht.

Was ich allerdings auf solchen Städtereisen tue und auch wirklich jedem rate ist, neben all dem obligatorischen Sightseeing einfach mal ein oder zwei Stündchen ziellos durch die Stadt zu schlendern und sich ein bisschen treiben zu lassen. Das kann in verschiedenen Vierteln Brüssels sehr sehr köstlich werden. Zum Beispiel im Quartier des Sablons, wo es nicht nur wundervolle kleine Cafés gibt, sondern sich auch die Läden der Chocolatiers aneinanderreihen, als wäre dort die Luft für die Pralinenherstellung am besten. Was ich nicht beurteilen kann. Was ich allerdings weiß, ist, dass ich in meinem Leben noch nie so köstliche Schokolade gegessen habe wie dort. Also ist dies ebenfalls ein Gerücht über Belgien, das ich definitiv bestätigen kann. Und die mich in meiner Berg-rollende-Menschen-Theorie unterstützt.

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