29.10.2014

[Rezi] Kai Meyer - Arkadien fällt. Arkadien-Reihe, Teil III

Erscheinungsjahr: 2011
Genre: (Jugend-) Fantasy
Reihe: Arkadien-Reihe, Teil III
Seitenzahl: 448


Teaser:
Die Harpyie stieß ein markerschütterndes Kreischen aus und geriet ins Taumeln. Ihr Flügelschlag kam aus dem Rhythmus. Rosa verlor erneut die Orientierung, als die Eule ein Stück absackte, so plötzlich, dass Rosa ein panisches Zischen ausstieß und dabei ihre Zähne aus dem Leib ihrer Gegnerin riss.



Achtung! Spoileralarm!* Achtung! Spoileralarm!* Achtung! Spoileralarm!*

Handlung
Nachdem Fundlings Tod bekannt wird, organisiert Alessandro eine Beerdigung, wie sie sonst nur Familienmitgliedern zusteht. Aber Fundling hat Rosa und Alessandro nicht nur das Leben gerettet und dafür seines gegeben, er ist auch zusammen mit Alessandro aufgewachsen und für diesen darum ein Teil seiner Kindheit. Ausgerechnet zu der Beerdigung nun taucht Richterin Quattrini zusammen mit ihren beiden Leibwächtern auf - alles Mitglieder der Anti-Maffia - um das Gespräch mit Rosa und Alessanfro zu suchen. Die Richterin scheint mehr als umfassend über die Dynastien Arkadiens informiert zu sein und wird bei dem Gespräch Opfer eines hinterhältigen Mordkomplotts. Da Rosa und Alessandro zum Zeitpunkt des Anschlags alleine mit der Richterin waren, sieht es natürlich so aus, als wären sie für deren Tod verantwortlich. Ihnen bleibt nichts anderes übrig, als die Flucht zu ergreifen und werden damit zu Verfolgten - nicht nur von der Polizei, sondern auch von ihren jeweiligen Familien, die sich über alle Konflikte hinweg zusammengeschlossen haben, um der Beziehung der beiden endgültig ein Ende zu setzen.

Meine Meinung
Abschlüsse einer Reihe sind ja immer etwas schwierig. Vor allem in diesem Fall waren noch so viele lose Enden und offene Fragen, dass es eine große Leistung wäre, alles angemessen miteinander zu verknüpfen. Und glücklicherweise kann ich berichten, dass Kai Meyer diese Aufgabe meiner Meinung nach gut gemeistert hat.

Mit nicht mehr als ein paar vagen Anhaltspunkten und haarsträubenden Vermutungen versuchen Rosa und Alessandro, auf den Grund des Geheimnisses zu kommen, warum sie im Mittelpunkt eines so ausgetüftelten Plans stehen und sich ausnahmslos alle Clans der Insel gegen die beiden wenden.
Der Druck kommt von allen Seiten und die beiden kämpfen verbissen um jeden noch so kleinen Informationsfetzen, um endlich das große Ganze zu verstehen. Alles scheint mehr oder weniger bei der TABULA zusammenzulaufen; einer Organisation über die niemand etwas zu wissen scheint. Eine große Hilfe bei den Nachforschungen sind erstmal Danai Thanassis und ihr Vater, die schon länger gegen diese Organisation kämpfen.

Die Handlung setzt mit einer wahnsinnigen Geschwindigkeit ein und verliert auch während ihres Verlaufs nicht an Tempo. Ein Schlag folgt auf den nächsten und parallel werden immer mehr Verbindungen sichtbar. In der Mitte hatte die Story für mich dann einen kleinen Durchhänger, weil zu viel Action irgendwann halt auch ein bisschen langweilig wird, aber das hat sich relativ schnell wieder gelegt, als im letzten Teil - vor dem großen Showdown - der Schwerpunkt mehr darauf lag, die Geheimnisse rund um TABULA aufzudecken.

Es fügt sich irgendwann alles zusammen - meiner Meinung nach ein bisschen zu gut und auch ein bisschen absehbar, aber das tut dem Lesevergnügen nur wenig Abbruch. Die Figuren sind gewohnt detailliert ausgestaltet, sodass es Spaß macht, sie bei diesem Wettrennen gegen... nun ja, den Tod zu begleiten. Die Nebenfiguren erhalten nicht so viel Raum wie in den Vorgängerbänden, aber wenn sie auftauchen, dann gewohnt liebenswert. Ich bin ein Iole-Fan - die Kleine ist so ein toller Charakter! Der Schwerpunkt liegt so stark wie nie auf Rosa und Alessandro, die beide ihre Verwandlungen immer besser im Griff haben. Vor allem Rosa hat ihr Erbe mittlerweile völlig unter Kontrolle; ihre Entwicklung in der gesamten Reihe ist wirklich beachtlich.

Sehr gut gefallen hat mir auch immer wieder die moralische Komponente: Rosa, die nicht in der Mafia aufgewachsen ist, hat immer Skrupel vor jeder Gewalttat, stellt alles in Frage und merkt mit Schrecken, wenn sie es doch mal genießt, Macht auszuüben. Diese permanente Infragestellung finde ich in einem Buch, bei dem so viel Blut fließt, enorm wichtig.

Dieser letzte Band hatte für mich zwar einige Längen und war nicht der stärkste Band der Reihe und lässt durchaus einige Fragen offen, ist aber trotzdem ein schöner Abschluss. Es gibt 3 Wölkchen dafür von mir.

25.10.2014

[TAG] Fictional Bucket List

Es ist schon wieder ein Weilchen her - wie doch immer die Zeit vergeht! - seit mich die liebe Nina offiziell getagged hat. Und wenn sich schonmal die Gelegenheit bietet, quasi 'legal' und aufgefordert einen TAG mitzumachen (was ich sonst ja immer ignoriere und einfach alles mitnehme, was mit gefällt, ob getagged oder nicht), muss diese auch genutzt werden. Besser spät als nie, sag ich da immer!

Die Regeln
Was eine Bucket List ist, wissen wahrscheinlich die meisten von euch. Das ist eine Liste mit Dingen, die man noch machen/sehen/erfahren will, bevor man stirbt. Sozusagen eine universelle Aufgabenliste. Und eine solche wird in diesem TAG erstellt. Und zwar unter folgenden Voraussetzungen:
1. 10 Punkte wären gut
2. Es dürfen nur Dinge drauf, die in der Realität nicht möglich sind (zumindest nicht offiziell)
3. Die Dinge müssen mit Büchern zu tun haben (woher auch sonst den Input nehmen? ;) )

Uuuund los geht's!

  • Es steht sicher auf jeder Liste (Nina hatte es auch auf Platz 1 ;) ), und das hat seinen guten Grund. Denn wer bitte möchte nicht endlich seine verdiente Zauberausbildung bei Hogwarts erhalten? Im Ernst, wir haben ein Recht auf Bildung - steht so im Grundgesetz. Also bitte, ich erwarte in naher Zukunft mein Ticket für den Hogwarts-Express von Gleis 9 3/4, um damit meine Reise in die Harry-Potter-Reihe von J.K. Rowling anzutreten.

  • Einmal Marianne die Meinung geigen. Aber so richtig. Das wäre wunderschön, denn sie regt mich jedes Mal wieder auf, wenn ich Verstand und Gefühl von Janes Austen lese. Und so ein netter Ausflug ins England um 1800 herum wäre doch sicher auch sehr nett. Schöne Landpartien, Gesellschaften und ein bisschen Handarbeit. Ich finde, das hätte was.

  • Mit diversen bewusstseinserweiternden Substanzen vielleicht sogar machbar - nicht, dass ich es ausprobieren würde ;) - wäre Nummer drei auf meinem Wunschzettel ein Spaziergang zusammen mit Alice durch ihr Wunderland. Vor allem bei dem Teekränzchen des Hutmachers wäre ich sehr gerne dabei; das habe ich als Kind schon immer nachgespielt. Lewis Carrolls Alice im Wunderland mochte ich nämlich quasi schon immer.



  • Old but Gold - eine kleine Reise nach Phantasien muss auch drin sein. Die Kindliche Kaiserin treffen und vielleicht genau wie Bastian viel über das Leben und sogar noch mehr über mich selbst erfahren. Meine eigene Unendliche Geschichte schreiben und rausfinden, ob sie genauso faszinierend und immer wieder toll zu lesen ist wie die von Michael Ende.

  • Eine tiefe und lebenslange Freundschaft mit einem Elefanten schließen ist der nächste Punkt auf meiner Liste. Eine Zeit lang wäre ich gerne Artistin im Zirkus aus dem Buch Wasser für die Elefanten von Sara Gruen. Mehr als einmal hat mir Rosies Treue und Solidarität die Tränen in die Augen getrieben, als ich das Buch gelesen habe. Natürlich nicht nur sie, aber irgendwie hat sie mich doch am nachhaltigsten beeindruckt.

  • Eines meiner liebsten Kinderbücher ist Lippels Traum von Paul Maar. Schon als Kind wollte ich mich unbedingt zusammen mit Lippel in seine Traumwelt einträumen und über alte orientalische Märkte wandern. Ich glaube, daher kommt meine Affinität zum Schlafen. Leider hat es bisher nicht geklappt, mich an diesen Ort zu träumen. Aber ich übe weiter!

  • Ein ausführliches Gespräch mit dem Tod aus Die Bücherdiebin von Markus Zusak stelle ich mir nicht nur ausgesprochen interessant, sondern auch ziemlich ergiebig und zum Nachdenken anregend vor. Vielleicht würden sich dadurch viele Problemstellungen der Philosophie - vor allem der Metaphysik - klären. Oder zumindest als irrelevant erweisen.




  • Mitte des 19. Jahrhunderts. In Amerika boomt der Holz- und Austernhandel, sodass entlang der Nordküste lauter neue Territorien entstehen, die später einmal Bundesstaaten sein werden. Zusammen mit Jane, Mr. Swan, Mr. Russell, Keer-Ukso und Jehu ein relativ gesichertes Leben aufbauen, interessante Aspekte der indianischen Kultur kennen lernen und dem Wachsen des Territoriums Washington beiwohnen - so ein Ausflug zu Boston Jane von Jennifer L. Holm würde mir auch gut gefallen. Es wäre interessant zu sehen, was Jane davon hält, dass Frauen mittlerweile tatsächlich Hosen tragen :D

  • Auch wenn sich die Gesellschaft nicht gerade angenehm geführt sieht und mehr oder weniger ein Bürgerkrieg ins Haus steht, würde ich gerne ein paar Tage bei Jade und den Echos verbringen. Das Flair in der Stadt stelle ich mir immer ein bisschen wie in Venedig vor - mein Ticket in die Welt von Nina Blazons Faunblut sollte also auch direkt mal ausgestellt werden :)


  • Last but not least - eine Welt, die gerade erst kennengelernt habe, noch nicht weiß, was alles passiert, und trotzdem einem Abstecher äußerst positiv gegenüberstehe. Es handelt sich um die Arkadien-Reihe von Kai Meyer, bei der es nicht nur um die Mafia auf Sizilien, sondern vor allem um ein höchst interessantes Familienerbe geht. Mal kurz zu einer Schlange werden wäre da zwar nicht auf meiner ToDo-List, aber gegen die Verwandlung in einen Tiger oder eine sonstige Raubkatze hätte ich so spontan mal gar nichts :D

Weil ich weiß, dass manche von euch TAGs nicht so gerne mögen, verteile ich auch diesen hier nicht explizit weiter. Aber ich würde mich trotzdem sehr freuen, wenn sich jemand von euch angesprochen fühlen würde und einfach mitmacht. Denn ich Antworten sind bestimmt spannend. Es ist interessant, in welche Welten ihr gerne mal abtauchen würdet :)

23.10.2014

[Rezi] Kai Meyer - Arkadien brennt. Arkadien-Reihe, Teil II

Erscheinungsjahr: 2010
Genre: (Jugend-) Fantasy
Reihe: Arkadien-Reihe, Teil II
Seitenzahl: 398



Teaser:
Lange sahen sie einander an. Das Rudel umstand sie regungslos. Rosa legte die Hände ans Gitter, schob das Gesicht zwischen die eiskalten Stangen. Gebannt blickte sie in die Tiefe.
Alessandro verwandelte sich.




Achtung! Spoilergefahr!*Achtung! Spoilergefahr!*Achtung! Spoilergefahr!*

Handlung
Clanführerin. Niemals hätte Rosa gedacht, dass sie mal zu den capi der Mafia gehören würde. Hätte sie auch nur gewusst, dass die Möglichkeit dazu besteht, hätte sie es verdrängt, denn sie hegt keinerlei Ambitionen auf dieses Amt. Hat sie noch nie. Trotz allem, und obwohl sie erst seit ungefähr vier Monaten überhaupt von den Geschäften ihrer Familie weiß, hat sie ihr Erbe akzeptiert und sieht sich nun umringt von Mitgliedern ihres Clans, die sich ihre Unwissenheit zu Nutze machen wollen und versuchen, sie zu beeinflussen. Oder zu stürzen, je nachdem. Auf Hilfe angewiesen, muss sie sich notgedrungen auf den langjährigen Anwalt der Familie Alcantara verlassen, der seit 30 Jahren alle Geschäfte überwacht und als einziger durchzublicken scheint.

Abegesehen davon sind Rosa und Alessandro damit beschäftigt, mehr über die geheime Organisation der TABULA herauszufinden, die grausame Versuche mit Arkadiern - vorrangig in deren Tiergestalt - durchführt. Auch Alessandro hat seine Position als capo angenommen und steht mehr als Rosa auf der Abschussliste der Mafia-Familien. Vor allem die Beziehung der beiden sorgt für Unruhen.
Als Rosa sich nach New York aufmacht, um ihre Mutter zu besuchen und zu fragen, ob Davide, Rosas Vater, ihr gegenüber jemals etwas über die TABULA erzählt hat, muss sie sich nicht nur ihrer Vergangenheit stellen, sondern auch ihrem Erbe und damit ihrer Zukunft.

Meine Meinung
Keine Ahnung, wann mich das letzte Mal eine Reihe aus diesem Genre so gepackt hat, wie die Arkadien-Reihe. Fakt ist aber: ich werde sofort und gleich mit dem dritten und letzten Teil beginnen. Und das liegt nicht nur an dem Cliffhanger am Ende des zweiten Bandes.

Es gibt mehrere Ebenen, auf denen verschiedene Sachlagen verhalndelt werden und deren Zusammenhänge erst nach und nach aufgeklärt werden können. Rosas Aufgabe als Clanchefin, die Funktion des Familienanwalts, Rosas Beziehung zu ihrer Mutter, die Vergewaltigung, der Hunrige Mann und natürlich die zutiefst skeptisch betrachtete Beziehung zwischen Alessandro und Rosa. Alles ist wichtig und steht gleichermaßen im Mittelpunkt. Es herrscht eine Ausgewogenheit zwischen diesen Aspekten, wie ich sie selten sehe, und die dafür sorgt, dass vor allem die Liebesgeschichte nur dann ins Kitschige abdriftet, wenn es ausnahmsweise sein muss.

Das spannende ist, dass jede geklärte Frage gleich einen Haufen neuer Fragen provoziert und weder Rosa, Alessandro oder eine andere Figur der Geschichte, noch der Leser selbst alles zu einem stimmigen Gesamtbild zusammenfügen kann. Dafür fehlt einfach noch zu viel Information. Wir erfahren von Rosas Mutter zwar mehr darüber, wie ihr Vater die Familie verlassen hat, aber konkret kann auch sie mangels Wissen nicht werden. Es ist an Rosa, an allen verschiedenen Ecken nach Informationsfetzen zu suchen und diese dann zusammenzuführen. Der Spannungsbogen und die konstanten Wendungen, die die Geschichte vornimmt, führen zu einem wirklichen fesselnden Leseerlebnis. Wie ich schon nach Beenden des ersten Teils gehofft hatte, werden viele Vorlagen daraus weiter ausgebaut.

Rosa ist eine tolle Protagonistin, die sich nicht nur durch ihre zynische Art von anderen Figuren abhebt, sondern auch durch ihre Handlungen, die man als Leser nie vorausahnen kann, weil sie immer wieder etwas tut, womit man nicht rechnet. Außerdem entwickelt sie sich in diesem Teil wirklich extrem weiter und wird zu einer immer stärkeren Persönlichkeit.
Alessandro entwickelt sich ebenfalls - wenn auch vielleicht nicht ganz so deutlich. Ich hatte auf jeden Fall den Eindruck, dass er zwar nach wie vor seine Aufgabe als capo ausführen will, aber nachdem sowohl Tano als auch Caesare tot sind, scheint er nichts mehr zu haben, was ihn wirklich richtig antreibt. Er kam mir etwas resigniert vor; vor allem angesichts der Tatsache, dass an allen Ecken Todesgefahr lauert.

Ein besonderes Highlight dieses Buches sind die Nebenfiguren. Diese sind nicht nur für den Handlungsverlauf von enormer Bedeutung, sondern richtig facettenreich und spannend ausgestaltet. Ob das jetzt Iole ist, die sechs Jahre in Gefangenschaft verbracht hat und die Welt deshalb trotz ihrer 16 Jahre wie ein kleines Kind sieht, dabei eine Abgeklärtheit besitzt, die dazu in krassem Widerspruch steht, oder deren Privatlehrerin, die aussieht wie ein graues Mäuschen, es im Zweifel aber faustdick hinter den Ohren hat. Und selbst die Figuren der "anderen" Seite, die bösen, die Rosa nichts Gutes wollen, sind nicht auf ihre reine Funktionalität beschränkt; allgemein ist die Geschichte keine schwarz-weiß - Malerei, was ich sehr sehr begrüße.

Der Schreibstil ist ebenfalls absolut fesselnd. Allein die Beschreibungen der Landschaften - sei es die überwältigende Weite Siziliens oder das chaotische New York - sind so eindringlich und detailliert, ohne zu auslandend zu sein, dass man sich perfekt in die Situationen eindenken kann. Gerade diese Art der Beschreibungen lassen aber auch die schrecklichen Dinge erst so schrecklich wirken, was mich mehrmals nach Luft schnappen ließ. Aber die schönen und lustigen Momente erhalten dadurch genauso ihre Lebhaftigkeit.

Die einzelnen Puzzelteile sind nach Beenden der Lektüre noch verworrener und verwirrender als vorher. Aber ich habe große Hoffnungen ins Grande Finale. Mit diesem Buch sind auf jeden Fall alle meine Wünsche für eine Fortsetzung in Erfüllung gegangen. 4 Wölkchen deshalb von mir.


21.10.2014

[Lieblinge] Beschäftigungstherapie - Herbstedition

Jedes Jahr stelle ich aufs Neue fest, dass ich ganz in der buddhistischen Lehre des "guten Mittelweges" aufgehe. Extreme sind mir in fast jedem Bereich einfach zuwider, weshalb auch meine liebsten Jahreszeiten nicht Sommer und Winter, sondern Frühling und Herbst sind. Und zwar beide gleichermaßen, weil beide Male süße Versprechungen in der Luft liegen und um einen herum alles bunt wird und irgendwie glitzert. Zumindest in meiner Welt glitzert es! :D
Jedenfalls ist mir aufgefallen, dass das letzte Mal, dass ich irgendwelche schönen Dinge, die mit den Alltag versüßen, vorgestellt habe, auch tatsächlich im Frühling war. Und da dachte ich bei mir, es ist genau der richtige Zeitpunkt, wieder einmal die kleinen Glücksmomente des Lebens rauszupicken und hier vorzustellen. Wobei tatsächlich nicht alles wirklich positiv ist, was ihr auf der folgenden Liste finden werdet. Aber ausnahmslos Sachen, die mich zur Zeit in irgendeiner Form befassen und entfernt meistens auch etwas mit dem Herbst zu tun haben. Seht selbst!

Kosmetikprodukt des Tages
Weil ich mir eh schon vorkomme wie so eine Beauty-Youtuberin, die stumpf ihre Monatsfavoriten aufzählt, fangen wir doch direkt mit dem Punkt an, den ich aus genau einem solchen Video habe. Diese Lip Butter von Labello, die zunächst nur für ein total überschätztes Phänomen gehalten habe, riecht unglaublich gut und hält die Lippen tatsächlich schön geschmeidig. Und ich steh drauf, sowas mit den Fingen zu verteilen. Ich bin da sehr haptisch veranlagt :D

Panik des Tages
Nervös macht mich zur Zeit in wirklich erheblichem Maße, dass mein letztes Jahr als Studentin begonnen hat und ich nicht mal in einem Jahr mit abgeschlossenem Master aber wahrscheinlich erstmal ohne Job dasitze. Allem Idealismus zum trotz muss man ja schon irgendwie satt werden, und obwohl ich absolut nichts von diesem Konkurrenzdenken halte, fällt es mir in letzter Zeit immer schwerer, mich nicht mit meinen Kommilitonen zu vergleichen und zu denken "Die haben mehr Praktika, bessere Noten, kompetenteres Auftreten, mehr Ehrenämter, mehr WAS AUCH IMMER" und wenn das bei denen schon so ist, wie sieht es dann erst mit Absolventen anderer Unis aus?!" Deshalb wälze ich Jobangebote und Stellenausschreibungen, überlege, einfach noch mindestens 20 Praktika während des Studiums - man hat ja sonst nichts zu tun - zu machen, und beruhige mich mit diesen Vorhaben ein bisschen. Leider hält das nicht lange an.

Gegenstand des Tages
Was mich aber in solchen Situationen wieder ein bisschen aufheitert, ist, dass ich eeeendlich im Besitz eines wunderschönen, funktionalen und grandiosen Smartphones bin (erkennt man, dass die Spiegelung des Henkels auf dem Bild ein Herz sein soll? Ich wollte kreativ sein! ;) ) ♥ Es ist materialistisch, aber Gegenstände können tatsächlich glücklich machen. Am glücklichsten bin ich damit aber, wenn liebe Menschen mich kontaktieren und ich so auch noch einen Grund habe, das Ding nicht nur für Quizduell zu benutzen :D

Internetseite des Tages
Lange habe ich mich gewehrt, weil man sich nur mit seinem Facebook-Account anmelden konnte und ich dieses Vernetzen ganz kritisch beäuge. Aber ein Vögelchen zwitscherte mir, dass die Anmeldung nun auch per Mailadresse funktioniert und nach Erhalt dieser Neuigkeit habe ich mich quasi sofort bei Spotify registriert. Nicht nur, dass jetzt endlich mein Internetvolumen beim Handy verbraucht wird und die Flat keine Geldverschwendung mehr ist, ich entdecke quasi tägliche neue, tolle Musik! Und das kostenlos UND legal! Ein Traum!

Getränk des Tages


Herbstzeit ist Teezeit für mich. Deshalb habe ich mein Sortiment mal ein bisschen aufgestockt und erfreue mich nun täglich seiner Vielfalt. Derzeitiger Favorit: Marokkanischer Masir ♥




Serie des Tages
Dass bei fast allen Schatzkisten-Posts eine Serie vorgestellt wird, ist eine Tradition, mit der ich nicht zu brechen wage. Gut, dass ich vor kurzem eine neue Sucht entdeckt habe: Pretty Little Liars ist eigentlich eine Serie, die ich schon allein wegen der Aufmachung nicht schauen würde. Die Protagonistinnen sind mir da grundsätzlich immer zu makellos. Aber irgendwie muss ich trotzdem wissen, wie es weitergeht. Die erste Staffel habe ich in Rekordzeit (also für meine Verhältnisse) durchgeschaut und ich bin so so so gespannt auf das, was kommt!

 

Kleidungsstück des Tages
Es wird kalt, stürmisch, düster. Was braucht man da außer Tee, Lippenpflege und Beschäftigung? Gemütliche Kuschelsocken! Eigentlich laufe ich das ganze Jahr über immer mal wieder in Kuschelsocken zu Hause rum, aber ab jetzt sind sie obligatorisch. Und es ist mir egal, wie man damit aussieht, denn man läuft darin wie auf Wolken. Da muss man schon Prioritäten setzen. Und sich eine Kuschelsocken-Ecke im Kleiderschrank reservieren.

Soviel zu dem bahnbrechenden Einblick in meinen Alltag. Wie ist es mit euch - welche Serie empfehlt ihr für die kuschelige Zeit des Jahres? Und seid ihr auch manchmal so schrecklich materialistisch veranlagt?

19.10.2014

[Musik] Sonntagslieder #104

Im Herbst ist mein Musik-Geschmack ein bisschen verwirrend. Auf der einen Seite mag ich es total, ein bisschen ruhigere, melancholischere Klänge zu hören als das Party-Gedöns vom Sommer. Aber auf der anderen Seite zieht mich teilweise ziemlich runter und das nervt dann sowohl mich als auch mein Umfeld. Deshalb versuche ich immer, eine Art Mittelweg zu finden und switche merkwürdig zwischen den Stimmungen hin und her. So ähnlich wie das Wetter, das sich grade auch nicht entscheiden kann, ob es jetzt regnen oder doch lieber strahlender Sonnenschein da sein soll. Tendenz zu Regen. Ähnlich wie bei der heutigen Musikauswahl. Aber das muss ja nicht zwingend was schlechtes sein :)



System of a Down - Roulette
Meiner Meinung nach ein extrem unterschätzter Song dieser Band. Alles daran ist ein Treffer.


Sum 41 - Still Waiting
Ein bisschen Aggression holt einen zuverlässig aus deprimierender Stimmung heraus. Gerade bin ich auch ein bisschen auf dem Sum-Trip und höre alle Alben hoch und runter.


Marlon Roudette - When The Beat Drops Out
Momentan mein absolutes Lieblingslied. Das höre ich einfach seit Wochen immer wieder 5, 6 Mal am Stück und habe es noch nicht überhört. Das will schon was heißen :)

Verändert sich eure Musikauswahl auch jahreszeitenabhängig oder bleibt sie wetterunabhängig?

Wie immer wünsche ich euch ganz viel Spaß beim Hören und einen schönen Sonntag! ♥

17.10.2014

[Rezi] Anthony Horowitz - Das Geheimnis des weißen Bandes

Erscheinungsjahr: 2011
Originaltitel: The House of Silk
Genre: Kriminalroman
Seitenzahl: 350


Teaser:
Die Abteilung Baker Street der Kriminalpolizei hatte Sherlock sie einmal genannt, und zu anderen Zeiten: die Irregulären. Einen zerlumpteren, schmuddeligeren Haufen hätte man sich kaum vorstellen können.



Handlung
Dr. John Watson, der treue Biograph und beste Freund von Sherlock Holmes, hat sich nach langer Zeit wieder vor Papier und Tinte gesetzt, um ein weiteres, bisher unbekanntes Abenteuer des Meisterdetektivs niederzuschreiben.

Im Jahr 1890 wird Sherlock zu Hause in der Baker Street 221b, wo auch John Watson gerade zufällig verweilt, weil seine Frau verreist ist und ihm alleine die Decke auf den Kopf fallen würde, von Edmund Carstairs aufgesucht. Der Kunsthändler war wegen einer Transaktion nach Amerika gereist, wo auf sein Bestreben hin eine kriminelle Bande aufgeflogen und bis auf ein Mitglied im Feuergefecht mit der Polizei umgekommen ist. Nun fürchtet er sich vor der Rache dieses übrig gebliebenen Verbrechers und ist zutiefst beunruhigt, weil seit einiger Zeit ein unbekannter Mann vor seinem Haus herumlungert. Holmes soll sicher dieser Sache annehmen und nimmt den Auftrag an.
Plötzlich befindet er sich inmitten furchtbarer Morde, dubioser Geschäfte und einem kriminellen Netzwerk, das bis in die höchsten staatlichen Institutionen zu reichen scheint. Angelpunkt ist das House of Silk, von dem allerdings niemand weiß, was es damit auf sich hat.

Meine Meinung
Eine Fortsetzung von einem anderen als dem Originalautor - in diesem Fall also Arthur Conan Doyle - ist ja immer eine schwierige Angelegenheit. Ich habe leider bisher noch keinen der Romane Doyles gelesen, und von diesem ungebildeten Standpunkt aus kann ich sagen, dass mich diese Fortsetzung sowohl überzeugt als auch zu dem Vorsatz geführt hat, diese Bildungslücke schnellstmöglich zu schließen.

Der Charakter Sherlock Holmes ist sicher den meisten bekannt, auch ohne je eine Geschichte gelesen zu haben. Viele Filme, Bücher und Comic referieren auf ihn und festigen seinen Ruf als absoluten Meisterdetektiv. Dieser Ruf eilt ihm zwar voraus, aber er wird ihm auch absolut gerecht. Mir ist die Figur vor allem aus der relativ neuen BBC-Serie "Sherlock" bekannt, aber von ihm lesen ist noch einmal ein ganz anderes Erlebnis, als die Scharfsinnigkeit verfilmt zu sehen.

Die Geschichte wird aus der Sicht Dr. Watsons geschrieben, der die Ereignisse und seine Vermutungen und Spekulationen dazu genau festhält. Deshalb wird es nie langweilig, denn Holmes liebt bekanntermaßen den großen Auftritt und enthüllt auch vor Watson nicht die Lösung - oder auch nur die Lösungsschritte - bevor nicht alles geklärt und ein gewisses Publikum versammelt ist. An diesem Punkt angekommen werden die einzelnen Handlungsstränge von ihm so selbstverständlich und logisch verknüpft und Zusammenhänge aufgezeigt, die tatsächlich von Anfang an subtil in der Geschichte angelegt waren, dass man sich fast ein bisschen wie Watson fühlt: blind, taub und ohne Kombinationsgabe.

Dadurch, dass Watson die Erzählinstanz ist und alle Figuren durch ihn beschrieben werden, sind diese Charakterisierungen sehr subjektiv gefärbt und lassen immer auch Rückschlüsse auf Watson selbst zu. Integer und loyal sind dabei wohl die Eigenschaften, die ihn am meisten auszeichnen. Seine Beziehung zu Holmes ist ziemlich besonders, denn er betet sein Genie an und ist gleichzeitig ziemlich oft genervt davon und reagiert - verständlicherweise - hin und wieder trotzig auf Holmes Korrekturen.

Der Schreibstil ist ein bisschen gewöhnungsbedürftig, weil er relativ komplizierte Satzkonstruktionen und nicht unbedingt alltägliches Vokabular aufweist. Das trägt aber natürlich sehr zu der Atmosphäre des Romans bei und nach ein paar Seiten hat man sich daran gewöhnt.

Insgesamt hatte ich sehr viel Spaß beim Lesen; die Geschichte hat mich in genau dem richtigen Maß gepackt, wies eine konstante Spannungskurve auf, weil man immer neue Puzzleteile geliefert bekommt aber sie einfach nicht zusammenbringen kann, und die (für mich) unerwarteten Wendungen vor allem im letzten Teil haben mich sehr begeistert. 4 Wölkchen von mir.


15.10.2014

[Rezept] Schupfnudeln mit Kürbis und Champignons

Der Herbst hat nun offiziell Einzug gehalten. Die Tage werden kürzer, die Bäume bunt und die Teekanne wieder in Betrieb genommen. Und auch in der Küche geht es bei mir jetzt herbstlich zu: obstlich gesehen bin ich gerade ganz wild auf Birnen und gemüsetechnisch werden Kürbisse und Pilze verarbeitet - wie in diesem Fall zu einer simplen aber dennoch raffiniert schmeckenden und absolut köstlichen Kürbis-Schupfnudel-Pfanne.

Ihr braucht
1 mittelgroßen Hokkaido-Kürbis
5 frische Champignons
250g Schmand
500g Schupfnudeln
etwas Öl
Salz, Pfeffer, Paprikapulver

Außerdem
ein großes, stabiles Messer
zwei Pfannen

Und so geht's
Das Gute an den Hokkaido-Kürbissen ist, dass man die Schale mitessen kann und somit das lästige schälen wegfällt. Also wird der Kürbis erstmal gründlich gewaschen und dann der Länge nach halbiert. Das Innere entfernen und dann die Hälften jeweils in ungefähr 1 cm dicke Streifen schneiden. Das ist der Herkulesteil des Rezepts, denn der Kürbis ist ziemlich hart und die Schneiderei grenzt schon an Holzfällen.

Ist das geschafft, kommen die Kürbisstreifen zusammen mit einem guten Schuss Öl in die Pfanne und werden so lange gebraten, bis sie weich sind. Es empfiehlt sich dabei auf jeden Fall, den Deckel auf die Pfanne zu legen, damit der Wasserdampf den Kürbis zusätzlich garen kann. In der Zwischenzeit auch die Champignons in Scheiben schneiden und wenn der Kürbis fast weich ist, ebenfalls wieder mit ein bisschen Öl in die Pfanne geben.

Während das vor sich hin köchelt in der zweiten Pfanne die Schupfnudeln von beiden Seiten goldbraun braten. Ist der Kürbis weich, kommen Schmand und Gewürze in die Pfanne und alles wird nochmal kurz ziehen gelassen. Dann die Schupfnudeln unterheben und fertig ist das Ganze.

So ähnlich könnte das bei euch dann auch aussehen


Natürlich könnt ihr auch jeden anderen Kürbis verwenden, falls euch der etwas holzig-nussige Geschmack des Hokkaido nicht zusagt. Ich finde den aber in diesem Fall gerade mit dem etwas säuerlichen Schmand und den Champignons, die ja auch leicht herb schmecken, eine perfekte Kombination.

12.10.2014

[Rezi] Maggie Stiefvater - Nach dem Sommer

Erscheinungsjahr: 2009
Originaltitel: Shiver
Genre: (Jugend-)Fantasy
Reihe: Wölfe-von-Mercy-Falls-Reihe, Teil I
Seitenzahl: 420


Teaser:
Nun war ich schon so weit in den Wald gegangen; ein Stück weiterzulaufen, um vielleicht meinen Wolf wiederzusehen, würde jetzt auch nicht schaden. Ich rannte zum Haus zurück - nur kurz, um mir meine Schuhe anzuziehen - und lief wieder hinaus in den kühlen Herbsttag.



Handlung
Pünktlich zum Kälteeindbruch erscheinen sie jedes Jahr in den Wäldern von Mercy Falls. Wölfe. Die nachts im Wald so laut heulen, dass Grace jeden Abend fasziniert zuhört. Die jeden Frühling spurlos verschwinden, nur um im nächsten Winter wieder aufzutauchen. Für Grace ist das die schönste Zeit im Jahr, denn mit den anderen Wölfen erscheint auch immer ein ganz spezieller Wolf - ihr Wolf, wie sie ihn nennt. Der Wolf mit den gelben Augen, der sie vor Jahren, als sie ein kleines Mädchen war, vor einem Angriff des Rudels gerettet hat und seitdem jeden Winter hinter ihrem Haus sitzt und sie beobachtet. Genauso wie Grace ihrerseits bei jeder Gelegenheit Ausschau nach ihm hält.

Eines Tages beschließen die Männer der Stadt, die Wölfe zu jagen - vor kurzem haben diese nämlich einen Jungen aus Graces Schule angegriffen und getötet, weshalb sie als Gefahr für die Bevölkerung angesehen werden. Grace versucht, die Jagd zu verhindern, aber einige Schüsse treffen trotzdem. Auch ihren Wolf, der sich verletzt bis vor ihr Haus schleppen kann. Aber dort ist er plötzlich gar kein Wolf mehr, sondern ein Junge - nur seine besonderen Augen lassen keine Zweifel an seiner Identität.

Meine Meinung
Puuuh, es fällt mir sehr schwer, dieses Buch einzuschätzen. Die ersten zwei Drittel fand ich wirklich nicht so gut, aber das Ende hat es da tatsächlich nochmal überraschenderweise komplett rausgerissen, sodass ich ernsthaft am Überlegen bin, dem zweiten Teil der Reihe zumindest noch eine Chance zu geben.

Mein größter Kritikpunkt liegt wohl in der Gestaltung der Figuren. Diese bleiben nämlich so farb- und formlos wie Lösungsmittel. Im Grunde haben nur Grace und Sam mehr als eine einzige Eigenschaft, die sie auszeichnet; die übrigen Charaktere bekommen maximal eine. Überhaupt sind die Nebenfiguren so dermaßen lieblos gestaltet, dass ich teilweise wirklich überrascht war, wie dieses Buch von allen so geliebt werden kann. Da erfährt man ja teilweise nichts außer dem Namen, obwohl die Figur für das Fortschreiten der Handlung relativ wichtig ist. Aber das ist eben das Problem: meistens werden sie auf ihre reine Funktionalität hin in die Geschichte gebracht und wenn man sie nicht mehr braucht, erscheinen sie halt auch nicht mehr. Zum Beispiel Graces Eltern, die nie zu Hause sind, sich aber auch nicht abmelden oder sonst in irgendeiner Form am Leben ihrer Tochter teilhaben. Auch nicht, als sie angegriffen wird! Von einem Wolf! Die Eltern sind so dargestellt, als wären sie der Meinung, man kann sich einfach ein neues Kind bei IKEA holen, wenn das alte kaputt ist. Und ich finde, das liegt einzig und alleine daran, dass der Fokus fast schon fanatisch auf Grace und Sam liegt und alleine ihre Beziehung entwickelt werden muss. Als könnte Grace nicht zu mehreren Menschen gleichzeitig eine emotionale Bindung haben, müssen die Eltern halt aus dem Weg, sobald Sam da ist. Also werden sie einfach als ignorante Rabeneltern konzipiert.

Überhaupt kleben Grace und Sam die ganze Zeit zusammen und es passiert eigentlich nicht wirklich viel - mal abgesehen von den ständigen blutigen Unfällen. Sam ist ein armer, sensibler Werwolf, der verzweifelt versucht, seine Verwandlung zu unterdrücken, und Grace ist die pflichtbewusste Vorzeigetochter, die mit Sam zusammen plötzlich fast rebellisch wird.
Es gibt viele, viele Ungereimtheiten in der Handlung, was meiner Meinung einfach an der Flachheit dieser Geschichte liegt.

Auch der Schreibstil konnte mich nicht wirklich überzeugen. Ich fand ihn ein bisschen zu gewollt philosophisch und gezwungen tiefgründig, während meistens doch nur bekannte Bilder verarbeitet wurden und die Handlung an sich - wie ja schon erwähnt - eben das genaue Gegenteil von tiefgründig war. Hohle Worte und wenig Substanz dahinter.

Im letzten Drittel dann allerdings änderte sich alles ein bisschen, als plötzlich tatsächlich etwas passierte und durch ein paar unerwartete Wendungen richtig Spannung aufgebaut wurde. Deshalb fällt mein Gesamturteil nicht so streng aus, wie es sich eigentlich angekündigt hatte und wahrscheinlich werde ich irgendwann dem zweiten Teil wirklich eine Chance geben. Aber fürs Erste reicht es mir mal mit diesen Werwölfen hier. 2 Wölkchen von mir.

10.10.2014

[Gerede] 2 Tage Gent. Oder: Underdogs for the win!

Hier habe ich vor kurzem darüber berichtet, was man alles an einem Turbo-Trip in Brüssel zu sehen bekommen kann. Ein bisschen zu kurz gekommen ist dabei der Grund, warum wir nur zwei Tage in dieser Stadt geblieben sind, obwohl sie genug für eine Woche zum Anschauen hat. Aaaaber unsere Tour ging noch weiter. Mit dem super genialen Angebot der belgischen Zuggesellschaft kommt man nämlich für schlappe sechs Euro mit dem Zug - einschließlich ICE! - überall hin in Belgien, solange man unter 26 Jahren alt ist. Das musste natürlich genutzt werden, um noch einen weiteren Ort zu entdecken. Und da entschieden wir uns nicht für Antwerpen oder Brügge, die typischen Ziele in Flandern, sondern für Gent. Als Reiseziel nicht bei so vielen auf dem Zettel muss ich hier dringend dazu raten, diese Stadt auf die To-See-Liste zu setzen. Denn sie ist richtig, richtig schön!

So viel Kultur habe ich selten auf einem Flecken gesehen - und damit meine ich nicht unbedingt eine ausgeprägte Museumslandschaft (die dennoch vorhanden ist), sondern eine lebhafte, bunte Atmosphäre, die zu entdecken wirklich Spaß macht.
Die Hauptattraktion ist meiner Meinung nach die Architektur. Das historische Viertel ist voll von mittelalterlichen Gebäuden und teilweise ist die Straßenanordnung auch noch original erhalten. Die Leie, die mitten hindurch fließt, sorgt dafür, dass überall kleine malerische Brücken angelegt sind, die tagsüber, aber vor allem nachts wunderschön aussehen.


Aber ein bisschen Glitzer des Nachts ist natürlich noch längst nicht alles, was mich an der Stadt so begeistert hat. Sie ist ja wirklich nicht groß und wenn man drei Tage dort verbringt, trifft man schon immer wieder auf die selben Leute. Aber trotzdem wird es nicht langweilig. Jeden Abend finden irgendwo Konzerte statt - oftmals Jazzkonzerte, aber auch für andere Geschmäcker ist etwas dabei. Sowieso wird in Gent viel Wert auf Musik gelegt. Da fällt man alle paar Meter über einen Flügel, der einfach so, öffentlich zugänglich, aufgestellt ist und jeden zum Spielen einladen. Die sind sogar gestimmt! Und wenn es mal nicht ein Flügel ist, dann ist es ein in Strick gekleidetes Klavier. Wenn das nicht genial aussieht!

 Über die mittelalterlichen Gebäude habe ich ja schon gesprochen - was man unbedingt sehen muss, sind die verschiedenen Marktplätze und die Fleischerhalle, in der früher ausschließlich Fleisch - der Name ist Programm - verkauft werden durfte. Die Burg Gravensteen war quasi direkt neben unserem Hostel und die Geschichte zu dieser Burg ist einfach göttlich und sorgt gleich dafür, dass ich die Stadt und ihre Bewohner noch sympathischer finde (Kurzversion: Unbeliebter Graf von Gent baut diese Burg, die Genter finden das nicht witzig und bauen drumherum die Stadt auf - deshalb liegt die Burg auch nicht abgeschieden irgendwo auf einem Berg, sondern direkt mitten in Gent :D ).
Für alte London-Fans gibt es auch ein Schmankerl: der Mini-Clocktower, der dem Turm mit Big Ben darin entlehnt ist, und der mitten in der Stadt steht.
Das Wahrzeichen der Stadt ist der Belfried. Dieses Ding ist einer der drei wichtigsten Türme der Stadt, fungierte im Mittelalter als Wachturm, hat auf seiner Spitze ein riesiges, goldenes Drachen-Viech und ist Symbol für die Unabhängigkeit der Stadt. Man kann dort, wenn man weder Höhenangst hat noch klaustrophobisch veranlagt ist, sogar ganz nach oben steigen und einen wirklich genialen Ausblick über die Stadt genießen.

Eine zweite Perspektive, die ich unbedingt empfehlen möchte, ist die, die man hat, wenn man per Boot durch die Stadt schippert. Wie schon erwähnt, sieht Gent so aus, wie ich mir Venedig vorstelle, und deshalb gibt es natürlich einige Boote auf dem Fluss. Damit kann man quasi die Rückseite der Stadt betrachten und erhält auch gleich für kleines Geld eine interessante Führung mit dazu.

Sollte man dann immernoch nicht genug kreativen und geschichtlichen Input haben, muss man unbedingt die Gässchen und Straßen erkunden. Mit dem Ziel der wohl tollsten Erfindung, seit es Stadtverwaltungen gibt. Tatsache ist nämlich, dass in Gent keine Häuser mit Graffitis beschmiert sind. Warum? Weil es eine ganze Graffiti-Gasse gibt, in der das Sprayen absolut legal ist. So hat man gleich zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen: man hat kostenlos eine sich ständig wandelnde Ausstellung mitten in der Stadt und außerdem die Sprayer legal ausgelagert. Gut, vieles dort an den Wänden ist einfach hässlich und kaum der Betrachtung wert. Aber wenn man genau hinsieht, findet man das ein oder andere beeindruckende Kunstwerk.



Die Sache mit der Sprache ist auch völlig unkompliziert. Eigentlich sprich man dort offiziell Niederländisch, aber gerade in Gent sind die flämischen Dialekte extrem ausgeprägt und auch oft verschriftlicht auf Plakaten zu finden. Das ist unglaublich witzig und klingt einfach richtig niedlich. Mit Englisch, Französisch und sogar oft auch Deutsch (was wir allerdings vermieden haben. Wenn man schon die Chance hat, eine andere Sprache anzuwenden, sollte man sie auch nutzen) kommt man dort wunderbar zurecht und wird immer wieder in interessante Gespräche verwickelt.

Und nicht nur das ist eine Besonderheit. Worauf die Genter anscheinend besonders stolz sind, neben den Blumen natürlich, sind ihre Süßigkeiten! Allen voran die Genter Nasen, die tatsächlich nach Nasen aussehen und ein bisschen nach Kinderzahnpasta schmecken. Nur viel viel süßer. Aussage eines Einheimischen: entweder man hasst sie, oder man liebt sie. Es gibt nichts dazwischen. Und das bestätigt auch meine persönliche Erfahrung. Ich liebe sie. Und alle anderen, die ich damit bisher gefüttert habe, hassen sie. Bedeutet mehr Nasen für mich. Und die anderen bekommen halt weiterhin ihre langweiligen belgischen Pralinen.
Hab ich noch was wichtiges vergessen? Der Kenner wird wissen: das Bier. Es gibt gefühlte 200 Biersorten und diverse Kneipen und Bars in Gent verfügen über ein erstaunliches Sortiment. Sogar für Bier-Ablehner wie mich ist da die eine oder andere süße Variante dabei. Und der Clou: jede Biersorte hat ihr eigenes, speziell designtes Glas dabei. So sind diese Gläser nicht nur funktionale Gebrauchsgegenstände, sondern auch wesentlicher Teil der Raumdekoration.

Gent ist für mich eine faszinierende Mischung aus Geschichte und Modernität. Es ist immer etwas los und ich muss wirklich sagen, dass ich Gent wesentlich schöner als Brüssel finde. Aber so ist das oft mit Underdogs. Man muss ihnen die nur Gelegenheit geben und dann sind sie der haushohe Gewinner. Ein riesiger Pluspunkt ist natürlich, dass Gent nicht so touri-überlaufen ist. Und obwohl ich eigentlich nicht will, dass sich das ändert, musste ich hier einfach meine kleine Liebeserklärung an die Stadt veröffentlichen. Sie hat es verdient, aus dem Schatten von Brüssel, Antwerpen oder Brügge herauszukommen. ♥


08.10.2014

[Rezi] Kai Meyer - Arkadien erwacht. Arkadien-Reihe, Teil I

Erscheinungsjahr: 2009
Genre: (Jugend-)Fantasy
Reihe: Arkadien-Reihe, Teil I
Seitenzahl: 414



Teaser:
Rosa presste die Nase ans Glas und sah unter sich das Ziel ihrer Reise. Genau das, was sie gesucht hatte. Jede Menge Einsamkeit.
Palazzo Alcantara.




Handlung
Im vergangenen Jahr hat Rosa einiges durchgemacht. Um Abstand von den traumatisierenden Erlebnissen zu bekommen, reist sie nach Italien zu der Familie ihres Vaters. Diese Familie besteht im Grunde nur noch aus Florinda, Rosas Großmutter. Der übrige Teil der Familie ist - genau wie Rosas Vater auch - irgendwie zu Tode gekommen. Wie genau lässt sich nicht immer mit Bestimmtheit sagen, denn wie viele andere Familien auf Sizilien sind auch die Alcantaras ein Mafia-Clan, der den Gesetzen der Mafia folgt. Rosas Schwester Zoe lebt schon seit einiger Zeit auf dem Anwesen der Familie und so hofft auch Rosa, dort willkommen zu sein und Ruhe zu finden.

Es stellen sich allerdings vier Dinge heraus, die diese Ruhe stören: Die Alcantaras leben in ständiger Gefahr vor den Intrigen einer anderen alteingesessenen Mafia-Familie mit denen sie eine lange und leidenschaftliche Fehde verbindet, den Carnevares. Alessandro Carnevare ist allerdings in Rosas Alter und einer der wenigen Menschen, mit denen sie sich auf Anhieb gut versteht. Rosas moralische Integrität verhindert, dass sie vor den Machenschaften der Familien einfach die Augen verschließen kann. Und zum krönenden Abschluss stellt sich heraus, dass nicht die Zugehörigkeit der Familien zur Mafia die wahre Gefahr ist.

Meine Meinung
Wenn man den Klappentext liest, denkt man zuerst an eine Art Romeo-und-Julia-Geschichte: zwei verfeindete Clans, deren Kinder sich über den tief verwurzelten und gewaltsam durchgeführten Streit hinwegsetzen und trotz allem zueinander finden. Und wahrscheinlich nicht sterben. Denn wir sind hier ja nicht bei Shakespeare.

Weit gefehlt! Auch wenn die Basis eine ähnliche ist, unterscheidet sich die Umsetzung doch deutlich von einer Nachahmung des shakespear'schen Original und umgeht so geschickt die Gefahr, schnulzig, kitschig und klischeehaft zu werden.

Natürlich ist Klischee trotzdem ein Wort, das mir bei der Beschreibung dieses Buches als erstes einfällt. Oh, Rosa reist nach Sizilien. Schön. Und wo gerät sie prompt hinein? In den Zwist zweier Mafia-Bosse. Hm.  Gut für sie, dass sie von Anfang an wusste, was sie da erwartet, denn seit dem Tod ihres Vaters wurde sie regelmäßig von der Polizei verhört. Obwohl sie, die sie ihr Leben lang in Amerika aufgewachsen ist, überhaupt nichts von den Geschäften ihrer Familie väterlicherseits weiß. Doch das ändert sich, als sie sich vor Ort immer mehr Einblick verschafft - und was sie erfährt, gefällt ihr gar nicht.

Alessandro dagegen ist schon von Anfang an relativ gut im Bilde. Schließlich wird er in naher Zukunft - sobald er volljährig ist nämlich, das Erbe seines Vaters antreten und Clan-Oberhaupt der Carnevares werden. Doch nicht alle Clan-Mitglieder stehen auf seiner Seite, sodass er sich im Prinzip in der ständigen Gefahr befindet, einem tödlichen "Unfall" zum Opfer zu fallen.

Zu dieser Geschichte gesellt sich noch die fantastische Ebene, die von griechischen Mythen, fabelhaften Wesen und einem besonderen Familienerbe gekennzeichnet ist und der Mafia-Geschichte eine gewisse Würze verleiht.

Die beiden Protagonisten sind natürlich etwas stereotyp aufgebaut, brechen aber auch hin und wieder aus ihrer Rolle aus und überraschen Leser und Charaktere im Buch. Es gibt spannende Wendungen, Kämpfe, eine süße Liebesgeschichte, die aber nicht abgeschmackt ist und ein zu lösendes Geheimnis. Alles vermischt mit einem ansprechenden, kurzweiligen Schreibstil. Eine schöne Mischung, die zwar wenig in die Tiefe geht, aber ein tolles Leseerlebnis bietet. Und ich bin extrem gespannt darauf, wie es weitergeht, weil viele interessante Geschichten angelegt sind.
Alles in allem gibt es von mir solide drei Wölkchen für eine gute Unterhaltung und die Hoffnung, dass es genauso oder sogar besser weiter geht.


05.10.2014

[Musik] Sonntagslieder #103

Im Zuge meiner herbstlichen Umdekorierung habe ich auch gleich meine Motivation für häusliche Veränderungen dazu genutzt, mal ein bisschen auszumisten. Alte Handtaschen, Schuhe, Papierkram und dieses ganze Zeug, das sich mit den Jahren so ansammelt, wurde gesichtet und dann ziemlich schmerzfrei entsorgt. Dieses Gefühl der Erleichterung, wenn man alten Ballast los wird, ist bekanntermaßen ziemlich genial. Denn wenn man sich endlich dazu überwinden konnte, ist man schon längst bereit dafür. Schon längst! Deshalb geht es gleich auch meinem Kleiderschrank an den Kragen. Meine Mission für diesen Sonntag: alles, was ich dieses Jahr noch nicht an hatte (schließlich haben wir jetzt alle Jahreszeiten einmal durch), fliegt. Gnadenlos. GNADENLOS!
Das letzte mal habe ich meine Klamotten vor ungefähr sechs Jahren gründlich aussortiert. Und warum erzähle ich euch das? Weil mich die Ausmistaktion darauf gebracht hat, mal wieder in die alten Lieder reinzuhören, die ich im Teenie-Alter geliebt habe. Und ihr könnt jetzt an an Top-3 der Songs teilhaben, die mir damals aus der Seele gesprochen haben. Oder zumindest mein Herz erobert haben. Oder sowas in der Art. Viel Spaß!



The Subways - Rock and Roll Queen
Mit 16 Jahren mochte ich total diesen unfertigen, kratzig-rotzigen Sound. Das Lied gehörte deshalb lange Zeit zum Standart-Programm.


Simple Plan - Take My Hand
Auch etwa mit 16, 17 Jahren entdeckte diese Band, die ich ja - wie dem aufmerksamen Leser eventuell bekannt ist - immernoch ziemlich liebe. Weil ich mich damals mit fast jedem Lied identifizieren konnte, denn sie sprechen perfekt pathetisch die unverstandene Jugend an :D Vor allem dieses Lied war quasi meine Hymne ♥


Bullet for my Valentine - All These Things I Hate
Manchmal ist man ja einfach so wütend. Und BfmV waren dafür oft meine Kanalisierung. Sie gehören zwar nicht zur härtesten Musik, die ich je gehört hab, aber genau deshalb mochte ich sie wahrscheinlich auch mit am liebsten. Weil man die Texte noch versteht :D


Hach, ich versinke in Erinnerungen :D
Welche Lieder habt ihr früher unglaublich gerne gehört und freut euch immernoch, wenn sie mal zufällig im Radio laufen oder ihr sie wieder anschmeißt?
Einen wunderschönen Sonntag wünsche ich euch! ♥

01.10.2014

Leserückblick September 2014

Seit Wochen habe ich diesen Tag herbeigesehnt. An dem die letzte Prüfungsleistung des Sommersemesters abgegeben ist. An dem meine Wiedereingliederung ins soziale Leben beginnen kann. An dem ich den süßen Duft der Freiheit wieder schnuppern kann! Und an dem ich - was mit das beste ist - euch verkünden kann, dass sich meine Lese- und Blogflaute des Sommers wirklich gelegt hat. Spaß hat das Pflichtgefühl ein- und überholt, sodass hier endlich wieder wie gewohnt liebevoll zusammengebastelte Posts auf euch und mich warten. Am deutlichsten sieht man das wahrscheinlich daran, dass ich nicht nur endlich wieder Bücher gelesen, sondern sogar auch Bücher rezensiert habe (was sich ja irgendwie auch bedingt)! Also hier die aufbauende Statistik des letzten Monats für euch!

Gelesen
Carlos Ruiz Zafón - Der Gefangene des Himmels (*Rezi*)
Rita Falk - Hannes (*Rezi*)
Nick Hornby - A long way down (*Rezi*)
Kai Meyer - Arkadien erwacht *(Rezi*)

In Seiten
1359

Durchschnittsbewertung
4,3 Wölkchen

Highlight des Monats
Keine einfache Entscheidung diesen Monat, denn alle Bücher waren ziemlich grandios. Wegen des emotionalen Ausbruchs, zu dem mich Hannes von Rita Falk geführt hat, muss ich wohl dennoch dieses Buch wählen.

Enttäuschung des Monats
Keine! :D

In Bildern



Es ist ja so wunderschön, endlich auch mal in diesem Post wieder ein bisschen Inhalt vermitteln zu können.  Und das beste ist: die Uni fängt erst in drei Wochen wieder an. Also kann ich mich noch ein bisschen von diesem Sommer erholen. Whoop Whoop!