17.10.2014

[Rezi] Anthony Horowitz - Das Geheimnis des weißen Bandes

Erscheinungsjahr: 2011
Originaltitel: The House of Silk
Genre: Kriminalroman
Seitenzahl: 350


Teaser:
Die Abteilung Baker Street der Kriminalpolizei hatte Sherlock sie einmal genannt, und zu anderen Zeiten: die Irregulären. Einen zerlumpteren, schmuddeligeren Haufen hätte man sich kaum vorstellen können.



Handlung
Dr. John Watson, der treue Biograph und beste Freund von Sherlock Holmes, hat sich nach langer Zeit wieder vor Papier und Tinte gesetzt, um ein weiteres, bisher unbekanntes Abenteuer des Meisterdetektivs niederzuschreiben.

Im Jahr 1890 wird Sherlock zu Hause in der Baker Street 221b, wo auch John Watson gerade zufällig verweilt, weil seine Frau verreist ist und ihm alleine die Decke auf den Kopf fallen würde, von Edmund Carstairs aufgesucht. Der Kunsthändler war wegen einer Transaktion nach Amerika gereist, wo auf sein Bestreben hin eine kriminelle Bande aufgeflogen und bis auf ein Mitglied im Feuergefecht mit der Polizei umgekommen ist. Nun fürchtet er sich vor der Rache dieses übrig gebliebenen Verbrechers und ist zutiefst beunruhigt, weil seit einiger Zeit ein unbekannter Mann vor seinem Haus herumlungert. Holmes soll sicher dieser Sache annehmen und nimmt den Auftrag an.
Plötzlich befindet er sich inmitten furchtbarer Morde, dubioser Geschäfte und einem kriminellen Netzwerk, das bis in die höchsten staatlichen Institutionen zu reichen scheint. Angelpunkt ist das House of Silk, von dem allerdings niemand weiß, was es damit auf sich hat.

Meine Meinung
Eine Fortsetzung von einem anderen als dem Originalautor - in diesem Fall also Arthur Conan Doyle - ist ja immer eine schwierige Angelegenheit. Ich habe leider bisher noch keinen der Romane Doyles gelesen, und von diesem ungebildeten Standpunkt aus kann ich sagen, dass mich diese Fortsetzung sowohl überzeugt als auch zu dem Vorsatz geführt hat, diese Bildungslücke schnellstmöglich zu schließen.

Der Charakter Sherlock Holmes ist sicher den meisten bekannt, auch ohne je eine Geschichte gelesen zu haben. Viele Filme, Bücher und Comic referieren auf ihn und festigen seinen Ruf als absoluten Meisterdetektiv. Dieser Ruf eilt ihm zwar voraus, aber er wird ihm auch absolut gerecht. Mir ist die Figur vor allem aus der relativ neuen BBC-Serie "Sherlock" bekannt, aber von ihm lesen ist noch einmal ein ganz anderes Erlebnis, als die Scharfsinnigkeit verfilmt zu sehen.

Die Geschichte wird aus der Sicht Dr. Watsons geschrieben, der die Ereignisse und seine Vermutungen und Spekulationen dazu genau festhält. Deshalb wird es nie langweilig, denn Holmes liebt bekanntermaßen den großen Auftritt und enthüllt auch vor Watson nicht die Lösung - oder auch nur die Lösungsschritte - bevor nicht alles geklärt und ein gewisses Publikum versammelt ist. An diesem Punkt angekommen werden die einzelnen Handlungsstränge von ihm so selbstverständlich und logisch verknüpft und Zusammenhänge aufgezeigt, die tatsächlich von Anfang an subtil in der Geschichte angelegt waren, dass man sich fast ein bisschen wie Watson fühlt: blind, taub und ohne Kombinationsgabe.

Dadurch, dass Watson die Erzählinstanz ist und alle Figuren durch ihn beschrieben werden, sind diese Charakterisierungen sehr subjektiv gefärbt und lassen immer auch Rückschlüsse auf Watson selbst zu. Integer und loyal sind dabei wohl die Eigenschaften, die ihn am meisten auszeichnen. Seine Beziehung zu Holmes ist ziemlich besonders, denn er betet sein Genie an und ist gleichzeitig ziemlich oft genervt davon und reagiert - verständlicherweise - hin und wieder trotzig auf Holmes Korrekturen.

Der Schreibstil ist ein bisschen gewöhnungsbedürftig, weil er relativ komplizierte Satzkonstruktionen und nicht unbedingt alltägliches Vokabular aufweist. Das trägt aber natürlich sehr zu der Atmosphäre des Romans bei und nach ein paar Seiten hat man sich daran gewöhnt.

Insgesamt hatte ich sehr viel Spaß beim Lesen; die Geschichte hat mich in genau dem richtigen Maß gepackt, wies eine konstante Spannungskurve auf, weil man immer neue Puzzleteile geliefert bekommt aber sie einfach nicht zusammenbringen kann, und die (für mich) unerwarteten Wendungen vor allem im letzten Teil haben mich sehr begeistert. 4 Wölkchen von mir.


Kommentare:

  1. Huhu! :)

    Ich hab gerad ganz interessiert mal deine Rezension angeklickt, weil ich mir das Buch gerade erst aus der Bücherei ausgeliehen hab.
    Das stimmt mich ja richtig zuversichtlich und ich freu mich schon drauf, es zu lesen.

    Liebe Grüße,
    Ivy

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    1. Wenn man sich erst an den Schreibstil gewöhnt hat, ist es wirklich richtig toll. Viel Spaß beim Lesen! :D

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