23.10.2014

[Rezi] Kai Meyer - Arkadien brennt. Arkadien-Reihe, Teil II

Erscheinungsjahr: 2010
Genre: (Jugend-) Fantasy
Reihe: Arkadien-Reihe, Teil II
Seitenzahl: 398



Teaser:
Lange sahen sie einander an. Das Rudel umstand sie regungslos. Rosa legte die Hände ans Gitter, schob das Gesicht zwischen die eiskalten Stangen. Gebannt blickte sie in die Tiefe.
Alessandro verwandelte sich.




Achtung! Spoilergefahr!*Achtung! Spoilergefahr!*Achtung! Spoilergefahr!*

Handlung
Clanführerin. Niemals hätte Rosa gedacht, dass sie mal zu den capi der Mafia gehören würde. Hätte sie auch nur gewusst, dass die Möglichkeit dazu besteht, hätte sie es verdrängt, denn sie hegt keinerlei Ambitionen auf dieses Amt. Hat sie noch nie. Trotz allem, und obwohl sie erst seit ungefähr vier Monaten überhaupt von den Geschäften ihrer Familie weiß, hat sie ihr Erbe akzeptiert und sieht sich nun umringt von Mitgliedern ihres Clans, die sich ihre Unwissenheit zu Nutze machen wollen und versuchen, sie zu beeinflussen. Oder zu stürzen, je nachdem. Auf Hilfe angewiesen, muss sie sich notgedrungen auf den langjährigen Anwalt der Familie Alcantara verlassen, der seit 30 Jahren alle Geschäfte überwacht und als einziger durchzublicken scheint.

Abegesehen davon sind Rosa und Alessandro damit beschäftigt, mehr über die geheime Organisation der TABULA herauszufinden, die grausame Versuche mit Arkadiern - vorrangig in deren Tiergestalt - durchführt. Auch Alessandro hat seine Position als capo angenommen und steht mehr als Rosa auf der Abschussliste der Mafia-Familien. Vor allem die Beziehung der beiden sorgt für Unruhen.
Als Rosa sich nach New York aufmacht, um ihre Mutter zu besuchen und zu fragen, ob Davide, Rosas Vater, ihr gegenüber jemals etwas über die TABULA erzählt hat, muss sie sich nicht nur ihrer Vergangenheit stellen, sondern auch ihrem Erbe und damit ihrer Zukunft.

Meine Meinung
Keine Ahnung, wann mich das letzte Mal eine Reihe aus diesem Genre so gepackt hat, wie die Arkadien-Reihe. Fakt ist aber: ich werde sofort und gleich mit dem dritten und letzten Teil beginnen. Und das liegt nicht nur an dem Cliffhanger am Ende des zweiten Bandes.

Es gibt mehrere Ebenen, auf denen verschiedene Sachlagen verhalndelt werden und deren Zusammenhänge erst nach und nach aufgeklärt werden können. Rosas Aufgabe als Clanchefin, die Funktion des Familienanwalts, Rosas Beziehung zu ihrer Mutter, die Vergewaltigung, der Hunrige Mann und natürlich die zutiefst skeptisch betrachtete Beziehung zwischen Alessandro und Rosa. Alles ist wichtig und steht gleichermaßen im Mittelpunkt. Es herrscht eine Ausgewogenheit zwischen diesen Aspekten, wie ich sie selten sehe, und die dafür sorgt, dass vor allem die Liebesgeschichte nur dann ins Kitschige abdriftet, wenn es ausnahmsweise sein muss.

Das spannende ist, dass jede geklärte Frage gleich einen Haufen neuer Fragen provoziert und weder Rosa, Alessandro oder eine andere Figur der Geschichte, noch der Leser selbst alles zu einem stimmigen Gesamtbild zusammenfügen kann. Dafür fehlt einfach noch zu viel Information. Wir erfahren von Rosas Mutter zwar mehr darüber, wie ihr Vater die Familie verlassen hat, aber konkret kann auch sie mangels Wissen nicht werden. Es ist an Rosa, an allen verschiedenen Ecken nach Informationsfetzen zu suchen und diese dann zusammenzuführen. Der Spannungsbogen und die konstanten Wendungen, die die Geschichte vornimmt, führen zu einem wirklichen fesselnden Leseerlebnis. Wie ich schon nach Beenden des ersten Teils gehofft hatte, werden viele Vorlagen daraus weiter ausgebaut.

Rosa ist eine tolle Protagonistin, die sich nicht nur durch ihre zynische Art von anderen Figuren abhebt, sondern auch durch ihre Handlungen, die man als Leser nie vorausahnen kann, weil sie immer wieder etwas tut, womit man nicht rechnet. Außerdem entwickelt sie sich in diesem Teil wirklich extrem weiter und wird zu einer immer stärkeren Persönlichkeit.
Alessandro entwickelt sich ebenfalls - wenn auch vielleicht nicht ganz so deutlich. Ich hatte auf jeden Fall den Eindruck, dass er zwar nach wie vor seine Aufgabe als capo ausführen will, aber nachdem sowohl Tano als auch Caesare tot sind, scheint er nichts mehr zu haben, was ihn wirklich richtig antreibt. Er kam mir etwas resigniert vor; vor allem angesichts der Tatsache, dass an allen Ecken Todesgefahr lauert.

Ein besonderes Highlight dieses Buches sind die Nebenfiguren. Diese sind nicht nur für den Handlungsverlauf von enormer Bedeutung, sondern richtig facettenreich und spannend ausgestaltet. Ob das jetzt Iole ist, die sechs Jahre in Gefangenschaft verbracht hat und die Welt deshalb trotz ihrer 16 Jahre wie ein kleines Kind sieht, dabei eine Abgeklärtheit besitzt, die dazu in krassem Widerspruch steht, oder deren Privatlehrerin, die aussieht wie ein graues Mäuschen, es im Zweifel aber faustdick hinter den Ohren hat. Und selbst die Figuren der "anderen" Seite, die bösen, die Rosa nichts Gutes wollen, sind nicht auf ihre reine Funktionalität beschränkt; allgemein ist die Geschichte keine schwarz-weiß - Malerei, was ich sehr sehr begrüße.

Der Schreibstil ist ebenfalls absolut fesselnd. Allein die Beschreibungen der Landschaften - sei es die überwältigende Weite Siziliens oder das chaotische New York - sind so eindringlich und detailliert, ohne zu auslandend zu sein, dass man sich perfekt in die Situationen eindenken kann. Gerade diese Art der Beschreibungen lassen aber auch die schrecklichen Dinge erst so schrecklich wirken, was mich mehrmals nach Luft schnappen ließ. Aber die schönen und lustigen Momente erhalten dadurch genauso ihre Lebhaftigkeit.

Die einzelnen Puzzelteile sind nach Beenden der Lektüre noch verworrener und verwirrender als vorher. Aber ich habe große Hoffnungen ins Grande Finale. Mit diesem Buch sind auf jeden Fall alle meine Wünsche für eine Fortsetzung in Erfüllung gegangen. 4 Wölkchen deshalb von mir.


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