12.10.2014

[Rezi] Maggie Stiefvater - Nach dem Sommer

Erscheinungsjahr: 2009
Originaltitel: Shiver
Genre: (Jugend-)Fantasy
Reihe: Wölfe-von-Mercy-Falls-Reihe, Teil I
Seitenzahl: 420


Teaser:
Nun war ich schon so weit in den Wald gegangen; ein Stück weiterzulaufen, um vielleicht meinen Wolf wiederzusehen, würde jetzt auch nicht schaden. Ich rannte zum Haus zurück - nur kurz, um mir meine Schuhe anzuziehen - und lief wieder hinaus in den kühlen Herbsttag.



Handlung
Pünktlich zum Kälteeindbruch erscheinen sie jedes Jahr in den Wäldern von Mercy Falls. Wölfe. Die nachts im Wald so laut heulen, dass Grace jeden Abend fasziniert zuhört. Die jeden Frühling spurlos verschwinden, nur um im nächsten Winter wieder aufzutauchen. Für Grace ist das die schönste Zeit im Jahr, denn mit den anderen Wölfen erscheint auch immer ein ganz spezieller Wolf - ihr Wolf, wie sie ihn nennt. Der Wolf mit den gelben Augen, der sie vor Jahren, als sie ein kleines Mädchen war, vor einem Angriff des Rudels gerettet hat und seitdem jeden Winter hinter ihrem Haus sitzt und sie beobachtet. Genauso wie Grace ihrerseits bei jeder Gelegenheit Ausschau nach ihm hält.

Eines Tages beschließen die Männer der Stadt, die Wölfe zu jagen - vor kurzem haben diese nämlich einen Jungen aus Graces Schule angegriffen und getötet, weshalb sie als Gefahr für die Bevölkerung angesehen werden. Grace versucht, die Jagd zu verhindern, aber einige Schüsse treffen trotzdem. Auch ihren Wolf, der sich verletzt bis vor ihr Haus schleppen kann. Aber dort ist er plötzlich gar kein Wolf mehr, sondern ein Junge - nur seine besonderen Augen lassen keine Zweifel an seiner Identität.

Meine Meinung
Puuuh, es fällt mir sehr schwer, dieses Buch einzuschätzen. Die ersten zwei Drittel fand ich wirklich nicht so gut, aber das Ende hat es da tatsächlich nochmal überraschenderweise komplett rausgerissen, sodass ich ernsthaft am Überlegen bin, dem zweiten Teil der Reihe zumindest noch eine Chance zu geben.

Mein größter Kritikpunkt liegt wohl in der Gestaltung der Figuren. Diese bleiben nämlich so farb- und formlos wie Lösungsmittel. Im Grunde haben nur Grace und Sam mehr als eine einzige Eigenschaft, die sie auszeichnet; die übrigen Charaktere bekommen maximal eine. Überhaupt sind die Nebenfiguren so dermaßen lieblos gestaltet, dass ich teilweise wirklich überrascht war, wie dieses Buch von allen so geliebt werden kann. Da erfährt man ja teilweise nichts außer dem Namen, obwohl die Figur für das Fortschreiten der Handlung relativ wichtig ist. Aber das ist eben das Problem: meistens werden sie auf ihre reine Funktionalität hin in die Geschichte gebracht und wenn man sie nicht mehr braucht, erscheinen sie halt auch nicht mehr. Zum Beispiel Graces Eltern, die nie zu Hause sind, sich aber auch nicht abmelden oder sonst in irgendeiner Form am Leben ihrer Tochter teilhaben. Auch nicht, als sie angegriffen wird! Von einem Wolf! Die Eltern sind so dargestellt, als wären sie der Meinung, man kann sich einfach ein neues Kind bei IKEA holen, wenn das alte kaputt ist. Und ich finde, das liegt einzig und alleine daran, dass der Fokus fast schon fanatisch auf Grace und Sam liegt und alleine ihre Beziehung entwickelt werden muss. Als könnte Grace nicht zu mehreren Menschen gleichzeitig eine emotionale Bindung haben, müssen die Eltern halt aus dem Weg, sobald Sam da ist. Also werden sie einfach als ignorante Rabeneltern konzipiert.

Überhaupt kleben Grace und Sam die ganze Zeit zusammen und es passiert eigentlich nicht wirklich viel - mal abgesehen von den ständigen blutigen Unfällen. Sam ist ein armer, sensibler Werwolf, der verzweifelt versucht, seine Verwandlung zu unterdrücken, und Grace ist die pflichtbewusste Vorzeigetochter, die mit Sam zusammen plötzlich fast rebellisch wird.
Es gibt viele, viele Ungereimtheiten in der Handlung, was meiner Meinung einfach an der Flachheit dieser Geschichte liegt.

Auch der Schreibstil konnte mich nicht wirklich überzeugen. Ich fand ihn ein bisschen zu gewollt philosophisch und gezwungen tiefgründig, während meistens doch nur bekannte Bilder verarbeitet wurden und die Handlung an sich - wie ja schon erwähnt - eben das genaue Gegenteil von tiefgründig war. Hohle Worte und wenig Substanz dahinter.

Im letzten Drittel dann allerdings änderte sich alles ein bisschen, als plötzlich tatsächlich etwas passierte und durch ein paar unerwartete Wendungen richtig Spannung aufgebaut wurde. Deshalb fällt mein Gesamturteil nicht so streng aus, wie es sich eigentlich angekündigt hatte und wahrscheinlich werde ich irgendwann dem zweiten Teil wirklich eine Chance geben. Aber fürs Erste reicht es mir mal mit diesen Werwölfen hier. 2 Wölkchen von mir.

Kommentare:

  1. Eine ehrliche Rezension. Bisher hat mich das Buch auch noch nicht angesprochen, glaube aber auch nicht, dass dies wirklich etwas für mich ist. Die Bücher um Werwölfe und Vampire etc. sind einfach nicht ganz mein Genre. Wünsche dir noch einen schönen Sonntag.

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    1. Ehrlichkeit muss ja sowieso sein. Ich versuche aber immer, relativ diplomatisch zu sein xD
      Ich muss auch zugeben, dass es bei mir eher eine Verlegenheitswahl war. Naja :D

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  2. Ich fand nicht mal das Ende so besonders toll. Insgesamt hab ich das Buch sehr rasch in 1-2 Tagen durchgelesen, aber es war wohl genau wie bei dir nicht wirklich mein Fall. Ich fand die Idee an sich mit den Wölfen und allem ziemlich cool, die Umsetzung war mir aber irgendwie zu softie ^^. Insgesamt wars mir zu schleichend und nichtssagend. Auch wenn die Reihe besser werden soll, werde ich die Reihe nicht fortsetzen; andere Bücher von Maggie Stiefvater sprechen mich auch nicht so an. ^^

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    1. Ja, mir sind ihre Bücher auch richtig unsympatisch geworden, seit ich dieses Buch gelesen habe xD Die Idee an sich fand ich auch echt cool und sogar ein bisschen innovativ, aber die Geschichte ist so lieblos gestaltet... das beste daran ist noch das Cover xD

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