24.11.2014

[Rezi] Justin Cronin - Die Zwölf. Passage-Trilogie, Teil II

Erscheinungsjahr: 2013
Originaltitel: The Twelve
Genre: Science Fiction
Reihe: Passage-Trilogie, Teil II
Seitenzahl: 832


Teaser:
Die Erste dieser Kreaturen soll unter euch wandeln in Gestalt eines tugendhaften Mannes und das Böse in sich verbergen, und es soll sie befallen eine Krankheit, sodass er einem Dämon gleiche, furchtbar anzusehen. Er soll der Vater der Zerstörung sein und auf den Namen Zero hören.


Achtung! Spoilergefahr!*Achtung! Spoilergefahr!*Achtung! Spoilergefahr!*

Handlung
Von den urspünglichen 12 Testpersonen, die jeweils ihr eigenes Viral-Gefolge erschaffen haben, sind nach dem ersten Teil nur noch 11 übrig. Weil mit dem Tod dieser ursprünglichen 12 auch alle von ihnen abstammenden Virals sterben, ist die naheliegende Mission, nacheinander diese 11 umzubringen, um so die Menschheit von der ständigen Gefahr zu befreien.

Doch bevor e der Kampf gegen die Virals geschildert wird und die Geschichte der Protagonisten des Vorgängerbandes weitergeht, werden durch mehrere Zeitsprünge in die verschiedenen Stadien der Katastrophe, die die USA zerstört hat, nocheinmal veranschaulicht, welche Konsequenzen das Virus für die Menschheit in den verschiedenen Entwicklungsstufen hatte.

Irgendwann landen wir dann wieder in der interessanten Zeit, nämlich im Jahr 97 n.V., wo wir sowohl auf Amy als auch zum Beispiel auf Peter, Alicia oder Caleb treffen, die nach dem Kampf gegen Babock die unterschiedlichsten Plätze in der sich neu formierenden Gesellschaftsordnung gefunden haben. Oder im Fall von Alicia vielleicht eher neben der Gesellschaft stehen. Jedenfalls ist das erklärte Ziel, die Virals zu zerstören, um endlich wieder eine sichere Gesellschaft errichten zu können.

Meine Meinung
Der erste Teil dieser Trilogie hat mich ja nicht wirklich vom Hocker gehauen - zu viele Längen, zu viele unnötige Teilhandlungen und allgemein einfach viel zu klobig kam der daher. Weil mich aber die letzten 300 Seiten nochmal absolut eingenommen haben und das Ende richtig krass war, dachte ich, dass dieser 800-Seiten-Schinken auf jeden Fall einen Versuch wert ist. Und mein Optimismus wurde nicht enttäuscht.

Zuerst fällt positiv auf, dass in einem religiös anmutenden ersten Kapitel nochmal die wichtigsten Ereignisse aus Band 1 zusammengefasst werden. Ist man dann wieder auf einem guten Stand, gehts gleich erstmal wieder in das Jahr des Viral-Ausbruchs, was perfekt ist, um wieder in diese brutale Weltuntergangsstimmung reinzufinden, die sich mehr oder weniger durch das gesamte Buch ziehen wird. Die letzten Überlebenden versuchen irgendwie, vor den mit Leichen übersähten Städten zu fliehen und sich irgendwie zu retten. Besonders gut an diesem Teil hat mir die Schilderung der verschiedenen menschlichen Reaktionen auf ein solch traumatisierendes Erlebnis. Dieser Einblick in die Psyche hat mir sehr gut gefallen und schon direkt meine Stimmung positiv beeinflusst.

Danach geht es weiter. Damit, dass sich diverse Gruppierungen zusammenfinden und versuchen, ein neues System zu erschaffen, nach dem die Menschen sicher leben können. Dass das nicht so leicht ist, versteht sich ja von selbst. Und dann passiert es auch noch, dass es dem menschlichen Geschlecht leider immanent zu sein scheint, Macht gerne auch mal zu missbrauchen und das Wohl einiger weniger über das Wohl aller zu stellen. Folter, Intrigen, aber auch Rebellion und Mut sind großen Themenschwerpunkte.

Kritikpunkte habe ich aber leider trotz allem ein paar. Zum einen sind wirklich viele krasse Schilderungen von Gewalt in diesem Roman enthalten. Ob es jetzt um ein Massaker der Virals oder um eine brutale Vergewaltigung geht, stellenweise ist dieses Buch nichts für schwache Nerven. Was mir aber viel schwerer im Magen liegen geblieben ist die Aktivität der Rebellen. Selbstmordattentate, denen Unschuldige zum Opfer fallen, sind deren Hauptaufgaben und gerade in der heutigen Zeit ist das ein sehr sensibeles Thema, das für mich nicht reflektiert genug behandelt worden ist. Vor allem, weil man als Leser klar die Position der Rebellen einnimmt und deren Tun grundsätzlich unterstützt, denn sie kämpfen gegen das repressive Regime. Aber mal ehrlich: alle, die mit Sprengstoffgürteln in Menschenmengen gehen, sind der Meinung, sie tun das Richtige und befreien sich von der Unterdrückung. Bei wem liegt die Deutungsmacht um Gut und Böse, richtig und falsch? Das kam viel zu kurz.

Amys und Alicias Entwicklungen finde ich besonders stark in diesem Buch. Und es gibt außerdem die eine oder andere überraschdende Wendung. Ganz zu schweigen von dem fulminanten Showndown. Wie auch im Vorgängerband war das Ende auch hier mit Abstand am stärksten. Und mit dem Ende meine ich die letzten 200 Seiten. Auch wenn ich fast den gesamten Monat für dieses Buch gebraucht habe - das war es wert. 4 Wölkchen von mir!


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